Als ich in London lebte, musste ich mich oft vor dem Regen in Sicherheit bringen.
Meist ging ich dazu in eines der fantastischen Museen, die dadurch umso fantastischer wurden, dass sie der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das ist zwar Sozialismus, aber doch irgendwie schön, weil man so einfach mal für eine Stunde in eine Abteilung Turner in der National Gallery, eine Abteilung Saurierknochen im Naturkundemuseum oder eine Abteilung Raubkunst im British Museum gehen kann, ohne ein teures Tagesticket lösen zu müssen. Außerdem lernt man die Museen so über die Jahre stückchenweise kennen, anstatt sich an einem Tag kulturell zu übersättigen und erschlagen zu lassen.
An anderen Tagen bin ich vor dem Regen in den Palast von Westminster geflüchtet.
Dort tagt das Parlament. Beziehungsweise das Oberhaus (House of Lords) und das Unterhaus (House of Commons), denn in Großbritannien ist alles ein bisschen komplizierter. So kompliziert, dass Großbritannien die falsche Bezeichnung ist, denn das Parlament ist weder ein englisches, noch ein britisches, sondern eines für das gesamte Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland. Die irischen Abgeordneten von Sinn Féin erscheinen allerdings seit 1917 nicht zur Arbeit, was die traditionsbewussten Wählerinnen und Wähler in Nordirland nicht davon abhält, sie alle paar Jahre wieder zu wählen. (Fairerweise muss man konzedieren, dass die Kandidaten bereits vor der Wahl bekanntgeben, dass sie das Mandat nicht ausüben werden. Auf das Salär verzichten sie auch. Das ist Patriotismus!)
Wenn mich Freunde oder Familie in London besucht haben, waren sie immer begeistert von den Museen. Aber ins Parlament wollte niemand mit. Kein einziges Mal. Die Leute wissen gar nicht, was sie da verpasst haben. Zum einen ist das Gebäude ganz famos. Wie eine Kathedrale, mit vielen verwinkelten Gängen, Türmchen und Wendeltreppen.

Aber zum anderen, weil man bei den Debatten zusehen kann. Zumindest im Unterhaus, also dem vom Volk gewählten Teil des Parlaments, nicht dem schnöseligen Oberhaus, wo man sitzt, weil der Urururururururgroßvater bei der Schlacht von Agincourt im Jahr 1415 eine gute Figur gemacht hat. Geschichte ist wichtig in diesem Land, da kommen wir noch drauf.
Jeder kennt das aus dem Fernsehen: Die viel zu enge Kammer, in der es nicht einmal ausreichend Sitzplätze für alle Abgeordneten gibt. Die sich gegenüberliegenden Regierungs- und Oppositionsbänke, in genau der Entfernung zweier Säbellängen. Das ständige Aufstehen und Niedersitzen, um die Aufmerksamkeit des Vorsitzenden zu erheischen. Das königliche Zepter, ohne das kein Gesetz verabschiedet werden kann. Der Serjeant at Arms, der als einziger Parlamentsmitarbeiter ein Schwert tragen darf. Der Zylinder, den man bei Fragen zur Tagesordnung aufsetzen muss. Der Brauch, die anderen Abgeordneten nicht mit Namen, sondern als „die ehrenwerte Abgeordnete für Cumbernauld, Kilsyth and Kirkintilloch East“ zu bezeichnen. Ebenso darf man im Unterhaus niemals den Namen des Oberhauses erwähnen, und umgekehrt. Die Kommunikation zwischen den beiden Kammern des Parlaments erfolgt übrigens nicht auf Englisch, sondern auf Normannisch, einem galloromanischen Dialekt aus Nordfrankreich.

Wer das alles nicht glaubt, kann die Regeln hier nachlesen. Interessant ist stets die historische Grundlage. Das Rauchverbot besteht seit 1694. Die Verwendung des Normannischen wird auf der Website des Parlaments (Stand 2026) wie folgt begründet:
This is because these procedures have barely changed since they began, hundreds of years ago, at a time when Norman French was the official language of Government.
Die „hundreds of years ago“ beziehen sich auf 1066 und die Normannische Eroberung. Und eigentlich ist seit Heinrich V. (König von 1413 bis 1422) Englisch die Sprache der Regierungsgeschäfte. Aber man muss das mit der Modernisierung ja nicht hudeln. In Großbritannien kann man wirklich von einer tausendjährigen Geschichte sprechen.
Als jemand aus einem relativ jungen Land hat mich in den Debatten in Westminster immer wieder beeindruckt, wie nonchalant sich die Abgeordneten in Debatten über die Modernisierung der britischen Atom-U-Boote oder über Agrarpolitik auf historische Argumente bezogen.
Der ehrenwerte Abgeordnete aus Uxbridge und South Ruislip wird sich daran erinnern, was Lord Stiltstalking dereinst zum Sykes-Picot-Abkommen und insbesondere dessen Auswirkungen auf das Haschemitische Königreich, mit dem unser Königreich seit jeher in enger Freundschaft verbunden ist und, so bin ich mir sicher, weiterhin verbunden bleiben wird, sagte.
Sicher, sicher. Aber ich möchte mir erlauben, anzudeuten, dass der ehrenwerte Abgeordnete aus Aberdeen und Kincardine East seine wertvolle Zeit auf weniger ertragreiche Weise verwenden könnte, als die Rede seines Vorvorgängers im Wahlkreis, der damals noch unter Aberdeenshire Eastern firmierte, während des ersten Burenkrieges zu studieren, in der jener eine Analogie zur Schleswig-Holstein-Frage zog, die damals, wenn ich als Nachgeborener die zeitgenössische Stimmung richtig zu deuten vermag, als verwegen galt, die jedoch durch die späteren Entwicklungen in Flandern leider und auf traurige Weise als gerechtfertigt gelten kann. Auch das sollte uns zu denken geben.
Bei der Erwähnung der Schleswig-Holstein-Frage ging ein Raunen durch die Kammer, es wurde laut und lebhaft. Diese gerade einmal 150 Jahre alte Angelegenheit ist bei vielen Abgeordneten anscheinend noch immer ein wunder Punkt.
All diese Reden werden weitgehend frei gehalten.
Falls Ihr jetzt glaubt, ich übertreibe, hier ein Beispiel zu ganz später Stunde vor bereits weitgehend geleerten Rängen. Der ehrenwerte Abgeordnete für Penrith and the Border läuft in einer Debatte über den Igel zur Höchstform auf und zitiert aus dem Gedächtnis Shakespeare, Aristoteles, die Sumerer, Isidor von Sevilla und eine frühere Parlamentsdebatte aus dem Jahr 1566, wobei er dem Igel dafür Anerkennung zollt, dass dieser noch älter als der englische Parlamentarismus ist.
Ein Land, in dem die Abgeordneten das alles im Kopf haben und Sätze sagen können wie „1566 seems something that was very recent„, benötigt man natürlich keine geschriebene Verfassung. Alle Beteiligten wissen ja, wie man das seit König Æthelheard schon immer gemacht hat. Und weil alle Gentlemen sind, halten sie sich daran. Deshalb müssen die Polizisten auch keine Waffen tragen. Wenn ich ins Parlament ging, musste ich nicht einmal meinen Ausweis zeigen. In Großbritannien gibt es gar keine Personalausweise. Da vertraut einfach jeder jedem.
So ein Traditions- und Geschichtsbewusstsein führt naturgemäß zu einer beeindruckenden politischen Stabilität.
Gut, in den letzten zehn Jahren gab es sieben Premierminister (David Cameron, Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak, Keir Starmer und jetzt Andy Burnham). Das sieht auf den ersten Blick ein bisschen instabil aus.
Aber auf den zweiten Blick ändert sich nichts. Denn die Premierminister wohnen immer in Downing Street 10, einem kleinen Reihenhaus in einer Seitenstraße. (Insbesondere die Millionäre unter den Premierministern haben das gehasst, aber gegen die Tradition – seit 1735 – kannst du nichts machen.)
Und in Downing Street 10 wohnt bereits seit 2011, also mithin seit stabilen 15 Jahren, der Kater Larry.

In der Tradition der britischen Marinekatzen ist Larry ein offizieller Angestellter im öffentlichen Dienst seiner Majestät. Insbesondere bei Staatsbesuchen spielt er eine prominente Rolle, aber auch ansonsten sorgt er für gute Laune in der Regierungszentrale. (Vielleicht wäre unser Bundeskanzler ein bisschen sympathischer, wenn er eine Katze hätte. Aber Katzen sind ihm wahrscheinlich zu faul und unproduktiv.)

In diesen Tagen erlebt Larry jetzt also den siebten Premierminister, der unter ihm dient, und er wird dies wahrscheinlich mit einer gewissen katerhaftigen Wurstigkeit hinnehmen. Oder sich wundern, warum diese Menschen keine stabile Regierung formen können. Als Katzenexperte frage ich mich, wann die Premierminister endlich kapieren werden, dass nicht die Umfragen oder Parlamentsmehrheiten über ihr Schicksal entscheiden, sondern wie gut sie sich mit dem Kater stellen.
Aber wie kommt das eigentlich, dass mitten in der Legislaturperiode ein neuer Premierminister in das Reihenhaus in Downing Street 10 einzieht? In Großbritannien sind die Regeln klar: Was älter ist, hat mehr Bedeutung. Das Parlament gibt es schon seit 1265, das Amt des Premierministers aber erst seit 1721. (Bis dahin war das Parlament eher das Gegengewicht zum Monarchen.) Also spielt der Premierminister gegenüber dem Parlament nur die zweite Geige.
Wenn nun also die Abgeordneten der Regierungsfraktion innerhalb der laufenden Legislaturperiode finden, dass der Premierminister irgendwas falsch gemacht hat oder – wie im Fall von Keir Starmer – einfach ein bisschen langweilig wirkt, dann schreiben sie ihm einen höflichen Brief (diesmal auf Englisch, nicht auf Normannisch) und teilen ihm mit, dass seine Zeit abgelaufen sei. Ein paar Tage gibt es ein Hauen und Stechen hinter den Kulissen, und dann steht der neue Premierminister fest. Beziehungsweise der Vorschlag für den Premierminister, denn ernennen kann ihn nur der König. Der König wiederum wurde von Gott eingesetzt, weshalb er kein Katholik sein darf. Aber das ist ein anderes Thema.
Diesmal einigten sich die Labour-Abgeordneten schnell auf Andy Burnham.
Das Problem: Andy Burnham war zu jenem Zeitpunkt kein Abgeordneter, sondern Bürgermeister von Manchester.
Ist egal, könnte man meinen, dann tritt er halt als Bürgermeister zurück, die Abgeordneten wählen ihn zum neuen Parteivorsitzenden, und der König ernennt ihn.
Das Problem: Die Tradition verlangt, dass nur Premierminister werden kann, wer ein Abgeordnetenmandat hat. Wohlgemerkt, das ist kein gesetzliches Erfordernis. Aber weil es schon immer so praktiziert wurde, glauben alle ganz fest daran und halten es für ausgeschlossen, dass sich das jemals ändern könnte. Als Jurist haben mich diese verfassungsrechtlichen Diskussionen im Vereinigten Königreich immer zur Weißglut gebracht, weil ich das strukturierte Argumentieren mit Artikeln und Paragrafen gewohnt bin. Aber auf der Insel ist man bei solchen Debatten schnell bei König Edward II., beim Frieden von Utrecht oder beim Prozess gegen Guy Fawkes.
In jeder anderen Demokratie der Welt würde man sagen: Das ist eine dämliche Regel, die ändern wir jetzt.
Nicht so in Großbritannien! Hier wurde das Problem so gelöst, dass sich ein Labour-Abgeordneter geopfert hat. Der ehrenwerte Abgeordnete aus Makerfield erklärte seinen Rücktritt (eigentlich ist es viel komplizierter, aber dazu später mehr), so dass eine Nachwahl notwendig wurde. Und da konnte Andy Burnham antreten und im Juni 2026 gewinnen. (Wenn er das nicht geschafft hätte, so könnte er nicht Premierminister werden, egal was für eine fette Mehrheit er im Parlament hat. Aber deshalb tritt ein Abgeordneter aus einem Wahlkreis mit einer traditionellen Labour-Mehrheit zurück.)
Der König muss das alles nur noch absegnen. Immer wenn ich britischen Juristenkollegen gefragt habe, was man macht, wenn der König mal nicht mitspielt, haben sie mich zuerst verdutzt angesehen und dann auf den Prozess gegen König Charles I. verwiesen. Der wurde 1649 hingerichtet, wobei unklar ist, ob die Europäische Menschenrechtskonvention dies heute noch zuließe.

So weit, so logisch. Aber jetzt wird es ein bisschen bizarr.
Demnächst, am 13. August 2026, findet nämlich eine weitere Nachwahl statt. Im Wahlkreis Clacton in der Grafschaft Essex. Der dortige Abgeordnete war Nigel Farage, der bekannte EU-Gegner und populistische Dampfplauderer. Der hat ein kleines Problem, weil er eine Spende über 5 Millionen Pfund nicht deklariert hatte, die er von einem thailändischen Milliardär erhalten hatte. Über den Milliardär kann ich nichts Schlechtes sagen, insbesondere weil er bekannt dafür ist, die Presse mit Verleumdungsklagen zu überziehen.
Jedenfalls ermittelt die parlamentseigene Aufsichtsbehörde gegen Nigel Farage. Um einer Suspendierung zuvorzukommen, kündigte Farage seinen Rückzug aus dem Parlament an. Allerdings nur, um kurz darauf seine erneute Kandidatur bei der dadurch notwendigen Nachwahl bekanntzugeben.
Und jetzt wird es kurios. Ich spreche hier immer von Rücktritt oder Rückzug oder Niederlegung des Mandats. Aber die Wahrheit ist: Ein britischer Abgeordneter kann gar nicht zurücktreten. Das steht so in einem Gesetz von 1624.
Dabei ist es vollkommen absurd, Abgeordnete am Rücktritt zu hindern, die einfach keine Lust mehr haben, die spurlos verschwunden sind oder die im Gefängnis sitzen. Ja, das gab es alles schon. Der langjährige Abgeordnete John Stonehouse täuschte im November 1974 seinen Tod vor, um unter einer falschen Identität und mit seiner Sekretärin und Geliebten ein neues Leben zu beginnen. Außerdem wollte er, und es tut mir leid, dass das jetzt ein bisschen dick aufgetragen wirkt, seiner Enttarnung als tschechoslowakischer Spion entgehen. In Australien wurde er aber bald gefasst, ironischerweise weil die australische Polizei nach einem ebenfalls untergetauchten Mitglied des britischen Oberhauses fahndete, der zuvor sein Kindermädchen ermordet hatte. Im Juni 1975 wurde Stonehouse nach Großbritannien ausgeliefert, wo er zu sieben Jahren Gefängnis wegen Betrugs verurteilt wurde. Sein Abgeordnetenmandat behielt er trotz Verurteilung und Haft bis August 1976. (Lord Lucan ist noch immer verschollen, womit er seinem Sohn jahrzehntelang das Nachrücken in den Sitz im Oberhaus verunmöglichte.)
In jeder anderen Demokratie der Welt würde man sagen: Das ist eine dämliche Regel, die ändern wir jetzt.
Nicht so in Großbritannien! Hier löst man das anders. Nämlich ist es so, und niemand weiß genau, seit wann, dass Abgeordnete ihr Mandat verlieren, wenn sie ein bezahltes Amt für die Krone annehmen. Das betrifft insbesondere Tätigkeiten als Beamte, Richter, Soldaten, Polizisten oder Diplomaten.
Wer aus dem Parlament ausscheiden will, muss also Briefträger oder Kampfpilot werden. Das wollte Nigel Farage natürlich nicht. Das wollten auch die meisten anderen Abgeordneten nicht, die in den letzten Jahrhunderten auf ihre Sitze im Parlament verzichteten.
Also hat man sich im ganzen Königreich, von Neuseeland bis Neufundland, auf die Suche gemacht, welches bezahlte Amt für die Krone man den ausstiegswilligen Abgeordneten andienen kann. Und man hat derer zwei gefunden: Den Crown Steward and Bailiff of the three Chiltern Hundreds of Stoke, Desborough and Burnham und den Crown Steward and Bailiff of the Manor of Northstead, wahrscheinlich am besten übersetzt als „königlicher Aufseher und Vogt“ der jeweiligen Gebiete. Das sind zwei Sinekuren, also öffentliche Ämter, die ihre Bedeutung und ihr Aufgabenfeld mittlerweile verloren haben.
Die Chiltern Hundreds liegen in Buckinghamshire. Das Land gehört seit dem 13. Jahrhundert der Krone, und weil dieser Landstrich damals von Räubern und Banditen geplagt war, bestellte der König einen Crown Steward and Bailiff. Der ritt über die Hügel und sorgte für Recht und Ordnung. Schon seit dem 17. Jahrhundert reitet niemand mehr durch Wald und Flur, aber zum Glück hat man vergessen, das Amt auch offiziell abzuschaffen.

Das Manor of Northstead war ein Gut mit Feldern und Bauernhöfen in Yorkshire, das unter der Regentschaft von Richard III. (1483-1485) an die Krone fiel. Allerdings ist das Gutshaus bereits seit 1600 verfallen, so dass auch hier kein täglich anwesender königlicher Verwalter mehr notwendig ist. Außerdem gehört das Land gar nicht mehr der Krone. Da sie jedoch nur das Land, nicht aber die lehnsrechtliche Herrschaft verkaufen konnte, ist es eben noch notwendig, dass dieses Nichts fiktiv verwaltet wird.
Diese bezahlten Ämter werden in Wirklichkeit gar nicht bezahlt. Denn die Bezahlung liegt in lehensrechtlichen Naturalabgaben, die natürlich niemand mehr leistet. (Außer in Cornwall, siehe Kapitel 20 meines Berichts über jenen ebenso lustigen Landstrich.) Aber weil das Ganze auf ein Gesetz von 1624 zurückgeht, wird die fiktive Bezahlung als ausreichend angesehen, weil man damals ja bezahlt worden wäre.
Natürlich kann man sich dieses Amt nicht einfach selbst zuschustern, sondern man muss bei der Schatzkanzlerin darum bitten. Theoretisch kann sie das versagen, was jedoch seit 1842 nicht mehr vorgekommen ist.
Wie gesagt: Man könnte das alles mit einer einzigen Gesetzesänderung abschaffen. Einfach den Abgeordneten das Recht zum Rücktritt einräumen. – Stattdessen habe ich mir in Großbritannien jeden Tag anhören müssen, wie undurchsichtig und kompliziert die Gesetzgebung in der EU sei.
Und jetzt kommt der letzte Clou.
Weil Nigel Farage die Nachwahl in Clacton selbst ausgelöst hat, um sogleich wieder anzutreten, haben alle anderen Parteien beschlossen: Bei diesem Zirkus machen wir nicht mit. Die Konservativen, Labour, die Liberaldemokraten, die Grünen, alle haben keinen Kandidaten aufgestellt.
Das führt dazu, dass sich mehr unabhängige Kandidatinnen und Kandidaten bewerben als je zuvor um einen Parlamentssitz: Es sind so viele, 34 an der Zahl, dass ich mindestens eine davon aus meiner Zeit in England persönlich kenne. Eine Anwaltskollegin, bei deren Schwester ich für eine Weile als Untermieter wohnte. (Sorry, dass ich immer so eine Spaßbremse bei den Parties war. Und für die Zigarrenstummel im Garten.)
Der aussichtsreichste Gegenkandidat ist aber wohl Count Binface, also „Graf Mülleimergesicht“. Ein Mann, der sich unter einem Abfalleimer versteckt und behauptet, vom Planeten Sigma IX zu sein.

Selbstverständlich bekommt Count Binface von den Fernsehanstalten ausreichend Sendezeit eingeräumt. So viel Fairness muss sein.
Allerdings tut sich, wenn Count Binface gewählt wird, schon das nächste Problem auf. Denn ein Gesetz aus dem Jahr 1313 verbietet das Tragen einer Ritterrüstung im Parlament. Aber lest selbst:
Alles klar?



















































