„Wie kannst Du Dir all diese Reisen leisten?“

Diese Frage wird mir so oft gestellt, dass ich am liebsten erst einmal erklären würde, dass Reisen gar nicht viel kosten muss. In meinem Fall spare ich durch das Reisen sogar Geld, weil ich in den meisten Ländern billiger lebe als in Deutschland. Natürlich muss auch ich ein bißchen arbeiten, aber wer sagt, dass man dafür immer im gleichen Land leben muss?

Ich habe schon ausführlicher zu diesem Thema geschrieben und könnte stundenlang darüber reden. Aber manchmal, wenn mir wieder jemand klagt, wie gerne er auch um die Welt reisen würde, wenn er es sich nur leisten könnte, frage ich meinen Gesprächspartner nach seinem Telefon. Er holt dann ein neues Samsung/Apple/sonstwas-Telefon mit Touchscreen, Kamera, Internet, GPS, Taschenlampe und so weiter heraus, das etwa 500 € gekostet hat.

Dann krame ich mein Telefon aus der Hosentasche, knalle es auf den Tisch und erkläre: „Das ist der Grund, warum ich in diesem Jahr in 10 Ländern war, ohne allzu viel arbeiten zu müssen.“

Nokia old phone

“Wie hängt das denn zusammen?” fragt Ihr Euch. Das erkläre ich gerne: Dieses Telefon hat mich 6 € gekostet und tut seit 2009 zuverlässig seinen Dienst. Wenn Ihr Euch nur alle zwei Jahre ein neues iPhone kauft, habt Ihr in der gleichen Zeit mindestens 1.000 € ausgegeben. Mit den gesparten 994 € bekomme ich genug Flüge, um einmal um den Erdball zu reisen.

Vielleicht habt Ihr einen monatlichen Handyvertrag über 50 €, ich hingegen lade mein Mobiltelefon jeden Monat mit 5 € auf. Dadurch spare ich jeden Monat genug Geld für einen günstigen Flug oder ein Zugticket ans andere Ende des Landes. Diesen März flog ich z.B. für 70 € von Europa nach Israel und zurück. Sogar meine Kreuzfahrt über den Atlantik kostet weniger als Euer Telefon.

Das ist natürlich nur ein Beispiel von vielen. Auch für Kleidung gebe ich weniger als 100 € im Jahr aus –  und dabei ist der fesche Gabor-Hut, den ich in Rumänien erstand, schon mit eingerechnet. Alles andere kaufe ich im Second-Hand-Laden oder auf einem billigen Markt. Wie diejenigen von Euch, die mich schon getroffen haben, bezeugen können, sehe ich trotzdem tip-top aus. 😉

Nur mit meinen Schuhen gehe ich ein bißchen zu weit, und zwar im wörtlichen Sinn. Bald werden sie wohl auseinanderfallen.

shoes kaputt

Meine Laufschuhe haben noch viel mehr Löcher, aber trotzdem bin ich damit allein in diesem Jahr fünf Halbmarathons gelaufen. Glaubt mir, es liegt wirklich nicht an den Schuhen oder an der Ausrüstung, wie fit man ist.

Aber das war alles noch Pipifax im Vergleich zu dem, womit Ihr wirklich Geld verschwendet. Auf keinen Fall solltet Ihr Euch eine Freundin zulegen! Ok, jetzt ernsthaft: Hände weg von Immobilien und Autos.

Das ist mein Haus

kleines Haus

und das ist mein Auto.

Andreas Moser mit Auto

Nur ein Scherz! Natürlich würde ich niemals ein Haus oder ein Auto kaufen. Beides sind Fässer ohne Boden, in die Menschen ihr Geld werfen. Autos sind am schlimmsten. Als ich noch eins hatte, benutzte ich es vielleicht 5% der Zeit. Die verbleibenden 95% nahm es Platz weg, kostete Versicherung, Steuern und verlor an Wert. Wenn Ihr nicht gerade den ganzen Tag Pizzas damit ausfährt, ist ein Auto die schlechteste Investition, die Ihr machen könnt.

Ich höre jetzt auf mit den Beispielen, denn in diesem Artikel geht es nicht um Kleidung oder Telefone oder Autos. Es geht um Prioritäten und um Opportunitätskosten. Beschwert Euch nicht, dass Ihr nicht genug Geld für A habt, wenn Ihr es lieber für B ausgebt/verschwendet! Etwas ähnliches gilt übrigens auch für Zeit.

Und damit kommen wir zum wirklichen Luxus: Dadurch, dass ich weniger Geld benötige, habe ich umso mehr Freizeit, weil ich nicht so viel arbeiten muss. Eine echte Win-win situation, vor allem wenn man zeitintensive Hobbies hat, denen man relativ kostengünstig nachgehen kann, wie in meinem Fall das Reisen und Lesen.

Wenn ich Menschen sehe, die sich abschuften oder in einem Büro versauern, um etwas für eine spätere Reise anzusparen, frage ich mich, wieso sie nicht ihre Arbeit kündigen oder zumindest weniger arbeiten, um jetzt zu reisen. Die meisten sparen doch gar nicht wirklich für eine Weltreise, sondern arbeiten sich den Arsch ab, um ihre Vermieter, den Autohändler und die Bank noch reicher zu machen. Wenn Ihr für einen großen Traum sparen wollt, müsst Ihr Eure Prioritäten überdenken. Im Zug von Serbien nach Rumänien traf ich einen jungen Mann aus Tennessee, der sich auf einer mehrjährigen Weltreise befand. Er hatte nur ein Jahr gespart, aber in dem einen Jahr hatte er seine Wohnung aufgegeben, war wieder zu seinen Eltern gezogen, ging jeden Tag arbeiten statt auf Parties, betrank sich nicht und kaufte sich kein neues Telefon. „Manche 26-Jährige würden sagen, dass es schwer ist, wieder zu den Eltern zurückzuziehen. Aber das war es nicht, weil ich jeden Tag an meine Weltreise dachte. Ich wusste, wofür ich es tat.“ Nach meiner Erfahrung ist es wichtig, sich einen festen Zeitpunkt zu setzen, an dem man seinen Rucksack schultert und sich aufmacht. Wer schon den Job und die Wohnung küdigt, kann nicht so leicht zurück. Mit diesem selbst erzeugten Druck geht vieles.

Dabei behaupte ich nicht, dass es für jeden so einfach ist. Millionen von Menschen wissen nicht, wo sie heute ihr Essen herbekommen werden. Für die hört sich das alles wie ein Hohn an. Aber mal ehrlich, wenn Du Zeit hast, um meinen Blog zu lesen, gehörst Du zum glücklicheren Teil der Bevölkerung. Und dann kannst Du es genauso schaffen!

(Read this article in English.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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45 Antworten zu „Wie kannst Du Dir all diese Reisen leisten?“

  1. American Viewer schreibt:

    Ich habe es auch noch nie verstanden, warum sich so viele Menschen Autos und Häuser kaufen. Selbst ein Handy besitze ich nicht. Und Kleidung? Warum geben so viele Menschen Geld für schränkeweise Kleidung und Schuhen aus? Ich verstehe es nicht.

    Gerade bei Autos ist es wirklich strange. Privat gekaufte Autos werden im Durchschnitt nur wenige Minuten pro Tag genutzt. Den Rest des Tages stehen sie einfach nur herum. Das ist extrem unökonomisch.

    Man bräuchte ein System ähnlich wie Uber, so dass immer Autos unterwegs sind, in die man günstig einsteigen kann, während es gleichzeitig kaum mehr Privatautos gibt. Es gäbe dann deutlich weniger Autos, aber diese würden viele Stunden am Tag genutzt. Aber daran haben Taxiunternehmen und die Autoindustrie natürlicherweise kein Interesse.

    Und auch viele Kunden wollen das nicht: Sie wachsen mit Werbefilmen auf, die ihnen von klein auf suggerieren sie bräuchten ein eigenes Auto.

    Es ist schwierig hier eine Änderung herbeizuführen. Extreme Regulierungen sind nicht wünschenswert und wären wahrscheinlich nicht einmal wirksam. Aber das genaue Gegenteil könnte funktionieren: Die komplette Deregulierung der Taxi-Industrie – plus hohe Strafsteuern für Privatautos. Eine Maut zum Beispiel.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich glaube auch, dass die Deregulierung bei Taxis und Mietwägen helfen würde. Man kennt das ja aus Ländern, in denen es massenhaft Taxis gibt (in meiner Erfahrung z.B. Rumänien und der Iran, wobei bei beiden Ländern evtl. dazukommt dass sich nicht jeder privat ein Auto leisten kann). Dort kann man jederzeit ein Taxi bekommen und die Preise sind so niedrig, dass es niemanden abschreckt. In Rumänien z.B. fahren sogar Kinder mit dem Taxi zur Schule, weil der durch drei oder vier Schüler geteilte Fahrpreis geringer ist als das auch schon günstige Busticket.

      • American Viewer schreibt:

        Genau so ist es. Man hat das auch schön bei den Fernbussen gesehen. Das Fernbus-System war noch bis vor kurzem in Deutschland extrem reguliert. Dann wurde es relativ klug dereguliert. Vor der Deregulierung gab es in meiner Stadt praktisch keine Fernbus-Angebote, jetzt kann ich mit dem Fernbus fast jede europäische Großstadt anfahren.

        Das Preissystem ist extrem lustig: Wenn ich innerhalb der Stadt 2-3 Kilometer mit dem Taxi fahre, kostet es mich 12 Euro. Die gleiche Strecke mit dem öffentlichen Stadtbus kostet mich immerhin noch 6 Euro. Von Zügen will ich gar nicht anfangen, das ist eine Katastrophe. Da fahre ich die Strecke lieber mit dem Fahrrad oder gehe gleich zu Fuß.

        Und jetzt die Fernbus-Preise: Über 100 Kilometer zu einem Freund: Auch 6 Euro. Mehrere hundert Kilometer nach Paris: 15 Euro. Klar das sind noch absolut Kampfpreise bei den Fernbussen und ich würde auch das Doppelte und mehr bezahlen, aber die Nahverkehrspreise für Züge, Taxis und Stadtbusse erscheinen mir zu hoch.

        Lasst jeden einen Transportdienst anbieten, der es will und die Preise rauschen in den Keller. Wer einen Führerschein hat, sollte andere Menschen für Geld mitnehmen dürfen. Es ist lächerlich an dieser Stelle noch extra Hürden aufzubauen. Diese Hürden dienen nur dazu, dass Taxis und Co keine Konkurrenz haben.

    • Danny schreibt:

      au ja, und die, die das professionell machen, verdienen nichts mehr und leben prekär. und wirtschaften dabei in die tasche der neoliberalen organisatoren ausm silicon valley. sorry leute, ihr habt das noch nicht ganz durchdacht. dabei ist tonnenweise presse zu den nachteilen von absurder deregulierung, einzelunternehmertum überangebot und preisdumping zu finden. bei den neuen fernbussen werden übrigens – oh wunder, wie kann das kommen, wenn wir wegen des preiskampfs unsere infrastruktur kaputtsparen müssen? – 90% von der wartung her bemängelt.

      • American Viewer schreibt:

        Du hast die Sache nicht durchdacht. Solche Kommentare liest man leider in DL sehr viel. Ich glaube das liegt daran, weil Ökonomie in Deutschland an kaum einer Schule ernsthaft unterrichtet wird. Schon gar nicht als wichtiges Fach. Mit deinen „Begründungen“ kannst du auch alle Supermärkte verbieten und nur noch Tante-Emma-Läden erlauben.

        Mit deinen „Begründungen“ kannst du gleich jeden Fortschritt verbieten, der zu Rationalisierungen führt.

        Ohne Regulierungen würde die Taxirevolution wahrscheinlich von UBER ausgehen und bei Roboterautos enden. Die muss man allerdings auch verbieten, denn sonst verlieren Taxifahrer ihren Job komplett. Am besten man erlaubt nur noch Pferde, davon können mehr Menschen leben. Oder man erlaubt Verkehr nur noch auf Holzplatten, die von 250 Arbeiten über möglichst eckige Holzbalken gezogen werden. Das schafft massenhaft Arbeitsplätze.

      • Danny schreibt:

        American Viewer, da verstehst Du mich falsch. Nur eine kurze Frage vorab: möchtest Du in einer Welt, in der wir noch nicht an einem utopischen Endzustand angekommen, sondern die meisten mit ganz profanen Dienstleistungstätigkeiten ihr täglich Brot verdienen müssen, so arbeiten, dass du gerade mal deine Betriebskosten decken kannst und sonst kaum Lohn übrig bleibt, von dem dann auch noch keine Steuern und Versicherung abgegangen sind? Ich glaube nicht.

        Ich bin der letzte, der technischen Fortschritt verteufelt, wenn er der Menschheit etwas, nach ausgewogener Bewertung, bringt. Wenns nach mir ginge, lägen wir die meiste Zeit des Tages klönend auf der Wiese, frönten der Kultur und erledigten die ausschließlich unautomatisierbaren Aufgaben in Kultur, Bildungs- und Erziehungswesen und Roboter würden alles weitere für uns produzieren. Nur leider ist das noch nicht der Fall. Und auf dem Wege dahin gehen Läden wie Uber leider über Leichen und entwickelt auch nicht das selbstfahrende Auto, sondern betreiben für heutige Verhältnisse triviales IT-Business.

        Ich studiere Wirtschaftsethik. An ökonomischer Bildung, alternativen Denkweisen und Kritik am bestehenden System wirds mir da eher weniger mangeln. Zumal ich dem Thema gerade meine Abschlussarbeit widme und da bis zum Hals im Stoff stehe. Car Sharing ist im Prinzip wunderbar. Das unnütz rumstehende Blech sollte am besten gar nicht erst produziert werden. Als Teil des ÖPNV ergänzt es ein noch besser auszubauendes Bus- und Bahnsystem, welches die Hauptlast tragen sollte, gut.

        Natürlich sollte das muffige Taxigewerbe besser kontrolliert werden, damit das langsam um sich greifende Schindluder (teils gammlige Wagen, mehrere Leute aus Großfamilien fahren illegal auf die selbe Lizenz und sind ortsunkundig etc., Kreditkartenuntauglichkeit…) abgestellt wird. Dafür könnten die Behörden wiederum von den Unternehmen lernen.

        Aber was Uber im Gesamtbild macht, kann nicht die Lösung dessen sein. Kurz das wichtigste:
        An deren Geschäftsmodell ist so ziemlich gar nichts, bis auf den Rechtsbruch zu Lasten derjenigen, die die eigentliche Wertschöpfung erbringen, und manchmal auch der Kunden, innovativ. Denn was sie machen nennt sich Taxi und ist gute 100 Jahre alt. Und Apps, um sich eins zu rufen und Fahrer zu bewerten, gabs auch schon vor Uber. Uber behauptet, wie alle kommerziellen Sharing Economy-Läden, den Middle Man zu entfernen, doch dabei sind sie selbst nichts anderes. Tun aber rein gar nichts an Service, um ihre horrende Provision zu rechtfertigen. Vielmehr wird das verdiente Geld in Marketingabteilungen gesteckt, die deutlich zweistellige Prozentzahlen der Belegschaft bilden. Keine Interessenvertretung, keine Beratung, kein gar nichts. Dafür reichlich Lobbyisten in den Lokalparlamenten der Welt.
        Ihre Fixkosten bestehen im Betreiben einer Datenbank und eines Paymentprozesses.
        Uber bewirbt sein Modell für Fahrer mit der professionellen Verdienstmöglichkeit. Die Leute fahren bei Uber X (früher Pop) und Co. nicht ohnehin (wie die nonkommerzielle Mitfahrgelegenheit, wo der Fahrer im wesentlichen den Kurs bestimmt) diese Strecken. Ergo Gewerbe, ergo wohlbegründete Vorschriften, was Qualität (Ortskenntnis, Service), Sicherheit (erhöhte Wartung, gewerbliche Mitfahrerversicherung bei Unfällen) und Steuern (Schwarzarbeit) angeht. Taxi ist ÖPNV und damit Teil der gesellschaftlichen Daseinsfürsorge. Das soll sich jeder leisten können und jeder leistende soll davon ausreichend gut leben können. Aber mit dem intransparenten Preisalgorithmus ist das nicht der Fall. Der ist so volatil, dass zu top Stoßzeiten gern dreistellige Beträge für wenige Kilometer zustandekommen (das nennt sich dann Prohibitivpreis und im Notfall kann das größer werdende Prekariat mangels Geld nicht mehr fahren, wenn in einer bunten Uber-Zukunft nur noch Uber kein sonstiger ÖPNV mehr fährt) und ansonsten im Schnitt weniger als normale Taxifahrer verdient wird (und schon der ist eher am unteren Durchschnitt angesiedelt). Die Fahrer haben 2012, ganz nach Marktlogik, als sie noch nicht so viele waren, passabel verdient. Das ist nicht mehr der Fall in populären Städten. An der Stelle kommt genau der Sinn der klassischen Taxiregulation zum Tragen: die Zulassungen sind begrenzt, damit alle Beschäftigten genug zu tun haben, also effizient gewirtschaftet wird. Wenn man als Uber natürlich alle Kosten abstößt, die sonst eine Taxiinnung so hat, wenn sie sich um die Belange ihrer Arbeiter kümmert, kann man natürlich den Preis drücken, wenn die armen Schweine sie als Selbständige tragen und sich damit ihren eigenen Lohn gen Null tendieren lassen. Und dabei selbst wunderbar verdienen. Und als Kapitalist mit wachsendem Gewinn als goldenem Kalb muss so ein Unternehmen immer weiter expandieren. Nur fährt irgendwann jeder Kunde schon genug (was auch nicht ökologisch sein kann). Also drehen sich die Preisspiralen weiter einseitig nach unten…

      • American Viewer schreibt:

        @Danny
        Ich will mich in keiner Weise auf Uber versteifen. Ob deren Geschäftsmodell toll ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Es ist mir auch egal. Ich sage nur: Taxiunternehmen sollte nicht wie aktuell reguliert werden. In diesem Bereich kann die Regulation dramatisch abgebaut werden. Ob dann Uber sich in diesem Bereich ausbreitet oder viele kleine Taxiunternehmen oder wer auch immer, ist natürlich egal.

        Es geht zunächst um die Regulation, die aktuell oft nur das Ziel hat Konkurrenz zu unterbinden. Wer einen Führerschein hat, sollte Leute gegen Geld transportieren dürfen. Weiter muss man gar nicht sprechen. Alles andere kann man getrost dem Markt überlassen. Und wenn es dann zu „Katastrophen“ kommt, kann man sich immer noch überlegen, ob man etwas regulieren muss. Wie du richtig sagst, Taxis gibt es seit mindestens 100 Jahren. Es ist deshalb höchste Zeit einmal alle Regulation aufzuheben und einfach mal zu gucken, was passiert. Es kann mir niemand erzählen, dass die Welt untergeht, wenn man Taxis 2-3 Jahre nicht reguliert.

  2. Paul schreibt:

    Hallo lieber Andreas, Du kannst nicht nur unterhaltsame Geschichten schreiben und gute Berichte, sondern auch wirklich sehr gute Märchen.
    Macht nichts. Ist meistens kurzweilig dich zu lesen.
    Jetzt hast Du mich sogar hinter dem „Gebüsch“ hervor gelockt.

    Sei gesund, Paul

    • American Viewer schreibt:

      Das ist kein Märchen. Andreas lebt wirklich so.

      • Paul schreibt:

        Wo habe ich bezweifelt, dass er so lebt?
        Bezweifelt habe ich, dass er sein Leben so finanziert, wie er es beschrieben hat. Nur vom Einsparen kann ich nicht leben. Wenn ich nichts habe, dann kann ich auch nichts einsparen.
        Alleine davon, was er geschildert hat, kann man so nicht leben.

        Wenn er, vielleicht unter einem anderen Namen Bücher geschrieben hat; Reisebücher, Photobücher oder was weiß ich. Oder er hat aus einem früheren Leben, er ist Jurist, wenn ich mich richtig erinnere, Geld mitgebracht. Er veröffentlicht, wegen meiner auch unregelmäßig, Artikel, hat geerbt oder im Lotto gewonnen. Sein Leben kostet nicht viel Geld. Das ist mir klar. Aber von Nichts kommt Nichts.

        Deshalb ist seine Geschichte für mich ein Märchen und wird es auch bleiben.
        Außerdem interessiert es mich nicht, warum er so leben kann.
        Ich lese seinen Blog, finde manches gut. Alles Andere ist mir „schnurz piepe“, sagt der Berliner.

        Herzlich, Paul

      • Andreas Moser schreibt:

        Lieber Paul,
        in dem Link im zweiten Absatz erkläre ich genau, wovon ich lebe: Ich arbeite. Keine Ersparnisse, kein Lotto, nichts geerbt. Aber da ich sparsam lebe, muss ich eben nicht jeden Tag arbeiten.

      • Paul schreibt:

        Lieber Andreas,
        bin leider Einsprachler. Der Link ist deshalb für mich unerreichbar.

        LG, Paul

    • Andreas Moser schreibt:

      Wenn wir uns mal begegnen, wirst Du wahrscheinlich erkennen, dass dieser Artikel nun wirklich kein Märchen ist.

  3. herzgeschreibsel schreibt:

    Toller Artikel!! Man muss Prioritäten setzen – wie wahr! Überteuerte Smartphones und Autos werden heutzutage oft gar nicht mehr als Luxusgüter wahrgenommen. Ein monatlicher Handyvertrag über knapp 50 € ist zum Standard geworden und wird nicht mehr hinterfragt. Autos im Wert eines Jahresnettogehaltes werden wie selbstverständlich auf Pump gekauft. Manchmal frage ich mich, ob wir diesen Überfluss überhaupt realisieren. Ich finde es großartig, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die nachhaltig sind und zufrieden und glücklich machen. Momente, Augenblicke, Reisen. Zum Glück hat man immer eine Wahl. Viel Freude beim weiteren Erkunden der Welt 🙂

  4. BetteBookshop schreibt:

    Der Artikel spiegelt sehr gut meine Lebenseinstellung wieder. Hat nicht irgendwer mal gesagt, dass die Leute Sachen kaufen, die sie nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen? Irgendwie so. Leider weiß ich den Verfasser nicht mehr. Aber es stimmt dennoch. Ich finde es toll, dass anscheinend doch vielfach ein Umdenken stattfindet. Es gibt immermehr Menschen, die lieber bescheiden leben und dafür eine Arbeit machen, die ihnen vielleicht keine Reichtümer einbringt dafür aber Spass macht. Ich finde, Dein Beispiel macht Mut.

    • Andreas Moser schreibt:

      Danke!
      Das ist ein guter Spruch, den ich auch schon so oft gelesen habe, dass der Verfasser wahrscheinlich nicht mehr zu ermitteln ist.
      Und ich treffe tatsächlich immer mehr Menschen, die sich aus diesem Konsumwettrennen ausklinken (ich fing damit ja auch erst mit 33 an) und lieber auf Zeit, Freiheit und Muse setzen.

      • BetteBookshop schreibt:

        Wenn man es sich überlegt, ist es doch auch wirklich verrückt, wenn man seine Zeit damit vergeudet Arbeit zu verrichte, die man schlicht nicht gerne tut. Es gibt Untersuchungen darüber, dass Leute innerlich kündigen, weil sie sich oft auch unterfordert fühlen. Aber sie trauen sich nicht zu kündigen.
        Ich wundere mich auch, warum so viele das Konsumwettrennen mitmachen, obwohl es dermaßen offensichtlich ist. Der Handel hakt doch nur noch die Ereignisse ab, die die Menschen zum Kaufen verleiten sollen. Kaum ist Halloween vorbei folgt Weihnachten, dann Silvester und am 1. Januar steht schon wieder Frühling in den Läden. Das nervt einfach.

    • fridolin schreibt:

      Die Antwort ist Fred C. Kelly auf die Frage nach dem Zitat. Alternativ auch 42.

    • American Viewer schreibt:

      Der letzte Stand ist, dass das Zitat von Schauspieler Walter Slezak im Jahr 1957 erfunden wurde. Es geht ungefähr so: We spend money we don’t have for things we don’t need to impress people we don’t like.

      Dieser deutsche Möchtegern-Schönling-Philosoph mit den langen Haaren hat das dann vor ein paar Jahren geklaut und die Quelle nicht angegeben. Dadurch wurde es wohl in DL bekannt. Als seine Erfindung.

  5. bjoernstarkimarm schreibt:

    Obwohl ich mich komplett anders entschieden habe hast du im Kern natürlich recht.

    Da ich wie so viele auch nicht so gerne arbeite habe ich mir auch überlegt, ob ich der Vollzeit-Erwerbsarbeit irgendwie entgehen kann. Mein Problem dabei nur: ich bin eher introvertiert und mag andere Menschen nur begrenzt. Ich will ein großes Haus im Grünen mit einem großen Grundstück. Also muß ich arbeiten. Da Haus und Grund in der Stadt nicht bezahlbar sind brauch ich ein Auto um zur Arbeit zu kommen. Da da einige Kilometer pro Jahr zusammenkommen ist ein Neuwagen mit Garantie eher preiswerter als einen Gebrauchten am Leben zu erhalten. Da ich Technik mag gebe ich dafür nicht geringe Beträge aus.

    Und so arbeite ich im Wesentlichen für Banken (und die Shareholder meines Arbeitgebers). Das ist unschön.

    Trotzdem würde ich mich jedes mal wieder so entscheiden. Prioritäten und Opportunitätskosten.

  6. Jonas schreibt:

    Wie läuft das mit der Einkommensteuer, wenn du ständig woanders arbeitest?
    Und bist Du in Deutschland krankenversichert?

    • Andreas Moser schreibt:

      1) Ich zahle nirgendwo Einkommenssteuer. Es fiele zu schwer, festzustellen, wo ich wieviel bezahlen müsste, weil ich oft während eines Projekts in verschiedenen Ländern lebe, die Rechnung dann in einem dritten Land erstelle und die Zahlung erfolgt, wenn ich schon wieder in einem vierten Land lebe.
      2) Ich habe gar keine Krankenversicherung. Da gehe ich auf volles Risiko. Ich versuche allerdings in jedem Land, eine ledige Ärztin kennenzulernen, die Beschützerinstinkte für mich entwickelt. 😉

      • Danny schreibt:

        Ui, und Dir ist klar, dass Du womöglich gegen Gesetze verstößt und nutzt öffentliche Infrastrukturen irgendwelcher Länder, ohne der Allgemeinheit was von Deinem Verdienst abzugeben? Du weißt schon, dass diese öffentlichen Strukturen nur funktionieren, weil die meisten Leute Steuern zahlen?

      • Andreas Moser schreibt:

        Als Jurist ist mir das vollkommen klar, wobei mein Nettoverdienst unter den meisten Steuerfreibeträgen und in Deutschland sogar unter dem Existenzminimum liegt. Einkommenssteuer müsste ich also sowieso nicht bezahlen.

        Und natürlich zahle ich überall Umsatzsteuer und alle anderen Verbrauchssteuern und helfe somit, Straßen, Bibliotheken und Militärhubschrauber zu finanzieren.

      • Jonas schreibt:

        Interessante Einstellung eines Juristen, Gesetze von Ländern einfach einmal zu ignorieren, weil es zu schwer fiele diese zu befolgen.
        Aber genau diese Dinge sind es, die mich immer an solchen Lebensweisen stören. Die Möglichkeiten klingen oberflächlich ganz toll, sind aber nicht ganz astrein. Du kannst Dir das Leben dort gut leisten, weil du die sehr niedrigen Lebenshaltungskosten der armen Länder nutzt. Und Dein Verdienst mag in Deutschland sehr niedrig sein, aber wie sieht der Vergleich mit den Einkommen in den Ländern aus, in denen du arbeitest?

      • Danny schreibt:

        Naja, wenn er ohnehin unter den Freibeträgen liegt, dann hab ich tatsächlich nichts dagegen. Und dass er sich die Lohngefälle zunutze macht, hat in diesem Fall nur Vorteile für die armen Länder: er bekommt von den reichen Ländern, die es sich leisten können, gutes Geld und gibt es in den armen aus.

        Ansonsten bin ich natürlich auch für eine umfassende und differenzierte Betrachtung der Lebensweisen und immer auf der Suche nach dem Haken an der Sache (siehe oben mein Statement zu Uber).
        Die noch offene Frage wäre im Krankheitsfall: stellt Dir ein brasilianisches Gesundheitswesen eine Rechnung, wenn Du mal Hilfe brauchst, oder wirst Du dann auf Kosten der Locals behandelt?

      • Andreas Moser schreibt:

        Wie das in Brasilien sein wird, weiß ich noch nicht.
        Bisher ist es mir einmal in Litauen passiert, dass ich eine komplizierte Zahnbehandlung benötigte. Die mußte ich dann natürlich aus eigener Tasche bezahlen und mußte mal ein paar Monate arbeiten (und eine Russland-Reise absagen).

      • Paul schreibt:

        Solch ein Leben zu führen, wer träumt nicht davon? Das ist natürlich nur bei bestimmten Berufen möglich. Wer hat diese Möglichkeit, wenn er für seine Lebensgestaltung auf ein Erwerbseinkommen angewiesen ist? Natürlich gehören dazu auch noch andere Bedingungen. Eine Frau wäre unter Umständen schon hinderlich und Kinder würden dieses Leben sicherlich unmöglich machen.
        Für mich ist das eine asoziale Lebensweise. Das heißt eine Lebensweise ohne soziale Bindungen. Die negative Bedeutung, die dieser Bezeichnung im allgemeinen zugeordnet wird, meine ich nicht. Wirklich nicht, lieber Andreas.

        In mir fließt zu 25% Ungarnblut (Wenn da nicht mal ein Zigeuner bei war?). Deshalb habe ich von dieser Lebensweise immer geträumt. Konnte sie aber nur im Campingurlaub ausleben, weil der Beruf mir nichts anderes ermöglichte. Als Rentner wollte ich dann so richtig zuschlagen. Aber leider konnte ich immer nur für 4 Monate herum vagabundieren. Mehr machte meine Frau nicht mit.

        Da wir als DDR-Bürger immer an das Schwarze Meer gefahren sind, kenne ich den größten Teil des von Dir geschilderten Rumäniens, weil wir immer die lange Strecke nach Ruse gefahren sind, über Oradea, Gyula oder Arad. Zwei mal auch über Satu Mare durch den Norden Rumäniens wegen der Klöster. Dann aber in Galati über die Donau. Wir sind zwar nur durch gefahren, haben uns aber immer ein paar Tage Zeit genommen, um uns etwas anzusehen.

        Gegen diese Lebensweise ist nichts einzuwenden. Es ist leider nicht Verallgemeinerungsfähig. Es kann auch niemandem empfohlen werden. Darauf muss man selber kommen. Nur dann wird es was. Wenn dann aber im Alter daraus ein Leben auf Sozialhilfe in Deutschland wird, kriege ich einen „dicken Hals“.

        Herzlich, Paul

      • Andreas Moser schreibt:

        Dass diese Lebensweise nicht verallgemeinerungsfähig ist, ist vollkommen klar. Ich will auch überhaupt niemanden anstiften, der nicht sowieso schon die Lust dazu verspürt. Meine praktischen Tips richten sich an diejenigen, die diese Lust verspüren, aber noch Angst oder Fragen haben. Jenen möchte ich einen ermutigenden Anstoss geben.

        Kinder wollte ich zum Glück nie, deshalb musste ich nie diese Abwägung treffen.

        Ich würde nicht sagen, dass ich keine sozialen Bindungen habe. Ich habe nur andere. Mehr, dafür aber kürzer. Das hat aber auch nicht nur mit meiner Weltenbummelei zu tun, denn selbst wenn ich lange an einem Ort bin, werde ich nicht zum geselligen Typ. Ich war auch schon in Deutschland eher der, der mit dem Buch zuhause auf dem Sofa liegt anstatt in die Kneipe zu gehen, oder der, der allein durch den Wald läuft anstatt zu einem Sportverein zu gehen.

        Das mit der Sozialhilfe kann ich Euch Steuerzahlern wahrscheinlich ersparen, weil ich ja jederzeit wieder als Rechtsanwalt arbeiten kann.

      • Jonas schreibt:

        Das ist halt die Frage. Wo muss man Einkommensteuer zahlen? Wahrscheinlich in dem Land in dem arbeitet. Und da sind die Freibeträge, falls es so etwas überhaupt gibt, sicher nicht identisch mit denen in Deutschland.
        Es ist doch klar: wenn er in dem Land von seinem Einkommen leben kann, dann hat er dort wohl ein durchschnittliches Einkommen.

      • Andreas Moser schreibt:

        Du mußt aber auch bedenken, dass nur der Nettoverdienst steuerpflichtig wäre. Ich könnte z.B. alle Reisekosten abziehen, und dann bleibt wirklich kaum mehr zu versteuerndes Einkommen übrig.

  7. timoschuster schreibt:

    toller artikel!

  8. Paul schreibt:

    Sicherlich trage ich jetzt „Eulen nach Athen“, wenn ich Dir als Juristen jetzt etwas zu Steuerrecht verlinke.
    http://www.expat-news.com/2392/recht-steuern-im-ausland/steuerpflicht-in-deutschland-%E2%80%93-was-sie-beim-auslandsaufenthalt-beachten-sollten/

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann bist Du in Deutschland Einkommenssteuerpflichtig, wenn Du noch einen Wohnsitz in Deutschland hast oder wenn Dein Einkommen Deutschland zuzurechnen ist. Also in diesem Fall, Du für eine Firma in Deutschland tätig bist.
    Wo Du Deine Arbeit verrichtest, bzw. wo Du die Rechnung schreibst, ist völlig unerheblich.
    Was Du von der Steuer absetzen darfst, wird Dir der Finanzbeamte schon mitteilen. Da kannst Du mit Deinen Vermutungen richtig falsch liegen.
    Entschuldigung, dass ich Dir das schreibe. Aber vielleicht ist es auch für diesen oder jenen Leser interessant.

    Herzlich, Paul

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