Granada ist überbewertet

Ich war schon etwas skeptisch, angesichts des Lobs, mit dem Granada überschüttet wird. „Schönste Stadt Spaniens, bestes Beispiel für maurische Architektur in der Welt, atemberaubend, faszinierend, spektakulär, und so weiter.“

Aber als ich dort ankam, naja, seht selbst.

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Zugegeben, die Berge im Hintergrund sahen toll aus, mit den Reflektionen des letzten Lichts der untergehenden Sonne. Aber es war einfach nicht so großartig wie erwartet.

Nicht einmal ein Hotel konnte ich finden.

(Read this warning in English.)

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Venta Micena – Tag 30/30

Heute ist der letzte Tag in Venta Micena.

Ursprünglich dachte ich, dass ich, um abzureisen, ein paar Stunden neben der Straße stehen müsste, bis mich jemand mitnehmen würde. Nicht weil die Menschen nicht hilfsbereit wären, sondern weil nur alle paar Stunden ein Auto vorbeikommt.

Aber dann habe ich gerade noch rechtzeitig entdeckt, dass Venta Micena einen eigenen Flughafen hat.

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¡Hasta luego!


Jetzt hat sich übrigens doch viel mehr Material als für 30 Tage angesammelt, und Ihr werdet in den nächsten Monaten immer mal wieder einen Artikel über Andalusien lesen können. Ich möchte Euch insbesondere die Städte in der Umgebung vorstellen und von der Besteigung einiger Berge berichten. Auch einen Einblick in eine Höhlenwohnung habe ich versprochen. Und dann haben die Katzen auch noch ganz süße Junge bekommen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Jetzt interessiert mich Eure Meinung zu der Idee, jeden Tag ein Foto mit allenfalls ein paar Erklärungen zu veröffentlichen, um Euch so an meinem Leben an einem neuen Ort teilhaben zu lassen.

Im Nachhinein kam mir (die besten Ideen kommen ja immer zu spät), dass dies eigentlich perfekt für den Sommer in Wien gewesen wäre. Dort war das Leben auch wesentlich abwechslungsreicher und visuell ansprechender als immer nur Wüste, Berge und Ruinen. In Calgary werde ich es wohl nicht vesuchen, denn jeden Tag einen Haufen Schnee ist ja wirklich langweilig. Außerdem sind drei Monate zu lang für solch ein Projekt.

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Venta Micena – Tag 29/30

Einstmals verlief hier die Grenze zwischen dem arabischen/maurischen al-Andalus und dem Königreich von Murcia. Deshalb stößt man beim Wandern manchmal auf arabische Wachtürme.

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Dokumentation „Rumänien grenzenlos“

Gerade erst im Fernsehen, jetzt schon hier: eine neue Dokumentation über Rumänien, bekanntermaßen eines meiner Lieblingsländer.

Die Salzmine in Turda kennt Ihr vielleicht schon von den Fotos meines Bruders.

Bären könnt Ihr in Rumänien nicht nur im Reservat, sondern auch in freier Wildbahn sehen.

Zu der Waldbahn bin ich leider nicht gekommen, aber eigentlich ist die Eisenbahn in Rumänien überall wie eine Zeitreise.

Dass die Abholzung des Waldes streng nach Gesetz erfolgt, das nehme ich dem Film aber wirlich nicht ab. Das Gegenteil ist gut dokumentiert. Und das alles, weil Menschen in Deutschland und Österreich glauben, sie würden mit Holzpellets umweltfreundlich heizen.

Wenn ich über mein Jahr in Rumänien erzähle, merke ich immer, dass mir niemand glaubt, dass fast alle Menschen dort drei- oder viersprachig sind und dass man auch mit Deutsch ziemlich weit kommt. Gut, dass der Film das auch mehrfach anspricht.

Als der Ziegel- und wahrscheinlich auch Schnapsbrenner erzählte, dass sein Großvater aus Marosvásárhely war, hätte man dazu sagen sollen, dass es sich dabei um Târgu Mureș handelt, weil sonst niemand erkennt, dass er von der sympathischsten Stadt Rumäniens spricht. Auch alle Orte in Rumänien sind nämlich dreisprachig bzw. im Fall von Târgu Mureș sogar verwirrend viersprachig.

Das mit dem Schnapsbrennen ist übrigens keine waghalsige Vermutung, denn jeder in Rumänien brennt Schnaps. Daher auch das Rum in Rumänien. Wer zuhause, auf Busfahrten oder auf Wanderungen keinen eigenen Schnaps anbieten kann, gilt als unfreundlicher Banause. (Die Ceaușescus wurden 1989 erschossen, weil sie dachten, sie hätten das nicht mehr nötig, und mit leeren Händen auf der Weihnachtsfeier aufkreuzten.) Ich war mal mit einer Wandergruppe aus Târgu Mureș unterwegs, wo ich den Eindruck hatte, dass die Wanderung nur als Vorwand zum Grillen und das Grillen nur als Vorwand für Verdauungsschnäpse diente.

Allerdings sind die gesundheitlichen Vorteile des Țuică medizinisch belegt. Wenn Ihr mir nicht glaubt, fragt doch einfach eine rumänische Ärztin. Die findet Ihr auch in Deutschland in jedem Krankenhaus.

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Venta Micena – Tag 28/30

Jetzt weiß ich, wo sich die anderen Bewohner verstecken.

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Venta Micena – Tag 27/30

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Weil es in Venta Micena kein Postamt gibt, gehe ich dann zu Fuß 7 km in die nächste Stadt, Orce, obwohl der Pfad durch eine furchteinflößende Schlucht führt.

Der Weg fängt ganz nett an, richtig grün ist es da noch.

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Aber bald trocknet das Tal aus, und die steilen Wände werden höher und bedrohlicher.

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Da alle Seitenarme dieses Canyons gleich aussehen, kann man leicht mal die falsche Abzweigung nehmen. In einer Gegend wie dieser bedeutet das natürlich den sicheren Tod.

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Apropos Tod, am Ende muss ich immer noch an diesem wirklich spukigen Friedhof vorbei.

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Aber für meine geschätzten Leser nehme ich diese Strapazen (und den Rückweg) mindestens einmal pro Woche in Kauf.

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Im Zigarrengeschäft – 50 Jahre später

Donnerstag ist Markttag in Huéscar, und nach dem Ost- und Gemüseeinkauf fehlte nur noch eine Zeitung, am besten El Pais, meine bevorzugte spanische Lektüre. Ich könne sie im Tabakgeschäft finden, hatte man mir gesagt.

Als ich den Laden, gleich um die Ecke von der Kathedrale Santa María la Mayor, betrat, blickte der alte Besitzer in einem karierten Hemd, von dem ein paar Knöpfe zuzuknöpfen vergessen worden waren, nicht einmal von seiner eigenen Zeitungslektüre auf. Aber die Zigarre, die er zwischen seinen Lippen hielt, brachte mich auf einen anderen Gedanken.

„Guten Morgen“, verkündete ich meine Anwesenheit, „Sie haben nicht zufällig Toscano-Zigarren im Sortiment?“

Langsam hob er seinen Kopf und blickte mich durch zugekniffene Augen an, wie wenn er feststellen wollte, ob meine Frage ernst- oder scherzhaft gemeint gewesen war. „Was?“ fragte er.

Toscano-Zigarren. Aus Italien.“

„Aus Italien?“ wiederholte er, wobei sein Gesichtsausdruck so unverändert blieb, wie wenn wir ein Pokerspiel mit sehr hohen Einsätzen spielen würden. „Wie sehen die Dinger denn aus, Junge?“

„Sie sind etwa 10 cm lang, und man bricht sie in zwei Teile.“

Das mag für des Zigarrenrauchens Unkundige komisch klingen, aber den alten Mann spornte es an, sich zu bewegen, wenn auch in Zeitlupe. „Warte hier“, befahl er mit ausgestrecktem Finger und stieg die Treppe in den Keller hinab. Es knarzte gar schrecklich, und ich konnte nicht ausmachen, ob es von der hölzernen Stiege oder von seinen Knochen herrührte.

Nach einer scheinbaren Ewigkeit kam er mit einem alten Pappkarton wieder aus dem Loch im Boden. Es war offensichtlich, dass er gerade den Staub von Jahrzehnten beseitigt hatte, denn die Spinnweben hingen noch an seinem rechten Ärmel.

„Als du erzählt hast, dass man sie in zwei Teile bricht, hat mich das an etwas erinnert“, sagte er, die Schatztruhe fest umklammernd. „Wir hatten mal einen Kunden, nur einen einzigen, der immer große Mengen genau dieser Zigarren bestellte. Er kam einmal im Monat hier hoch und kaufte alle auf, die wir hatten.“

Der Herr zog noch immer an seiner Zigarre und warf die Asche achtlos auf den Boden, während er fortfuhr: „Es war ein großer, gut aussehender Kerl, etwa wie du. Ich war damals noch ein Bub und half meinem Vater im Laden aus, also muss es so in den 60ern gewesen sein.“

„Und, haben Sie noch welche?“ fragte ich gespannt.

Als er die Schachtel öffnete, lagen da sechs Packungen der feinsten Toscano-Zigarren, unberührt. „Die letzte Bestellung holte er nie ab, und ich habe ihn nie wieder gesehen. Keine Ahnung, wer der Typ war und was aus ihm wurde.“

Die Möglichkeit eines Schnäppchens vor Augen, bot ich an, den gesamten Vorrat aufzukaufen.

Nachdem die Transaktion abgeschlossen und ich schon fast über die Schwelle des Ladens in die frische Luft getreten war, die ich nun genüsslich verpesten konnte, rief mir der Besitzer hinterher: „Weißt du, wenn ich mich richtig erinnere, hatte der Kerl genau so einen Hut wie du.“

„So ein Zufall“, sagte ich betont lässig, aber mit einem spitzbübischen Grinsen. Es bestand kaum ein Zweifel daran, wessen Zigarren ich gekauft hatte. In den Jahren 1964, 1965 and 1966 wurden in Andalusien die Filme Für eine Handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr und Zwei glorreiche Halunken gedreht.

Zurück in Venta Micena, trat ich aus dem Haus (wir Haussitter rauchen niemals im Haus), um die erste der Zigarren zu genießen. Es fühlte sich an, wie wenn ich um 50 Jahre zurückgworfen wurde. Vielleicht waren die Zigarren aber auch einfach nur stärker geworden, während sie ein halbes Jahrhundert weggesperrt waren.

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(Here, you can read this story in English.)

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