Wie gefährlich ist Abchasien?

Das waren die Reaktionen als ich den Plan einer Reise nach Abchasien erwähnte:

  • „Oje, oje, ist das nicht gefährlich?“ (siebzehnmal)
  • „Pass auf, das ist sehr gefährlich dort!“ (achtmal)
  • „Was willst Du denn dort?“ (fünfmal)
  • „Sei vorsichtig! Sprich auf keinen Fall Mädchen an. Die Abchasen verstehen da keinen Spaß. Sobald Du ein Mädchen auch nur ansiehst, tauchen vier ihrer Brüder mit Kalaschnikows auf. Das ist wie in Tschetschenien.“ (einmal)
  • Von Reisen nach Abchasien und Südossetien und in die unmittelbare Nähe der Konfliktregion wird dringend abgeraten.“ (Auswärtiges Amt)

Nun war ich bei meinem ersten Besuch nur vier Tage in Abchasien, bin aber immerhin zweimal durch fast das ganze Land gefahren und war jeden Tag von früh bis spät unterwegs. Für einen ersten Eindruck dürfte es also reichen.

Und so sieht es in Abchasien aus:

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waterfront Sukhumi.JPG

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corniche sukhumi.JPG

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Krone mit Meer.JPG

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Kirche Museum Wasserfall.JPG

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Kloster durch Wald.JPG

Schwan.JPG

night Sukhumi.JPG

Wie gefährlich war nun also Abchasien?

Sehr gefährlich! Und zwar gefährlich schön und gefährlich interessant. Noch gefährlicher könnte es für Menschen sein, die von ihrem Vorurteil, dass alles östlich der Elbe gefährlich, böse und arm ist, nicht lassen wollen.

Ganz im Ernst, das gefährlichste war diese Katze, die meine Schnürsenkel fressen wollte.

Katze Schnürsenkel.JPG

In Deutschland sah es zur gleichen Zeit übrigens so aus:

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Merke: Die meisten Reisewarnungen sind nutzlos bis falsch, weil sie von Leuten abgegeben werden, die noch nie oder letztmals vor 10 Jahren in dem betreffenden Land waren oder die sich in einem Büro verstecken und grundsätzlich Angst haben, sobald sie auf die Straße gehen.

(Read this article in English.)

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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26 Antworten zu Wie gefährlich ist Abchasien?

  1. The kaleidoscope schreibt:

    Andreas, würdest Du sagen, dass es auch für allein reisende Frauen dort sicher ist? In vielen Ländern der Welt macht das durchaus noch einen Unterschied. Es gibt auch Reiseberichte von Frauen, die das deutlich beschreiben.

    • Andreas Moser schreibt:

      1. Das macht auch in Deutschland einen Unterschied, ist also kein Grund gegen das Reisen.
      2. Ich hatte nicht den Eindruck, dass in Abchasien eine Machokultur herrscht. Italien ist gefährlicher.
      3. Du kannst zB über Couchsurfing schon vorab Frauen dort kennenlernen, die sich dann um Dich kümmern.

  2. Pingback: How dangerous is Abkhazia? | The Happy Hermit

  3. Andrej Gerber schreibt:

    Endlich jemand der mit offenen Augen und Verstand über Abchasien, berichtet. Ich war ebenfalls letztes Jahr dort und es hat mir bestens gefallen. Nichts von Gefahr, dafür freundliche Leute, schöne Landschaft und herrliches Essen. Spannend war auch die Besteigung von Abchasiens Berg, allerdings von der Russischen Nordseite her. Schön wäre es, wenn Abchasien endlich von der ganzen Welt als Unabhängig anerkennt wird, das Land und Volk hätte es nach den Aggressionen Georgiens längstens verdient!

    • Andreas Moser schreibt:

      Das nächste Mal möchte ich auch mehr Zeit in den Bergen verbringen.

      Zur Staatsqualität Abchasiens werde ich mal einen gesonderten Artikel schreiben, wobei ich finde, dass die Vergangenheit und der (eingeschlafene) Konflikt mit Georgien dafür irrelevant ist. Man erkennt ja auch Länder an, von denen ständig Aggressionen ausgehen. Selbst während des Zweiten Weltkriegs kam niemand auf die Idee, dem Deutschen Reich die Staatlichkeit abzusprechen.
      Die Frage der Staatlichkeit richtet sich meiner Meinung nach ausschließlich danach, ob ein klar definiertes Staatsgebiet besteht (ja), ein darin lebendes Staatsvolk, das sich womöglich auch als solches betrachten muss (ja) und ob der Staat über das Gebiet die effektive Kontrolle ausübt (ja, das sieht jeder, der mal in Abchasien war). Wie es dazu kam, ist nicht sonderlich relevant, solange die Lage einigermaßen stabil ist (was in Abchasien der Fall ist), sonst könnte auch Italien kommen und sagen „he, Ihr wart alle mal Teil des Römischen Reichs“.

    • Turkmenabashi schreibt:

      Auch wenn alles innerhalb von Abchasien sicher erscheint, ist es in Wirklichkeit nicht der Fall.
      Zwar ist es für Touristen in Abchasien verhältnismäßig sicher, solange der Konflikt nicht wieder aufflammt, doch man sollte sich immer vor Augen halten, dass das Gebiet eine Konfliktregion ist und die Georgier total scharf sind das Gebiet wieder (zurück-)zu erobern. Das Einzige, was sie daran hindert, ist die starke Militärpräsenz der Russen dort in Abchasien. Die autonome Republik Abchasien ist bitterarm, Russland fördert die Republik finaziell und mit Tourismus, da Abchasien mehr oder weniger wirtschaftlich von den westlichen Ländern und Nachbarn abgeschottet und sonst finanziell zusammenbrechen würde. Abchasien wünscht sich sehnlichst Unabhängigkeit von Georgien und nimmt dafür sogar eine „Besetzung“ der Russen in Kauf (die offiziell dem Schutz der jungen Republik dienen).
      – Man sollte bedenken, dass man nach lateinischer Schrift dort vergebens sucht, alles (bis auf ein paar Geschäftsschilder) ist nur in kyrillischer Schrift angeschrieben. Man sollte ein Grundvokabular an Russisch aufweisen bzw. das kyrillische Alphabet zumindest kennen, weil man sonst nicht einmal die Straßennamen entziffern kann. Fast keiner spricht Englisch, nur auf Russisch kann man sich dort als Tourist verständigen.
      Wagt man sich nach Abchasien, findet man ein faszinierendes Land vor. Abchasien, vor allem Sukhumi, war vor dem Krieg ein schöner Kurort der Russen. Seit dem Krieg aber und den Konflikten dort stehen die Ruinen der zerbombten Häuser lose im Land (sie wurden bis heute nicht abgerissen) und mittlerweile haben sich die Pflanzen Herr über die Ruinen gemacht. In den Ruinen wachsen Bäume und Gräser, die teils aus den Fenstern schauen. Da eine Vielzahl von Gebäuden während des Krieges zerstört wurden, findet man einen hohen Prozentteil der Häuser in Abchasien als verwitterte Kriegsruinen vor, was allerdings sehr faszinierend ist. Manche augebombten und ausgebrannte Höchhäuser zieren die Küstenregion, was wirklich beeindruckend ist. In alten verrosteten Ex-Soviet-Küstenrestaurants und Stegen haben sich wieder Restaurants eingenistet. Zudem gibt es in Abchasien russisch-orthodoxe Kirchen und das subtropische Klima dort am schwarzen Meer ist ebenfalls anziehend. Obwohl die alten zerstörten Häuser nicht oder kaum abgerissen wurden, werden die schönen Parks auch weiterhin gepflegt, was das Ganze zu einer surrealen Landschaft macht. Die Strände haben definitiv ultimativen Post-Soviet-Character, mit Betonblöcken an den Stränden, rostigen Eisenteilen und was Abchasien so besonders macht, die verwitterten Ruinen und total verrosteten Stegen und Kräne am Strand. Ich finde diese Kulisse äußerst faszinierend, ich kann mir aber vorstellen, dass das nicht für jeden was ist.
      – Ist man im Land, sollte man allerdings die Medien bzw. die Gegebenheiten verfolgen. Es schadet nie die Ohren aufzusperren und die derzeitige Situation mitzuverfolgen. Zwar erscheint Abchasien auf den ersten Blick sicher (mal abgesehen von der Grenze Georgien-Abchasien), doch das kann sich sehr schnell ändern, wie man es in anderen potentiellen Konfliktregionen auf der Welt bereits gesehen hat.
      – Die „inoffizielle Grenze“ (Ein Polizeihäuschen auf der georgischen Seite beim Ingur-Fluss dient als inoffizielles Grenzhäuschen) ist militärisch stark bewacht (von beiden Seiten), die Grenze ist außerhalb der Transitwege vermint und die Stimmung an der einzig offenen Grenze zwischen Abchasien und Georgien ist relativ schlecht (wenn man mit offenen Sinnen über die Grenze geht, wird man es merken). Als Tourist wartet man einige Zeit an der georgischen Polizeistation und der abchasischen Grenze (hier zweimal; einmal vor dem Zollhäuschen und einmal nach dem Stacheldraht und Panzerkreuzen), bis der formale Kram und die Gepäckdurchsuchungen erledigt sind. Wenn man will kann man sich vom georgischen Polizeiposten zum abchasischen Grenzübergang per (ehemaligen UNHCR-)Bus über die Ingur-Fluss-Brücke bringen. Man kann aber auch zu Fuß über die Brücke gehen, ich habe beides gemacht (am Hinweg rübergefahren, am Rückweg zurückgegangen).
      – Dass es eine potentielle Konfliktregion ist, merkt man neben den Ruinen im Land auch an den Plakaten in der Stadt. Viele Plakate haben einen recht militärischen Charakter, von Märtyrern (?) und bewaffneten Soldaten, dem Präsidenten, der einen militärischen Gruß praktiziert und ähnlichem.
      – Wenn man genau hinsieht, wird man einzelne versteckte Militärstationen feststellen, das faszinierende daran direkt neben Plätzen, wo massenweise Touristen herumlaufen, die unter Camouflage-Netze versteckt sind. Nur kleine „Fotografieren Verboten“ Schilder zieren diese Verstecke.
      – Ein weiterer Punkt, warum das Gebiet eine Konfliktregion ist, ist dass in dem Land UN-Beobachter aktiv sind. Diese Beobachter sind deswegen in Abchasien, weil es seit den Kriegen zu diversen Menschenrechtsverletzungen an der Bevölkerung gekommen ist. Allerdings stehen die UN-Beobachter unter massiver Kritik, weil angeblich in den letzten Jahren 8000 in Abchasien lebende Georgier verschwunden oder umgebracht wurden und sie diese Fälle nicht einmal gemeldet haben. Das Problem der Menschenrechtsverletzungen ist ein Problem auf beiden Seiten (in Abchasien und auf georgischer Seite), in Georgien werden die dort lebenden Abchasen ebenfalls unterdrückt, genau so wie die Georgier, die in den abchasischen Gebieten leben. Diese Konfilkte betreffen allerdings nicht die Touristen, im Land selbst wird man als Tourist davon relativ wenig mitbekommen. Als Tourist wird man dort in der Regel nicht sonderlich auffallen und als „russischer Tourist“ wahrgenommen (neben den ganzen anderen russischen Touristen, wenn man europäisch aussieht), egal von wem, man wird auf russisch angesprochen. Das ist kein Problem, schließlich ist es ein russisches Ausflugsziel, eine Art russisches Ibiza.
      – Das Außenministerium rät von der Einreise ab, weil keine konsularische Hilfeleistung bei Problemen geboten werden kann. Es gibt keine Vertretung in Abchasien, sollte man ins Gefängnis kommen (was sehr unwahrscheinlich ist, wenn man sich zivilisiert verhält), ist man auf sich alleine gestellt. Zudem ist die medizinische Versorgung in Abchasien vermutlich katastrophal (ich nehme es einmal an auf Grund der wirtschaftlichen Isolation), wenn man dort schwerwiegend krank wird, kann es mitunter sehr unangenehm werden. Russische Touristen reisen deshalb ggf. in das Nahe gelegene Sotchi nach Russland zurück, um sich zu behandeln.
      Die Reisewarnungen und Informationen der Außenministerien sind sinnvoll. Zwar sind manche Informationen nicht ganz aktuell, die meisten Informationen stimmen allerdings.
      – Ich nehme einmal an, dass die Stimmung an der Grenze zwischen Russland und Abchasien deutlich entspannter ist, als an der Grenze Abchasien-Georgien, da dort die ganzen Russen über die Grenze gehen. Die meisten Menschen, die die Ingur-Fluss-Grenze passieren sind arme Ansässige, die Lebensmittel und Krempel über die Grenze bringen. Kein Mensch ist fröhlich oder lacht an der Grenze, die Stimmung ist angespannt und gedrückt. Die russischen Soldaten/Grenzbeamten an der Grenze sind relativ präsent, direkt, allerdings nicht unfair oder sonst etwas (zumindest zu uns). Die russischen Grenzbeamten sehen allerdings anders aus als bei uns (forscheres Auftreten, kräftige große Statur, bewaffnet), ich hatte eigentlich immer das Gefühl mit einem Soldaten einer Spezialeinheit zu sprechen, als mit gewöhnlichen Grenzbeamten. Im Land selbst ist die Stimmung wieder lockerer und es sind fast ausschließlich russische Touristen, allerdings kommen einzelne nicht-russische Touristen auch über die Ingur-Grenze (bei der zwei- bis dreistündigen Wartezeit beim Eintritt nach Abchasien habe ich 2 Touristen gesehen, die aus Abchasien gekommen sind, beim Verlassen von Abchasien habe ich ein Pärchen gesehen, welches nach Abchasien einreisen wollte). Im Schnitt schätze ich einmal, dass pro Tag ca. 5-10 nicht-russische Touristen die Grenze übertreten.
      An der Grenze taumeln sich ab und zu seltsame Gestalten herum, so auch ein besoffener (?), aufdringlicher, verwahrloster Russe, der laut seinen Aussagen direkt an der Grenze ein Häusschen hat und der uns sofort angequatscht hat, als er uns gesehen hat. Man ist an der Grenze eine Kuriosität und fällt natürlich auf.
      – Nachdem man die Grenze nach Abchasien passiert hat und zum Abfahrtsplatz der Taxis und Mashrutkas kommt, quatschen einen viele Taxifahrer penetrant an, dass man keinen direkten Bus nach Sukhumi bekommt, weil er bereits abgefahren ist, oder so ein Blödsinn. Man soll sich aber nicht beirren lassen und den passenden Bus heraussuchen. Hier ist es natürlich gut, die kyrillische Schrift zu kennen und die Mashrutka nach Gal/Gali herauszusuchen und dort einzusteigen. Der Bus fährt einen weg von den lästigen Taxifahrern Richtung Gal (welches auf der Strecke nach Sukhumi ist), direkt zur wartenden Mashrutka nach Sukhumi (wo sie einen aussteigen lassen). Von Gal fährt die Mashrutka nach Sukhumi glaube ich alle 2 Stunden ab, es ist deutlich günstiger mit der Mashrutka zu fahren als mit dem Taxi.
      Die Fahrtstrecke sieht also so aus: Abchasien Grenze => Gal => Sukhumi
      Das Gleiche gilt auch für den Rückweg.
      Abchasien ist ein sehr faszinierender Ort (man sollte für das Gebiet mindestens 2-3 Tage einplanen (um zumindest Sukhumi und Novi-Afon zu sehen)), aber man sollte sich der möglichen Gefahr des derzeit relativ ruhenden Konfliktes immer bewusst sein.

      Übrigens: Bei der Einreise muss irgendwann im Laufe der Zeit des Aufenthaltes in Abchasien ein Touristenvisum im Ministerium für Repatriierung gekauft werden. Da das Ministerium für Repatriierung an Sa und So geschlossen ist, sollte man auch die Wochentage genau aussuchen, an denen man Abchasien besuchen möchte. Möchte man nur für 1 oder 2 Tage Abchasien besuchen, wird man relativ verwundert schauen, wenn man am Sa oder So ein Visum benatragen will und das Ministerium an den Tagen geschlossen ist. Und auch wenn man einen Online-Visumantrag (der obligat für den Übertritt über die Grenze ist (man kriegt die „Einladung“ per Mail, die man dann ausdrucken und mitnehmen muss)) bei mfaapsny.org macht und für einen kurzen Zeitraum beantragt hat (z.B. 4 Tage), bekommt man im Ministerium in Sukhumi dann trotzdem die volle mögliche Touristen-Aufenthaltsdauer (9 Tage) ab dem Tag des Eintrittes.

    • Andreas Moser schreibt:

      Sehr gute Beobachtungen und Tipps, die sich 100% mit meinen Erfahrungen decken. Vielen Dank dafür!!

      Auch ich fand Sochumi faszinierend und Novy Afon sehr schön, aber wenn ich nicht einen englischsprachigen Couchsurfing-Gastgeber gehabt hätte, wäre es bei weitem langweiliger gewesen.

  4. Hallo Andreas!
    Ich hätte diesbezüglich eine Frage, wenn du von der georgischen Seite (Inguri) über die Grenze und später dort auch wieder zurück gekommen bist.
    Und zwar ist sehr oft zu lesen man soll möglichst unauffällig aussehen, sprich keinen riesigen Backpack mit sich tragen da es angeblich schon öfter zu Überfällen o.ä auf Reisende gekommen sein soll – deshalb meine Frage, hattest du damals einen Backpack mit oder ihn irgendwo in der Nähe gelassen? (Zugdidi oder andere Grenzstädte?)
    Weiters würde ich gerne wissen ob man das abgeholte Visa, das du in Sukhumi abholen musst bei der Ausreise wieder abzugeben ist oder hast du es behalten können?
    Vielleicht hast du sonst noch ein paar Tipps für Abchasien für mich? Hab heute meinen Clearance Letter erhalten, freue mich schon sehr darauf.
    Danke schonmal und ein schönes Wochenende,
    Max

    • Andreas Moser schreibt:

      Hallo Max,
      das wird eine Superreise, glaub mir! Ich bin genau die gleiche Route gereist wie Du.
      Das mit dem „unauffällig aussehen“ haut nicht hin, ausser Du hast einen russischen oder abchasischen Pass. Als Ausländer wird man von jedem Posten angehalten, ausgefragt und der Rucksack wird durchsucht, wobei dies bei mir nur ein kurzer pro-forma-Blick war. Ich habe tatsächlich einiges in Zugdidi gelassen, weil ich wusste, dass ich wieder dorthin zurückkommen würde.
      Das Visum wurde mir bei der Ausreise wieder aus dem Pass genommen. (Wenigstens habe ich ein Foto zur Erinnerung gemacht). Auch bei der Ausreise gab es übrigens die gleiche Frage- und Warteprozedur.
      Sowohl Einreise und Ausreise waren langwierig und mit viel Warterei verbunden, aber ich wurde ziemlich höflich behandelt.
      Gefährlich war es überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Die größte „Gefahr“ auf beiden Seiten der Grenze sind Taxifahrer, die behaupten, dass es keinen Bus nach Gal, Sochumi oder Zugdidi gäbe und dass man nur mit dem Taxi weiterkäme. Das ist natürlich Unsinn. Entweder der Bus steht schon da, oder er kommt innerhalb kürzester Zeit.
      Wenn Du Russisch sprichst, hast Du wesentlich mehr von Abchasien, aber auch ohne derartige Kenntnisse war es der interessanteste Teil meiner Kaukasus-Reise. Ich würder gerne mal für längere Zeit dorthin.
      Viel Spaß!

  5. Tatjana Gschossmann schreibt:

    Hallo Andreas, vielen Dank für deine wertvolle Informationen. Ich habe Folgendes gefunden:„Das georgische „Gesetz über die besetzten Gebiete“ untersagt Reiseverkehr, wirtschaftliche Aktivitäten, Erwerb von Grund und Boden bzw. Immobilien sowie andere Aktivitäten in Abchasien und Südossetien mit nur wenigen Ausnahmen. Bei Zuwiderhandlungen drohen Geld- oder Haftstrafen von bis zu fünf Jahren“ (Auswertiges Amt). Das ist was mich stutzig macht. Stimmt das auch im Realität, besteht die Gefahr, dass man nicht einreisen darf bei der Rückreise nach Georgien? Wir fliegen nämlich zurück nach Deutschland von Kutaissi aus.
    Liebe Grüße
    Tanja

    • Andreas Moser schreibt:

      Nein, das ist überhaupt kein Problem.
      Ich bin von Georgien nach Abchasien eingereist und dann zurück nach Georgien. Beide Male habe ich mich an dem georgischen Checkpoint (offiziell ist es ein Polizei-, kein Grenzposten) registriert. Georgien hatte keinerlei Problem damit, dass ich nach Abchasien wollte bzw. dass ich von dort zurückkam. Es hat lediglich jeweils etwa eine Stunde gedauert, um eine Menge Telefonate zu führen, was aber Routine zu sein scheint.
      Auf der abchasischen Seite muss man sich schon auf mehr Fragen gefasst machen, sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise. Unbedingt Adresse und Telefonnummer der Unterkunft oder des Gastgebers bereithaben!

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  8. Kerstin Borchert schreibt:

    Hallo Andreas, wir sind zur Zeit in Sotchi in Urlaub und könnten uns vorstellen einen Tag nach Abchasien zu reisen. Benötigen wir dafür ein extra Visum?

    • Andreas Moser schreibt:

      Hallo Kerstin,
      ja, man benötigt ein Visum (außer Ihr habt einen Pass aus Russland, Nicaragua, Tuvalu, Weißrussland, Kasachstan oder Transnistrien).

      Das Verfahren ist aber einfach. Ihr füllt das Formular auf der Seite des abchasischen Außenministeriums aus: http://mfaapsny.org/en/consular-service/permission/ , dann bekommt Ihr innerhalb einiger Tage eine E-Mail mit der Genehmigung, Die druckt Ihr mindestens zweimal aus und geht damit zum Grenzübergang, wo zuerst die Georgier alles überprüfen. Dann geht Ihr über die Brücke zum abchasischen Grenzübergang, wo Ihr erneut das Papier herzeigt, eine Menge Fragen beantwortet und wahrscheinlich das Gepäck durchsucht wird (also am besten nur das Tagesgepäck mitnehmen).
      Bis zu diesem Punkt kostet alles noch nichts. Wenn Ihr aber in Abchasien seid, müsst Ihr in Sochumi zur Visastelle gehen und dort das eigentliche Visum bezahlen (zur Zeit anscheinend 350 Rubel: http://mfaapsny.org/en/consular-service/consular/ ). Das geht schnell und einfach. Der dann erhaltene Zettel ist das eigentliche Visum, das Ihr bei der Ausreise wieder abgeben müsst.

      Ich fand Abchasien sehr interessant, aber ob es sich für einen Tag rentiert, bin ich mir nicht sicher. Denn die Grenze auf georgischer Seite öffnet erst um 9:30 oder so, und dann dauert die Prüfung auf beiden Seiten ziemlich lange. Dann noch die Busfahrt nach Sochumi (wo man wegen des Visums hin muss), und am Abend alles wieder retour.
      Wenn Ihr könnt, würde ich also lieber länger bleiben. Die Unterkünfte in Sochumi sind richtig billig, vor allem jetzt, wo die Hauptreisezeit (für russische Badeurlauber) vorbei ist.

  9. Kerstin Borchert schreibt:

    Hallo Andreas, danke für deine Antwort.
    Habe nochmal eine Frage wir würden ja von Russland einreisen ist es richtig das dort georgische Grenzbeamte sind?

    • Andreas Moser schreibt:

      Oje, ich habe völlig überlesen, dass Ihr in Sotchi seid, Entschuldigung!

      Von Russland nach Abchasien sind keine georgischen Grenzbeamten. Ich bin nicht über diese Grenze eingereist, aber ich gaube das geht lockerer. Da geht (zumindest im Sommer) ja auch ein regelmäßiger Zug.

      Bei dieser Route muss man nur zwei Dinge beachten:
      – Man kann nicht nach Georgien weiterreisen und auch mit dem gleichen Pass (wegen der Stempel) nie mehr nach Georgien. Denn Georgien betrachtet Abchasien als de jure georgisches Gebiet, dass Ihr somit illegal betretet.
      – Ihr braucht ein Mehrfach-Einreise-Visum für Russland, weil Ihr ja dann nach einem oder ein paar Tagen erneut in Russland einreist.

  10. Radobyl schreibt:

    Hallo, also wenn man von Russland aus nach Abchasien einreist (und zwangsweise auch dahin wieder ausreist) bekommt man keine Stempel in den Pass (Weder russische noch abchasische). Wir haben es gewagt, eine Exkursion von Sotschi aus nach Gagra und zum Riza See zu buchen (bekommt man in Sotschi an jeder Straßenecke). War okay. Die russischen Grenzbeamten haben etwas Stress gemacht bei der Ausreise (uns besonders lange inspiziert). Die abchasischen Grenzbeamten haben kaum von uns Notiz genommen (wegen der WM war visafreie Einreise für alle). Das Grenzregime ist für Mitteleuropäer ziemlich abschreckend. Es dauert lang, es wird gründlich kontrolliert (alle, auch die Russen). Bei der Rückreise ging es gefühlt etwas schneller. Ich fand, Abchasien sieht so aus, wie sich ein uninformierter, leicht gehirngewaschener Deutscher vielleicht die russische Schwarzmeerküste vorstellt. Alles sehr sowjetisch, kaum Neubauten, viel Verfall. Aber doch landschaftlich sehr reizvoll. Tolle Natur U d in Gagra die unverbauten, aber desolaten Perlen der neoklassizistischen sowjetischen Architektur. Auf der russischen Seite ist das anders, da muss man die Überbleibsel der Sowjetunion wie ein Archäologe in der Masse des neuen suchen (aber das neue ist äußerst reizvoll).
    Wir buchten eine Jeeptour zum Riza See. Es war alles sehr touristisch. 20 Minuten hier, zwanzig Minuten da. Die abchasischen Fahrer fuhren wie die Henker. Insofern sind wir froh, das überlebt zu haben. Aber unter lauter lustigen Russen verliert man schnell seine Ängstlichkeit ;-).
    In russischen Foren gibt es viele Beschwerden über Abchasien als Urlaubsland. Unhygienisch, schlechtes Essen, Abzocke und Schlimmeres allenthalben. Witzigerweise haben unsere abchasischen Reiseführer ihre Klienten auch genau davor gewarnt und uns nur an „ausgewählten“ Stellen Souvenirs kaufen und essen lassen (alles Betrüger außer denen selbst ;-)). Abgesehen vom Fahrstil könnten wir uns nicht über die Organisation der Jeeptour beschweren. Das Highlight, was man verpasst hätte, wenn man mit dem Bus gefahren wäre, war der Gega Wasserfall hoch oben in den Bergen (nur über eine extrem abenteuerliche Piste zu erreichen).

    • Andreas Moser schreibt:

      Danke für den ausührlichen Bericht!

      Sochumi hat tatsächlich noch viel von der sowjetischen Architektur.
      Touren habe ich keine gebucht, aber von Novy Afon nach Sochumi nahm mich ein Jeep per Anhaltr mit, der fuhr ebenfalls wie ein Henker. 🙂

  11. Radobyl schreibt:

    Was mir noch einfällt, bei eintägigen Ausflügen braucht man wohl kein Visum. Habe ich so auf der Seite des abchasischen “ Außenministeriums“ gelesen. Ja und wirklich wichtig: zweimaliges Einreisevisum für Russland. Sonst muss man in Suchumi ein neues Russland Visum kaufen. Bei Passverlust bekommt man ja vor Ort keinen Ersatz. Darum sollte man sich eine Kopie von Pass und Visum erstellen und mitführen, am besten im Internet hinterlegt, damit man sich in diesem unangenehmen Fall in Suchumi bei der russischen Botschaft die wieder-Einreise nach Russland genehmigen lassen kann (in einem englischsprachigen Forum gelesen).

  12. theabaum schreibt:

    Bei der Lektüre Ihres Berichts musste ich schmunzeln! Bevor ich für zwei Wochen nach Abchasien kam habe ich mir so einige Sorgen gemacht (über das Visum, die Sprache, die Transfers). Und natürlich werde ich immer wieder gefragt, ob es nicht gefährlich sei als alleinreisende Frau unterwegs zu sein. Aber ganz ehrlich, in keinem anderen Land fühlte ich mich bisher so sicher wie in Abchasien (und das hat was zu heißen, denn ich bin Reiseleiterin und ständig unterwegs). Egal, wo ich bin, an welcher Straßenecke ich nach dem Weg frage, in welcher neuen Stadt ich abends mein Hotel suche – mir wird ständig geholfen. Die Leute, die ich am Vortag kennengelernt habe (selbst der Taxifahrer!), rufen mich am nächsten Tag an, um zu fragen, ob auch alles gut ist und ich sicher und versorgt sei.
    Ja, Abchasien ist ein armes Land. Aber ich habe noch nirgendwo gefühlt, dass man mir das Geld aus der Tasche ziehen will. Im Gegenteil, ich wurde so oft eingeladen, dass es mir schon fast unangenehm wurde. Russisch sollte man definitiv ein bisschen können, denn Englisch sprechen vor allem die jüngeren, gebildeten Leute.
    Abchasien ist sowas von eine Reise wert! Man sollte vielleicht auf postsowjetischen Charme stehen und auf Perfektion verzichten können.

    • Andreas Moser schreibt:

      Das war genau mein Eindruck! Wirklich nett, freundlich, richtig erfreut über Besucher.

      Ich fand Suchum sehr entspannt und leer (obwohl ich im Juli dort war, also zur Hauptsaison für russische Touristen), aber auch sehr schön und interessant. Es war so eine Stadt, wo ich mir auf Anhieb gedacht habe, dass ich gerne mal länger dort wohnen würde. Es könnte ein geeigneter Ort sein, um Russisch zu lernen, weil man wirklich auf wenige Menschen mit Englisch- oder Deutschkenntnissen trifft.

  13. ნინო ლეკიშვილი schreibt:

    Mich würde interessieren, wie Sie in Abchasien gelandet sind? Über Russland selbstverständlich.

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