Die Demokratie in Bolivien

Es gibt sie noch, aber …

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(Fotografiert in La Paz am Jahrestag des Verfassungsreferendums 2016.)

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Essen mit Aussicht

Es ist zwar nur ein Schnellimbiss in einer der Stationen des städtischen Seilbahnsystems in La Paz, aber die Aussicht auf den Illimani ist nicht schlecht.

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Ja, Seilbahnen sind hier Teil des ÖPNV.

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Tagesnotizen 8

  1. Ich verstehe nicht, wieso Supermärkte, übrigens überall auf der Welt, versuchen, mich zur Benutzung einer Greifzange zu zwingen, wenn ich ein paar Brötchen kaufen will.
  2. Die Geschichte der Infografiken in der Süddeutschen Zeitung hat doch glatt diejenigen von Alexander von Humboldt zu erwähnen vergessen. Da liest wohl jemand meinen Blog nicht aufmerksam.
  3. Das Buch Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur von Andrea Wulf war übrigens das beste Sachbuch, das ich letztes Jahr gelesen habe.
  4. Ihr erinnert Euch noch an meinen Artikel über die längstmögliche Zugreise und dass diese Portugal beginnt? Eine Leserin war dort und hat den Zug gefunden: train-lagos
  5. Mein Vater verweist als Antwort auf meine Religionskritik immer auf die angeblich gute Arbeit katholischer Missionare. Dazu etwas über die Verwicklung der Katholischen Kirche in den Völkermord in Ruanda. Wenn sich der Vatikan schon zu einer Entschuldigung durchringt, weiß man, dass es schlimm gewesen sein muss.
  6. Im Römischen Reich galten Christen anfangs übrigens als Atheisten.
  7. Das gefährlichste Land, in dem ich je gelebt habe, ist wahrscheinlich Malta. Letztes Jahr explodierten mindestens drei Autobomben, etwas das mir nicht ganz unbekannt ist.
  8. Wenn man nach Malta fliegt, wünscht einem jeder eine „schöne Zeit!“ Wenn man dagegen in die Ukraine fährt, dreht jeder vor Angst durch, selbst wenn man 1000 km von der Front entfernt ist.
  9. Sogar Karl May war in Bolivien:karl-may
  10. Wenn man nach Jahrzehnten mal wieder einen Roman von Karl May, in diesem Fall In den Kordilleren, liest, wundert man sich zwar, wie man das als Kind für Weltliteratur halten konnte, aber man erkennt doch die treffsichere Methodik des Fließband-Bestseller-Autors. Es ist wie in James-Bond-Filmen; man weiß, dass am Ende alles gut ausgeht und dass der Held noch stärker, schneller, schlauer ist als in den vorangegangenen Folgen, aber dazwischen gibt es exotische Schauplätze, fremde Kulturen (wobei die Überlegenheit der eigenen immer durchscheint), Natur, Abenteuer und ein paar praktische Survival-Tipps.
  11. Beeindruckend gut getroffen – vor allem für einen Autor, der das alles in Sachsen schrieb – ist die Beschreibung des Chaco, der südamerikanischen Savanne.
  12. Interessant finde ich auch, wieviele historische Ereignisse Karl May in seinen Romanen verarbeitet hat. Kaum ein deutscher Leser dürfte von dem paraguayisch-argentinischem Krieg gehört haben, aber May recherchierte und verwendete authentische Namen, Daten und Schauplätze. Vielleicht als Absicherung gegen den erwarteten Vorwurf, niemals selbst in Südamerika gewesen zu sein?
  13. Wieviele Reiseblogs wohl ebenso geschrieben werden? Manchmal liest man Artikel und fragt sich, ob die Leute wirklich vor Ort waren.
  14. Wer einen Selfie-Stick verwendet, sieht dabei meist dämlich aus. Noch dämlicher aber sind Fotos, auf denen der Stick selbst zu sehen ist.
  15. Von dem Völkermord an den Hereros hat man mittlerweile, 100 Jahre zu spät, schon etwas gehört. Aber nun musste ich erfahren, dass auch in der deutschen Kolonie in Tansania Massaker verübt wurden.
  16. Ebenfalls neu war mir die Existenz der indisch-bangladeschischen Enklaven, eine Situation, die jetzt nach Jahrzehnten bereinigt wurde. Dort gab es die einzige Unterunterenklave der Welt, ein Stück Indien in einem Stück Bangladesch, das in einem Stück Indien lag, das wiederum in Bangladesch lag. Ein gutes Beispiel für die Zufälligkeit von Grenzen.
  17. Eine ähnlich komplizierte Situation gibt es in Baarle, das ziemlich wirr zwischen Begien und den Niederlanden geteilt ist.
  18. Dieser Podcast über Shackletons vergessene Rossmeer-Gruppe in der Antarktis war spannender als die meisten Romane oder Spielfilme. Stellt Euch das mal vor: Eure Aufgabe ist es, von einer Richtung zum Südpol zu marschieren, um dort auf eine Gruppe anderer Forschungsreisender zu stoßen. Die andere Gruppe kann die Expedition nicht beginnen, weil ihr Schiff sinkt (wobei sich alle Männer auf eine Insel retten können und Kapitän Shackleton in einem kleinen Rettungsboot 1500 km zurücklegt und anschließend in einem 36-stündigen Fußmarsch Südgeorgien durchquert, um Hilfe zu holen). Davon erfahrt Ihr aber nichts. Irgendwann merkt Ihr nur, dass die andere Gruppe nicht kommt, und wandert Hunderte von Kilometern zurück zum Ankerplatz Eures Schiffes. Das Schiff ist aber weg, vom Sturm fortgerissen. Was nun? Es ist erstaunlich, dass einige Mitglieder dieser Expedition die zwei Jahre (!) in der Antarktis überlebten, bis jemandem einfiel „hey, was wurde eigentlich aus den Männern, die am Südpol auf uns warten sollten?“ und ein Rettungsschiff entsandt wurde.depot-laying-ross-sea-960
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Widersprüchliche Signale

Wenn man sein Haus mit $-Zeichen schmückt, aber ein Schild anbringt, dem zufolge das Haus nicht zu verkaufen ist.

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Fotografiert in der Avenida 6 de Agosto in La Paz, Bolivien.

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Humboldt entdeckte den anthropogenen Klimawandel

Als Alexander von Humboldt im Jahr 1800 durch Venezuela reiste, berichteten ihm Anwohner vom dramatisch sinkenden Wasserspiegel des Valencia-Sees. Er stellte eine Theorie auf, die Abholzung, sinkende Wasserspiegel und (Mikro-)Klimawandel verband. Darauf aufbauend sagte er später voraus, dass menschliche Eingriffe zu unumkehrbaren Klimaveränderungen führen würden, was die Lebenschancen zukünftiger Generationen beeinträchtigen würde. Humboldt war einer der ersten Wissenschaftler, die sich nicht nur für bestimmte Pflanzen oder Tiere oder ein begrenztes Ökosystem interessierten, sondern die ein globales, zusammenhängendes Ökosystem sahen, in dem auch der Mensch eine (destruktive) Rolle spielt.

Einige Zitate aus dem höchst interessanten Buch Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur von Andrea Wulf:

In der Mitte des Tals und umgeben von Bergen lag der Valencia-See. Darin gab es etwa ein Dutzend felsige Inseln, einige davon groß genug, um als Weideland für Ziegen und zur Landwirtschaft zu dienen. Bei Sonnenuntergang erweckten Tausende von Reihern, Flamingos und Wildenten den Himmel zum Leben als sie den See überflogen, um auf den Inseln zu nächtigen. Alles sah idyllisch aus, aber die Anwohner berichteten Humboldt, dass der Wasserspiegel des Sees rapide falle.

Als Humboldt der Sache nachging, kam er zu dem Schluss, dass das Abholzen der umliegenden Wälder die Ursache des sinkenden Wasserspiegels sei. Plantagenbesitzer hatten Bäume gefällt, um Land freizulegen, und damit war das Unterholz des Waldes – Moos, Reisig und Wurzeln – verschwunden. Das dadurch freigelegte Erdreich war den Elementen ausgesetzt und konnte kein Wasser mehr speichern.

All das war ‚aufs Engste miteinander verbunden‘, schloß Humboldt, denn in der Vergangenheit hatten die Wälder das Erdreich vor Sonneneinstrahlung geschützt und dadurch die Verluste durch Verdunstung reduziert. Hier, am Valencia-See, entwickelte Humboldt seine Idee vom von Menschen verursachten Klimawandel.

Am Valencia-See begann Humboldt die Abholzung in einem größeren Zusammenhang zu verstehen und projezierte seine lokale Analyse in die Zukunft, um davor zu warnen, dass die landwirtschaftlichen Methoden seiner Zeit verheerende Konsequenzen haben könnten. Das Handeln der Menschheit rund um den Globus, warnte er, könnte zukünftige Generationen beeinträchtigen. Was er am Valencia-See sah, würde ihm wieder und wieder begegnen – von der Lombardei in Italien bis in den Süden Perus, und viele Jahrzehnte später in Russland. Indem Humboldt beschrieb, wie die Menschheit das Klima veränderte, wurde er ungewollt zum Vater der Umweltbewegung.

Humboldt erklärte als erster die grundlegenden Funktionen des Waldes für das Ökosystem und das Klima: Die Fähigkeit der Bäume, Wasser zu speichern und die Atmosphäre mit Feuchtigkeit zu versorgen, ihre schützende Funktion für den Boden und ihre kühlende Wirkung. Er sprach auch schon über die Wirkung der Bäume auf das Klima über die Abgabe von Sauerstoff. Die Auswirkungen der menschlichen Intervention seien ‚unkalkulierbar‘, schrieb Humboldt, und würden katastrophal werden, wenn der Mensch die Welt weiterhin so ‚brutal‘ behandele.

Es war eine ökologische Kettenreaktion. ‚Alles‘, sagte Humboldt später, ‚interagiert miteinander und wirkt wechselbezüglich‘. Die Menschheit, warnte er, habe die Macht, die Umwelt zu zerstören, und die Folgen wären katastrophal.

Aus heutiger Sicht ist das keine spektakuläre Erkennntnis. Aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts brach es mit der menschenzentrierten Sichtweise der Welt und mit dem optimistischen Glauben, dass jede menschliche Intervention immer zum Fortschritt führen würde.

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„Warum hat niemand auf mich gehört?“

(Vielen Dank an den Leser Rodrigo Perez Garcia, der mir dieses faszinierende Buch geschickt hat! Falls sich noch jemand für diesen Blog erkenntlich zeigen will, hier ist meine Wunschliste. Vielen Dank schon vorab! – Read this article in English.)

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Meine Halbmarathons

Ein Halbmarathon ist etwas mehr als 21 km lang, also ein ausgedehnter Spaziergang. Von Zeit zu Zeit fühle ich mich fit genug, diese Strecke zu laufen. Im Folgenden meine bisherigen Ergebnisse und die nächsten Lauftermine.

  • 4. April 2004 – Amberg, Deutschland – 2:02:06 (2 Stunden, 2 Minuten, 6 Sekunden)
  • 10. April 2005 – Amberg, Deutschland – 1:47:44
  • 14. September 2008 – Eschenbach, Deutschland – 1:59:40
  • 26. Oktober 2008 – Ljubljana (Laibach), Slowenien – 1:53:19
  • 23. November 2008 – Monterrey, Nuevo León, Mexiko – 2:02:45
  • 28. März 2010 – Waltham Forest, London, Großbritannien – ungefähr 2 Stunden (keine genaue Messung)
  • 20. Februar 2011 – Eton, Berkshire, Großbritannien – 1:57:10
  • 12. Mai 2013 – Trakai, Litauen – 2:04:23
  • 26. Oktober 2014 – Danilovgrad nach Podgorica, Montenegro – 1:59:56
  • 13. März 2015 – Jerusalem, Israel – 1:53:30
  • 4. April 2015 – Brașov (Kronstadt), Rumänien– 2:32:49
  • 19. April 2015 – Budapest, Ungarn – 1:45:42
  • 24. Mai 2015 – Targu Mureș (Neumarkt am Mieresch), Rumänien – 2:10:34
  • 6. Juni 2015 – Baile Tusnad, Rumänien (23 km lang und 900 Höhenmeter hinauf) – 2:06:10
  • 14. Februar 2016 – Urubó nach Porongo, Santa Cruz, Bolivien – (Anscheinend maß hier niemand die Zeit.)
  • 28. Mai 2017 – Costa da Caparica, Lissabon, Portugal –

Die Zeiten sind zugegeben nichts Besonderes. Aber viele der Routen gingen durch hügeliges Terrain oder sogar in die Berge, andere Male durch Schnee oder Sand. Ich laufe lieber in schöner Umgebung als dass ich besonders schnell bin.

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Eigentlich ist das Ganze nur ein Vorwand zum Reisen. In der zweiten Jahreshälfte 2017 werde ich deshalb hauptsächlich Halbmarathons in Ländern auswählen, in denen ich bisher noch nicht war. Belarus, Ukraine, Armenien und der Irak sind besonders verlockend.

(Click here to read this list in English.)

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Romantik im Alter

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Fotografiert in Copacabana am Ufer des Titicaca-Sees in Bolivien.

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