Hand in der Hosentasche

„Nimm die Hand aus der Hosentasche“, höre ich immer wieder von Fotografen, die mich porträtieren aber gleichzeitig meine Persönlichkeit verändern wollen.

Offensichtlich erfolglos:

TED stage 2

So war ich erfreut, beim Besuch der Garibaldi-Gedenkstätte auf der Insel Caprera ein Gemälde des großen Helden zu sehen, in der er sich bewusst in dieser weltmännisch-lässigen Pose ablichten ließ.

Um alle Zweifel auszuräumen, verweise ich auf die Autorität in allen Stilfragen: James Bond.

Quantum of Solace poster.JPG

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Hotel in Humberstone

“Kann man dort übernachten?” haben manche von Euch gefragt, die nach Lektüre des Artikels über Humberstone der Stadt ebenfalls einen Besuch abstatten möchten.

Natürlich gibt es dort ein Hotel:

hotel.JPG

Vom Zimmer aus hat man einen Blick auf den zentralen Platz der Stadt.

Fenster aus Hotel.JPG

Und das Schwimmbad sowie das Theater liegen gleich nebenan. Perfekt.

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Schafe in Montenegro

Es war der letzte Tag im Oktober. Es war neblig. Es war kalt. Es war feucht. Es war düster.

Aber diesen Schafen in Žabljak in Montenegro schien das nichts auszumachen.

sheep Zabljak.JPG

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Woher kommt das Schwarz-Rot-Gold?

Nach der gängigen Überlieferung tauchten erstmals am Hambacher Fest 1832 schwarz-rot-goldene Fahnen auf.

Tatsächlich waren die Fahnen damals aber noch gold-rot-schwarz:

Erst zur Märzrevolution 1848 wurden die Farben in die jetzige Reihenfolge gerbracht:

Eine diesbezüglich interessante Entdeckung habe ich an einem unerwartenen Ort gemacht. In der Garibaldi-Gedenkstätte auf Caprera hing das Gemälde Carga de Cavalaria von Guilherme Litran.

Es zeigt die Aufständischen während der Farrapen-Revolution, die von 1835 bis 1845 gegen das Kaiserreich Brasilien geführt wurde.

Aber was hatte das noch nicht existierende Deutschland mit einem Bürgerkrieg in Brasilien zu tun? Nun, schon 1830 hatte es eine Verschwörung deutscher Einwanderer in Brasilien gegeben, um die Monarchie zu stürzen. Sie wollten den Deutschen Samuel Gottfried Kerst zum Präsidenten ausrufen, aber dieser Aufstand scheiterte. (Kerst schrieb übrigens ein interessantes Buch, Über brasilianische Zustände der Gegenwart, mit Bezug auf die deutsche Auswanderung nach Brasilien und das System der brasilianischen Pflanzer, den Mangel an afrikanischen Sklaven durch deutsche Proletarier zu ersetzen, aber das würde jetzt zu weit führen.) Kerst kehrte nach Deutschland zurück und nahm an der Revolution 1848 teil. In der Franfurter Nationalversammlung war er Abgeordneter.

Nahmen die Deutschen die schwarz-rot-goldene Farbe nach Brasilien? Oder brachten sie diese Farbkombination erst aus Brasilien zurück? Oder war die identische Fahne ein Zufall? Oder hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun?

Auf das obige Gemälde von Guilherme Litran kann man nicht zu viel geben, denn er malte es erst 1893, also Jahrzehnte nach dem Geschehen. Auf einem noch späteren Gemälde, Proclamação da República Piratini von Antônio Parreiras, ist eine ähnliche Fahne zu sehen, aber das Bild ist von 1915, also noch später.

Die Republik Piratini ging kurzzeitig (1836-1845) aus der Farrapen-Revolution hervor und hatte die Staatsfarben grün-rot-gold. Noch heute findet man diese Farbkombination in der Flagge und im Wappen des Nachfolgebundesstaates Rio Grande do Sul.

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Vielleicht ist bei der Rückkehr der deutschen Revolutionäre nach Europa das Grün so verrußt (war ein betrügerischer Dieselfilter schuld?), dass die deutsche Nationalflagge ganz aus Versehen entstand.

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Theater im Zug

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Das Duell 2017

Für die geschätzten Leser dieses Blogs habe ich meinen Abend geopfert, mich mit einer Kanne Erkältungstee vor den Fernseher gesetzt, den Verlockungen der konkurrierenden Sender (passenderweise ein Horror-Abend auf Tele 5) getrotzt und das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz angesehen. Hier meine Kommentare:

  1. Es wurde immer prophezeit, dass eine Große Koalition die extremen linken und rechten Ränder stärke. Mal sehen. Auf jeden Fall kann man feststellen, dass eine Große Koalition das Kanzlerkandidatenduell langweilig macht.
  2. Ein guter Moderator wäre besser als eine Große Moderatorenkoalition. 
  3. Warum geht es beim Themenkomplex Migration immer nur um Einwanderung, aber nie um Auswanderung? 2015 verließen 998.000 Menschen Deutschland, eine Steigerung um 9%.
  4. Gut fand ich, dass Angela Merkel Menschen ausdrücklich nicht als „Bedrohung“ sieht, dass sie nochmals die humanitären Beweggründe für die temporäre Nichtanwendung der Dublin-II-Verordnung im September 2015 erläuterte und dass Martin Schulz die italienische Marine für ihre Rettungseinsätze lobte. Ich finde ja, dass der Friedensnobelpreis 2012 an die italienische Marine anstatt an die EU gehen hätte sollen.
  5. Allerdings lässt Martin Schulz bei aller berechtigter Kritik an Viktor Orbán unter den Tisch fallen, dass auch Deutschland Italien bis 2015 mit der Flüchtlingsaufnahme weitgehend allein ließ.
  6. Wenn Schlepper immer wieder als „Verbrecher“ bezeichnet werden, erinnern sich die älteren unter uns an die Zeiten, als Schlepper das Bundesverdienstkreuz erhielten.
  7. Als Claus Strunz die „Flüchtlinge, die schlecht oder gar nicht ausgebildet sind“ anspricht, kommt niemandem die Idee, darauf hinzuweisen, dass das mit der formellen Ausbildung schwer ist, wenn man – wie in Syrien – seit fünf Jahren von der eigenen Regierung bombardiert wird.
  8. Außerdem schafft man es auch ohne Abitur zum Kanzlerkandidaten.
  9. Dass der Islam zu Deutschland gehört, ergibt sich schon aus Artikel 4 des Grundgesetzes.
  10. Die Frage an beide Kandidaten, ob sie diesen Sonntag in der Kirche waren, war wohl die blödeste Frage des ganzen Abends. Man will doch hoffen, dass Spitzenpolitiker im Wahlkampf ihre Zeit besser investieren.
  11. Maybrit Illner ist besorgt um den ausländischen Einfluss in deutschen Moscheen. Dass viele Kirchen in Deutschland vom sexualstraftäterschützenden Vatikan gesteuert werden, scheint niemanden zu stören. Geschweige denn, dass auch Deutschland mit nach antisemitischen Hasspredigern benannten Schulen im Ausland missioniert, wie zum Beispiel in Jerusalem: Martin Luther Schule.JPG
  12. Immer wenn es um Integration geht, denke ich an all die Deutschen, die nicht richtig integriert sind, sondern unverständliche Dialekte sprechen, das Grundgesetz nicht kennen und nicht einmal wählen.
  13. Maybrit Illner versucht, ein bisschen Panik zu verbreiten, und spricht von „100 Millionen Menschen, die sich auf den Weg machen“. Das ist erstens eine aus der Luft gegriffene Prognose. Zweitens enthalten all diese enormen Flüchtlingszahlen die Binnenflüchtlinge, die z.B. aus dem Dschungel in Kolumbien nach Medellin oder Bogotá geflüchtet sind. Von denen kommt niemand nach Deutschland, trotz Visumsfreiheit. Und noch immer nehmen ärmere Länder wesentlich mehr Flüchtlinge auf als alle Länder der Europäischen Union.
  14. Zur Türkei: Es wird immer überschätzt, was Land A für im Land B inhaftierte Bürger des Landes A tun kann.
  15. Als Angela Merkel erklärt, dass sie morgen mit Emmanuel Macron, Donald Tusk und Waldimir Putin wegen Nordkorea sprechen wird, hört sich das so an: „Liebe Welt, mach Dir keine Sorgen wegen Donald Trump. Ich habe alles im Griff.“
  16. Dass „eine Millionen Langzeitarbeitslose eine Million zu viel“ sind, gaukelt fälschlicherweise vor, dass die Arbeitslosigkeit auf Null zu senken wäre.
  17. Wenn eine „Umrüstung der Software“ das Dieselproblem löst, wieso dann nicht auch eine Softwarelösung gegen Arbeitslosigkeit, Terrorismus und Nordkorea?
  18. Niemand kann erklären, wie eine Software die Schadstoffbelastung verringern kann. Und wenn das ginge, wieso verwenden wir die gleiche Software dann nicht bei Kohlekraftwerken?
  19. Die Autoindustrie wird noch immer zu zart angefasst. „Vertrauensverlust“ (Martin Schulz) und „Vertrauensbruch“ (Angela Merkel) sind nicht die richtigen Begriffe für jahrelangen, gezielten Betrug gegenüber Verbrauchern und Aufsichtsbehörden. Immerhin nehmen beide Kandidaten später das Wort „Betrug“ in den Mund.
  20. Bei der Diskussion der Automobilität kann man fast den Eindruck gewinnen, wie wenn auch Autos in Deutschland wählen dürfen.
  21. Die Frage nach der „Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft“ zeugt von der Ahnungslosigkeit des Fragenden. Korrekterweise stellt Angela Merkel auch richtig, dass es in Deutschland keine generelle doppelte Staatsbürgerschaft gibt. (Wobei ich persönlich damit kein Problem hätte.)
  22. Angela Merkel kritisiert ihren Amtsvorgänger scharf: Gerhard Schröder „untergräbt die Sanktionen gegen Russland.“
  23. Martin Schulz ist weniger scharf, stimmt aber in der Sache zu: „Er hätte lieber Geld für seine Memoiren nehmen sollen.“ Eine Autobiographie von Gerhard Schröder erscheint mir tatsächlich eine interessante Idee.
  24. Angela Merkel sagt, dass Kennzeichnung von Polizisten ein Misstrauensbeweis wäre. Was sind dann eigentlich Kfz-Kennzeichen?
  25. Zum ersten Mal seit Langem sieht es wieder so aus, dass Rechtsextreme in den Bundestag einziehen könnten. Keiner der Kandidaten findet dazu Worte der Warnung. Das ist schwach.
  26. Martin Schulz verschusselt sein Schlusswort, aber ansonsten konnte ich keinen klaren Gewinner erkennen.
  27. Das Duell war insgesamt zivilisiert, respektvoll und reich an Substanz. In nur einem Duell gab es hier wesentlich mehr inhaltliche Informationen zu gewinnen als in drei Duellen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. 
  28. Peter Kloeppel verabschiedet sich keck mit „Wir hätten nächsten Sonntag Zeit für ein zweites Duell“, und ein ganzes Land ist genauso wenig begeistert von der Idee wie die beiden Kandidaten.
  29. Mein Lieblingszitat des Abends: „Ich mach das doch nicht aus Spaß.“ (Angela Merkel)
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Du wartest noch auf meine Postkarte?

Danke an alle, die meinen Blog unterstützen! Wie versprochen bekommst Du dafür eine Postkarte von unterwegs.

Falls sie noch nicht angekommen ist, war es vielleicht die Postkarte, die ich in Humberstone in Chile aufgegeben habe. Ich hätte eigentlich ahnen sollen, dass dieser Briefkasten nicht mehr regelmäßig geleert wird.

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