Eine Zug- und Zeitreise: Im Mennoniten-Express von Winnipeg nach Toronto

Dies ist der dritte Teil der Kanada-mit-dem-Zug-Durchquerungs-Trilogie, so dass ich die vorherige Lektüre von Teil 1 und Teil 2 empfehle. Ansonsten bekommt Ihr alles durcheinander, und die Geschichte wird entgleisen wie ein Güterzug, der eine unschuldige Kleinstadt in Brand setzt. Und das wollt Ihr nicht, oder?


So sehr Winnipeg zu meiner Lieblingsstadt in Kanada geworden war, irgendwann musste ich weiterziehen. Die Ankunft des Zuges war für 19 Uhr geplant, in Wirklichkeit trudelt er um 23:45 Uhr ein und die Reise geht erst eine Stunde später los. Aber alle Passagiere wissen das und haben zuhause noch gemütlich zu Abend gegessen und sich ein Eishockey-Spiel angeschaut, weil sie das praktische Online-Tool nutzen, das Position, Geschwindigkeit und Verspätung aller Züge live anzeigt.

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Alle Passagiere? Nein! Ein Unbeugsamer hat kein Smartphone und hält diese Technik für unnütze Spielerei. Ich treffe also ein paar Stunden verfrüht ein und habe den prächtigen Bahnhof mit überkuppelter Halle für mich allein.

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Vielleicht sollte ich mir doch mal so ein Internetteil kaufen? Aber nein, so schlimm ist eine Verspätung von fünf Stunden gar nicht. Einmal hatte der Zug bei der Durchquerung Kanadas eine Verspätung von mehr als 30 Stunden. Naja, selbst wenn das passieren sollte, ich hätte genug Bücher zum Lesen dabei.

Bald kommen noch mehr Smartphone- und App-Verweigerer: Etwa 12 uniformierte Männer in schwarzen Klamotten und schwarzen Hüten, Frauen und Fräuleins in langen, einfarbigen Kleidern und tief übergestülpten Häubchen, sowie Buben in schwarzen Hosen, dunkelblauen Hemden und Strohhüten. Als Gepäck haben sie große Plastikeimer und mit Schnüren verbundene Holzkisten dabei. Sie sprechen in einem Mischmasch aus Englisch, Deutsch und etwas Deutschähnlichem. Es sind Mennoniten, und zwar solche alter Ordnung.

Ich kann mein Glück kaum fassen! Nicht nur bin ich bald wieder in meinem Lieblingstransportmittel aus dem 19. Jahrhundert unterwegs, sondern ich werde die Fahrt mit Menschen von ebendort teilen. Ich bin zu scheu und anständig, als dass ich andere Menschen frontal fotografieren würde, aber ich weiß, dass Ihr vor Neugier platzt. Also gebe ich vor, ein Selfie zu machen, und hoffe, dass ein paar der Damen hinter mir abgelichtet werden.

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Jetzt muss ich nur noch mit ihnen ins Gespräch kommen. Immer wieder verstehe ich Gesprächsfetzen auf Deutsch, aber wenn sie Englisch sprechen, verstehe ich sie besser. Gerne mischen sie beide Sprachen: „Das ist interesting“ oder „der Zug isch a hundred twenty-six kilometers weit weg. Des dauert no mehr als a Schtund.“ Im Bahnhof werden diese Informationen nämlich ebenfalls auf einem Monitor angezeigt.

Einige der Männer haben Faltblätter mit einer Landkarte der gesamten Strecke, auf die ich immer wieder neidisch blicke. Ich stehe auf, gehe zum Schalter und hole mir ein Exemplar. Als ich zurückkomme, hebe ich die Hand mit der Landkarte und sage „That was a good idea, gentlemen, thank you very much!“ Sie lachen, und das Eis ist so geschickt gebrochen wie es Egon Erwin Kisch oder Ryszard Kapuściński nicht besser und schneller zustande gebracht hätten. Jetzt dranbleiben!

„Wie weit fahren Sie?“ frage ich, weiterhin auf Englisch. Bis zur Eisenbahnkreuzung von Sudbury, andere bis Washago, beides in Ontario. „Von dort müssen wir ein paar Stunden mit dem Bus weiterfahren. Wir wohnen in der Nähe des Lake Superior.“

Die Herren wollen natürlich auch über meine Reise hören, also erzähle ich und vergesse nicht, zu erwähnen, dass ich aus Deutschland bin. Keine Reaktion. Ich hake nach: „Sie sprechen auch Deutsch, wie ich gehört habe, oder?“

„Ja, einen deutschen Dialekt“, erwidern sie, noch immer auf Englisch.

Jetzt wechsle ich frech ins Deutsche: „Dann lassen Sie uns doch Deutsch sprechen.“

„Ja, kenn mer scho mache. Wir sprechen Pennsilwania-Deitsch. Ich hab mal ghert, in Deitschland gibt’s ne Region, die wo heisst Schwoben. Dort spreche die Leit anscheinend so wie wir.“

„Aber unsere Bücher sind in Hochdeutsch geschrieben.“ Mit „Bücher“ meinen sie das Neue Testament, das jeder von ihnen in der Tasche hat. „Aber unsere Bücher sind nicht in englischen Buchstaben, sondern in deutscher Schrift. Ich habe gehört, dass Ihr die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr verwendet.“ Er meint die Frakturschrift, und ich versuche, mich bei den Herren aus der Vorzeit einzuschmeicheln: „Oh, das kann ich lesen. Ich habe als Kind Bücher von Karl May in dieser Schrift gelesen.“ Einer der jungen Männer lächelt, ob aus Kenntnis um den Autor oder aus Mitleid, weil ich etwas anderes als die Bibel lese, weiß ich nicht. Jetzt muss ich ein paar Zeilen aus dem zufällig aufgeschlagenen Johannes-Evangelium vorlesen, ein Test, den ich flüssig und mit Bravour meistere.

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Versucht doch mal, ob Ihr den Test bestanden hättet.

Hoffentlich fragt mich niemand nach meiner Religion, denn als Atheist wäre ich hier unten durch. Manchmal kann ich mich aufgrund frühkindlicher Indoktrination noch als Katholik ausgeben, aber die sind bei den Mennoniten wohl auch nicht so gut angesehen. Denn wenn ich nach der Familiengeschichte frage, erwähnt jeder von ihnen, dass ihre Vorfahren im 18. Jahrhundert aus der Schweiz fliehen mussten. Es würde mich nicht wundern, wenn die Verfolger Katholiken waren, Katholiken verfolgen schließlich alles und jeden (außer Sexualstraftätern im eigenen Verein).

Einer der Mennoniten, der lustigste von ihnen, dessen Hände so aussehen, wie wenn er eben noch Rüben gepflanzt hätte, spricht tatsächlich wie ein Schweizer. Mit ihm kann ich mich fließend unterhalten. Einer der älteren Herren spricht eher schwäbisch, die anderen kann ich nur teilweise verstehen. Wenn sie untereinander sprechen, verstehe ich nur Bahnhof, und endlich passt die Redewendung einmal. Wir werden uns die kommenden Tage abwechselnd beider Sprachen bedienen.

„Tage?“ wundert Ihr Euch wahrscheinlich. Tja, Kanada ist groß, und der Zug von Winnipeg nach Toronto dauert 38 Stunden, die sich dummerweise über zwei Nächte erstrecken, die ich wie immer in der billigsten Klasse ohne Schlafwagen durchzustehen habe. Die Mennoniten frage ich gar nicht, in welcher Klasse sie reisen, denn dass sie gewiefte Sparfüchse sind, das sieht man ihnen schon an.

Als der Zug kurz vor Mitternacht endlich einfährt, stürmt eine lautstarke Gruppe von etwa 50 hyperaktiven Jugendlichen aus dem Zug. An den vollen Rucksäcken sieht man, dass hier Endstation für sie ist. Die Mennoniten und ich danken Gott, dass wir den Zug nicht mit ihnen teilen. Das wäre der Horror geworden.

Während der ganzen Zeit kann ich keinen Notizblock hervorholen und natürlich keine Fotos machen, sonst wäre das Vertrauen dahin, das ich aufzubauen versuche. Beim Einsteigen in den Zug gehe ich also in den nächsten Waggon, um nachträglich alles aufzuschreiben. Mein Platz ist der einzige im Zug, an dem noch für einige Stunden das Licht brennt. (Und Ihr dachtet immer, ich hätte ein lockeres Leben!)

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In den nächsten Tagen wird man sich immer wieder über den Weg laufen. Das ist das Schöne am Reisen mit der Eisenbahn. Wenn man den Gesprächspartner wechseln will, geht man durch den Zug, setzt sich woanders hin, geht in den Speisewagen oder in die mit Glas überdachte Aussichtskuppel, wo man fast nie allein ist. Es geht in dieser Geschichte also ein bisschen drunter und drüber, aber ich möchte damit auch das Gefühl vermitteln, wie es ist, hin und her durch den Zug zu wandern, von interessanten zu langweiligen, von amüsanten zu traurigen Gesprächen. Keine Sorge, falls unterwegs der Faden verloren geht! Am Ende kommen wir wie geplant nach Toronto, ganz sicher.

Irgendwann nach 3 Uhr muss ich doch eingeschlafen sein, denn um 5:30 Uhr wache ich auf, als wir auf freier Strecke halten. Die Scheinwerfer eines Pickup-Trucks haben den Zug zum Stehen gebracht. Zwei Männer steigen aus dem Auto und in den Zug. Ein Überfall? Nein, einfach ein zusätzlicher Halt.

Apropos Pickup-Truck, da fällt mir noch eine Geschichte ein, die die Mennoniten erzählt haben: In eine ihrer Siedlungen kam ein Bär. Tommy, der gerade mit dem Fendt-Traktor unterwegs war, wollte ihn mit der Palettengabel aufspießen, aber der Bär war natürlich schneller und wendiger. Hinzu kam Gary, der den Bären einfach immer wieder mit seinem Pickup-Truck rammte. Das ließ den Bären ebenfalls kalt, also rief Tommy seiner Frau ins Haus: „Bring das Gewehr, aber das 308er!“ Die Frau war eiskalt und erschoss den Bären. Sie haben ihn dann am nächsten Tag in die Schule gebracht, damit die Kinder mal einen Bären sehen.

Den Wilden Westen, es gibt ihn doch noch.

Nach der kurzen Nacht begebe ich mich in den verglasten Aussichtswaggon. Dort ist es eiskalt, aber so werde ich wenigstens schneller wach, noch vor der ersten Frühstückscola.

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Ebenfalls früh wach sind meine Mennonitenfreunde. Die Kinder lesen schon eifrig Bücher, und um 8:30 Uhr kommt eine der Mennonitenfrauen und verteilt Schulhefte. Die Arbeit beginnt.

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Der Schulunterricht ist aber wohl beschränkt auf Bibelkunde und einfache Arithmethik. Denn immer wieder bekomme ich Fragen wie diese: „Wie bist Du denn von Europa nach Kanada gekommen?“

„Mit dem Flugzeug“, antworte ich unvorsichtigerweise.

„Ist das genauso schnell wie die Eisenbahn?“

Ich glaube nicht, aber wie soll ich das jemandem erklären, für den der (relativ langsame) Zug das Maximum an Teufelstechnik darstellt? „Ein bisschen schneller. Aber es macht nicht so viel Spaß, man hat nicht so viel Platz, man ist auf seinem Sitz eingepfercht. Zugfahren ist wirklich viel besser“, versuche ich ihn zu beruhigen.

Am Blick merke ich, dass er sich das alles nicht vorstellen kann. Und mir wird klar, dass ich es nicht nur mit Leuten zu tun habe, die Technik ablehnen, sondern die auch Informationen über Technik ablehnen. Wer keinen Fernseher hat und keine Magazine durchblättert, woher soll der wissen, wie ein Flugzeug von innen aussieht?

Ein anderes Problem mit der Technik haben zwei mittelalte Kanadierinnen, die jetzt in die Glaskuppel kommen: „Ich krieg hier noch die Krise, hier gibt es auch keinen Empfang!“ „Und seit gestern kein Internet, ich weiß gar nicht, wie es meinen Hunden geht.“ „Wo ist denn der nächste Halt, wo wir telefonieren können?“ „Nie mehr bin ich so blöd, mit dem Zug zu fahren! So eine Scheißidee.“

Wir haben es mal wieder mit jenen Menschen zu tun, die die Eisenbahn für alles kritisieren, was gar nichts mit ihr zu tun hat. Wenn man mit dem Auto durch unbewohnte Teile Kanadas fährt, hat man auch keinen Handyempfang. Eine Bekannte aus Winnipeg hatte mir gesagt, dass sie nie mit dem Zug reisen könne, weil sie klaustrophobisch sei. Ich fragte sie, wie groß ihr Auto denn ist oder ob sie allein in einem Frachtjumbo fliegen würde, aber sie kapierte es nicht. Wenigstens gibt es in Kanada nicht die ganzen Verspätungsbeschwerer wie bei der Deutschen Bahn, die dann lieber Stunden im Stau stehen.

Ähnlich absurd sind die Argumente derjenigen, die irgendwie rechtfertigen wollen, warum Kanadier weniger Zug fahren als Menschen in anderen Ländern. „Kanada ist so groß“ ist die Standarderklärung/-ausrede für alles. Russland ist auch groß, und dort ist nicht nur die bekannte Trans-Sibirische Eisenbahn ein gängiges Transportmittel. In Kanada ist die Bevölkerung sogar noch viel konzentrierter auf einige Ballungsräume, alle innerhalb eines Korridors entlang der Grenze mit den USA, was den Zugverkehr effizienter und ökonomischer machen sollte. Außerdem, nur weil ein Land groß ist, bedeutet das nicht, dass jeder Passagier bei jeder Fahrt bis zum Nordpol will.

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„Kanada hat nicht genug Menschen“ ist das nächste schwache Argument. Naja, es sind 37 Millionen und damit nicht weniger als in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Rumänien oder Montenegro, wo der Zug überall öfter als zweimal in der Woche fährt.

Nein, es ist wohl die Individualisierungsideologie, die sich gemeinschaftlichen Lösungen verweigert. Die nordamerikanischen Ureinwohner mit ihrem kommunitären Gesellschaftsmodell hingegen hätten ganz sicher Eisenbahnen gebaut.

Zwei Jungs, die im gleichen Waggon wie ich fahren, stellen sich vor: Chance und Curtis. Sie haben sich erst im Zug getroffen, fahren aber beide die gesamte Strecke von Vancouver nach Toronto ohne Unterbrechung. „Hut ab“, möchte ich da sagen, aber keiner von ihnen wird während der gesamten Fahrt seine Baseballkappe auch nur eine Sekunde abnehmen.

Curtis ist Nuklearphysiker und arbeitet an einem Forschungsinstitut an Dingen, die ich nicht verstehe. Seine sehr klobigen Koffer machen mir etwas Sorgen. Vielleicht ist er ein Plutoniumkurier?

Chance ist Schauspieler (er spielte Phil in der Serie The Switch), Sozialarbeiter und Drehbuchautor. „Oje, nicht schon wieder ein Drehbuchautor“, denke ich nach der Erfahrung mit Benjamin aus Teil 2 dieser Zugreise. Fährt der ganze Zug denn nur, damit Autoren sich mit Passagieren unterhalten, um daraus Artikel und Drehbücher zu schreiben, ohne zu merken, dass ihr Gegenüber den Zug aus genau dem gleichen Grund genommen hat? Vielleicht sind wir alle gar nicht so kreativ, wie wir glauben.

Als ich wieder in die Glaskuppel gehe, bemerke ich, dass diejenige der beiden Kanadierinnen, die nicht ganz so verrückt nach Handyempfang ist, eine andere Obsession hat: Sie hat sich vom Personal einen Reinigungsspray und Papiertücher geben lassen und putzt die Fenster. „Diese Jugendlichen auf Schulausflug haben ihre ungewaschenen Haare an die Scheiben gedrückt“, erklärt sie ihre Aktion.

Anscheinend steigert die Putzaktion tatsächlich den Durchblick, denn ein Mennonit ruft mir zu: „Siegscht den bald eagle da obn?“ Den Weißkopfadler hätte ich zwar nicht erkannt, aber ich sehe einen Punkt in der Ferne des Firmaments. Die Augen bleiben also wirklich besser, wenn man nie auf Monitore starrt. „Das muss ein junger sein, denn mit drei Jahren verändern sie die Farbe“, fügt er zoologisch versiert an.

Überhaupt ist es beeindruckend, was die Mennoniten über die Natur wissen. Ökos sind sie allerdings nicht. Ihr Verhältnis zur Natur ist eher eines der Nutzbarmachung, ganz gemäß der Anweisung im ersten Buch Mose 1:28, sich die Erde untertan zu machen. Die folgende Geschichte illustriert das ganz gut:

„Der Biber ist ein schlaues Tier. Wir hatten mal einen Biber auf der Farm, der einen großen Baum für den Dammbau benötigte und ihn gerade so weit angenagt hatte, dass der Baum nicht umfiel. ‚Warum nagt er nicht weiter?‘ fragten wir uns, bis wir merkten, dass er Nordwind benötigte, damit der Baum in die gewünschte Richtung fiel. Nordwind ist selten bei uns. Also hat der Biber sechs Wochen gewartet, bis der Wind aus der gewünschten Richtung kam. Und genau an dem Tag hat er den Baum gefällt.“

„Wow!“ entfährt es mir, sowohl aus Bewunderung für den Biber als auch für die Gabe, so etwas zu beobachten. Wir Zivilisationsmenschen würden gar nicht verstehen, was der Biber vorhat.

„Der Damm ist so geschickt konstruiert, alle Bäume und Äste sind engstens miteinander verhakt, den bekommst du mit der Hand nicht mehr auseinander,“ fährt der Landwirt fort, „also haben wir ihn mit Dynamit gesprengt.“

„Die ganzen Fische waren dann auch tot“, erinnert sich sein Kollege.

Die Aufsicht über Nationalparks sollte man den Mennoniten besser nicht übertragen. Und eigentlich sind sie auch ganz normale Wachstumsjünger, wohl in Befolgung der oben zitierten Stelle aus dem ersten Buch Mose, die auch zu Fruchtbarkeit und Vermehrung auffordert. Einer der Mennoniten erzählt mir, dass er jetzt in einem Dorf mit 40 Einwohnern lebe, aber aus einem Dorf mit etwa 100 Einwohnern stamme. Wenn die Gemeinde zu groß wird, muss sie sich teilen, weil das Land sie nicht mehr ernähren kann.

Ich halte das zwar für die falsche Antwort auf weltwirtschaftliche Wachstumsprobleme, aber heute will ich mal zuhören. Mich interessiert, wie entschieden wird, wer bleibt und wer weiterzieht. „Es ist ein bisschen Zufall,“ antwortet er vage, „aber auf jeden Fall müssen Junge und Alte darunter sein.“ Die Mennoniten profitieren von der Landflucht, so werden immer wieder Höfe und im besten Fall ganze Dörfer frei, die man kaufen kann. Wenn die Kanadier in die Stadt ziehen wollen und ein Dorf aufgeben, kommen die Mennoniten mit ihrem Pferdewagen und einem Sack, in dem 8 Millionen Dollar Bargeld stecken. Das Geld konnten sie locker ansparen, weil sie nie in ihrem Leben ein Apple-Produkt gekauft haben. (So finanziere ich übrigens auch mein Leben.)

Auf dieser Fahrt treffen sich die Extreme, und ich bin mittendrin. „Wo sind wir überhaupt?“ kreischt eine der Frauen, wie wenn der Zug sie entführen wollte. Die Mennonitenmänner blättern in einem sehr zerfledderten Straßenatlas und erklären, dass wir bald nach Sioux Lookout kämen. Wie sie das in der flachen Prärie, wo alles gleich aussieht, bestimmen können, verstehe selbst ich Superpfadfinder nicht. Vielleicht erkannten sie das verlassene Sägewerk, das gerade vorbeigezogen ist. „Hoffentlich funktioniert dort das Telefon“, ist der einzige Gedanke der Handyfrau.

Nach Sioux Lookout wird die Landschaft interessanter als in der Prärie. Es ist noch immer relativ flach, aber bewaldet und mit Seen. Der Zug fährt keine langweilige Gerade mehr, sondern schlängelt sich durch Birken-, Fichten- und Tannenwälder.

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„Des schaut aus, wie wenn’s forest fires ghat hätt“, weist mich einer der Mennoniten auf die verbrannte Erde hin, aus der jedoch schon wieder putzige grüne Bäumchen sprießen und den Kreislauf der Natur von vorne beginnen.

Es ist kein Zufall, dass gerade der Wald neben der Bahnlinie abgebrannt ist. Funken aus der Dampflok, Funkenflug von den Bremsscheiben und aus dem Fenster geworfene Zigarrenstummel, kleine Ursache, große Wirkung. Das Rauchen ist übrigens verboten. Die Schaffnerin scheint eine feine Nase zu haben, denn immer wieder ruft sie durch die Toilettentür und erinnert an das Verbot. Die Ertappten kommen dann erst nach 15 Minuten raus, weil sie das Kabuff von Asche und Gestank reinigen müssen, und streiten den Tabakkonsum natürlich ab. Manchmal habe sie auch schon Leute aus dem Zug geworfen, erzählt sie. Ich lasse mir anmerken, dass ich das ziemlich hart finde, und sie erklärt: „Hey, das Rauchverbot ist nicht irgendeine Regelung der Zuggesellschaft, sondern ein Bundesgesetz.“ Na gut, aber die meisten der Ortschaften, in denen wir halten, sind so klein, dass es dort nicht einmal ein Hotel gibt. Wer da rausfliegt, wird vom Bären gefressen.

Später, als sie wegen der Nähe eines Ortes tatsächlich mal Empfang hat, zeigt die Mobilfunkfetischistin einem Mennoniten stolz ihr Telefon: „Sehen Sie, der Punkt hier zeigt unseren Zug an. So weiß das I-Phone immer, wo wir sind.“ Naja, immer ist übertrieben, wie wir gesehen haben. Und als der Kollege Technikbanause fragt „Können Sie mir dann Bescheid geben, wenn wir an der Farm vom Wiebe vorbeikommen?“, ist sie platt wie ein platter Reifen in Plattdeutschland.

„Gerade hatte ich zwei Balken, jetzt habe ich nur mehr einen“, ruft die Telefontussi, nennen wir sie Tiffany, ganz entsetzt. Es ist ihre erste große Reise. Sie kann umsonst mit der Bahn fahren, denn ihr verstorbener Mann war dort angestellt. Das hätte sie zwar schon seit 30 Jahren machen können, aber bisher hat sie nur gearbeitet (eine typisch kanadische Krankheit, insofern passen die Mennoniten gut in das Land). Ihr Mann selbst sei übrigens nie Zug gefahren, weil er Angst hatte, dass der Zug entgleisen würde. „Ich weiß, in welch schlechten Zustand die Strecke ist, das tue ich mir nicht an“, soll er immer wieder gesagt haben, bis er starb, wahrscheinlich bei einem Autounfall.

Die Putzfrau, nennen wir sie Pamela, will mir unbedingt ihre Lebensgeschichte erzählen. Sie hat erst mit 45 geheiratet, zwei Tage nach der Hochzeit zog der Mann von Ontario nach Alberta, sie gab ihren Job als Mikrobiologin auf, fand nur Arbeit auf dem Golfplatz, musste eine Hypothek aufnehmen. Nach fünf Jahren Ehe stellte sich heraus, dass ihr Mann schwul ist. Anstatt über die verlorenen fünf Jahre ärgert sie sich immer wieder über die gemeinsamen Schulden, die zu begleichen müssen sie glaubt. „Ich könnte in der Jerry-Springer-Show auftreten“, schätzt sie sich richtig ein.

Dazwischen zeigt sie mir unendlich Fotos von Hunden und Katzen auf ihrem Handy (das funktioniert leider auch ohne Netz). Als sie mir das Foto des abgetrennten Fußes ihres zuckerkranken Vaters zeigen will, stehe ich auf und kann mich nur dadurch retten, dass ich die Mennoniten frech frage, was in dem riesigen Plastikkanister ist, den sie herumreichen. Es sind selbstgemachte Kartoffelchips, so weit haben sich die Einwanderer aus deutschsprachigen Landen dann doch amerikanisiert.

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Einer der älteren Mennoniten wendet sich nun an die Frau mit dem dramatischen Leben: „Sie sind aus Alberta und haben Hunde? Dann kennen Sie vielleicht die Victoria Bond.“

„‚Ähm, nein.“

„Die wohnt auch in Alberta.“

„Wo in Alberta?“

„Das weiß ich nicht. Aber sie hat zwei Hunde, und ich dachte, man kennt sich dann vielleicht.“

Zur Erklärung sei angefügt, dass die Provinz Alberta über 660.000 km2 groß ist. Das ist so groß wie Deutschland und Italien zusammen.

Es ist noch früh am Morgen, aber ich muss mir schon wieder heimlich Notizen machen, sonst kann ich mir all die Kuriositäten nicht merken. Also verziehe ich mich in den Speisewagen, wohin die Mennoniten auf keinen Fall gehen. Sie sind autark. Wahrscheinlich haben die Hühner in den Holzkisten sogar frische Eier gelegt.

Beim Frühstück lerne ich Richard kennen, der sein Fahrrad mit in den Zug gebracht hat, damit er in Toronto umweltfreundlich durch den Regen radeln kann. Der Transport kostet nur 20 $ extra, das ist für eine Strecke von fast 2.000 km akzeptabel.

Ansonsten fährt Richard umsonst, denn er ist ein ehemaliger Schaffner, der sich damit ein lebenslanges Fahrtrecht erworben hat. Er erzählt, dass die Strecke früher am Lake Superior entlang führte und landschaftlich viel schöner war. Aber jetzt sei es wichtiger, dort den ganzen Krimskrams aus China so schnell wie möglich nach Toronto zu transportieren.

Und noch etwas weiß Richard: den Grund für die fünf Stunden Verspätung in Winnipeg. „Gestern Abend unterhielt ich mich hier mit einem älteren Herrn. Naja, unterhalten ist vielleicht das falsche Wort, das Gespräch war sehr einseitig. Vielleicht hatte er Demenz, jedenfalls sprach er kaum. Am nächsten Morgen war er tot. In Saskatoon kamen dann der Leichenbeschauer und der Sheriff an Bord, deshalb die Verspätung.“ Ich hoffe nur, die haben den Toten mitgenommen, anstatt ihn im Kühlfach zu deponieren, aus dem mein Frühstücksspeck kam.

Ein älteres Paar setzt sich an den Tisch, vielleicht angelockt vom morbiden Gesprächsthema. Auch sie sind aus Winnipeg. Als ich erzähle, dass ich gerade für zehn Tage dort war, können sie es gar nicht fassen. „Zehn Tage in Winnipeg, was macht man denn da so lange?“ Das ist etwas, das mir auf Reisen immer wieder begegnet: Die interessantesten und sympathischsten Städte werden vollkommen unterschätzt, selbst von den Menschen, die dort leben. Ich hätte Monate in Winnipeg verbringen können, ohne dass mir langweilig geworden wäre. Aber dazu gibt es mal einen gesonderten Artikel, falls Interesse besteht.

Vor Hornepayne müssen wir auf freier Strecke etwa 90 Minuten warten, „weil zu viele Züge im Bahnhof sind“. Das sind die langen Frachtzüge, mit denen Erdöl durchs Land gefahren wird, das zuerst exportiert, im Ausland raffiniert und dann als Benzin importiert wird, um all die Autos von den Leuten zu betreiben, die nicht Zug fahren wollen. Sehr effizient, so eine Marktwirtschaft.

Netterweise öffnen die Schaffner die Türen, so dass wir uns ein wenig die Beine vertreten können, wenn auch nicht sehr weit, weil gleich neben dem Gleis ein Bach verläuft und das Eis darüber nicht mehr trägt.

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Irgendwann erreichen wir dann doch Hornepayne. Ein Ort mit 1000 Einwohnern, aber diejenigen, die dringend belanglos telefonieren wollen, sind im siebten Himmel. Während des Aufenthalts, der gerade so knapp bemessen ist, dass man zum Supermarkt und zurück laufen kann, gibt es anscheinend einen Vorfall, dass ein Mann auf die Lok klettern will und von der Zugbegleiterin entdeckt und verscheucht wird. Ich selbst sehe nichts, aber die Neuigkeit verbreitet sich in der nachrichtenarmen Gegend wie ein gefährlicher Waldbrand.

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Mittlerweile haben sich Chance, Curtis, Tiffany und Pamela bekannt gemacht und diskutieren heftigst, wozu sie sich leider den Panoramawagen ausgesucht haben. Die Damen schimpfen, dass niemand mehr arbeite (was nicht stimmt), weil jeder Sozialhilfe und kostenlose Häuser bekäme (was nicht stimmt), dass man die Ureinwohner besser behandeln müsse, obwohl man selbst sie doch nicht ausgerottet hat (wobei zumindest letzteres zumindest hoffentlich stimmt, aber die andauernden Folgen der Entrechtung übersieht), dass niemand an die Ölindustrie und die Landwirtschaft denke (was in Kanada nun wirklich nicht stimmt), und dass sie bessere öffentliche Dienstleistungen sowie niedrigere Steuern wollen (was unlogisch ist). Mit einem Satz, sie sind typische Leute aus Alberta.

Die Jungs bestreiten jeden einzelnen Punkt, relativ fundiert, aber etwas übereifrig und ein bisschen schnell persönlich werdend. Sie finden, dass Umweltschutz wichtiger ist als Erdöl, dass Steuern nichts Schlechtes sind, dass insbesondere reiche Unternehmen ein bisschen mehr zahlen können (wofür sie als Sozialisten gebrandmarkt werden), und dass postkoloniale Gesellschaften eine Verpflichtung gegenüber den einst Kolonialisierten haben (ich finde die Argumentation zu ethnisch-kulturell und zu wenig sozio-ökonomisch). Mit einem Satz, sie sind tyische Kanadier, die nicht aus Alberta sind.

Es ist so, wie wenn überzeichnete Charaktere einen politischen Streit auf Twitter nachspielen. Sinn ergibt das alles nicht, aber dafür sind sie umso lauter, während die Mennoniten und ich einfach nur die Landschaft von Ontario bewundern wollen. „Weiße können sagen, was sie wollen, immer werden sie als Rassisten bezeichnet“, ereifert sich Tiffany. Das ist nun wirklich Unsinn und zudem ein sicheres Zeichen, dass in den nächsten Minuten rassistische Äußerungen folgen werden.

Da stehe ich lieber schnell auf und begebe mich zum Mittagessen, wo ich wieder auf Richard treffe, der anscheinend im Speisewagen wohnt. (Vielleicht hat er dafür auch ein Gratisticket.) „Hast du von dem Typen, der auf die Lok geklettert ist, gehört?“ begrüßt er mich.

„Was war denn da los?“ frage ich, voller Hoffnung auf mehr Details.

„Ich habe keine Ahnung, was der wollte. Die Schaffnerin hat ihn heruntergezogen, dann ist er weggerannt. Gut, dass sie ihn entdeckt hat, bevor der Zug anfuhr. Das kann echt gefährlich werden!“

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Sogar der älteste der Mennoniten war noch nie weiter westlich als Winnipeg. In seinem ganzen Leben. Dafür macht er sich Sorgen, ob er noch arbeiten kann, weil er ein Knie aus Metall hat und mit zwei Stöcken durch den Zug geht. „Mit den Pferden werde ich wohl nicht mehr arbeiten können, weil ich nicht mehr rechtzeitig aus dem Weg springen kann. Vielleicht kann ich noch Bienenstöcke zimmern.“ Daher hat Max Weber also die Theorie von der protestantischen Arbeitsethik.

Jemand wie ich, mit dem Berufswunsch Landstreicher, wäre da schnell geächtet. So antworte ich auf die unausweichliche Frage nach meinem Beruf nicht wahrheitsgemäß, dass ich Geschichte studiere, um die Welt bummele und auf Katzen aufpasse, sondern rekurriere auf den zuletzt vor zehn Jahren ausgeübten Beruf als Rechtsanwalt.

„Mit welcher Spezialisierung?“ fragt mich der Schweizerisch sprechende Mennonit.

„Familienrecht, also Scheidungen und Streitigkeiten um Kinder.“

„Das ist einfach,“ antwortet er, „da ist immer der andere schuld!“ Er ist echt der lustigste in der Truppe. Zu Scheidungen sagt er nur: „Wir machen das nicht. Das ist ein starker Punkt bei den Mennoniten.“ Ich würde das eher anders beurteilen, aber ich habe den Eindruck, dass er selbst merkt, dass man dadurch Probleme nur ignoriert, aber nicht löst.

Wahrscheinlich brauchen die Mennoniten gar keine Anwälte. Denn sie sind so überzeugte Pazifisten, dass sie nicht einmal jemanden verklagen, sondern einfach aufs Jüngste Gericht hoffen. Tragischerweise trug die Kombination aus deutscher Abstammung und Pazifismus dazu bei, dass die Mennoniten während des Ersten und Zweiten Weltkriegs in Kanada als Vaterlandsverräter angesehen wurden. Von den Männern wurden etliche interniert oder zur Zwangsarbeit verurteilt. (Mehr dazu in meinem Artikel über deutsche Einwanderer in Nordamerika.)

Selbst spät am Abend streiten sich die jungen Linken und die alten Rechten noch bitter. Jetzt sind sie tief in der Rassismusdiskussion. Während vier Weiße heftigst über Rassismus diskutieren, sitzt zwei Reihen weiter ein junger Schwarzer, der sich wahrscheinlich denkt „Was wisst Ihr denn schon?“ oder nur inständig hofft, nicht in diese verfahrene Diskussion verwickelt zu werden.

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In der Nacht rast der Zug, wie wenn er glaubt, die enorme Verspätung aufholen zu können. Ich träume, dass ich Freunde in ihrem Haus am Meer besuche, das wackelt und quietscht wie der Zug. „Das ist der Wind“, sagen sie, und im Traum kann ich vor Angst nicht schlafen.

Am nächsten Morgen verschlafe ich den Sonnenaufgang. Die Landschaft hat sich verändert. Überall sind kleine Seen, fast Moore, Ausläufer der Georgian Bay.

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Ich frage die Mennonitenherren ungläubig, ob sie in dem Rumpelzug überhaupt schlafen konnten. „Ja, klar“, antworten sie, wie wenn die Frage sie verwundert.

Chance und Curtis unterhalten sich jetzt auch über den mysteriösen Trittbrettfahrer: „Der Typ wollte wohl kostenlos mitfahren und sich zwischen den Waggons verstecken.“ „Krass, das wird doch eiskalt in der Nacht.“ „Vielleicht musste er nur bis zur nächsten Stadt.“ „Tja, der nächste Zug kommt in drei Tagen, dann kann er es nochmal versuchen.“

Das hört sich so an, wie wenn schon wieder eine Abenteurerkarriere, wahrscheinlich inspiriert durch meinen Blog, in den Anfängen gestoppt wurde. Schade.

Jetzt löst sich auch das Rätsel von Curtis‘ Atombombenkoffer: Er ist einfach nur genauso altmodisch wie ich und schleppt einen Riesenvorrat an Büchern aus Papier durch die Gegend.

Bei den Mennoniten hätte ich mir die Frage eigentlich sparen können, aber ich habe dann doch eruiert, ob sie mal nach Europa kommen wollen. Alle verneinen diese Frage, und ich habe den Eindruck, wie wenn sie noch nie darüber nachgedacht haben, weil das einfach keine Option darstellt. In diesem Zusammenhang erwähnen sie dann immer, dass sie in der Schweiz verfolgt wurden und deshalb fliehen mussten. Wissen sie nicht, was sich seither verändert hat? Vielleicht haben sie tatsächlich keine Vorstellung des aktuellen Europa, denn als einer von ihnen hört, dass ich aus Deutschland bin, fragt er mich: „Kennst du den Erwin aus Braunschweig?“

Aber auch ich kann dumme Fragen stellen: „Habt Ihr eine eigene Radiostation auf Deutsch?“

„Wir haben keinen Radio oder Fernseher in unseren Häusern.“ Oh, dann muss ich nach Internet oder Telefon gar nicht fragen.

Nach Autos frage ich aber doch.

„Nein, wir haben keine Autos.“

„Aber gestern hat der Kollege den Traktor erwähnt“, werfe ich ein.

„Ja, in deren Gemeinde machen die das anders“, sagt er traurig. „Wir haben nur Pferdekutschen.“ Das Wort Gottes ist so unklar, dass es in jedem Dorf anders ausgelegt wird.

Währenddessen halte ich eines der Bücher in der Hand, das ich mir für die Zugreise mitgenommen habe: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert von Yuval Harari. Es handelt von Biotechnologie, Algorithmen, der Kontrolle über Daten. Und plötzlich beneide ich den bärtigen Mann mit seinen schmutzigen Fingern neben mir, denn er hat die Lösung für vieles schon gefunden. Stress hat er auch keinen. Jetzt verstehe ich, wieso er nachts so gut schlafen kann.

Im unbeheizten Glashaus, in dem sich die Leute jetzt gegenseitig Steine an den Kopf werfen, ist es eigentlich eisig kalt, aber die Diskussion ist mir zu hitzig und vor allem zu unergiebig. Man nimmt diesen Zug doch nur einmal im Leben, kruzifix nochmal, müssen einem die Leute da wirklich die Fahrt mit den ewig gleichen Diskussionen vermiesen, die man auch anderswo schon hundertmal gehört hat?

Was sehr angenehm an den Mennoniten ist, dass sie sich so unterhalten können, dass nicht der ganze Zug alles hört; ein Talent, das sie an die kanadischen Passagiere weitergeben sollten. Die denken nämlich, dass ihr Unsinn alle interessiert.

Es tut mir leid für Euch, dass es aus Ontario keine weiteren Fotos mehr gibt, aber ich kann es im Obergeschoss echt nicht mehr aushalten und ziehe mich auf meinen Sitzplatz zurück. Ich muss sowieso noch Schlaf nachholen.

Aber schon nach etwa einer Stunde, ich kann mein Unglück kaum glauben, kommen die beiden Jungs herunter und setzen sich genau neben meinen Platz, um die Diskussion fortzuführen, die oben anscheinend eskaliert ist. Das wundert mich nicht, denn insbesondere Chance ist viel zu aggressiv, als dass man auf einen grünen Zweig kommen könnte. Und beide überbetonen den Generationenkonflikt. Sie betrachten die beiden Frauen als Repräsentanten einer Elterngeneration, mit der sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und die Frauen denken, dass sie mehr vom Leben verstehen, weil sie geschieden oder verwitwet sind.

Sie kommen aus vollkommen unterschiedlichen Denkschulen und wenn sie volle Kanne aufeinander losdiskutieren, kann dabei nichts rauskommen. Dabei hat mir Chance gestern vom Aufwachsen in einer Pflegefamilie, von Drogen, Obdachlosigkeit und seiner Geschlechtsumwandlung erzählt. Er hätte eigentlich viel gemeinsam mit der Frau aus der Jerry-Springer-Show; viel, worüber sich Verständnis und Empathie aufbauen ließe.

Es stimmt schon, die Frauen haben etwas komische Ansichten, und über strukturellen Rassismus haben sie noch nie nachgedacht. Aber man kann das auch schonender und sanfter erklären. Oder durch Fragen zum Nachdenken anregen. Ich kann mich ja auch mit den Mennoniten respektvoll unterhalten, obwohl ich Atheist und gegen Arbeit bin. Auf einer Zugfahrt höre ich lieber zu, als dass ich doziere.

Diese Leute, die sich gegenseitig anschreien und beleidigen, die kommen nach ein paar Tagen und Tausenden von Kilometern mit genau der gleichen Meinung nach Hause. Bei mir ändert sich immer etwas. Nach jeder Reise bin ich anders als zuvor.

Als ich mal wieder auf die Schaffnerin treffe, frage ich nach dem Mann, der auf den Zug springen wollte. „Ach, der wollte nur ein Selfie vor der Lokomotive machen. Aber wenn diese Geschichten durch den Zug wandern, dann verändern sie sich immer.“ Gut, dass Ihr mich auf diese Reise geschickt habt, der alles verifiziert, lieber dreimal nachfragt und akribisch recherchiert.

Dummerweise ist diese Arbeit anstrengend, und ich schlafe wieder ein und verpasse den Ausstieg der Mennonitenfreunde. Schade. Allerdings wäre mein Traum, dass sie mich einladen, mit in ihr Dorf zu kommen und ein internetfreies Leben zu führen, wohl sowieso nicht in Erfüllung gegangen. Wer einen Adler in drei Kilometern Höhe sieht, erkennt auch auf den ersten Blick, dass ich über keinerlei landwirtschaftlich oder handwerklich verwertbaren Fähigkeiten verfüge.

Mennonitenjunge

Außerdem sind sie, trotz der persönlichen Freundlichkeit, wohl doch nicht so am Kontakt interessiert. Euch wird aufgefallen sein, dass ich von keinem der Mennoniten den Namen erfuhr (außer von Tommy und Gary von der Bärenjagd; vielleicht weil sie annahmen, ich kenne die Herren). Das ist insbesondere in Nordamerika frappierend, wo einem sonst jeder Fremde innerhalb von 30 Sekunden die Hand entgegenstreckt und sich vorstellt: „Hallo, ich bin Tim, lass mich dir von meinem Leben erzählen und dich sogleich zum Grillen einladen.“ Die Mennoniten sind eher schüchtern und zurückhaltend, auch hier stehe ich ihnen mentalitätsmäßig näher.

Mennonitenmädchen.JPG

Und noch etwas fällt auf: In den gesamten beiden Tagen habe ich mit keiner der Mennonitenfrauen gesprochen. Manchmal habe ich sie gegrüßt, dann haben sie scheu gelächelt, das war’s. Dabei waren die jüngeren Damen sichtlich neugierig auf den mysteriösen Fremden, der wie einer der Schauspieler aussieht, den sie im Fernseher, den sie nicht haben, noch nie gesehen haben. Die Frauen saßen nicht immer abseits von den Männern, aber nie sagte eine von ihnen etwas in meiner Gegenwart. Der erste Korintherbrief 14:34-35 wird anscheinend streng befolgt. Wenn ich die Männer näher kennenlernen würde, käme ich vielleicht darauf, dass sie doch keine sympathischen Käuze, sondern religiöse Fundamentalisten sind. Fundamentalisten, die wir, wenn ihr Buch anders als die Bibel hieße, als eine Gefahr für die Gesellschaft und insbesondere für die so erzogenen Kinder wahrnehmen würden. Dann wäre auch der Aufschrei größer, wenn erwachsene Frauen nicht lesen und schreiben können.

Am Ende kommen wir sogar zwei Stunden früher als geplant in Toronto an. Zwei Stunden früher ankommen trotz Abfahrt mit fünf Stunden Verspätung, das ergibt einen Nettozugewinn an Lebenszeit von sieben Stunden. Das soll die Deutsche Bahn oder die ÖBB mal nachmachen.

Ich hatte den Zug gewählt, weil ich Berge und Seen, Flüsse und Städte, Schnee- und Felsmassen vorbeiziehen sehen wollte, weil ich einen geographischen Überblick über dieses unhandliche Land gewinnen wollte. Aber am Ende waren es die Menschen und ihre Geschichten, die im Gedächtnis bleiben, die die Reise belebt haben und die mich jederzeit wieder den Zug wählen lassen würden.

Andreas Moser on The Canadian before Toronto.JPG

Nach 4466 km fühle ich mich überraschend frisch und erholt. Jetzt bin ich bereit für die Weltreise mit dem Zug!

Praktische Hinweise:

  • Alle Informationen, Fahrpläne und Buchungsmöglichkeiten gibt es bei Via Rail.
  • Im Sommer fährt der Zug dreimal, im Winter zweimal pro Woche.
  • Wenn Ihr flexibel seid, versucht verschiedene Daten, denn die Preisunterschiede sind enorm. Im Sommer ist der Zug angeblich ziemlich ausgebucht, und ab 1. Juni werden die Preise verdoppelt, wie mich ein Schaffner vorgewarnt hat. Die gesamte Strecke von Vancouver nach Toronto gibt es in der Nebensaison ab 466 $ (= 300 €).
  • Ich konnte den Fahrschein nicht mit meiner europäischen Kreditkarte buchen und musste deshalb ins Reisebüro gehen. In der Nebensaison kann man aber aber auch am Abfahrtstag noch problemlos Tickets am Bahnhof kaufen.
  • Unbedingt mitnehmen: Ein Buch, eine Decke für die Nacht, Hausschuhe.
  • Internet gibt es nur an den großen Bahnhöfen. (Ich fand die Internetfreiheit übrigens super. Dadurch waren die Leute viel kommunikativer.) Steckdosen gibt es an jedem Platz.
  • Ein Tipp für absolute Sparfüchse: Der Wasserhahn im Bad ist hoch genug, um mitgebrachte Wasserflaschen aufzufüllen. So müsst Ihr an Bord nichts für Getränke ausgeben. Und wer noch mehr sparen will, findet sicher eine leere Plastikflasche im Mülleimer des Abfahrtsbahnhofes. – Wie ich immer sage, Reisen muss nicht teuer sein.
  • Das Essen im Zug ist relativ preiswert (hier die Speisekarte), aber wer wirklich sparen will, bringt natürlich alles mit. Kochendes Wasser gibt es kostenlos, so dass man sich Tee und Suppen zubereiten kann.
  • Plant ein paar Stunden Verspätung ein. Auf keinen Fall einen knappen Anschlussflug buchen.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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11 Antworten zu Eine Zug- und Zeitreise: Im Mennoniten-Express von Winnipeg nach Toronto

  1. Pingback: 27 Stunden im Zug und keine Minute Langeweile | Der reisende Reporter

  2. Pingback: Von Edmonton nach Winnipeg in einem Zug voll alter Männer | Der reisende Reporter

  3. Super interessant, deine Begegnung mit den Mennoniten. (Hab ich das jetzt richtig geschrieben?) Ein bisschen heile Welt, aber eigentlich auch ganz schön gruselig. Gerade fällt mir sowas wie ein Besuch beim Zahnarzt ein.. Mit sich selbst kann ja jeder machen was er will, aber darf man seine Kinder so aus der Welt heraushalten? Abgesehen von allem, was die Frauen nicht dürfen. Das wäre nix für mich.. grüßt herzlich Frau Heming.

    • Andreas Moser schreibt:

      Zahnärzte sind ja immer gruselig! Aber ohne Elektrizität, tja, das ist dann schon noch eine Stufe härter. 🙂
      Wobei ich schon glaube, dass sie zu Ärzten gehen. Der alte Mann hatte ja auch eine Eisenschiene im Knie.
      Soweit ich weiß, ist die Ablehnung der Technik nicht ganz fundamentalistisch, sondern Technik wird einfach nicht per se als etwas Gutes empfunden (worin ich zustimme), sondern man muss im Einzelfall entscheiden. Bei Medizin gibt es da wohl keine Probleme, aber vor allem Medien und Autos würden den Kontakt zur Außenwelt herstellen und damit „Gefahren“ in die Gemeinschaft bringen.

      Wegen der Kinder finde ich das auch fragwürdig. Die sahen zwar nicht unglücklich aus (wie sie das bei den Mennoniten in Bolivien taten), aber wer kann das schon von außen sehen? Und die Kinder haben einfach keine wirkliche Wahl, in welcher Welt sie leben wollen, weil sie kaum Fähigkeiten haben, die sie außerhalb der Gemeinschaft nutzen könnten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand von denen zur Uni geht, wenn er vom Bauernhof abhaut.

  4. Stefan Baur schreibt:

    Bezüglich der leeren Plastikflaschen im Abfall: Bitte keine vollen gelben Plastikflaschen aus dem Gleisbett sammeln. Das ist nicht nur gefährlich (und sicher wie in DE verboten), sondern auch kein Gatorade oder Apfelsaft. 😉

    • Andreas Moser schreibt:

      Auf dem Gleis herumzulaufen ist in Kanada gar nicht sooo gefährlich, weil die Züge langsamer und viel lauter sind. Die Güterzüge hört man schon, wenn sie noch ein paar Minuten weg sind.

  5. Marcel B. schreibt:

    Guten Tag Herr Moser,

    es ist wirklich klasse, ihren Blog zu lesen. Es erstaunt mich, wie offen Sie in eine solche Reise gehen.

    Genauso erstaunt mich, bin 24 Jahre jung und ebenfalls sehr am Reisen interessiert, wie sehr sich diese Menschen im Zug generell mit den Themen beschäftigen, die unterschiedliche Charaktere zu berichten haben. Vorallem die Unterhaltungen mit den Menoniten haben mich doch schon sehr verwundert, da ich speziell gegen sie immer Vorurteile hatte, welche gerade eindrucksvoll widerlegt wurden.

    Generell lud dieser schöne Bericht zum Nachdenken ein. Dafür meinen Respekt!

    Eine Frage hätte ich noch: Würden Sie empfehlen, eine solche Reise alleine durchzuführen, um offen gegenüber Neuem zu sein? Oder würden Sie eher sagen, zu Zweit wäre es noch schöner gewesen?

    Ganz liebe Grüße und Ihnen alles erdenklich Gute.

    Marcel Becker

    • Andreas Moser schreibt:

      Hallo Marcel,

      ich hoffe, wir können trotz des leichten Altersunterschieds zum internet-typischen „Du“ wechseln. Und dann vielen Dank für das Kompliment!

      Ich glaube, dass dieser lange Zug durch Kanada etwas ganz Besonderes ist, weil man tagelang unterwegs ist und, wahrscheinlich noch wichtiger, weil es kein Internet gibt. Wenn man stundenlang nur Getreidefelder vorbeihuschen sieht oder sogar immer mal wieder eine Stunde steht, dann kann man auch den schüchternsten Passagieren ein Gespräch entlocken. Da ist schon eine andere Stimmung als in der S-Bahn in Berlin. 🙂
      (Wobei mich solche Erfahrungen auch immer dazu anspornen, auch in Deutschland zu versuchen, mehr mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Vielleiht sind Manche ganz froh, wenn sie das Handy mal weglegen und reden können.)

      Ich bin ein eindeutiger Fan des Alleinreisens. Klar, mit einem Freund oder einer Freundin zusammen kann es schon lustig/romantisch sein, aber man unterhält sich dann doch die meiste Zeit miteinander, oft über Dinge von zuhause, anstatt die Augen zu öffnen und neue Menschen kennenzulernen. Außerdem ist es alleine viel leichter, angesprochen zu werden oder sich mal für einen halben Tag einer Gruppe anzuschließen, die man zufällig trifft. Wenn man mit Freundin/Freund unterwegs ist, würden die sich wahrscheinlich auch beklagen, wenn man sich stundenlang mit Mennoniten über Landwirtschaft unterhält (außer man hat einen wirklich ähnlich gestrickten Reisepartner).

      Alles Gute auf deinen Reisen! Ich freue mich ehrlich, mal von jemandem zu lesen, dem es auch um die Menschen und das Kennenlernen von Kulturen und Gesellschaften geht, und nicht um ein paar Fotos für Instagram. Das ist eine gute Voraussetzung, um wirklich begeistert zu werden.

  6. Pingback: When Train Travel means Time Travel: on the Mennonite Express from Winnipeg to Toronto | The Happy Hermit

  7. Alexandra schreibt:

    Hallo Marcel,
    Etwas verwundert war ich schon über diesen Artikel wie Sie die Mennoniten aus Winnipeg darstellen! Meine Freundin ist Mennonitin, sie hat Russlanddeutsche Vorfahren, ist in Mexico geboren und aufgewachsen und lebt nun in der Nähe von Winnipeg. Anfangs waren wir nur Brieffreundinnen, wir haben im Alter von 16 Jahren begonnen uns zu schreiben. Mittlerweile kennen wir uns seit fast dreißig Jahren, vor 7 Jahren haben wir uns das erste Mal gesehen und zwar in Deutschland! Vielleicht gibt es wirklich diese Art von Mennoniten wie Sie sie darstellen, ich kenne sie anders! Sie benutzen sehr wohl Flugzeuge, fahren Autos, Trucks und Traktoren. Daheim steht zwar kein Fernseher im Wohnzimmer, aber es gibt im Haus einen Computer und auch Smartphones gehören zu ihren Alltag! Sie gehen wie wir auch zum Arzt, arbeiten zum Teil ganz normal unter der kanadischen Bevölkerung. Sie führen ein sehr christliches Leben, die Kirche nimmt einen hohen Stellenwert ein, ebenso die Familie. Die Kinder gehen nicht in öffentliche Schulen, sie haben ihre eigene (kirchliche) Schule. Die Frauen tragen nur einfache Kleider und die Kapp als Kopfbedeckung. Bei meinem Besuch durfte ich überall Einblick nehmen, ich war mit meiner Freundin und ihrer Familie im Gottesdienst, wir haben Freunde und Familie besucht, auch am Schulunterricht der Kinder durfte ich teilnehmen. So weltfremd wie Sie die Mennoniten darstellen sind sie definitiv nicht! Vielleicht gibt es konservativere Gruppen, ich habe sie als sehr aufgeschlossen und neugierig erlebt und wurde von der Gemeinde als Gast sehr freundlich willkommen geheißen. Ich bin übrigens katholisch, wir tauschen uns gerne über unseren Glauben aus und empfinden unsre Freundschaft als große Bereicherung.
    Danke, das musste ich einfach los werden, alle Mennoniten kann man nicht so einfach über einen Kamm scheren!
    Mit freundlichen Gruß
    Alexandra

    • Andreas Moser schreibt:

      Hallo Alexandra,
      vielen Dank für diese ausführliche Darstellung!
      Das stimmt natürlich vollkommen, es gibt bei den Mennoniten allerlei Abstufungen. Mein Vermieter in Winnipeg war zB auch Mennonit, er lebte ganz „normal“ im 21. Jahrhundert.
      Meine Schilderung in diesem Artikel bezieht sich nur auf die Gruppe, die ich bei der Zugreise getroffen habe. Das war definitiv eine konservative und wohl auch eher isoliert lebende Gruppe. Aber vielleicht hätte ich das im Artikel klarstellen sollen, dass die Gruppe nicht repräsentativ war. (Ich habe bisher nur den Verweis auf die „Mennoniten alter Ordnung“ im Text, was nahelegt, dass es auch andere gibt. Aber das sagt natürlich den meisten Lesern, die noch nie einen Mennoniten getroffen haben – oder es nicht gemerkt haben -nichts.)

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