Welchen Brexit wollt Ihr? Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Nein!

Es verbleiben nur mehr ein paar Stunden bis zum Ende der Brexit-Frist, und das Vereinigte Königreich ist sich immer noch gänzlich uneinig über die angestrebte Zukunft. Den britischen Abgeordneten wurden gestern acht Vorschläge vorgelegt, von denen sie manche schon in der Vergangenheit abgelehnt hatten. Andere waren neu, und andere blieben vage.

Premierministerin May hat sich beklagt, dass das Parlament ihr ständig mitteilt, was es nicht will, ohne sich auf etwas zu einigen, das es will. Bei acht Optionen, so könnte man hoffen, wäre doch mindestens ein Vorschlag dabei, der eine Mehrheit findet.

Tja, falsch gehofft. Die Abgeordneten lehnten einfach alle acht Szenarien ab.

Was passiert jetzt? Noch mehr Unklarheit und Chaos.

Aber – soviel Zeit muss sein – auch an solch einem Tag fanden die Parlamentarier die Muße, so dringende Angelegenheiten wie die Rolle der Königin im Parlamentarismus, den Bürgerkrieg von 1648 und die Souveränitätswirkung des zeremoniellen Zepters zu diskutieren.

Das angesproche Zepter muss für den Teil der geschätzten Leserschaft, der sich nicht auf obskure politische Symbolik spezialisiert hat, erläutert werden. Es ist eine Keule aus vergoldetem Silber, die die königliche Authorität symbolisiert. Ohne sie kann das Parlament nicht tagen, nicht diskutieren und keine Gesetze verabschieden.

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Wenn man also die britische parlamentarische Demokratie zum Stillstand bringen will, so muss man nur dieses Zepter einpacken und aus dem Palast von Westminster spazieren. Da die Monarchin laut Verfassung, die im Übrigen nicht auffindbar ist und noch nie von jemandem gesehen wurde, keine wirklichen exekutiven oder legislativen Befugnisse hat, würde damit auch die Königin ausgeschaltet.

Aber in einem zivilisierten Land wird so etwas sicher nicht passieren, oder?

Nun, vergangenen Dezember versuchte es ein Abgeordneter. Das Ende des politischen Systems, wie wir es kennen, konnte nur durch das beherzte Eingreifen einer Dame mit Schwert verhindert werden. Und welches Land wäre schon so fahrlässig, im 21. Jahrhundert auf die Anwesenheit von Damen mit Schwertern im Parlament zu verzichten?

PS 1: Wenn der ehrenwerte Abgeordnete aus Brighton Kemptown es geschafft hätte, das Zepter ohne einen Kratzer in die nächste Kirche zu bringen und dort einen Bischof zur Durchführung der notwendigen Zeremonie angetroffen hätte, so hätte er König werden können. Allerdings nur, wenn er kein Katholik ist.

PS 2: Ein Argument der Brexit-Befürworter gegen die Europäische Union war, dass diese angeblich undemokratisch sei und undurchsichtigen Verfahrensregeln unterliege.

Links:

  • Mehr Artikel über den Brexit.
  • Ein weiteres Beispiel für die mythische Überhöhung von absurden Objekten in Großbritannien ist der Stein von Scone.
  • Dieser Artikel erschien auch im Freitag.
  • Read this article in English.
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Über Andreas Moser

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5 Antworten zu Welchen Brexit wollt Ihr? Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Nein!

  1. Pingback: What kind of Brexit do you want? No! No! No! No! No! No! No! No! | The Happy Hermit

  2. Wirklich verrückt, was die Abgeordneten ihrem Volk zumuten. Die Sache mit dem Zepter finde ich schön verschroben. Schade, dass Albus Dumbledore nicht mit einem Entwirrungszauber vorbeikommen kann.

  3. Pingback: „Endstation Brexit“ von Ralf Grabuschnig | Der reisende Reporter

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