Mord auf der Osterinsel

“Bist Du hier, um den mysteriösen Todesfällen nachzugehen?“ wurde ich kurz nach meiner Ankunft auf der Osterinsel gefragt. Der Eindruck von dem friedlichen Paradies im Pazifik war damit dahin.

“Nein” antwortete ich, aber neugierig war ich schon geworden. In den folgenden Tagen sollte ich ausreichend Beweisen für eine grausame Mordserie begegnen.

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Ja, das ist ein umgestürzter Moai im Hintergrund. Die Mörder müssen die Steinstatue umstürzen, weil sie glauben dass diese sie sonst bei ihrer Tat beobachtet.

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Manche dieser Szenen würden gute Postkartenmotive abgeben.

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Der Friedhof auf der Osterinsel ist ein schönes Beispiel für den Synkretismus, die Vermischung unterschiedlicher Kulturen: Rapa-Nui-Figuren halten christliche Kreuze in ihren Armen.

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Auf dem Rückflug nach Santiago eine Woche später blieben einige Plätze frei. Man wird wohl bald mehr Skelette auf der Osterinsel finden. Vielleicht gibt es mal eine Staffel CSI Osterinsel.

(Read this in English.)

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Die kleine Literaturliebhaberin

Das Museum in Narihualac war geschlossen, und so blieb mir nur ein Spaziergang durch die staubigen Straßen des kleinen Dorfes, das Beobachten einer der in Peru alltäglichen religiösen Prozession und der Besuch einiger Bars, um Schatten, Wasser und Chicha zu tanken.

By Edward John Allen

Für mich war der Chicha zu stark, aber die Kinder des Dorfes leerten den Krug in Sekundenschnelle.

By Edward John Allen

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Die wichtigste Industrie in Narihualac ist allerdings nicht der Alkohol, sondern die Anfertigung von Hüten, die unter dem Namen des 1500 km entfernten Panama bekannt sind. Also schaute ich noch in einem Hutladen vorbei. Ich war fasziniert von einem Ausstellungsstück mit einem Durchmesser von mindestens einem Meter.

By Edward John Allen

Die Tochter der Hutmacherfamilie war mehr fasziniert von meinem Hut, der die 11.500 km aus Transsylvanien nach Peru gereist war. Sie wollte den Gabor-Hut unbedingt anprobieren und gab ihn nur widerwillig zurück.

By Edward John Allen

Von da an wich mir Margarita, das 10-jährige Mädchen, nicht mehr von der Seite, obwohl mir zwei etwa gleichaltrige Jungs zuriefen, ich solle lieber sie als ortskundige Führer engagieren, denn das Mädchen sei schlecht in der Schule. Apropos Schule, „wieso bist Du nicht in der Schule?“ fragte ich. Es war Montag. „Heute ist frei“ antwortete sie und da überall Kinder herumliefen, blieb mir nichts anderes übrig, als es zu glauben.

Das neugierige Mädchen fragte mich aus über Europa, ob ich schon mal in einem Flugzeug war, welche Sprachen ich spräche, wie viel mein Hut gekostet hat, wohin ich als nächstes reise, ob sie den Hut nochmal aufsetzen dürfe, ob ich Haustiere habe, wieso ich so groß sei, ob es in Europa schon Tablet-Computer gäbe und ob ich Spiele in meinem Telefon hätte.

Schließlich wollte Margarita wissen, was mein Beruf sei. Gegenüber Erwachsenen erkläre ich auf diese Frage manchmal das Konzept des Freelancing oder des digitalen Nomaden. Aber auch wenn ich es einfach halten will, stehen mir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Jurist, Übersetzer, Publizist, Blogger, Journalist, Spion. In anderen Sprachen fällt es mir leichter, das im Deutschen großspurig klingende Wort Schriftsteller zu verwenden. So antwortete ich, dass ich ein escritor sei.

Das Mädchen macht einen Satz und zwei Schritte nach vorne, stellt sich mir in den Weg und sieht mich mit einem begeisterten Blick an, Augen und Mund weit aufgerissen vor Staunen: „Sie schreiben Geschichten?“ Sie könnte nicht entzückter sein, wenn sie einen Astronauten vor sich hätte.

„Ja.“

„Und Romane?“ fragt sie hoffnungsvoll.

„Noch nicht“ beginne ich zu erklären.

„Aber Sie werden einen Roman schreiben?“ Und bevor ich antworten kann: „Schreiben Sie auch Fabeln?“

In diesem Moment, in einem staubigen Dorf in der Sechura-Wüste, bei über 35 Grad Hitze, während ein kleines Mädchen in Sandalen alle ihr bekannten Literaturgattungen durchgeht wie andere Kinder in diesem Alter nur Fernsehsendungen oder Fußballspieler und dabei den Eindruck macht, dass Schriftsteller der großartigste Beruf auf Erden ist, beschließe ich, nach dieser Reise nicht mehr in meinen Beruf als Rechtsanwalt zurückzukehren, sondern mich ausschließlich dem Schreiben zu widmen.

Egal wenn die meisten Erwachsenen anders reagieren, mit „häh?“ anstatt „wow“, mit der Frage nach dem finanziellen Ertrag, nach Krankenversicherung oder Altersvorsorge anstatt mit Neugier und Begeisterung. Egal dass fast niemand mehr Geschichten liest, sondern die meisten Menschen nur mehr gedankenlos durch ihre Handys scrollen. Egal dass mir selbst Freunde immer wieder raten, ich solle doch Videos von meinen Reisen machen, weil sie zu faul zum Lesen sind.

Alles egal. Ich will schreiben und erzählen und erklären. Und wenn es nur eine Handvoll Menschen gibt wie die junge Literaturliebhaberin in Peru, dann ist es die Mühe wert.

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(Danke an Edward Allen für die Fotos. Bald gibt es mehr davon.  – Click here for the English version of this story.)

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Lottolokomotive

– Du hast Deinen Lokführerschein wohl im Lotto gewonnen?

– Wie hast Du das gemerkt?

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In dem Roman Zwölf Stühle von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow wird beschrieben, wie die Sowjetunion auf von Orchestern begleiteten Dampferfahrten Lotterieanleihen unters Volk zu bringen versuchte. Anscheinend fand dieses Spektakel auch mit Zügen statt.

(Fotografiert im Grutas-Park in Litauen.)

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Schneepflugzug

Es hat die ganze Nacht geschneit und eine meterdicke Schneedecke droht den Schienenverkehr lahmzulegen? Kein Problem: Man läßt einmal den Schneepflugzug quer durchs Land fahren, und schon herrscht wieder freie Fahrt.

Schneepflug1 Schneepflug2(Fotografiert in Gheorgheni, Rumänien.)

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Gefängnis für Schriftsteller: Literaturförderung in Rumänien

Blogger schreiben nicht deshalb nicht, weil ihnen nichts einfällt. Wenn dem so wäre, wären sie nie auf die Idee verfallen, die nichtsahnend durchs Internet streunende Restbevölkerung mit ihren ungefragt geäußerten Gedanken zu behelligen. Sie schreiben deshalb nicht, weil sie keine Zeit, keine Ruhe oder kein Geld haben. Der Mangel an letzterem führt nämlich dazu, seine Zeit anderweitig verkaufen zu müssen und statt für den Bachmannpreis für querulatorische Mandanten schreiben zu müssen.

Wenn Schreibende der nicht fest bezahlten Art sich treffen, fällt früher oder später der Satz „Man müsste mal ein halbes Jahr im Gefängnis sitzen, um ungestört schreiben zu können.“ Als jemand, der tatsächlich schon in einer dieser Einrichtungen war – wenn auch nur eine Woche, in der ich außerhalb der Verhöre keinen Zugang zu Papier und Stift hatte, und die Zeit deshalb nicht dergestalt nutzen konnte -, fand ich das immer etwas unangemessen.

Aber Rumänien hat diesen Schriftstellertraum wahrgemacht und gibt sogar noch Anreize zu sich schriftlich äußernder Kreativität. Wer in rumänischen Gefängnissen einsitzt, kann seine Haftzeit verkürzen indem er schreibt und publiziert. 30 Tage Haftverschonung pro wissenschaftlicher Arbeit. Und die Gefangenen schreiben tatsächlich. Im Jahr 2014 wurden 76 Bücher von Inhaftierten veröffentlicht, oftmals mehrere vom gleichen Autor. Plötzlich werden die Betrüger, Geldwäscher, Bestecher und Bestochene also kreativ.

Wenn Betrüger kreativ werden, geht das aber erwartungsgemäß über das eigentliche Schreiben hinaus. Wie schon bei der Anfertigung ihrer Diplom- und Doktorarbeiten heuern sie Ghostwriter an, die Monat für Monat ein Buch raushauen. Auf Qualität kommt es dabei übrigens gar nicht an, denn es zählen nur Umfang und Anzahl der Veröffentlichungen. Der Inhalt wird nicht kontrolliert. So verwundert es nicht, dass hauptsächlich Politiker und Manager, die in Rumänien zuhauf – aber immer noch nicht ausreichend – im Gefängnis sitzen, von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Sie haben das Geld, um „wissenschaftliche Mitarbeiter“ zu beschäftigen. Ein Teil der anderen Gefangenen kann hingegen nicht einmal richtig lesen und schreiben.

Bei aller Kritik an diesem ungerechten System: Anders als unter Ceausescu wandern heute wenigstens nicht mehr die Schriftsteller ins Gefängnis, sondern Kriminelle kommen als Schriftsteller aus dem Gefängnis. Und vielleicht ist ja doch einmal ein gutes Buch dabei. Rumänien bringt nämlich literarische Talente aus den unerwartetsten Ecken hervor, wie der frühere Wirtschaftsminister Varujan Vosganian mit seinem Buch des Flüsterns bewiesen hat.

Ich schreibe diese Zeilen im Park in der Bolyai-Straße vor dem Gefängnis in Targu Mures, habe aber nicht genug Kreativität, um mir eine Straftat auszudenken, die ich spontan begehen könnte, die niemandem wirklich schadet, die bei meinem lausigen Vorstrafenregister schon zu einer Haft- anstatt einer Geld-, jedoch noch nicht zur Todesstrafe führt. Etwas Besonderes sollte es auch noch sein, denn genauso wenig wie man eine langweilige Schnulze hinrotzen will, möchte man eine Allerweltsstraftat begehen. In die Abendnachrichten oder das rumänische Äquivalent der NStZ sollte ich es schon schaffen. Zu Weihnachten wünsche ich mir ein rumänisches Strafgesetzbuch, um meine Kreativität anzuregen.

"Die habe ich alle selbst geschrieben."

„Die habe ich alle selbst geschrieben.“

(To the English version of this article.)

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Vorstadt

– „Wie schreibt man ‚Vorstadt‘?“

– „Wie man es spricht.“

Moskauer Vorstadt Riga

(Fotografiert im Stadtteil „Moskauer Vorstadt“ in Riga, Lettland.)

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Wenn Ihr – wie ich – der Meinung seid, ich schreibe nicht genug und nicht schnell genug, dann nehmt Euch doch einfach mal die Hunderte von Beiträgen aus den vergangenen Jahren vor. Da gibt es genug Stoff für eine ganze Woche. Man wünscht sich fast ein gebrochenes Bein, um für die Lektüre eine Woche im Bett liegen zu können.

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