Warum ich den Koran nicht einmal kostenlos lese

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist zur Zeit eine islamische Organisation unterwegs und versucht, 25 Millionen Exemplare des Korans in deutscher Übersetzung unters Volk zu bringen. Kostenlos. Wer Interesse hat, kann ja mal sehen, ob seine Stadt auf dem Tourneeplan steht.

Ich bin ein begeisterter Leser, und „kostenlos“ hat in meinen Ohren eine höchst positive Konnotation. Dennoch werde ich mir kein Exemplar abholen und insbesondere keines lesen. Warum nicht?

  1. Ich mag es nicht, in Großbuchstaben mit dem Befehl „LIES!“ angeschrien zu werden. Erstens bin ich grundsätzlich nicht sehr empfänglich für Befehle, und noch viel weniger wenn diese mich auch gleich duzen. Die Koranverteiler könnten ja wenigstens „Lesen Sie!“ oder – so würde es langsam erträglich – „Lesen Sie doch bitte!“ schreiben.
  2. Das „Im Namen Deines Herrn“ ist anmaßend aus zweierlei Gründen. Erstens die apodiktische Behauptung von der Existenz eines Herrn. Zweitens der Gipfel der Selbstüberschätzung der Plakatgestalter, die ganz frech behaupten, in dessen Namen zu sprechen. Da dieser „Herr“ höchstwahrscheinlich nicht existiert – oder nach Friedrich Nietzsche schon tot ist – kann man sich leicht als angeblicher Stellvertreter des alten Herrn generieren. Mit der gleichen Logik könnte ich diese Position als vollmachtloser Vertreter einnehmen und ein herzliches „Lest nicht!“ entgegenschleudern.
  3. Eigentlich ist es für den Lesebefehl nicht wichtig, aber die Akteure fanden es anscheinend hilfreich, zu behaupten daß dieser „Herr“ derjenige ist, „der Dich erschaffen hat“. Ich habe mich nochmal bei meinen Eltern vergewissert und beide haben mir glaubhaft versichert, daß keine dritte Person bei meiner Erschaffung im Spiel war.
  4. Zudem – und das wird die muslimischen Befehlsgeber freuen – habe ich mir den Koran vor Jahren sogar schon mal gekauft und ein wenig lustlos darin herumgelesen. Ich fand es nicht sehr erhellend, auch nicht besonders sprachgewandt und insgesamt nicht interessant. Aber das ist ein rein persönliches Werturteil, das ich niemandem aufdränge.
  5. Ich bin grundsätzlich ein bißchen skeptisch gegenüber Büchern, die keinen Autor haben, der zu seinem Werk steht bzw. die anonym veröffentlicht wurden.

Der rohe Befehlston verbunden mit der maßlosen Selbstüberschätzung fürt also dazu, daß mich selbst dieses kostenlose Angebot nicht zu locken vermag. Der Koran schafft es trotz dieser Aktion nicht auf meine Bücherwunschliste. Ob der Islam eine friedliche Religion ist, wird sich in den nächsten Wochen daran zeigen, ob bei mir ein Paket mit etwas ganz anderem als einem Buch eintrifft.

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About Andreas Moser

I am a lawyer in Germany, with a focus on international family law, migration and citizenship law, as well as constitutional law. My other interests include long walks, train rides, hitchhiking, history, and writing stories.
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13 Responses to Warum ich den Koran nicht einmal kostenlos lese

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  2. Avatar von Puseratze Puseratze sagt:

    Ja, sie haben in allen Punkten Recht!
    Ein ganz besonderer Blickwinkel!

  3. Avatar von Unverantwortlich Unverantwortlich sagt:

    Ich habe Den Koran teilweise gelesen, und mir ist seit dem nur noch schlecht, aber nun weiss ich wenigstens was in den muslimischen Gehirnen ab geht.
    Nur wer von dem ,,Bösen,, weiss, kann sich vorbereiten.

  4. Avatar von Falschleser Falschleser sagt:

    Ich habe beim ersten Blick auf das Bild das englische Wort für Lügen statt den Imperativ für lesen… Das würde ja wieder passen.

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  8. Avatar von hanselmar hanselmar sagt:

    Ich habe den Koran gelesen und wundere mich warum das nicht auch alle Politiker gemacht haben. Haette Angela Merkel den Koran gelesen wuerde Sie niemals gesagt haben:“Der Islam gehoert zu Deutschland.“

    • Da bin ich anderer Meinung.

      Der Islam gehört schon wegen Art. 4 Grundgesetz zu Deutschland. Genauso wie alle anderen Religionen.

      Außerdem halte ich nichts davon, Religionen nach Büchern zu beurteilen, die vor mehr als tausend Jahren geschrieben wurden.
      Wenn man sich all die Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten ansieht, die in der Bibel propagiert werden, könnte man genauso skeptisch auf das Christentum blicken.

      Aber ich persönlich bin ja sowieso Atheist und fände, dass die Welt ohne Religionen besser wäre. 🙂

  9. Avatar von hanselmar hanselmar sagt:

    Zum Islam gehoeren auch die Scharia Gesetze und die vertragen sich in keiner Weise mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Daher kann das GG nur fuer Leute gelten die dieses auch anerkennen und nicht bekaempfen wollen. Nach dem 30 jaehrigem Krieg hat das Christentum etwas dazu gelernt und der Papst ruft nicht mehr zum heiligen Krieg auf. Es gibt schliesslich den „Westfaelischen Frieden von 1648.“Der gilt jedoch nicht fuer den Islam.

    • 99,73% der Muslime machen auch keinen heiligen Krieg. (Und der aktuelle Krieg in Europa wurde von Christen begonnen.)
      Ich würde da die Religion nicht überbewerten. Vor allem, weil die meisten Menschen sich ja gar nicht bewusst und theologisch fundiert für eine Religion entscheiden, sondern einfach in dem gleichen Verein bleiben wie ihre Eltern. Das ist ja mehr Folklore als Glauben.

      Die Scharia ist kein einheitlicher Rechtskodex, sondern Regeln, die je nach Scharia-Schule unterschiedlich ausgelegt werden. Und viele davon gelten nicht einmal in muslimischen Ländern.

      Sonderregeln haben in Deutschland im Wesentlichen nur die christlichen Kirchen, die sich Ausnahmen von dem sonst für alle geltenden Rechtsrahmen vorbehalten.
      Das ist die eigentliche Parallelgesellschaft (die sich allerdings von der Mehrheitsgesellschaft kräftig bezahlen lässt).

      Das Grundgesetz muss für alle gelten, die in Deutschland leben. Das wäre ja absurd, wenn man Gesetze durch Nichtanerkennung ablehnen könnte. Dann würden die meisten Deutschen wohl ziemlich schnell die Straßenverkehrsordnung und das Einkommenssteuergesetz nicht mehr anerkennen.

  10. Avatar von hanselmar hanselmar sagt:

    Da stellt sich doch die Frage welchen Fuehrerschein haben eigentlich die Reichsbuerger?

    • Die eher dämlichen Reichsbürger kaufen das beim eher geschäftstüchtigen Reichsbürger. Derjenige nimmt dafür Euro, obwohl er auf YouTube immer wettert, dass der Euro keine richtige Währung sei.

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