Wie gefährlich ist Abchasien?

Das waren die Reaktionen als ich den Plan einer Reise nach Abchasien erwähnte:

  • „Oje, oje, ist das nicht gefährlich?“ (siebzehnmal)
  • „Pass auf, das ist sehr gefährlich dort!“ (achtmal)
  • „Was willst Du denn dort?“ (fünfmal)
  • „Sei vorsichtig! Sprich auf keinen Fall Mädchen an. Die Abchasen verstehen da keinen Spaß. Sobald Du ein Mädchen auch nur ansiehst, tauchen vier ihrer Brüder mit Kalaschnikows auf. Das ist wie in Tschetschenien.“ (einmal)
  • Von Reisen nach Abchasien und Südossetien und in die unmittelbare Nähe der Konfliktregion wird dringend abgeraten.“ (Auswärtiges Amt)

Nun war ich bei meinem ersten Besuch nur vier Tage in Abchasien, bin aber immerhin zweimal durch fast das ganze Land gefahren und war jeden Tag von früh bis spät unterwegs. Für einen ersten Eindruck dürfte es also reichen.

Und so sieht es in Abchasien aus:

train station Suchumi.JPG

waterfront Sukhumi.JPG

botanical garden.JPG

corniche sukhumi.JPG

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blue house.JPG

Krone mit Meer.JPG

See mit Boot und Burg.JPG

Kirche Museum Wasserfall.JPG

train station.JPG

Kloster durch Wald.JPG

Schwan.JPG

night Sukhumi.JPG

Wie gefährlich war nun also Abchasien?

Sehr gefährlich! Und zwar gefährlich schön und gefährlich interessant. Noch gefährlicher könnte es für Menschen sein, die von ihrem Vorurteil, dass alles östlich der Elbe gefährlich, böse und arm ist, nicht lassen wollen.

Ganz im Ernst, das gefährlichste war diese Katze, die meine Schnürsenkel fressen wollte.

Katze Schnürsenkel.JPG

In Deutschland sah es zur gleichen Zeit übrigens so aus:

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Merke: Die meisten Reisewarnungen sind nutzlos bis falsch, weil sie von Leuten abgegeben werden, die noch nie oder letztmals vor 10 Jahren in dem betreffenden Land waren oder die sich in einem Büro verstecken und grundsätzlich Angst haben, sobald sie auf die Straße gehen.

(Read this article in English.)

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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18 Antworten zu Wie gefährlich ist Abchasien?

  1. The kaleidoscope schreibt:

    Andreas, würdest Du sagen, dass es auch für allein reisende Frauen dort sicher ist? In vielen Ländern der Welt macht das durchaus noch einen Unterschied. Es gibt auch Reiseberichte von Frauen, die das deutlich beschreiben.

    • Andreas Moser schreibt:

      1. Das macht auch in Deutschland einen Unterschied, ist also kein Grund gegen das Reisen.
      2. Ich hatte nicht den Eindruck, dass in Abchasien eine Machokultur herrscht. Italien ist gefährlicher.
      3. Du kannst zB über Couchsurfing schon vorab Frauen dort kennenlernen, die sich dann um Dich kümmern.

  2. Pingback: How dangerous is Abkhazia? | The Happy Hermit

  3. Andrej Gerber schreibt:

    Endlich jemand der mit offenen Augen und Verstand über Abchasien, berichtet. Ich war ebenfalls letztes Jahr dort und es hat mir bestens gefallen. Nichts von Gefahr, dafür freundliche Leute, schöne Landschaft und herrliches Essen. Spannend war auch die Besteigung von Abchasiens Berg, allerdings von der Russischen Nordseite her. Schön wäre es, wenn Abchasien endlich von der ganzen Welt als Unabhängig anerkennt wird, das Land und Volk hätte es nach den Aggressionen Georgiens längstens verdient!

    • Andreas Moser schreibt:

      Das nächste Mal möchte ich auch mehr Zeit in den Bergen verbringen.

      Zur Staatsqualität Abchasiens werde ich mal einen gesonderten Artikel schreiben, wobei ich finde, dass die Vergangenheit und der (eingeschlafene) Konflikt mit Georgien dafür irrelevant ist. Man erkennt ja auch Länder an, von denen ständig Aggressionen ausgehen. Selbst während des Zweiten Weltkriegs kam niemand auf die Idee, dem Deutschen Reich die Staatlichkeit abzusprechen.
      Die Frage der Staatlichkeit richtet sich meiner Meinung nach ausschließlich danach, ob ein klar definiertes Staatsgebiet besteht (ja), ein darin lebendes Staatsvolk, das sich womöglich auch als solches betrachten muss (ja) und ob der Staat über das Gebiet die effektive Kontrolle ausübt (ja, das sieht jeder, der mal in Abchasien war). Wie es dazu kam, ist nicht sonderlich relevant, solange die Lage einigermaßen stabil ist (was in Abchasien der Fall ist), sonst könnte auch Italien kommen und sagen „he, Ihr wart alle mal Teil des Römischen Reichs“.

  4. Hallo Andreas!
    Ich hätte diesbezüglich eine Frage, wenn du von der georgischen Seite (Inguri) über die Grenze und später dort auch wieder zurück gekommen bist.
    Und zwar ist sehr oft zu lesen man soll möglichst unauffällig aussehen, sprich keinen riesigen Backpack mit sich tragen da es angeblich schon öfter zu Überfällen o.ä auf Reisende gekommen sein soll – deshalb meine Frage, hattest du damals einen Backpack mit oder ihn irgendwo in der Nähe gelassen? (Zugdidi oder andere Grenzstädte?)
    Weiters würde ich gerne wissen ob man das abgeholte Visa, das du in Sukhumi abholen musst bei der Ausreise wieder abzugeben ist oder hast du es behalten können?
    Vielleicht hast du sonst noch ein paar Tipps für Abchasien für mich? Hab heute meinen Clearance Letter erhalten, freue mich schon sehr darauf.
    Danke schonmal und ein schönes Wochenende,
    Max

    • Andreas Moser schreibt:

      Hallo Max,
      das wird eine Superreise, glaub mir! Ich bin genau die gleiche Route gereist wie Du.
      Das mit dem „unauffällig aussehen“ haut nicht hin, ausser Du hast einen russischen oder abchasischen Pass. Als Ausländer wird man von jedem Posten angehalten, ausgefragt und der Rucksack wird durchsucht, wobei dies bei mir nur ein kurzer pro-forma-Blick war. Ich habe tatsächlich einiges in Zugdidi gelassen, weil ich wusste, dass ich wieder dorthin zurückkommen würde.
      Das Visum wurde mir bei der Ausreise wieder aus dem Pass genommen. (Wenigstens habe ich ein Foto zur Erinnerung gemacht). Auch bei der Ausreise gab es übrigens die gleiche Frage- und Warteprozedur.
      Sowohl Einreise und Ausreise waren langwierig und mit viel Warterei verbunden, aber ich wurde ziemlich höflich behandelt.
      Gefährlich war es überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Die größte „Gefahr“ auf beiden Seiten der Grenze sind Taxifahrer, die behaupten, dass es keinen Bus nach Gal, Sochumi oder Zugdidi gäbe und dass man nur mit dem Taxi weiterkäme. Das ist natürlich Unsinn. Entweder der Bus steht schon da, oder er kommt innerhalb kürzester Zeit.
      Wenn Du Russisch sprichst, hast Du wesentlich mehr von Abchasien, aber auch ohne derartige Kenntnisse war es der interessanteste Teil meiner Kaukasus-Reise. Ich würder gerne mal für längere Zeit dorthin.
      Viel Spaß!

  5. Tatjana Gschossmann schreibt:

    Hallo Andreas, vielen Dank für deine wertvolle Informationen. Ich habe Folgendes gefunden:„Das georgische „Gesetz über die besetzten Gebiete“ untersagt Reiseverkehr, wirtschaftliche Aktivitäten, Erwerb von Grund und Boden bzw. Immobilien sowie andere Aktivitäten in Abchasien und Südossetien mit nur wenigen Ausnahmen. Bei Zuwiderhandlungen drohen Geld- oder Haftstrafen von bis zu fünf Jahren“ (Auswertiges Amt). Das ist was mich stutzig macht. Stimmt das auch im Realität, besteht die Gefahr, dass man nicht einreisen darf bei der Rückreise nach Georgien? Wir fliegen nämlich zurück nach Deutschland von Kutaissi aus.
    Liebe Grüße
    Tanja

    • Andreas Moser schreibt:

      Nein, das ist überhaupt kein Problem.
      Ich bin von Georgien nach Abchasien eingereist und dann zurück nach Georgien. Beide Male habe ich mich an dem georgischen Checkpoint (offiziell ist es ein Polizei-, kein Grenzposten) registriert. Georgien hatte keinerlei Problem damit, dass ich nach Abchasien wollte bzw. dass ich von dort zurückkam. Es hat lediglich jeweils etwa eine Stunde gedauert, um eine Menge Telefonate zu führen, was aber Routine zu sein scheint.
      Auf der abchasischen Seite muss man sich schon auf mehr Fragen gefasst machen, sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise. Unbedingt Adresse und Telefonnummer der Unterkunft oder des Gastgebers bereithaben!

  6. Pingback: Wo war ich 2017 eigentlich überall? | Der reisende Reporter

  7. Pingback: Neue Visitenkarten | Der reisende Reporter

  8. Kerstin Borchert schreibt:

    Hallo Andreas, wir sind zur Zeit in Sotchi in Urlaub und könnten uns vorstellen einen Tag nach Abchasien zu reisen. Benötigen wir dafür ein extra Visum?

    • Andreas Moser schreibt:

      Hallo Kerstin,
      ja, man benötigt ein Visum (außer Ihr habt einen Pass aus Russland, Nicaragua, Tuvalu, Weißrussland, Kasachstan oder Transnistrien).

      Das Verfahren ist aber einfach. Ihr füllt das Formular auf der Seite des abchasischen Außenministeriums aus: http://mfaapsny.org/en/consular-service/permission/ , dann bekommt Ihr innerhalb einiger Tage eine E-Mail mit der Genehmigung, Die druckt Ihr mindestens zweimal aus und geht damit zum Grenzübergang, wo zuerst die Georgier alles überprüfen. Dann geht Ihr über die Brücke zum abchasischen Grenzübergang, wo Ihr erneut das Papier herzeigt, eine Menge Fragen beantwortet und wahrscheinlich das Gepäck durchsucht wird (also am besten nur das Tagesgepäck mitnehmen).
      Bis zu diesem Punkt kostet alles noch nichts. Wenn Ihr aber in Abchasien seid, müsst Ihr in Sochumi zur Visastelle gehen und dort das eigentliche Visum bezahlen (zur Zeit anscheinend 350 Rubel: http://mfaapsny.org/en/consular-service/consular/ ). Das geht schnell und einfach. Der dann erhaltene Zettel ist das eigentliche Visum, das Ihr bei der Ausreise wieder abgeben müsst.

      Ich fand Abchasien sehr interessant, aber ob es sich für einen Tag rentiert, bin ich mir nicht sicher. Denn die Grenze auf georgischer Seite öffnet erst um 9:30 oder so, und dann dauert die Prüfung auf beiden Seiten ziemlich lange. Dann noch die Busfahrt nach Sochumi (wo man wegen des Visums hin muss), und am Abend alles wieder retour.
      Wenn Ihr könnt, würde ich also lieber länger bleiben. Die Unterkünfte in Sochumi sind richtig billig, vor allem jetzt, wo die Hauptreisezeit (für russische Badeurlauber) vorbei ist.

  9. Kerstin Borchert schreibt:

    Hallo Andreas, danke für deine Antwort.
    Habe nochmal eine Frage wir würden ja von Russland einreisen ist es richtig das dort georgische Grenzbeamte sind?

    • Andreas Moser schreibt:

      Oje, ich habe völlig überlesen, dass Ihr in Sotchi seid, Entschuldigung!

      Von Russland nach Abchasien sind keine georgischen Grenzbeamten. Ich bin nicht über diese Grenze eingereist, aber ich gaube das geht lockerer. Da geht (zumindest im Sommer) ja auch ein regelmäßiger Zug.

      Bei dieser Route muss man nur zwei Dinge beachten:
      – Man kann nicht nach Georgien weiterreisen und auch mit dem gleichen Pass (wegen der Stempel) nie mehr nach Georgien. Denn Georgien betrachtet Abchasien als de jure georgisches Gebiet, dass Ihr somit illegal betretet.
      – Ihr braucht ein Mehrfach-Einreise-Visum für Russland, weil Ihr ja dann nach einem oder ein paar Tagen erneut in Russland einreist.

  10. Radobyl schreibt:

    Hallo, also wenn man von Russland aus nach Abchasien einreist (und zwangsweise auch dahin wieder ausreist) bekommt man keine Stempel in den Pass (Weder russische noch abchasische). Wir haben es gewagt, eine Exkursion von Sotschi aus nach Gagra und zum Riza See zu buchen (bekommt man in Sotschi an jeder Straßenecke). War okay. Die russischen Grenzbeamten haben etwas Stress gemacht bei der Ausreise (uns besonders lange inspiziert). Die abchasischen Grenzbeamten haben kaum von uns Notiz genommen (wegen der WM war visafreie Einreise für alle). Das Grenzregime ist für Mitteleuropäer ziemlich abschreckend. Es dauert lang, es wird gründlich kontrolliert (alle, auch die Russen). Bei der Rückreise ging es gefühlt etwas schneller. Ich fand, Abchasien sieht so aus, wie sich ein uninformierter, leicht gehirngewaschener Deutscher vielleicht die russische Schwarzmeerküste vorstellt. Alles sehr sowjetisch, kaum Neubauten, viel Verfall. Aber doch landschaftlich sehr reizvoll. Tolle Natur U d in Gagra die unverbauten, aber desolaten Perlen der neoklassizistischen sowjetischen Architektur. Auf der russischen Seite ist das anders, da muss man die Überbleibsel der Sowjetunion wie ein Archäologe in der Masse des neuen suchen (aber das neue ist äußerst reizvoll).
    Wir buchten eine Jeeptour zum Riza See. Es war alles sehr touristisch. 20 Minuten hier, zwanzig Minuten da. Die abchasischen Fahrer fuhren wie die Henker. Insofern sind wir froh, das überlebt zu haben. Aber unter lauter lustigen Russen verliert man schnell seine Ängstlichkeit ;-).
    In russischen Foren gibt es viele Beschwerden über Abchasien als Urlaubsland. Unhygienisch, schlechtes Essen, Abzocke und Schlimmeres allenthalben. Witzigerweise haben unsere abchasischen Reiseführer ihre Klienten auch genau davor gewarnt und uns nur an „ausgewählten“ Stellen Souvenirs kaufen und essen lassen (alles Betrüger außer denen selbst ;-)). Abgesehen vom Fahrstil könnten wir uns nicht über die Organisation der Jeeptour beschweren. Das Highlight, was man verpasst hätte, wenn man mit dem Bus gefahren wäre, war der Gega Wasserfall hoch oben in den Bergen (nur über eine extrem abenteuerliche Piste zu erreichen).

    • Andreas Moser schreibt:

      Danke für den ausührlichen Bericht!

      Sochumi hat tatsächlich noch viel von der sowjetischen Architektur.
      Touren habe ich keine gebucht, aber von Novy Afon nach Sochumi nahm mich ein Jeep per Anhaltr mit, der fuhr ebenfalls wie ein Henker. 🙂

  11. Radobyl schreibt:

    Was mir noch einfällt, bei eintägigen Ausflügen braucht man wohl kein Visum. Habe ich so auf der Seite des abchasischen “ Außenministeriums“ gelesen. Ja und wirklich wichtig: zweimaliges Einreisevisum für Russland. Sonst muss man in Suchumi ein neues Russland Visum kaufen. Bei Passverlust bekommt man ja vor Ort keinen Ersatz. Darum sollte man sich eine Kopie von Pass und Visum erstellen und mitführen, am besten im Internet hinterlegt, damit man sich in diesem unangenehmen Fall in Suchumi bei der russischen Botschaft die wieder-Einreise nach Russland genehmigen lassen kann (in einem englischsprachigen Forum gelesen).

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