Reisen

Reisen ist eine meiner Leidenschaften. Aber nicht als typischer Tourist, der eine Woche am Strand in der Sonne liegt, sondern um andere Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen. Als historisch und politisch interessierter Mensch reise ich besonders gerne in Länder und Regionen, wo etwas los ist, wo gerade Revolutionen oder andere gravierende gesellschaftliche Umwälzungen stattfinden. Ich reise gerne langsam, verbleibe länger an einem Ort, um mich richtig einzuleben und vom Beobachter zum Teil eines anderen Landes zu werden.

Die folgenden Länder habe ich bisher bereist:

Ägypten: Nur ein Tag auf dem Sinai, während eines Tagesausflugs von Israel aus. Ich erinnere mich daran, wie mein Freund die ägyptische Grenzkontrolle erfolgreich bestach, an eine Autovermietung ohne Autos, ein sehr dubioses Mittagessen in der Wüste, sengene Hitze und einen Bus, der so aussah, wie wenn er jede Minute auseinanderfallen würde.

Albanien: Ich war nur in Tirana und Vlora, aber auf dem Weg von Mazedonien aus und bei der Besteigung des Berges Dajti konnte ich die wunderbare Bergwelt bestaunen. Am meisten beeindruckte mich die Geschichte der Albaner, die während des Holocaust Juden versteckten und retteten. Albanien war das einzige Land, in dem dies im großen Stil geschah und fast die gesamte jüdische Bevölkerung die Besatzung durch die Nazis überlebte.

Australien: Ein Traumziel seit der frühesten Kindheit, und der Traum wurde früher wahr als gedacht: Im Alter von 15 Jahren nahm ich an einem dreimonatigen Schüleraustausch in Australien teil. Ich ging auf das Concordia College in Adelaide, Südaustralien. Auf einer Reise in das Outback schlief ich in einer alten Mine in Coober Pedy, lief den Ayers Rock hoch und besuchte Alice Springs. Eine einwöchige Schulexkursion nach Kangaroo Island entwickelte sich aufgrund des Mangels an Lebensmitteln fast so dramatisch wie in “Herr der Fliegen”.

Belgien: Als homo politicus war ich natürlich mehrere Male in Brüssel, wo ich vor allem die EU-Institutionen besuchte.

Bolivien: Noch nie habe ich mich in einer Stadt so wohl gefühlt wie in Cochabamba. Eine Stadt mit perfekter Lebensqualität, Frühlingsklima das ganze Jahr über und die Berge direkt vor der Haustür. Auch der Rest von Bolivien ist unglaublich schön, spannend and abwechslungsreich, mit Landschaften die von den Anden zum Dschungel, vom Chaco zu den Salzseen, von Städten im Kolonialstil zum Titicaca-See reichen. Letzterer ist unten abgebildet und eignet sich hervorragend dazu, ihn einige Monate lang wandernd zu umrunden. Bolivien war das freundlichste und liebenswürdigste Land, in dem ich je gelebt habe. Absolut umwerfend!

FB Inka Road

Brasilien: In Salvador, der alten Hauptstadt Brasiliens, ging ich nach der Atlantiküberquerung an Land. Großartige alte portugiesische Architektur, aber mich zog es mehr in die Natur als es mich in einer riesigen, lauten, schwülen Stadt hielt. Also verbrachte ich einige Wochen in der Chapada Diamantina zum Wandern in sagenhafter Landschaft. Es erinnerte mich an den Grand Canyon, nur in üppigem Grün und mit Wasserfällen. An einem Tag konnte ich sogar der Feuerwehr bei der Waldbrandbekämpfung helfen.

Schlucht 1

Chile: Wenn man die mehr als 1.000 trostlosen Kilometer durch die Atacama-Wüste überwunden hat, ist Chile richtig schön. Zudem ist es wohltuend, zur Abwechslung in ein südamerikanisches Land zu kommen, in dem einen nicht jeder Autofahrer umbringen will und in dem nicht alle Nachbaren rund um die Uhr laut Musik hören. Die Städte Arica und Iquique im Norden fand ich ganz sympathisch, und die Geisterstadt Humberstone höchst beeindruckend. Die Osterinsel war natürlich etwas ganz Besonderes, aber auch eine Warnung dafür, was passiert, wenn man sich einseitig uf Wirtschaftswachstum konzentriert und die Umwelt vernachlässigt.

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Deutschland: Dort habe ich von 1975 bis 2009 die meiste Zeit gelebt. Da die Welt jedoch ein großer, abwechslungsreicher und interessanter Ort ist, war das definitiv zu lange am gleichen Ort. Ich habe deshalb keine Absicht, bald zurückzukehren.

Estland: Im Oktober 2012, zufälligerweise am Tag des ersten Schneefalls jenes Winters, fuhr ich nach Tallinn und flog dann auf die Insel Hiiumaa. Der Gastgeber, den ich über Couchsurfing kennengelernt hatte, war während der Sowjetunion in dem damaligen Sperrgebiet aufgewachsen. Er zeigte mir alles, von im Wald versteckten Friedhöfen bis zu verfallenden sowjetischen Bunkern.

Frankreich: 1991 verbrachte ich den Sommer in einem Lager der Scouts de France in Luminy, außerhalb von Marseille. Eine Woche lang mußten wir bei der Waldbrandbekämpfung helfen, und in der nächsten Woche lernten wir segeln, klettern und tauchen. Und dann wanderten wir mehrere Tage lang die Küste entlang, sprangen zur Abkühlung regelmäßig ins Meer und schliefen unter den Sternen. Seither war ich auch noch einige Male in Straßburg (hauptsächlich, um das EU-Parlament zu besuchen) und einmal in Paris, als ich eher aus Versehen dorthin flog.

Griechenland: Trotz meines griechischen Vornamens war ich bisher nur in Athen und ein paar Tage in Thessaloniki. Aber wenn ich  für den Rest meines Lebens nur mehr in einem Restaurant essen dürfte, würde ich ein griechisches auswählen.

Guernsey: Eine der Kanalinseln, die nicht zum Vereinigten Königreich gehören, aber direkt der Britischen Krone unterstehen. Sie sind nicht Teil der EU, werden aber auf manchen Politikfeldern als solcher behandelt. Sie haben alle ihre eigenen Parlamente, aber das Parlament des Vereinigten Königreichs hat ebenfalls Gesetzgebungsrechte. Jede von ihren hat ihre eigene Währung (das Guernsey-Pfund, das Jersey-Pfund), aber man kann sie jederzeit eins zu eins in Britische Pfund umtauschen. Und so weiter, typisch britisch eben. Mit der Insel Sark wird es noch komplizierter, denn diese ist wiederum halb-unabhängig von Guernsey. Was für den Reisenden jedoch wichtiger ist: Es ist einer der friedlichsten Orte in Europa: keine Autos, nicht zu viele Menschen und Buchten, in denen man glaubt, das Paradies gefunden zu haben.

Iran: Wahrscheinlich das interessanteste Land, in dem ich je war. Zwei Reisen in den Jahren 2008 und 2009, die erste als Tourist. Zwei Wochen lang besuchte ich Teheran, Isfahan und Schiras. Ein schönes Land mit der denkbar größten Diskrepanz zwischen gebildeten, offenen und lustigen Menschen und einer brutalen und rückwärtsgewandten Regierung. Bei der zweiten Reise ging es mehr um Politik: Ich nahm an den Protesten gegen die Wahlfälschung im Sommer 2009 teil. Ich hatte noch nie so viel Mut erlebt wie unter den Demonstranten auf den Straßen Teherans, und ich erfuhr die Brutalität der Niederschlagung der Revolution am eigenen Leib. Zuerst von der Polizei verprügelt, wurde ich am nächsten Tag vom Geheimdienst verhaftet, in das Evin-Gefängnis verbracht und dort eine Woche lang verhört, immer in Einzelhaft, mit verbundenen Augen. Das war die bisher spannendste Woche meines Lebens.

Klagemauer Mai 09Israel: In Israel war ich schon so oft, dass es sich fast wie ein zweites Zuhause anfühlt. Durch einen Jugendaustausch kam ich 1992 als 16-Jähriger zum ersten Mal nach Israel und erfuhr fantastische Gastfreundschaft, wunderbare Natur, faszinierende Städte und eine überwältigende Menge an alter und neuerer Geschichte. Ich begann, mehr und mehr über den Nahen Osten zu verstehen. Israel ist die perfekte Kombination aus mediterraner Schönheit, nahöstlicher Aufregung und dem Lebensstandard und den politischen Freiheiten einer Demokratie. Und Jerusalem ist die faszinierendste Stadt der Welt. Zuletzt war ich im März 2015 in Israel, um den Halbmarathon in Jerusalem zu laufen und den Jesuspfad im Norden des Landes entlang zu wandern.

Italien: Schon als Kind war ich mal in den Dolomiten in Südtirol gewesen. Später besuchte ich Rom und Venedig. Im Oktober 2013 zog ich dann endlich für längere Zeit nach Itaelien, zuerst für 6 Monate in Sizilien, bei weitem nicht ausreichend Zeit, um diese abwechslungsreiche Insel mit ihren faszinierenden Bergketten, alten Städten und Vulkaninseln zu erkunden, und anschließend für 6 Monate nach Bari.

Jersey: Vor der Küste Frankreichs gelegen, aber mit engeren politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zum Vereinigten Königreich, ist dies eine der Kanalinseln. Ich verreise gerne an meinem Geburtstag, und 2011 wanderte ich auf Jersey, entlang der wunderschönen Küste. Die kleine Insel hat eine überraschende Vielzahl an historischen Monumenten aufzuweisen, von neolithischen Grabstätten bis zu den eher hässlichen Überbleibseln der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAJordanien: Auch das war nur ein Tagesausflug, aber einer der mir positiv im Gedächtnis geblieben ist. Es begann mit dem sehr freundichen und scherzhaften Empfang der Grenzbeamten am Übergang von Eilat (Israel) nach Aqaba (Jordanien). Später bog ich anscheinend mal falsch ab und fand mich sowohl in der Wüst als auch in einem militärischen Sperrgebiet. Die Soldaten an den Checkpoints und in einer Kaserne waren jedoch überaus freundlich. Petra ist wirklich etwas Besonderes, wenn auch zu sehr von Touristen überlaufen.

Kosovo: Im Februar 2009 war ich im Kosovo und feierte den ersten Jahrestag der Unabhängigkeit. Ich wohnte in Mitrovica, einer Stadt, die vom Fluss in einen serbischen Norden und einen albanischen Süden geteilt wird. Meine serbischen Freunde im Norden waren noch nie im Süden gewesen, und die Albaner würden sich nie in den Nordteil der Stadt trauen; ich selbst überquerte den Fluss jeden Tag mehrfach. Es war interessant, so ein junges Land zu erleben, in das viele frühere Flüchtlinge zurückgekehrt waren (manche friwillig, manche nicht), und das damals von einem optimistischen Geist erfasst war. Und, wie in anderen Ländern auf dem Balkan auch, ist die pro-westliche muslimische Mehrheit ein schöner Kontrast zu dem simplifizierenden Narrativ vom Gegensatz zwischen dem Islam und dem Westen.

Kroatien: Zu der Zeit meines Besuchs war es noch Jugoslawien, und es war damit mein erster Besuch in einem sozialistischen Land. Im Kalten Krieg sozialisiert, fand ich es tatsächlich etwas beklemmend, zum ersten Mal Flaggen mit dem roten Stern und Soldaten mit Kalaschnikow- Sturmgewehren zu sehen.

Lettland: In einer wunderschönen, wenn auch eiskalten Winterwoche, wanderte ich durch den Gauja-Nationalpark, bestieg den Gaizinkalns, Lettlands höchsten Berg, genoss die verschiedenen Baustile in Riga und spazierte bei Jurmala über das gefrorene Meer.

– Libanon: Zu Weihnachten 2006 war ich in Beirut, wo Panzer und Soldaten mit Sturmgewehren die Kirchgänger beschützten und wo die Häuser noch mit den Einschusslöchern vergangener Kriege vernarbt waren. Mit dem Taxi ging es weiter nach Damaskus (Syrien), durch einen der krassesten Schneestürme, die ich je erlebt habe. Wir schlitterten ständig in andere Autos, kamen von der Straße ab, und weil alle anderen Passagiere starke Raucher waren, blieben die Fenster während der gesamten Fahrt offen und bei der Ankunft war ich von mehreren Zentimetern Schnee bedeckt. Am Schlimmsten war aber, dass einer der Passagiere Lobeshymnen über Hitler ausspie als er hörte, dass ich als Deutschland bin.

Liechtenstein: Nein, das hatte nichts mit Schwarzgeld zu tun.

Vilnius cathedral at night 12Litauen: Von 2012 bin 2013 wohnte ich für ein Jahr in Vilnius. Ein sehr schönes, grünes Land, perfekt für Naturliebhaber und Wanderer wie mich. Zudem ist es voller Geschichte, auch wenn die örtliche Geschichtsschreibung manchmal etwas verfälschend ist. Die Winter sind lang und hart, aber dafür war es ein ganz besonderes Erlebnis an der Kurischen Nehrung auf dem gefrorenen Meer spazieren zu gehen (andere fuhren sogar mit dem Auto auf dem Eis, woran Ihr erkennt, wie dick die Eisschicht gewesen sein muss).

Luxemburg: Na gut, das hatte tatsächlich etwas mit Schwarzgeld zu tun.

Malta sunset 2Malta: Im Dezember 2011 zog ich nach Malta, um den Winter auf dieser kleinen Insel im Mittelmeer zu verbringen. Ich hatte Glück und fand eine Wohnung nur 30 Minuten vom Meer. Sehr erholsam. Wunderschöne alte Städte, eine dramatsische Küste, fantastische Sonnenuntergänge, aber leider nicht mehr als 100 Bäume auf der ganzen Insel. Mir gefällt die maltesische Architektur mit ihrem Mix aus europäischen und nahöstlichen Stilen. Aber die Inselmentalität machte mir manchmal zu schaffen.

Marokko: Bisher war ich nur einen Tag in Casablanca, aber selbst das war die Reise wert. Ich erinnere mich an eine farbenfrohe Stadt und daran, dass es so heiß war, dass ich durch das Hemd einen Sonnenbrand bekam. Bei meiner längerenMarokkorreise, auf die ich mich so sehr gefreut hatte, verpaßte ich leider den Flug. Ich bin also nicht immer ein Reiseprofi, wie Ihr seht.

Mazedonien: Reich an Geschichte, schöner Berglandschaft, römischen Ruinen, Klöstern und gastfreundlichen Menschen. Mit dem Zug durch Mazedonien zu tuckern ist wie in einen Western einzutauchen. Nur schade, dass die Hauptstadt Skopje in ein europäisches Las Vegas verwandelt wird.

Mexiko: Nachdem Mexiko aufgrundd seiner Drogenkriege gefährlicher wurde als der Nahe Osten, zog es mich natürlich dorthin. Monterrey beeindruckte mich mit seiner bergigen Kulisse und Guadalajara mit seiner schönen Altstadt.

Moldawien: Ich verbrachte 2015 ein paar Tage in der Hauptstadt Chisinau, und mir gefiel die Mischung aus alter Architektur, sowjetischer Stadtplanung, einer Menge Grün und dazu die vielen Diskussionen über die Zukunft Moldawiens auf dem Weg in die EU oder zu einer engeren Partnerschaft mit Russland oder etwas dazwischen. Es ist traurig, zu sehen, wie ein Land mit seiner Sprachenpolitik einen Großteil seiner Bevölkerung vor den Kopf stößt, wie es schon so oft in Osteuropa passiert ist.

Andreas Moser Crna GlavaMontenegro: Die schönsten Berge Europas, eine wunderbare Küste, interessante alte Städte und herzliche Menschen. Ihr solltet auf jeden Fall den Zug von Bar über Podgorica in die Berge nehmen. Die Zugfahrt geht durch so dramatische Landschaft, dass man diese nicht allzu große Land einfach immer wieder mit dem Zug durchqueren will.

Österreich: Meine Eltern schleppten mich als Kind dort jeden Sommer hin. Wenn man aus Bayern kommt, ist Österreich zwar nicht gerade ein exotisches Reiseziel, aber schön war und ist es trotzdem. Ich habe es immer als die entspanntere, freundlichere Version von Deutschland gesehen.

Palästina: Leute, die noch nicht dort waren, stellen es sich oft wahnsinnig schwierig vor, von Israel nach Palästina zu fahren. Ist aber kein Problem, und bei einer mehrwöchigen Israel-Reise fährt man normalerweise immer wieder mal ins Westjordanland. Es ist auch meist ziemlich friedlich. Nur einmal warfen Kinder bei Jericho Steine auf mein Auto. Ich habe natürlich auch versucht, in den Gaza-Streifen zu gelangen, wurde aber am Grenzübergang Erez von der israelischen Armee zurückgewiesen (was wahrscheinlich besser war, als von der Hamas entführt zu werden).

Peru: Im August 2016 zog ich zuerst nach Arequipa und dann nach Mollendo. Leider sind beide Städte extrem laut, so dass es mir schwerfällt, das Land zu genießen. Tacna im Süden Perus hingegen ist eine hübsche und freundliche Stadt, auch wenn außen herum alles Wüste ist.

Rumänien: Im Oktober 2014 zog ich nach Târgu Mureș (deutscher Name: Neumarkt am Mieresch) in Siebenbürgen/Transsilvanien und entdeckte nicht nur eine sehr feundliche Stadt, sondern ein außergewöhnlich schönes und interessantes Land. Wenn Ihr Euch für Berge, Wälder und Schlösser begeistert, ist Rumänien ein Paradies. Bei einem meiner Spaziergänge begegnete ich im Wald sogar einem Bären.

Schweiz: Wenn es nur nicht so teuer wäre, würde ich mehr Zeit dort verbringen. Die Schweiz ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass direkte Demokratie und Mehrsprachigkeit nicht den Untergang des Abendlandes herbeiführen.

Serbien: Mit Ausnahme einer Busfahrt durch das ganze Land (in den Kosovo und zurück) verbrachte ich bisher nur zweimal ein paar interessante Tage in Belgrad.

Singapur: Nur einen Tag Zwsichenstopp auf der Reise nach Australien. Zum ersten Mal fühlte ich die tropische Hitze und Feuchtigkeit. Die Tempel rochen nach Marihuana, und im Keller eines Einkaufszentrums wurden noch lebende Tiere feilgehalten, die erst geschlachtet wurden, wenn man sie kaufte.

Slowenien: Wenn Leute von außerhalb nach Europa kommen und nur Zeit für ein Land haben, empfehle ich Slowenien (oder Montenegro). Es hat einfach alles, von den Alpen über schöne Städte im Habsburger Stil bis zur Adriaküste. Ich mache mir wirklich nichts aus Weihnachten, aber Ljubljana (deutscher Name: Laibach) an Weihnachten ist eine unvergessliche Erinnerung. Die Küstenstädte Piran, Portorož und Koper sind auch einen Besuch wert.

Spanien: Vier Tage Barcelona. Ein Freund machte dort ein Erasmus-Semester. Als ich ihn besuchte, merkte ich zum ersten Mal, dass Erasmus-Studenten nicht wirklich studieren. Im November 2015 war ich ein paar Tage auf Gran Canaria, von wo aus mein Schiff nach Brasilien ablegte. Die Insel gefiel mir so gut, dass ich fast bedauerte, Europa zu verlassen.

Syrien: Nach einer abenteuerlichen, vierstündigen Taxifahrt aus Beirut konnte ich mir für ein paar Tage Damaskus ansehen. Die Altstadt ist, oder war, sollte ich jetzt nach dem Krieg vielleicht schreiben, wahrlich beeindruckend: die engen Gassen, in die kein Auto kommt, der Basar wie vor Hunderten von Jahren und die Umayyad-Mosche, die schönste Moschee, in der ich je war. Der Rest der Stadt ist allerdings nicht gerade spektakulär. Ich war einige Jahre vor dem Krieg, der jetzt Syrien zerstört, dort und war überrascht, wieviele Menschen Bashar al-Assad als den “weichen, netten, modernen“ Präsident zeichneten, der von seinem grausamen Vater die Macht übernommen hatte. Niemand ahnte damals, dass der Sohn noch zu einem größeren Massenmörder als sein Vater werden würde.

Thailand: Na gut, das zählt kaum. Auf dem Rückflug von Australien gab es einen kurzen Stopp, aber ich verließ nicht einmal das Flugzeug.

Transnistrien: Ein Land, das unberechtigterweise nur im Zusammenhang mit den Wortn „Konflikt“ oder „Krise“ erwähnt wird, aber in Wirklichkeit ein relativ normales, freundliches Land in Osteuropa ist. Tiraspol ist eine etwas verschlafene Hauptstadt, aber Bender wuchs mir gleich ans Herz, vielleicht weil es so wie der Held in „Zwölf Stühle“ heißt. In der sengenden Sommerhitze ging ich den ganzen Weg zwischen den beiden Städten zu Fuß, entlang dem Dnestr und vorbei an riesigen Sonnenblumenfeldern. In Tiraspol erlebte ich eine Geburtstagsüberraschung, die mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Tschechische Republik: Meine erste Reise nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ging 1990 nach Prag. Ich war seither immer wieder dort, und finde die Stadt charmant und interessant, wenn auch jetzt etwas zu sehr von Touristen überlaufen. Ein Besuch in Terezin/Theresienstadt, dem Ort des früheren Konzentrationslagers, war sehr einprägsam. Um mit etwas Fröhlicherem zu schließen: In Bor-Vysocany gibt es das beste Paintballfeld in Europa.

Türkei: Wegen meiner vielen Reisen in den Nahen Osten war ich immer mal wieder für einen Tag in Istanbul, aber leider nie lange genug, um die Stadt wirklich kennenzulernen.

Ungarn: Die Erinnerung an Budapest wird immer positiv sein, nicht zuletzt weil ich dort 2015 meinen schnellsten Halbmarathon lief. Eine ziemlich schöne Stadt, aber für meinen Geschmack – der Ost- gegenüber Westeuropa bevorzugt – ist sie zu geschniegelt, zu sauber, zu gut organisiert. Und bei der Zugfahrt durch die Puszta-Ebene merkt man, wie landschaftlich langweilig Länder ohne Berge sind.

USA: Mit Amerika verband mich schon früh eine Faszination, so dass ich alles las, was mir darüber in die Hände fiel. Nach dem Abitur belohnte ich mich endlich mit einer zweiwöchigen Rundreise durch Kalifornien, Nevada, Arizona und Utah. Seither war ich viele Male in den USA, sowohl zum Arbeiten als auch zum Urlauben. Der Yosemite Nationalp Park ist wohl der schönste Fleck der Erde. Durch meine Praktika beim Clark County District Attorney’s Office in Las Vegas, dem Deutschen Generalkonsulat in New York und einer Anwaltskanzlei in Los Angeles lernte ich das Land noch viel näher kennen, als man das als Tourist je könnte.

Vatikan: Muss man ja als eigenes Land zählen, zumindest bis zur nächsten Säkularisation.

Vereinigte Arabische Emirate: Auf einem Flug zurück aus dem Iran hatte ich mal einen halben Tag Aufenthalt in Dubai. Eine Menge Sand, ziemlich heiß. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Peinlich sind die Touristen, die zum Schwimmen und Einkaufen nach Dubai fliegen und dann glauben, sie wären im Nahen Osten gewesen.

Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland: Für meine Abiturfahrt standen drei Ziele zur Auswahl: Rom, Budapest und London. Die Lateiner fuhren nach Rom. Diejenigen, die sich nur betrinken wollten, fuhren nach Budapest. Und die Streber fuhren nach London. So kam ich das erste Mal nach London, kehrte immer wieder zurück und zog 15 Jahre später schließlich für zwei Jahre dorthin. Am schönsten ist Großbritannien aber außerhalb der Großstädte. Ich wanderte entlang dem Hadrianswall von der Ost- zur Westküste und den West Highland Way in Schottland.

Trotz dieser Liste ist mein Appetit auf weitere Reisen noch lange nicht gestillt, und wird es wohl nie sein. Wenn Ihr also in einem Land lebt, in dem ich bisher noch nicht war, könnt Ihr mich gerne einladen.  😉

2 Antworten zu Reisen

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