Nicht ganz 1000 km, aber ein guter Anfang

Ich bin schon öfter per Anhalter gefahren, aber nur kurze Strecken. Meist auf dem Rückweg von langen Wanderungen, wenn ich keine Lust mehr hatte, ein paar Stunden durch die Dunkelheit zu stapfen. Selbst der bisherige Rekord lag bei weniger als 50 km.

Schon lange wollte ich es ernsthafter angehen und längere Strecken trampen, habe mich aber nicht richtig getraut. Damit meine ich nicht die Angst vor unbekannten Fahrern oder davor, ermordet zu werden. Aber ich bin nicht so spontan, wie ich gerne wäre. Nicht zu wissen, wo ich die nächste Nacht verbringe, das beunruhigt mich. Immer hatte ich Ausreden parat: zu kalt, zu viel Gepäck, ich muss pünktlich ankommen.

Und dann ist am Samstagmittag die universitäre Exkursion in Ypern zu Ende, ich habe noch kein Bahn- oder Busticket, und ich entscheide ganz spontan, per Anhalter nach Bayern zurückzufahren. (Die Bahn war ein bisschen teuer, und 12 Stunden im Bus halte ich nicht aus.) Keine Weltreise, aber schon ein ganzes Stück. Vom Westen Belgiens bis in den Südosten Deutschlands.

hitchhiking from Ypers to Ammerthal

Ich bin gespannt.

Gleich zu Beginn schummele ich ein bisschen. Eine Kommilitonin wohnt in Gent, und ich frage, ob sie mich von Ypern nach ebendort mitnehmen könne. Was soll ich mich mit einem Schild neben die alten Schützengräben stellen, wenn man auch fragen kann? Und im Vergleich zu der vor mir liegenden Strecke ist es nur ein kleines Teilstück.

„Klar“, sagt sie, und erzählt während der Fahrt davon, wie sie früher selbst durch ganz Europa getrampt ist. In der abenteuerlichen alten Zeit, vor Interweb und Google Maps. Für den Ruhestand plant sie eine Reise mit dem LKW nach Tadschikistan.

Lektion 1: Die wirklichen Abenteurer sind oft die stillen Mitmenschen, die nicht viel Aufhebens um sich machen und die Welt nicht mit ihren Blogs und Instagraph-Fotos nerven.

Als sie auf ein Dorf neben der Autobahn deutet und sagt „hier wohne ich“, merke ich, dass sie eigentlich gar nicht bis nach Gent muss. Aber sie fährt mich direkt zum Südpark, wo die Autos aus Gent auf die Autobahn fahren. „Hier ist ein Kiss+Ride-Parkplatz, da können die Autos anhalten. Da vorne ist eine Ampel, also kommen die Autos immer wieder zum Stehen. Die Autobahn führt in mehrere Richtungen, also ist es besser, wenn du ein Schild benützt. Wenn du nach Deutschland willst, schreib einfach ‚Aken‘ drauf, das ist der niederländische Name für Aachen.“

Die professionellen Ratschläge beruhigen und motivieren mich gleichzeitig. „Willst du noch etwas zu Essen mitnehmen?“ fragt sie, und die Hilfsbereitschaft überwältigt mich. Ich lehne dankend ab, was ich bald bereuen werde.

Lektion 2: Schüchternheit ist immer ein Fehler.

Eine halbe Stunde stehe ich an der mir ebenfalls ganz gut erscheinenden Stelle, halte mein Schild hoch, lächle freundlich. Die Fahrradfahrer drehen sich um, um mein Schild zu lesen, aber das hilft mir nicht. Ein Auto mit deutschem AC-Kennzeichen kommt, ich jubiliere schon innerlich, aber der Fahrer kurbelt das Fenster herunter und ruft mir zu, dass er leider in die ganz andere Richtung fahre. Sonst reagiert niemand.

Ich verändere meinen Standort, gehe von Jules de Bruyckerdreef zur Franklin Rooseveltlaan, nur ein kurzer Sprung über die Straße. Nach weniger als fünf Minuten hupt ein BMW-Kombi schon von weitem, signalisiert mit der Lichthupe, dass mein Warten ein Ende hat und fährt links ran.

Lektion 3: Wenn Ihr nicht wegkommt, liegt es meist am Standort, nicht an Euch. Am besten ist ein Platz, wo man Euch von weitem sieht und in Ruhe anhalten kann. Setzt Euch ein zeitliches Limit und verändert dann den Standort.

Es ist ein freundlicher, distinguierter Herr, der so aussieht, wie ich aussehen würde, wenn ich noch Rechtsanwalt wäre: weiß-blau-kariertes Hemd, burgunderfarbener Pullover, Brille.

Er fährt nach Eindhoven. Das ist in den Niederlanden, wo ich eigentlich nicht hin will. „Das ist schon irgendwie Richtung Deutschland“, sagt er, und man merkt, dass er unbedingt einen Anhalter mitnehmen will. Na gut, Maastricht liegt ja auch auf dem Weg nach Aachen. Hauptsache, es geht nach Osten, nach Süden komme ich später immer noch.

Der Herr erzählt, dass er früher auch getrampt sei, und beklagt, dass man heutzutage nicht mehr so viele Anhalter sehe. Dabei sei es so gut für die Umwelt, wenn sich mehrere Menschen eine Fahrt teilen. Ein Öko ist er aber nicht, dafür stören ihn Verbote zu sehr. Das Dieselfahrverbot, das Tempolimit, und außerdem sei es doch schade, dass die Jugendlichen heute so wenig Alkohol tränken. „Meine jugendlichen Kinder wissen gar nicht, wie es ist, besoffen zu sein. Was ist das für ein Leben?“ Der Gesundheitswahn hat seiner Ansicht nach die Kirche ersetzt, die auch nur mit Furcht vor dem Unbekannten operiert habe. Früher war es das Fegefeuer, jetzt ist es das Fett.

Er schwärmt vom Trappistenbier von Westvleteren. Als ich sage, dass ich es gekostet habe, glaubt er mir zuerst nicht, bis ich die Flasche und den Erwerbsprozess beschreibe. Aber Jan, der Couchsurfing-Gastgeber in Ypern, hat sich immer wieder bei der Abtei Sankt Sixtus gemeldet, bis er zwei Kisten des schon öfters zum weltbesten Bier gewählten Getränks abholen durfte. Die Flaschen tragen kein Etikett, und niemand darf mehr als zwei Kisten pro Quartal erwerben, wenn überhaupt. Weiterverkauf ist verboten.

„Wow, das war aber ein wirklich netter Kerl, dass er dir dieses Bier vorsetzt“, ist der Fahrer ganz erstaunt. Er selbst bewirbt sich ständig um wenigstens eine Kiste, ist aber schon seit zwei Jahren nicht mehr zum Zug gekommen. Wir stimmen überein, dass Belgien das weit bessere Bier als Deutschland hat. Er erklärt mir, dass es am deutschen Reinheitsgebot liegt. Schon wieder so ein dämliches Verbot.

Ich erzähle ein bisschen von Ypern, das er von Fahrradtouren gut kennt. Als er von den Strapazen des Kemmelbergs erzählt, kann ich ihm sogar einen neuen Tipp für den nächsten Ausflug dorthin geben: die ehemalige belgische Militärkommandozentrale unter dem Kemmelberg, die jetzt als Museum zugänglich und ganz interessant ist.

Der Fahrer ist tatsächlich Jurist, arbeitet aber als Banker und baut Einkaufszentren von Bukarest bis Moskau. Wir unterhalten uns ganz prima, von Millionär zu Student. Vielleicht ist er einfach so nett und offen, vielleicht liegt es am ähnlichen Habitus. Dann muss er mich auch schon an einer Autobahnkreuzung rauslassen, er besucht jetzt seine Eltern auf dem Land und freut sich auf den Rotwein.

Lektion 4: Ich glaube, manche Menschen nehmen Anhalter auch deshalb mit, weil es sie an ihre eigene unbeschwerte Jugend erinnert.

Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Aber die Nachmittagssonne scheint kräftig und schön, so dass ich mich orientieren kann, wo Osten ist. Da muss ich hin, und ich stelle mich vor die richtige Autobahnauffahrt. Es ist keine gute Stelle, die Autos kommen schnell um die Kurve, nicht viel Platz zum Halten. Ich sollte wohl einen anderen Standort suchen.

Aber schon hält ein Auto mit „vier intellektuellen Frauen“, wie sie sich selbst vorstellen. Sie sind Psychologinnen oder so. Die beiden auf der Rückbank machen Platz, eine erzählt, dass sie kürzlich von Spanien durch Frankreich nach Belgien getrampt sei.

Lektion 5: Alle sagen, dass sie kaum mehr Anhalter sehen, aber wenn man sich umhört, praktizieren es doch ziemlich viele Leute. Vielleicht sieht man sie kaum, weil sie nicht allzu lange warten müssen?

Die Fahrerin stellt die Beifahrerin als Sängerin der Band Smooth Wing vor. Sie sind auf dem Weg zu einer Party in Eindhoven, heute allerdings nur als Gäste, nicht als Musiker. Deshalb haben sie Zeit und fahren mich, obwohl es einen Riesenumweg bedeutet und schon teilweises Murren im Auto gibt, auf die Autobahn nach Maastricht und setzen mich an der Raststätte ab. Sie machen sich große Sorgen, wie ich den Sturm Dennis überleben werde. Weil ich auf Exkursion war, habe ich eine Woche keine Zeitungen gelesen und deshalb gar nichts vom drohenden Weltuntergang mitbekommen. Mist. Oder gut. Denn vielleicht hätte ich dieses Wissen wieder als Ausrede genützt, um den Autostopp-Plan abzusagen.

Zum Abschied bitten sie mich, der Welt zu erzählen, dass mir vier belgische – nicht niederländische – Mädchen geholfen hätten, weil sie gegen den angeblichen Ruf der Belgier als unfreundliche Menschen ankämpfen wollen. Ich kenne Belgien jetzt schon ein bisschen und finde die Leute sehr freundlich. Gut, das mit dem Kongo war nicht ganz korrekt, aber was können die kontemporären Belgier dafür?

Jetzt stehe ich also an der Tankstelle Haasje an der A2. Es wird immer dunkler, nicht wegen des Sturms, sondern weil es Nacht wird. Das Schild „Aken – Germany“ gilt noch immer, weit bin ich nicht gekommen. Ich stelle mich unter eine Laterne und lächle. Mindestens eine Stunde lang.

Ich erinnere mich an Lektion 3 und gehe näher an die Tankstelle, wo die Autos noch langsamer fahren. Ein älterer Herr hält, um mir zu sagen, dass er leider auf der nächsten Ausfahrt runter muss. Ansonsten kein Erfolg.

Tja, jetzt muss ich wohl doch tun, was ich ungern tue: Leute ansprechen. Ein Auto mit Schweizer Kennzeichen steht auf dem Parkplatz, auf dem Beifahrersitz ein asiatischer Junge. Der Fahrer, ein anderer asiatischer Junge, kommt gerade aus der Tankstelle. Das ist meine Chance.

„Excuse me, are you going to Switzerland?“

„Yes.“

„Could you give me a ride to Germany?“

„Yes, sure.“ Und er bedeutet mir, einzusteigen. Keine Fragen, wer ich bin, wohin ich will, und keine Sekunde des Zögerns. Den Beifahrer fragt er gar nicht. Es stellt sich heraus, dass die beiden in Sankt Gallen wohnen, so dass wir auf Deutsch parlieren können.

Lektion 6: Wenn ich den Fahrer nicht angesprochen hätte, wäre er an mir vorbeigelaufen. Dabei war er durchaus hilfsbereit. Aber ich werde es immer wieder erleben, dass Fahrer nicht von sich aus die Initiative ergreifen.

Allerdings sprechen wir nicht viel, denn die beiden Jungs kommen aus Amsterdam, sind noch in Partystimmung und hören ziemlich laut ganz schreckliche Musik. Hip Hop, Macarena und solche Sachen. Ich hätte den Smooth-Wing-Frauen eine CD abkaufen sollen. Die beiden unterhalten sich in einer tibetobirmanischen Sprache und lassen mich in Ruhe.

Lektion 7: Als Gast im Fahrzeug richtet man sich nach den Fahrern. Wenn sie reden wollen, hört man zu. Wenn sie zuhören wollen, erzählt man. Wenn sie Radio hören wollen, ist man ruhig.

Aber die Fahrt geht gut voran. Der junge Tibeter fährt so einen 350-PS-Mercedes und chauffiert mich mit 200 km/h durch Deutschland. Er fährt wirklich gut. Schnell, aber nicht aggressiv, nie unsicher. Am liebsten würde ich auf der Rückbank einschlafen und bis in die Schweiz mitfahren.

Lektion 8: Ohne festes Ziel macht Trampen noch mehr Spaß.

An einem Rastplatz fragt der Fahrer, ob ich hier anhalten möchte. Ich verneine, fahre gerne noch ein Stück mit. So schnell und entspannt komme ich in keinem anderen Auto voran.

Er fährt weiter, fragt am nächsten Rastplatz wieder. „Wenn ich Sie nicht störe, fahre ich gerne noch ein Stück mit“, versuche ich die Fahrt zu verlängern. Ok, dann rast er weiter über zunehmend leere Autobahnen. Ich kann kein Tibetisch, aber manche Wörter erinnern mich an Sanskrit, und ich glaube zu verstehen, dass der Fahrer der nächste Dalai Lama ist, der sicherheitshalber im Schweizer Exil geparkt wird. Der Beifahrer ist sein Leibwächter, der eigentlich fahren sollte, aber vom Chef nicht ans Steuer gelassen wird.

Wir sind schon in Rheinland-Pfalz, und wieder fragt der Fahrer, ob ich an der nächsten Raststätte raus möchte. Na gut, ich sollte die Gastfreundschaft icht überstrapazieren. „Oh ja, hier ist es perfekt“, sage ich asiatisch-höflich, obwohl ich gar nicht weiß, wo wir sind. Und so steigen wir alle an der Raststätte Hunsrück aus. „Ich brauche auch eine Pause, ich kann nicht an einem Stück in die Schweiz fahren“, erklärt der Fahrer, und mir wird bewusst, dass ich schon seit einer Stunde seine Ruhepause hinausgezögert und damit die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährdet habe. Ups. Die beiden Jungs wünschen mir noch viel Glück.

Ich esse erst einmal. Es ist etwa 22 Uhr, die Autos werden immer weniger, obwohl es ein großer Rastplatz ist. Aber noch habe ich keine Panik. Ich gehe raus auf den Parkplatz und spreche einen alten Mann mit Hut an, der gerade in sein Auto steigen will, obwohl er nicht sehr fahrtüchtig humpelt. TR sagt sein Kennzeichen, und wenn das für Traunstein stünde, so wäre es perfekt. Es steht für Trier, wovon ich gar nicht wusste, dass da noch Menschen leben, seit die Römer abgezogen sind.

Er würde mich gerne mitnehmen, sagt er, dass er nach Mainz fährt, was mir nicht helfen würde. „Das wird schwierig heute Nacht, weil Fastnachtssitzung ist“, erklärt er den mauen Autoverkehr. Na super, einmal trampe ich Langstrecke, und dann kommen Fasching und Unwetter zusammen. Die wenigen Autos verpasse ich dann noch, weil der Herr mit Hut sich eine ganze Stunde (!) mit mir unterhält. Er ist aus dem Egerland, das ich einigermaßen kenne, und wir unterhalten uns über Marienbad, Prag, Pilsen und Cheb, das er beharrlich Eger nennt. Er ist Germanist und Linguist mit einem Faible für Komparatistik, und wir fachsimpeln im heraufziehenden Sturm über den modernen Roman in verschiedenen Sprachfamilien, über finno-ugrische und baltische Sprachen und über die Illyrer. „Jetzt ist es so spät, da wird kein Auto mehr vorbeikommen“, bemerkt er, als er sich nach 23 Uhr endlich verabschiedet. „Wenn Sie nach Mainz wollen, können Sie gerne mitkommen. Aber ich habe keinen Strom und keine Heizung im Haus, weil das Dach gerade eingefallen ist. Ach, eigentlich will ich gar nicht nach Hause.“ Das habe ich gemerkt.

Lektion 9: Vielleicht hätte ich mich der Unterhaltung entziehen und stattdessen andere Fahrer ansprechen sollen. Aber ich bin ja nicht bei einem Wettrennen.

Allein stehe ich vor der Raststätte Hunsrück. Dass mitten in Deutschland so wenig los sein kann, hätte ich nicht gedacht. Wenigstens ist es nicht kalt. Aber langweilig. Wenn der Professor nicht ein paar großdeutsche Fantasien anklingen hätte lassen, wäre ich vielleicht sogar mit ihm mitgefahren.

Nur ein Auto kommt vorbei. Es ist ein Taxi, das hilft mir nichts. Ich ziehe den Daumen gar nicht aus der warmen Tasche.

Aber der Taxifahrer, der sich nur einen Kaffee geholt hat, hält genau vor mir an, rollt das Fenster herunter und fragt: „Soll ich Sie bis nach Frankfurt mitnehmen?“

„Oh, den Taxipreis kann ich mir aber nicht leisten.“

„Nein, nein, ich nehme Sie so mit!“

Da bin ich baff.

Er fragt mich, ob ich keine Angst hätte, bei fremden Menschen ins Auto zu steigen. Er würde so etwas nie machen. Dass er mich trotzdem mitnimmt, rechne ich ihm hoch an. „Naja, ich habe gerade Zeit. Es ist Samstagnacht, da fängt die Arbeit in Frankfurt erst ab 1 Uhr an.“ Gerade hat er zwei Spanierinnen zum Flughafen in Hahn gefahren, der Flughafen, der sich in täuschender Absicht Frankfurt-Hahn nennt und wo Touristen dann ohne Zuganbindung im Hunsrück stehen. 230 € hat sie die Fahrt gekostet, damit hätten sie auch im Zug nach Spanien fahren können.

„Wenn ich gewusst hätte, dass ich Sie mitnehme, hätte ich Ihnen auch einen Kaffee mitgebracht“, entschuldigt sich der Taxist, und ich merke, dass ich schon wieder an einen herzensguten Menschen gekommen bin. Aber eine Tirade muss der selbständige Taxiunternehmer dann doch loswerden, und er zieht her über Uber, die Gesetzesbrecher, über die Elektroroller, über die S-Bahnen, die jetzt sogar nachts fahren, und über Frankfurt: „Das will eine Weltstadt sein, aber hat keine einzige Taxispur.“ In den letzte zwei Jahren sei der Umsatz um 50% zurückgegangen. Die Fahrer von Uber tun ihm leid, die werden ja auch ausgebeutet, aber warum ein Unternehmen, das am laufenden Band gegen Gesetze verstößt, überall seine Werbung aufhängen darf, das versteht er nicht. „Das mit dem Kapitalismus geht mittlerweile zu weit. Studenten und Rentner fahren Autos, und der Konzern versteuert seinen Gewinn nicht einmal in Deutschland. Wenn jemand nicht mehr fahren kann, wird er fallengelassen. Der Mensch wird nur mehr nach seiner Produktivkraft beurteilt. Das ist unmenschlich.“

„Wenn Sie nach Bayern müssen, dann wäre es ja doof, wenn ich Sie nach Frankfurt in die Stadt fahre, oder? Da bringe ich Sie doch auf die andere Seite, auf die A3. Da bekommen Sie dann auf jeden Fall ein Auto nach Aschaffenburg, Würzburg, Nürnberg.“ Er kennt sich auch ohne GPS aus, das bekommen die Uber-Fahrer nicht hin.

Lektion 10: Eine Landkarte aus Papier ist hilfreich. Die Leute vertrauen mittlerweile ihren Navigationsgeräten so sehr, dass sie überhaupt keinen Gesamtüberblick mehr haben, welche Städte und Autobahnen in welcher Richtung liegen.

Er fragt, wo ich losgefahren bin. Ich erzähle, dass ich in Ypern zu einem Seminar über den Ersten Weltkrieg war. „Und alles hat da begonnen, wo ich herkomme“, antwortet er. Er ist aus Bosnien, und ab da unterhalten wir uns über die Jugoslawien-Kriege, die politische Lage in Bosnien, das reine Wasser der Drina und der Save und die Bücher von Ivo Andrić. Er ist so begeistert, dass ein Deutscher über den Balkan Bescheid weiß, dass er an der ersten Raststätte nach Frankfurt vorbeirauscht. Dabei muss er schon langsam zur Arbeit. Am Ende fährt er mich bis zum Rasthof Weiskirchen bei Hanau. 100 km im Taxi, kostenlos und mit sympathischer und spannender Unterhaltung.

Ich kann mein Glück noch immer nicht fassen, und bin frohen Mutes, dass es so weitergeht. Aber Weiskirchen Süd wird mein Bermuda-Dreieck. Um kurz zu machen, was sehr lange gedauert hat: Von Mitternacht bis 7 Uhr morgens stehe ich in der Kälte.

Zu spät denke ich ans Essen, der Burger King ist schon geschlossen. Einen aufgewärmten Bagel bekomme ich noch, aber er ist lauwarm und schmeckt fad. Ich könnte mich wohl einfach in die Ecke der Raststätte setzen, es kommt sonst sowieso niemand vorbei, aber ich will kein Auto verpassen.

Also stehe ich direkt neben den Zapfsäulen und spreche die Fahrer an. Viele sind es nicht. Die meisten Autos sind aus Holland und voll mit Kindern, anscheinend auf dem Weg zum Skifahren. Ich schaue immer auf die Kennzeichen und begrüße die Fahrer in ihrer Landessprache. „Goedemorgen.“ „Bună dimineața.“ „Good morning, Sir.“ Die Strategie hat keinen Erfolg, aber hält das Gehirn wach. Der Litauer, den ich mit „labas rytas“ begrüße, ist ganz schockiert. Platz hat er trotzdem nicht.

Stunde um Stunde vergeht, sehr langsam und lagweilig. Was, wenn mich niemand mitnimmt? Hier geht ja kein Bus oder kein Zug. Kann es sein, dass ich dann tagelang an der Raststätte bleiben muss? So wie Tom Hanks in Terminal? Es gibt eine Dusche, das habe ich schon eruiert. Essen gibt es ebenfalls, wenn auch zu überhöhten Preisen. Und jeden Tag die aktuelle Zeitung. Also eigentlich kein Grund zum Verzweifeln.

Lektion 11: Am Ende dieses Abenteuers werde ich 0 € für Fahrtkosten ausgegeben haben, aber mangels Vorausplanung muss ich Getränke und Essen an den teuren Raststätten kaufen. Also unbedingt vorher zum Supermarkt!

Es kommen so wenige Autos, dass ich ein Buch aus dem Rucksack hole und lese. Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque. Vielleicht wird die Mitnahmebereitschaft gegenüber einem intellektuell wirkenden Anhalter höher, denke ich. Vergebens.

Lektion 12: Nachts ist es definitiv schwieriger als tagsüber. Ich hätte wohl einfach schlafen und den nächsten Morgen ausgeruht beginnen sollen.

Ab 6:30 Uhr nimmt der Verkehr spürbar zu. Juhu! Und es scheint ein schöner, sonniger Tag zu werden. Um 7:15 Uhr frage ich den jungen Fahrer eines Steinmetz-Lieferwagens, ob er mich ein Stück Richtung Würzburg oder Nürnberg mitnehmen könne.

„Wenn das auf dem Weg nach Ungarn liegt, dann gerne.“ Das tut es, und ich bin endlich erlöst. Der Fahrer ist aus Rumänien, seine Frau sogar aus Târgu Mureș, wo ich einst gewohnt hatte. Er betreibt einen Steinmetzbetrieb in Köln und ist jetzt unterwegs nach Budapest, um eine Maschine abzuholen, die mit Wasser und Sand Steine schneiden soll. Was es alles gibt.

„Das ist aber auch eine lange Strecke“, sage ich.

„Ach, das ist gar nichts. Nachmittags um 4 Uhr sollte ich spätestens dort sein. Ich fahre öfters nach Rumänien, das ist noch weiter. Und einmal bin ich 3000 km am Stück gefahren, 36 Stunden, in die Türkei.“ Weil er in Österreich und Ungarn nicht rasen kann, will er jetzt Zeit gut machen. Mit 150 km/h jagt er den Kleinlaster über die Autobahn, auch über die Brücken, wo die Orkanböen zuschlagen. Dabei hat er die rechte Hand in der Hosentasche, und holt sie nur heraus, um mir auf seinem YouTube-Gerät Videos vorzuspielen.

Lektion 13: Wenn Technik wirklich intelligent wäre, dann würden sich die Handys von sebst ausschalten, sobald das Auto in Bewegung ist. Irgendwann stirbt noch jemand wegen dieser doofen Ablenkung.

Ich bin ziemlich schläfrig, aber zum Glück erzählt der Rumäne gerne aus seinem Leben und vor allem über seine Geschäfte. Jetzt ist er Steinmetz, aber früher hat er einen Bustransport zwischen Deutschland und Rumänien organisiert. 80 € von Haustür zu Haustür, das war ein unschlagbares Angebot. Und wenn er zu Familienbesuchen nach Rumänien fuhr, hat er das vorher im Internet angekündigt und Pakete mitgenommen. Es kamen so viele, dass er sich einen Anhänger kaufte. Den verkaufte er dann in Rumänien mit Gewinn.

Noch selten habe ich so jemanden Geschäftstüchtigen kennengelernt. Mit 13 Jahren fuhr er immer von Bistrița nach Bukarest, kaufte dort Kleidung und verkaufte sie am Markt in seiner Heimatstadt mit Gewinn. Dabei verdiente er so viel, dass er sich ein Auto leisten konnte. Natürlich war er zu jung, also meldete er es auf seinen Vater an und vermietete es an Jungs, die gerade den Führerschein gemacht hatten und Mädchen mit einem Auto beeindrucken wollten. Das Geschäft lief so gut, dass er mehrere Autos besaß, bevor er selbst fahren konnte.

Aber dann wollte die Stadtverwaltung in Rumänien zu viel „Gewinnbeteiligung“, und er zog nach Deutschland. Er kann den Unterschied noch immer nicht glauben: „Wenn ich in Rumänien zur Behörde gehe, fragen sie, wieviel ich zahle, noch bevor ich weiß, ob ich bekomme, was ich will. Wenn ich in Deutschland zur Behörde gehe, dann wollen die mir tatsächlich helfen!“

Am Parkplatz Ludergraben müssen sich unsere Wege leider trennen, denn der Business-Steinmetz fährt auf der A3 nach Regensburg, während ich auf die A6 nach Amberg abbiegen muss. Dummerweise ist das hier nur ein Parkplatz, keine Tankstelle, keine Raststätte. Es gibt also wenig Verkehr. Es stehen eine Menge LKWs herum, die ausweislich der Kennzeichen auch in die richtige Richtung, nämlich nach Tschechien fahren würden, aber es ist Sonntag. Zwangspause für viele LKW-Fahrer.

Nach wenigen Minuten, in denen ich ein Schild „A6 => Amberg“ hochhalte, merke ich, dass ich hier nicht wegkomme, wenn ich nicht forscher bin. Ich gehe zum ersten parkenden Auto, ein mediterran aussehender junger Mann macht vor seinem Kleinwagen Yoga-Dehnübungen und genießt den warmen Frühlingstag.

„Entschuldigen Sie, fahren Sie zufällig auf die A6 Richtung Amberg?“

„Ja.“

„Das ist ja perfekt! Könnten Sie mich mitnehmen?“

„Sehr gerne.“

Lektion 14: Ich glaube, bei schönem Wetter sind die Menschen freundlicher.

Er entschuldigt sich, dass er um 10:30 Uhr einen Termin in Cham hat, ansonsten würde er mich auch gerne bis nach Hause fahren. Aber so muss er mich an der Autobahnraststätte Oberpfälzer Alb rauslassen. Das passt eigentlich ganz prima, auf mehr hatte ich nie gehofft.

Er arbeitet als Bauzeichner, obwohl er in Syrien schon Bauingenieur war, was in Deutschland nicht anerkannt wird, so dass seine Zeit und seine Fähigkeiten vergeudet werden. Sams- und sonntags arbeitet er nicht nur, um den deutschen Wohnungsnotstand zu beheben, sondern auch um genug Urlaub anzusparen. Er möchte in die Türkei fahren und hofft, dass seine in Syrien verbliebenen Eltern und Verwandten ebenfalls in die Türkei kommen können. Seit vier Jahren hat er sie nicht gesehen.

„Meine Mutter ist in der Zwischenzeit gestorben“, sagt er, und seine Augen füllen sich mit Tränen. Meine auch.

Schweigend oder über Belangloses redend, kommen wir kurz vor Ursensollen ans Ziel. Noch einmal entschuldigt sich der Syrer dafür, dass er unter Zeitdruck steht und mich deshalb nicht ganz bis nach Hause fahren kann.

Lektion 15: Nicht nur weil es hauptsächlich Menschen mit Migrationshintergrund sind, die mich mitnehmen, habe ich an diesem Tag wieder gelernt, um wieviel ärmer Deutschland ohne Einwanderung wäre.

Den Weg von der Autobahnraststätte nach Hause kenne ich. In dieser Gegend gehe ich oft Wandern. Es sind etwa 5 km, gar kein Problem zu Fuß. Aber, um das Experiment bis zum letzten Schritt durchzuhalten, strecke ich immer den Daumen raus, wenn ein Auto vorbeikommt. Bei Ritzenfeld hält ein Jäger in seinem kleinen Geländewagen. Er kommt gerade von der Jagd, hat aber zum Glück kein blutendes Reh, sondern einen braven Hund im Auto.

Er muss eigentlich nicht wirklich nach Ammerthal, aber er fährt mich bis vor die Haustüre. Um 10:30 ist die Odyssee zu Ende. Etwa 20 Stunden war ich unterwegs, für 888 km. Wenn ich selbst gefahren wäre, hätte ich unterwegs schlafen müssen und wäre kaum schneller gewesen. Und ich hätte nicht gemerkt, wie viele gute Menschen es gibt.

Lektion 16: Auch wenn Ihr total pleite seid (wie ich), könnt Ihr so einen interessanteren Tag erleben als auf einer Pauschalreise. Und zwar gleich um die Ecke von zuhause.

Lektion 17: Jetzt, wo ich weiß, wie gut das klappt mit dem Trampen, gibt es kein Halten mehr. Eigentlich müsste ich so doch auch nach Indien kommen, oder?

Links:

Veröffentlicht unter Belgien, Deutschland, Reisen | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Mein Valentinstag

Es ist der herzchenüberfrachtete und geträllerzerstörte 14. Februar, aber für mich ein Arbeitstag wie jeder andere. Also gehe ich am Abend ins Café, um bei Torte, Mineralwasser und Zigarre ein Buch zu lesen.

Die gemütlichen Sofas sind leider schon besetzt mit Paaren, die sich selbst als Pärchen bezeichnen würden, so wie man Dummchen sagt, wenn man nicht wirklich weh tun will, oder Schnittchen, wenn man nicht wirklich satt wird.

Zwei Jungs, die auf der Musikhochschule allenfalls in Mikrofon und Lautsprecher graduiert haben, singen die kitschigen Songs (etwas mit „Love“ und „Heart“ und „Forever“) so schlecht, dass man sich stattdessen eine Wiederholung des Eurovision Song Contest wünscht.

Wie Galgen hängen Pappherzen von der Decke, natürlich in blutrot, die entweder Kindergartenkinder oder Chinesen oder chinesische Kindergartenkinder ausgeschnitten haben.

Die Mädchen sind noch mehr herausgeputzt und aufgedonnert als sonst. Die Jungs sind mal ohne Jogginghose und -schuhe ausgegangen. Auf den Tischen stehen Weinflaschen, denn an einem besonderen Tag muss man etwas Besonderes trinken. Dass das Besondere fast an jedem Tisch das Gleiche ist, ist ein Widerspruch, der entweder nicht auffällt oder nicht weiter stört.

Das wirklich Besondere bin ich, denn ansonsten traut sich in dieser Stadt anscheinend niemand allein aus dem Haus oder zumindest nicht ins Café. Nur zu zweit oder zu viert. Auch nicht zu dritt. Die Freunde sind hauptsächlich dabei, damit man sich gegenseitig fotografieren, die Fotos sogleich posten und unverzüglich kommentieren kann. Da eine Vierersitzgruppe mindestens vier Mobiltelefone hat, die alle mindestens ein Facebook, ein Instagraph, ein SnapApp und etliche WhatsUp-Gruppen haben, ist das fast ein Vollzeitjob.

Ich beobachte viele Paare, die an diesem vorgeblich romantischen Tag weniger Augen- und Gesprächskontakt untereinander als Klick- und Like-Kontakt mit einem Gerät (ebenfalls aus chinesischen Kinderhänden) haben. Wenn sie mal miteinander sprechen, dann, um sich kleine Bildschirme vor die Nase zu halten und bestätigende Kommentare für die vorgenommenen Verzierungen mit Herzen einzuholen. Die Herzen sind natürlich genau die gleichen, die all die anderen Paare hier und weltweit heute Abend verwenden.

Das ist in Ordnung. Wer so leben will, soll so leben. Aber man bezeichne diesen kitschigen, kommerzialisierten, kleinbürgerlichen Klamauk bitte nicht als romantisch.

Wer ein romantisches Leben führt, dem ist es egal, was er am 14. Februar macht. Und dem ist es erst recht egal, wieviele Likes er innerhalb einer Stunde bekommt.

Je mehr ich mich umsehe und je mehr Paare ich sehe, die bald heiraten werden weil ihre Freunde geheiratet haben, die bald ein Kind bekommen weil ihre Freunde Kinder bekommen, die sich für eine Eigentumswohnung verschulden werden weil ihre Freunde es ebenso machen, und die sich nach fünf bis sieben Jahren scheiden lassen weil die Hälfte ihrer Freunde sich scheiden lässt (und das ist noch die relativ glücklichere Hälfte), umso mehr erkenne ich, dass ich der einzig echte Romantiker hier bin, keine Ahnung davon habend, wo ich in einem Jahr sein werde.

Stadtmauer Kotor beleuchtet

Links:

Veröffentlicht unter Leben, Montenegro, Technik | Verschlagwortet mit , | 4 Kommentare

Lehren aus der Geschichte

Also, das hätte uns der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich fairerweise schon im Wahlkampf sagen sollen. Mit „aufgepasst“ meint er: „Wie komme ich mit Unterstützung der Nazis an die Macht?“

Kemmerich FDP Thüringen in Geschichte aufgepasst

Ebenfalls in Thüringen gab es 1930 übrigens die erste Regierungsbeteiligung der NSDAP. Ein schönes Geschenk zum 90. Jubiläum. Da war wohl Björn Höcke der Geschichtslehrer.

Links:

Veröffentlicht unter Deutschland, Politik | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Wann war noch mal der Zweite Weltkrieg?

Eine komische Frage, insbesondere von jemandem, der Geschichte studiert. Aber wenn man öfter im postsowjetischen Raum, also den Nachfolgestaaten der UdSSR unterwegs ist, kann man ins Zweifeln kommen.

Bevor Ihr weiterlest, haltet doch mal kurz inne und versucht, den Beginn und das Ende des Zweiten Weltkriegs zu benennen. Und dann seht Euch die Jahreszahlen auf diesen Mahn-, Gedenk- und Ehrenmalen an:

1941-19451941-1945 groß1941-1945 Cenotaph1941-1945 (1)

Die Fotos stammen aus Uman, aus Kiew und aus Odessa in der Ukraine sowie aus Sochumi in Abchasien. Aber Ihr findet solche Denkmale in fast allen postsowjetischen Staaten.

Wenn Ihr in der Schule ungefähr das Gleiche gelernt habt wie ich, dann habt Ihr den zweiten Weltkrieg höchstwahrscheinlich 1939 beginnen und 1945 enden lassen. Warum fehlen die ersten beiden Jahre auf den Kriegerdenkmalen aus der Sowjetzeit? War die Sowjetunion anfangs noch nicht am Krieg beteiligt?

Oh doch. Und wie! Kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen hatten das Deutsche Reich und die Sowjetunion im August 1939 zwar einen gegenseitigen Nichtangriffspakt geschlossen, der aber im geheimen Zusatzprotokoll eine ganze Menge Angriff auf die unglücklich zwischen den beiden Großmächten gelegenen osteuropäischen Staaten vorsah.

Schon im September 1939 überfiel die Sowjetunion Polen und besetzte den Osten des Landes. Zwei Monate später griff die Sowjetunion Finnland an, 1940 schnappte sie sich Estland, Lettland, Litauen und Teile Rumäniens.

Molotov-Ribbentrop

Aber diese Jahre, in denen die Sowjetunion mit Deutschland gemeinsame Sache machte und Osteuropa untereinander aufteilte, traten hinter die zweite Hälfte des Zweiten Weltkriegs so sehr zurück, dass sie komplett aus dem öffentlichen Gedächtnis getilgt wurden. Wenn in der Sowjetunion sozialisierte Menschen vom Zweiten Weltkrieg sprechen, dann meinen sie damit den Deutsch-Russischen Krieg, der im Juni 1941 mit dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion begann und im Mai 1945 endete.

Klar, jeder sieht sich lieber als Opfer denn als Aggressor, lieber als heldenhafter Verteidiger des Vaterlandes denn als ruchloser Nazi-Paktierer. Wenn man erst mit dem 22. Juni 1941 zu geschichtsschreiben beginnt, kann man das Narrativ vom „Großen Vaterländischen Krieg“ leichter aufrecht erhalten. Es wird bis heute tradiert. Die Familien der 1939 und 1940 gefallenen sowjetischen Soldaten haben kein Mahnmal, wo sie einen Kranz niederlegen können. Die Veteranen aus dem Finnlandfeldzug bleiben während der Parade am 9. Mai traurig zuhause, falls sie nicht das „Glück“ hatten, auch in Stalingrad oder in Kursk dabei gewesen zu sein.

Aus Sicht der Sowjetunion war das klar. Was aber bewegt die Nachfolgestaaten dazu, an dieser Erinnerungstradition festzuhalten? Denn die obigen Fotos zeigen nicht irgendwelche historischen Monumente, sondern diese Denkmale werden aktuell gepflegt, vor ihnen lodern ewige Flammen, und Blumenkränze werden niedergelegt.

Russland sieht sich nicht nur geopolitisch als Nachfolger der Sowjetunion, der Präsident verteidigte jüngst sogar den Hitler-Stalin-Pakt. Von Distanzierung, Aufarbeitung, Selbstkritik keine Spur. Geschichte wird für aktuelle Interessen instrumentalisiert, sie ist Teil der hybriden Kriegsführung.

Auch in den anderen Staaten wäre es nur theoretisch einfach, ein 1941 in ein 1939 zu ändern. Praktisch kompliziert ist aber die Folge, wenn man an einem Denkmal plötzlich nicht mehr nur der Helden, sondern auch der Angriffskrieger zu gedenken hat. Was würden die alten Veteranen sagen? Wenn die junge Bevölkerung auswandert, sind die Wählerstimmen der Alten wichtig. Also lässt man ihnen die Traditionen.

Besonders interessant fand ich diese Beobachtungen in der Ukraine:

Einerseits sieht sich das Land als Gegenpart zu Russland, befindet sich sogar ein bisschen im Krieg mit dem ewig nervenden Nachbarn. Mit der Sowjetunion will man hier eigentlich nichts am Hut haben, ganz im Gegenteil: Der Holodomor, die von der Sowjetunion verursachte Hungersnot, ist ein zentraler Baustein in der ukrainischen Geschichtsschreibung. Wenn es um Sprachpolitik geht, wird immer erwähnt, dass russische Zaren und sowjetische Kommunisten die ukrainische Kultur und Sprache unterdrückt hätten. Im Zweiten Weltkrieg versuchten ukrainische Aufständische, die Unabhängigkeit zu erkämpfen und verbündeten sich dafür zeitweise sogar mit den Nationalsozialisten.

Aber dann stehen überall Sowjetdenkmäler herum. Rote Fahnen, Hammer und Sichel, Leninorden, alles frisch getüncht, nicht seit 1991 verfallend. Und eben die Weltkriegsdenkmale mit den verfälschenden Jahreszahlen 1941-1945.

Zuerst ist man überrascht. Aber dann liest man und bemerkt, dass die Ukraine während der Zeit der Sowjetunion geographisch ziemlich anwuchs. 1939 profitierte die Ukraine vom Hitler-Stalin-Pakt und bekam Ostpolen zugeschlagen, später noch ein paar hübsche Landstriche von Rumänien und der Tschechoslowakei, ohne die die Ukraine gar kein richtiges Gebirge hätte. Und zuletzt ging 1954 die Krim von Russland an die Ukraine.

ukraine-growth

Soweit geht dann selbst bei den antisowjetischsten Ukrainern die Verteufelung der Sowjetunion nicht, dass man von den Eroberungen Stalins und den Grenzänderungen Chruschtschows nicht profitieren möchte. Und so tun möchte, wie wenn jene Gebiete schon seit Menschengedenken ukrainisch waren. Da passt eine Diskussion über die Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg vor Juni 1941 natürlich nichts ins Konzept.

Die Ukraine ist übrigens auch ein gutes Beispiel, um das so fix geglaubte Enddatum des Zweiten Weltkriegs in Frage zu stellen. 1945 war zwar weitestgehend Schluss mit Bomben, aber die UPA, die Ukrainische Aufständische Armee, kämpfte noch bis 1954 weiter gegen die Sowjetmacht. Sie hofften auf den Kalten Krieg (den bekamen sie) und auf militärische Unterstützung aus dem Westen (die bekamen sie nicht, wahrscheinlich weil sie dem US-Präsidenten nicht mit schmutzigen Tricks im Wahlkampf halfen).

Links:

Veröffentlicht unter Abchasien, Estland, Fotografie, Geschichte, Lettland, Litauen, Militär, Moldawien, Polen, Politik, Rumänien, Russland, Ukraine | Verschlagwortet mit , , , , , , | 12 Kommentare

Endlich ist Weihnachten wirklich vorbei

Die meisten Leserinnen und Leser dieses Blogs leben wahrscheinlich im Dunstkreis der unreformierten und reformierten Westkirchen und unter dem Einfluss des gregorianischen Kalenders, dem gemäß die drei Magier schon vor zwei Wochen den Weihnachtsspuk beendet haben.

Aber hier, in Odessa in der Ukraine, im Reich der Ostkirche und des julianischen Kalenders, wurden die armen Bäumchen erst gestern und heute auf die Straße gestellt.

Christmas tree (1)Christmas tree (2)

Links:

Veröffentlicht unter Christentum, Fotografie, Reisen, Ukraine | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Uman: Kommunismus oder Kitsch?

Eigentlich gibt es keinen Grund, nach Uman zu fahren. Es ist eine Kleinstadt wie Hunderte in der Ukraine. Aber weil sie halbwegs auf halbem Weg zwischen Kiew und Odessa liegt, entschloss ich mich zu einem Stopp mit Übernachtung.

Zum Hotel geht es über schlammige Straßen, vorbei an großen und klaffenden Schlaglöchern und kleinen aber kläffenden Hunden. Das Hotel hat fünf Stockwerke und sticht aus der Nachbarschaft mit Einfamilien- oder Halbfamilienhäusern hervor. Eine schlechte Investition oder Geldwäsche im großen Ausmaß.

HotelHaus halb

„105 Hryvnas Tourismusabgabe pro Tag“ addiert der Junge an der Rezeption etwa 4 € zur Rechnung, die sich damit um über 40% erhöht. Der Weg vom Busbahnhof zum Hotel war lang, aber ich konnte nichts erspähen, was eine Tourismusabgabe rechtfertigen würde.

Uman ist eher für das Gegenteil von Tourismus bekannt: Der Kolijiwschtschyna-Aufstand. Das Massaker an Juden und Polen im Jahr 1768. Die hinterlistige Überwältigung der Hajdamaken durch die Donkosaken. Die Kesselschlacht von Uman 1941, bei der die Wehrmacht und ihre ungarischen und rumänischen Helfer 20 sowjetische Divisionen zerschlugen. Der Holocaust. Die Uman-Botoșaner Operation der Roten Armee zur Zurückeroberung 1944. Das NKWD-Sammellager Nr. 33.

So deprimierend sich das liest, so sieht die Stadt aus.

deprimierend (10)deprimierend (11)deprimierend (1)deprimierend (9)deprimierend (8)deprimierend (6)deprimierend (4)deprimierend (7)deprimierend (2)addendum (1)addendum (2)addendum (3)

Dass die Fußgängerampel, wenn sie auf Grün schaltet, ganz schwach und leise Beethovens „Für Elise“ spielt, macht alles nur noch trauriger.

Auf der Hauptverkehrsstraße warten die Autos, bis ein herrenloser Hund den Zebrastreifen überquert hat. Dabei wollte er doch endlich Selbstmord begehen.

Auf dem Betonplatz vor dem Betonrathaus hat jemand die Kugel auf der Säule mit einem Smiley verziert, der seither grau und grundlos grinst.

Smiley

Weil Pogrome und Panzerschlachten nicht genug sind, gibt es noch ein Tschernobyl-Denkmal. Dabei war sogar Pripjat schöner als Uman.

An der Hotelrezeption liegen Visitenkarten aus, die „Massages for Men“ versprechen, aber neben der Telefonnummer steht der Name Pavel. Auf den habe ich jetzt keine Lust. Die Uhr im Zimmer 502 ist – wahrscheinlich schon seit Jahren – auf 14:37 Uhr stehengeblieben.

Ich gehe in den Supermarkt, um mir hochprozentiges Bier und hochzuckriges Süßgebäck zu kaufen, um mich schon nachmittags in den Schlaf zu trinken und zu essen. Anders weiß ich nicht, wie ich an einem solchen Ort den Suizid noch abwenden kann.

Im Supermarkt ist ein kleiner Tabakladen, eher eine Tabakecke. Eigentlich hatte ich schon zu Rauchen aufgehört, weil ich in der Ukraine meine Lieblingszigarren nicht fand und weil nach einmonatiger Reise langsam das Geld ausgeht. Aber ich versuche es noch einmal, so verzweifelt bin ich: „Haben Sie vielleicht Toscano-Classico-Zigarren?“

„Ja klar“, sagt die ältere Dame, räumt den Humidor aus und kramt von ganz hinten die letzte Schachtel der besten Zigarren der Welt hervor. In einer Kleinstadt in der ukrainischen Steppe! Solche Kleinigkeiten können mich ganz überschwenglich machen. In dieser Stimmung informiere ich die Verkäuferin, dass sie mein Leben gerettet hat.

„Gehen Sie doch in den Park der Dritten Kommunistischen Internationale, das ist ein schöner Ort zum Rauchen“, gibt sie mir auf den Weg, auf dem ich an weiteren Spuren der sowjetischen Vergangenheit vorbeikomme.

Aber ist es wirklich Vergangenheit? Im Westen glaubt man oft, dass alle im Osten den Kommunismus oder die Sowjetunion ablehnten, vielleicht weil es gerade die Oppositionellen waren, die zu uns geflohen sind. Aber am Denkmal für General Tschernjachowski ist der Lenin-Orden frisch geputzt und davor liegen dankbare Blumenkränze.

General Tschernjachowski.JPG

Auch die Schigulis, Novas und Nivas funktionieren noch einwandfrei. Nur der alte Krankentransporter tuckert etwas beunruhigend über die holprigen Straßen, wie wenn er selbst Hilfe bräuchte.

Auto1Auto2Auto3

Und dann bin ich schon beim Park.

Er ist so übergroß wie die Pläne der Kommunistischen Internationale einst waren, deshalb werfe ich zuerst einen Blick auf den Fünfjahresplan, der den Weg durchs marxistisch-leninistische Labyrinth weisen soll.

full

Oh ja, hier haben sich die Theoretiker ausgetobt, das sieht man gleich. Dabei haben sie etliche Kleinigkeiten übersehen. Noch gravierender als der Mangel an kapitalistischen Cola-Automaten ist, dass dieser Plan nur am Eingang hängt, so dass man sich später unweigerlich im Dickicht verläuft und nicht mehr weiß, welcher Weg richtig und welcher falsch ist. Die einstmals geeinte Wandergruppe spaltet sich dann in verschiedenen Fraktionen, und bald bekämpfen sich obskure Gruppen wie die Vereinigte Linke Opposition und die Linke Opposition der KPD.

Wald (1)Wald (2)

Ganz im Sinne der Komintern ist die alles umwälzende Umgestaltung der vorgefundenen Natur. Hier wurden Weißmeerkanäle gegraben, wo keiner sie braucht, und monumentale Bauten hingestellt, einfach weil man die Arbeitskraft hatte. Ein Sinn wird sich später schon finden, und notfalls hält man einfach den nächsten Weltkongress der Internationale dort ab.

Kanäle und Bauten (1)Kanäle und Bauten (2)Kanäle und Bauten (3)Kanäle und Bauten (4)Bauwerk gespiegelt.JPG

Lenin vermisste die Schweiz, also wurden die Berge anderswo abgetragen (seither ist die Ukraine weitgehend flach) und hier aufgeschüttet.

Berge.JPG

Trotzki, der immer vom Exil in der Karibik träumte, wünschte sich eine Insel. Also wurde eine Insel gebaut. Eine Insel ergibt kaum Sinn ohne Wasser, also wurde ein See angelegt.

Love IslandWasser223

Die Zahl 223 im Blumenbeet steht wahrscheinlich für die an der Kommunistischen Internationale beteiligten Parteien aus aller Welt. (Damals gab es noch viel mehr Staaten als heute, weil die Kapitalisten den Ersten Weltkrieg genutzt hatten, um die internationale Arbeiterklasse zu spalten und für alte und neu geschaffene Nationalstaaten kämpfen und sterben zu lassen. Genau daran war die vorherige Zweite Internationale gescheitert.) Wenn Ihr jetzt im Park Menschen mit Tarnanzügen seht, müsst Ihr nicht erschrecken. Es ist keine erneute Invasion aus Russland, es sind nur die Parkwächter, die sich im Sinne des proletarischen Kampfes kleiden.

Springbrunnen

Die Springbrunnen sind im Winter ausgeschaltet, aber die Metaphern sprühen wie ein Feuerwerk zum Jahrestag der Revolution. Wenn ein Teil des Parks für Reparaturen abgesperrt ist, so ist dies ganz im Sinne von Trotzkis Theorie der permanenten Revolution. Ein Amphitheater, in dem sich die heckenbereihten Serpentinenwege nach oben schlängeln, symbolisiert die auf dem Weg zum Kommunismus zu durchschreitenden Entwicklungsstufen.

Amphitheater

Weil sich das mit der Kommunistischen Internationale nicht mehr so gut verkauft (Ihr lest ja auch nur mehr oberflächlich mit, wenn Ihr ehrlich seid), kam der Stadtrat von Uman auf die sicherlich von Hollywood beeinflusste Idee, dem Park einen anderen Namen und eine andere Geschichte zu geben. Ein polnischer Graf soll den Park seiner Frau Sofia zum Geschenk gemacht haben, wobei der Park so schön werden sollte wie die Frau angeblich war. Deshalb heißt der Park jetzt Sofia-Park bzw. auf Ukrainisch Sofiyivka-Park.

Was für eine lächerliche und jämmerlich unfeministische Geschichte. Wenn die Frauen der Kommunistischen Internationale einen Park gewollt hätten, dann hätten sie sich selbst und kollektiv einen angelegt, dafür brauchen sie keinen bourgeoisen Macker. Aber sie wollten keinen Park, sondern patriotische Partisaninnen werden und preussische Panzer abschießen oder als Frontfräulein forsch durch feindliches Flakfeuer fliegen, jedenfalls irgendwas Heroisch-Alliteratives.

Aber Kitsch zieht mehr als Kommunismus, Gesülze mehr als Geschichte, und so findet sich die Sofia-Story mittlerweile in allen Reiseführern und auf den meisten Reiseblogs. Nur hier kämpfe ich unermüdlich für die Wahrheit.

Um die Besucher zu täuschen, sind im ganzen Park die Statuen von Marx und Engels, von Lenin und Stalin von grünen Blechbehältern umschlossen. Aber nur weggepackt, nicht zerstört, denn man weiß nie, was für Zeiten noch kommen werden.

grün1grün2grün3

Nur die politisch unverfängliche Statue von Perun hat Mut genug, sich öffentlich zu zeigen.

Perun Sofiyivka.JPG

Stellt Euch den Park übrigens mal im Frühjahr oder im Herbst vor, nicht im kalten Januar, das wäre ein bezaubernder Ort. Uman wird dadurch nicht insgesamt schöner, aber mindestens einen halben Tag könnt Ihr schon einen Halt einlegen. Der Zigarrenladen, falls Ihr ihn sucht, ist im Furschet-Supermarkt in der Velyka-Fontanna-Str. 31a.

Und das hier war der beste Platz zum Rauchen, so abgelegen, dass man unbehelligt von stalinistischen Säuberungsaktionen die Sonne und ein Buch genießen konnte:

smoking treesmoking and readingVogel.JPG

Praktische Informationen:

  • Falls Ihr unbedingt nach Uman wollt, geht das am einfachsten mit dem Bus von Kiew oder Odessa. Die Fahrpläne im Internet zeigen bei Weitem nicht alle Busse an. Geht einfach zum Busbahnhof, fragt nach Uman, und ich wette, in spätestens 20 Minuten fährt der nächste Bus. Von Kiew nach Uman zahlte ich 200 Hryvnas, von Uman nach Odessa 250 Hryvnas (gut, ich zahlte nur 230 Hryvnas, weil ich nicht mehr hatte, aber damit kommt Ihr vielleicht nicht bei jedem Fahrer durch).
  • Der Sofia-Park kostet 70 Hryvnas Eintritt (= 2,60 €), aber irgendwann ab Nachmittag finden die Parkwächter, dass das für die verbleibenden Stunden zu viel ist, und drücken beide Augen zu, wenn man durchs Tor marschiert.
  • Wenn Ihr den Park in Ruhe genießen und eine günstige Übernachtung finden wollt, fahrt nicht an jüdischen Feiertagen (nach dem Julianischen, nicht dem Gregorianischen Kalender) nach Uman. Das wäre jetzt zu kompliziert zu erklären, glaubt mir einfach.
  • Wenn Ihr ein Auto habt oder genug Ukrainisch/Russisch sprecht, um per Anhalter über die Dörfer zu fahren, bietet sich in der Umgebung das Museum der Strategischen Raketenstreitkräfte bei Pobuske an. Wenn Ihr als Paar reist, ist das eine gute Gelegenheit, um zu testen, ob die Freundin es ernst meint, wenn sie immer behauptet: „Klar sind deine Wünsche genauso wichtig wie meine.“

Links:

Veröffentlicht unter Fotografie, Geschichte, Reisen, Ukraine | Verschlagwortet mit , , , | 7 Kommentare

Kiew – Tag 21/21 – Bahnhof

Tja, so schnell vergehen drei Wochen. Schade.

Andererseits, zum Hauptbahnhof in Kiew gehe ich gerne, weil er so ist, wie Bahnhöfe sein sollten: Groß, majestätisch, gemütlich, rund um die Uhr geöffnet, und mit allem, was man zum Überleben braucht, von warmer Suppe bis zu Zeitungen.

kiev-train-station-11012017-136

Kiew Wartesaal erster Klasse

Wohin als nächstes?

Ich weiß es nicht, aber jedenfalls bleibe ich noch länger in der Ukraine, denn wer nur die Hauptstadt kennt, kann sich nie sicher sein, ob er das Land kennt (außer im Vatikan). Ich werde wohl einfach zum Bahnhof gehen, mich nach dem nächsten Zug erkundigen und spontan einen Fahrschein erwerben. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nach Pripjat oder nach Donezk geht.

Vielleicht spielt zum Abschied wieder die Militärkapelle:

Links:

Veröffentlicht unter Reisen, Ukraine | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare