Widersprüchliche Signale

Wenn man sein Haus mit $-Zeichen schmückt, aber ein Schild anbringt, dem zufolge das Haus nicht zu verkaufen ist.

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Fotografiert in der Avenida 6 de Agosto in La Paz, Bolivien.

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Humboldt entdeckte den anthropogenen Klimawandel

Als Alexander von Humboldt im Jahr 1800 durch Venezuela reiste, berichteten ihm Anwohner vom dramatisch sinkenden Wasserspiegel des Valencia-Sees. Er stellte eine Theorie auf, die Abholzung, sinkende Wasserspiegel und (Mikro-)Klimawandel verband. Darauf aufbauend sagte er später voraus, dass menschliche Eingriffe zu unumkehrbaren Klimaveränderungen führen würden, was die Lebenschancen zukünftiger Generationen beeinträchtigen würde. Humboldt war einer der ersten Wissenschaftler, die sich nicht nur für bestimmte Pflanzen oder Tiere oder ein begrenztes Ökosystem interessierten, sondern die ein globales, zusammenhängendes Ökosystem sahen, in dem auch der Mensch eine (destruktive) Rolle spielt.

Einige Zitate aus dem höchst interessanten Buch Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur von Andrea Wulf:

In der Mitte des Tals und umgeben von Bergen lag der Valencia-See. Darin gab es etwa ein Dutzend felsige Inseln, einige davon groß genug, um als Weideland für Ziegen und zur Landwirtschaft zu dienen. Bei Sonnenuntergang erweckten Tausende von Reihern, Flamingos und Wildenten den Himmel zum Leben als sie den See überflogen, um auf den Inseln zu nächtigen. Alles sah idyllisch aus, aber die Anwohner berichteten Humboldt, dass der Wasserspiegel des Sees rapide falle.

Als Humboldt der Sache nachging, kam er zu dem Schluss, dass das Abholzen der umliegenden Wälder die Ursache des sinkenden Wasserspiegels sei. Plantagenbesitzer hatten Bäume gefällt, um Land freizulegen, und damit war das Unterholz des Waldes – Moos, Reisig und Wurzeln – verschwunden. Das dadurch freigelegte Erdreich war den Elementen ausgesetzt und konnte kein Wasser mehr speichern.

All das war ‚aufs Engste miteinander verbunden‘, schloß Humboldt, denn in der Vergangenheit hatten die Wälder das Erdreich vor Sonneneinstrahlung geschützt und dadurch die Verluste durch Verdunstung reduziert. Hier, am Valencia-See, entwickelte Humboldt seine Idee vom von Menschen verursachten Klimawandel.

Am Valencia-See begann Humboldt die Abholzung in einem größeren Zusammenhang zu verstehen und projezierte seine lokale Analyse in die Zukunft, um davor zu warnen, dass die landwirtschaftlichen Methoden seiner Zeit verheerende Konsequenzen haben könnten. Das Handeln der Menschheit rund um den Globus, warnte er, könnte zukünftige Generationen beeinträchtigen. Was er am Valencia-See sah, würde ihm wieder und wieder begegnen – von der Lombardei in Italien bis in den Süden Perus, und viele Jahrzehnte später in Russland. Indem Humboldt beschrieb, wie die Menschheit das Klima veränderte, wurde er ungewollt zum Vater der Umweltbewegung.

Humboldt erklärte als erster die grundlegenden Funktionen des Waldes für das Ökosystem und das Klima: Die Fähigkeit der Bäume, Wasser zu speichern und die Atmosphäre mit Feuchtigkeit zu versorgen, ihre schützende Funktion für den Boden und ihre kühlende Wirkung. Er sprach auch schon über die Wirkung der Bäume auf das Klima über die Abgabe von Sauerstoff. Die Auswirkungen der menschlichen Intervention seien ‚unkalkulierbar‘, schrieb Humboldt, und würden katastrophal werden, wenn der Mensch die Welt weiterhin so ‚brutal‘ behandele.

Es war eine ökologische Kettenreaktion. ‚Alles‘, sagte Humboldt später, ‚interagiert miteinander und wirkt wechselbezüglich‘. Die Menschheit, warnte er, habe die Macht, die Umwelt zu zerstören, und die Folgen wären katastrophal.

Aus heutiger Sicht ist das keine spektakuläre Erkennntnis. Aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts brach es mit der menschenzentrierten Sichtweise der Welt und mit dem optimistischen Glauben, dass jede menschliche Intervention immer zum Fortschritt führen würde.

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„Warum hat niemand auf mich gehört?“

(Vielen Dank an den Leser Rodrigo Perez Garcia, der mir dieses faszinierende Buch geschickt hat! Falls sich noch jemand für diesen Blog erkenntlich zeigen will, hier ist meine Wunschliste. Vielen Dank schon vorab! – Read this article in English.)

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Meine Halbmarathons

Ein Halbmarathon ist etwas mehr als 21 km lang, also ein ausgedehnter Spaziergang. Von Zeit zu Zeit fühle ich mich fit genug, diese Strecke zu laufen. Im Folgenden meine bisherigen Ergebnisse und die nächsten Lauftermine.

  • 4. April 2004 – Amberg, Deutschland – 2:02:06 (2 Stunden, 2 Minuten, 6 Sekunden)
  • 10. April 2005 – Amberg, Deutschland – 1:47:44
  • 14. September 2008 – Eschenbach, Deutschland – 1:59:40
  • 26. Oktober 2008 – Ljubljana (Laibach), Slowenien – 1:53:19
  • 23. November 2008 – Monterrey, Nuevo León, Mexiko – 2:02:45
  • 28. März 2010 – Waltham Forest, London, Großbritannien – ungefähr 2 Stunden (keine genaue Messung)
  • 20. Februar 2011 – Eton, Berkshire, Großbritannien – 1:57:10
  • 12. Mai 2013 – Trakai, Litauen – 2:04:23
  • 26. Oktober 2014 – Danilovgrad nach Podgorica, Montenegro – 1:59:56
  • 13. März 2015 – Jerusalem, Israel – 1:53:30
  • 4. April 2015 – Brașov (Kronstadt), Rumänien– 2:32:49
  • 19. April 2015 – Budapest, Ungarn – 1:45:42
  • 24. Mai 2015 – Targu Mureș (Neumarkt am Mieresch), Rumänien – 2:10:34
  • 6. Juni 2015 – Baile Tusnad, Rumänien (23 km lang und 900 Höhenmeter hinauf) – 2:06:10
  • 14. Februar 2016 – Urubó nach Porongo, Santa Cruz, Bolivien – (Anscheinend maß hier niemand die Zeit.)
  • 28. Mai 2017 – Costa da Caparica, Lissabon, Portugal –

Die Zeiten sind zugegeben nichts Besonderes. Aber viele der Routen gingen durch hügeliges Terrain oder sogar in die Berge, andere Male durch Schnee oder Sand. Ich laufe lieber in schöner Umgebung als dass ich besonders schnell bin.

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Eigentlich ist das Ganze nur ein Vorwand zum Reisen. In der zweiten Jahreshälfte 2017 werde ich deshalb hauptsächlich Halbmarathons in Ländern auswählen, in denen ich bisher noch nicht war. Belarus, Ukraine, Armenien und der Irak sind besonders verlockend.

(Click here to read this list in English.)

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Romantik im Alter

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Fotografiert in Copacabana am Ufer des Titicaca-Sees in Bolivien.

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6% oder 7% – auf jeden Fall zu viel

In dem Film Spotlight wurde die Studie von Richard Sipe zitiert, nach der mindestens 6% aller katholischen Priester pädophil sind und dies ausleben. Die Recherchen des Boston Globe bestätigten das, und in meiner Filmbesprechung stellte ich die Frage, wieso dies in Deutschland anders sein sollte.

Bestätigt wurde die Zahl jetzt in Australien. In den vergangenen 30 Jahren haben dort 7% der katholischen Priester Kinder sexuell missbraucht. Und nicht nur Priester, sondern auch Ordensangehörige, sowohl Mönche als auch Nonnen, und Nichtgeweihte.

Da weder die USA noch Australien so wahnsinnig kulturell verschieden von Deutschland sind, stelle ich erneut die Frage: Warum sollten es in Deutschland weniger sein? Das wären aktuell zwischen 850 und 950 Priester. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele Fälle auch in diesen Recherchen nie ans Tageslicht kamen, und dass die meisten Priester mehrere Kinder missbrauchten oder vergewaltigten, manchmal Dutzende im Lauf ihrer Karriere. Die Zahl der Opfer liegt also weit höher.

Wenn man sich nur die bekannt gewordenen Fälle ansieht, wird deutlich, dass es um ein weit verbreitetes Verhalten, das innerkirchlich kaum geheim gehalten werden kann, und ein systematisches Vertuschen geht. Dabei liegen die Zahlen der Gerichtsverfahren und Verurteilungen in Deutschland weit hinter den tatsächlichen Fällen, weil es keine Anzeigepflicht gibt, und weil die Verjährungsfristen relativ kurz sind. In Deutschland macht sich strafbar, wer einen Raub, eine Brandstifung oder eine Geldfälschung nicht anzeigt (§ 138 I StGB), aber wer von einer fortgesetzten Kindesmisshandlung weiß, kann darüber straflos schweigen. Dazu kommt, wie in allen Rechtskreisen, die Scham der Opfer und die Angst, dass einem nicht geglaubt werde.

Man muss es so deutlich sagen: Die größte Gefahr für Kinder in Deutschland geht nicht von Terroristen, freilaufenden Wölfen oder Schluckimpfungen aus, sondern lauert in katholischen Kirchen, Schulen, Kindergärten, Internaten und Jugendgruppen. Wenn sich ein neuer Träger für ein Kinderheim oder eine Schule bewürbe und zugäbe, dass mindestens 6% seiner Mitarbeiter pädophil sind, würde er niemals eine Zulassung als Schulträger erhalten.

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„Wenigstens diskriminiere ich nicht aufgrund der Hautfarbe.“

(Dieser Artikel erschien auch im Freitag.)

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Filmkritik: „Hell or High Water“

Woran The Hateful Eight scheiterte, das gelingt Hell or High Water: die Wiederbelebung des Westernfilms. Das macht man eben nicht mit bluttriefender Gewalt oder mit Schauspielern aus dem Handbuch der Klischees, sondern mit starken und gut gespielten Charakteren und mit dem, was einen Westernfilm ausmacht, nämlich Landschaftsaufnahmen. Ob Prärie oder Kleinstadt, hier wird etwas aus der Umgebung gemacht, die bei Quentin Tarantino noch durch ein Kammerspiel vergeudet wurde.

Es ist ein Film über Bankräuber, also wird natürlich hin und wieder geschossen. Aber hier ist man keinem überflüssigen und gehirnlosen Kugelregen ausgesetzt wie in anderen Möchtegern-Westerns. Hell or High Water ist sogar ziemlich lustig, ohne dass es ins Lächerliche abgleitet.

Hoffentlich wird der Film ein kommerzieller Erfolg, damit sich wieder mehr Regisseure und Produzenten an Western-Filmen versuchen anstatt an der 13. Verfilmung irgendeines dämlichen Comics.

(Read this review in English.)

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Kunst in Montenegro

Mit der balkantypischen Kappe und dem herabhängenden Schnurrbart ist es schon fast zu viel der Stereotype, aber so sieht Kunst in Montenegro aus.

Art Montenegro

Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit den Köpfen von der Osterinsel, nicht wahr?

(Fotografiert im Garten des Winterpalasts in Podgorica, Montenegro.)

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