Brexit und die Europawahl

Langsam könnte man fast zu dem Verdacht gelangen, dass aus diesem Brexit nichts mehr wird.

Denn drei Jahre, nachdem sich eine knappe Mehrheit der Briten in einem Referendum vorgeblich gegen die Beteiligung anderer Europäer am politischen Entscheidungsprozess ausgesprochen hat (und damit auch gegen den Einfluss der Briten auf europäische Entscheidungsprozesse, aber ich habe den Eindruck, dass niemand so weit gedacht hatte), kann ich als europäischer Nichtbrite noch immer in Großbritannien wählen:

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Obwohl die Brexit-Befürworter die Europäische Union oft als „undemokratisch“ brandmarken, kann ich jetzt einen britischen Abgeordneten für das Europäische Parlament wählen. Man kann sogar behaupten, dass diese Wahl demokratischer ist als die zum britischen Unterhaus, geschweige denn die zum englischen Parlament, weil bei der Europawahl das Verhältniswahlrecht angewendet wird. Oh, wartet mal, es gibt ja gar kein englisches Parlament. Denn komischerweise haben nur Wales, Schottland und Nordirland Parlamente. Obwohl, das nordirische Abgeordnetenhaus ist jetzt auch schon seit zwei Jahren suspendiert und Nordirland wird wieder direkt aus Westminster regiert, etwa so wie Indien bis 1947.

Und wenn wir schon beim Thema Demokratie sind: Die EU hat weder einen ungewählten Monarchen, noch ein Oberhaus, in dem neben anderen Überbleibseln aus vergangenen Jahrhunderten 26 Bischöfe sitzen, die von der Kirche ernannt werden. (Aber nur englische Bischöfe, keine walisischen, schottischen oder nordirischen! Allerdings dürfen die Bischöfe aus allen vier Nationen an der Europawahl teilnehmen.)

Mein Vorschlag für einen Kompromiss aus der Brexit-Sackgasse ist folgender: Das Vereinigte Königreich verbleibt in der Europäischen Union, aber die EU übernimmt Teile des politischen Systems dieser leicht schrulligen Insel. Es wirkt zwar manchmal ein bisschen dysfunktional, aber auf jeden Fall wäre es lustig.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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