Vor hundert Jahren erhielt der Mann aus dem Eis den Friedensnobelpreis – Dezember 1922: Fridtjof Nansen

Es ist Winter. Es ist kalt. Es ist grau. Es schneit. Bis zu drei Meter Neuschnee pro Nacht in New York.

Nichts wünscht sich die Leserschaft jetzt sehnlicher als Berichte und vor allem Fotos aus der Karibik, aus Brasilien oder aus der Südsee.

Aber dieser Blog widersetzt sich konsequent allen Leserwünschen, pfeift auf Demokratie und Mitbestimmung und giert nicht nach Popularität. Deshalb setze ich Euch heute, im tiefsten Dezember und während Euch die Zehen abfrieren, einen Polarforscher vor.

Fridtjof Nansen war sein Name, und er war aus Norwegen. Wobei es Norwegen zu seiner Zeit noch nicht so richtig gab, weil es im Rahmen einer Norwegisch-Schwedischen Union vom schwedischen Königshaus verwaltet wurde, auch wenn John Steinbeck in seinem Buch „Der Mond ging unter“ so tut, wie wenn die Norwegerinnen und Norweger dagegen heldenhaft Widerstand geleistet hätten. Ist aber trotzdem ein gutes Buch, wie eigentlich alles von John Steinbeck.

Steinbeck gewann 1962 den Literaturnobelpreis, und damit sind wir beim diesmonatigen Jahrestag, der den Anlass setzt für diese weitverzweigte Geschichtsreihe „Vor hundert Jahren …“. Nämlich bekam auch Nansen einen Nobelpreis, und zwar vor genau 100 Jahren, im Dezember 1922. Allerdings den Friedens- statt den Literaturnobelpreis.

Aber zuerst einmal zurück in die Jugend von Nansen, als er auf der Suche nach Polen und Pinguinen durch den Schnee stapfte. Polen gab es damals ebensowenig, ja eigentlich noch viel weniger als Norwegen, weswegen hier nicht Polen als Land, sondern die Pole als magnetische Extremitäten unseres kugelrunden Heimatplaneten gemeint sind.

Als Nordmann interessierte sich Nansen eher für den Nord- als für den Südpol. Ersterer lag geographisch näher, und außerdem war zweiterer in der Hand der Nazis.

Anders als Knut Hamsun, ein weiterer nordischer Nobelpreisträger, dessen Bücher man getrost ungelesen in der Buchhandlung stehen lassen kann, war Nansen nämlich kein Nazi.

Stattdessen war Nansen mehrmaliger Meister im Skilang- und Eisschnelllauf, studierte Zoologie und fuhr dann auf Robbenjagd. (Den Trick mit der Jagd „zu wissenschaftlichen Zwecken“ setzen Norwegen und andere Walfangnationen noch immer ein. Mehr zum Walfang in meinen Bericht über die Walfängerinsel Pico sowie natürlich bei „Moby Dick“.)

Die langen Abende auf den Robbenfangschiffen sind sehr einsam, und entweder man wird verrückt oder man kommt auf verrückte Ideen. (Gibt es überhaupt eine andere als diese beiden Alternativen, um durchs Leben zu kommen?)

Nansen dachte sich: „Dieses Grönland da, um das wir immer herumfahren, das könnte ich doch einfach mal zu Fuß durchqueren.“ Er war, wie gesagt, Weltmeister im Skilang- und Eisschnelllauf, so dass die Idee für ihn weniger absurd erschien als wenn du oder ich den selben Gedanken äußerten.

Grönland ist nicht so flach, wie Menschen glauben, die noch nie dort waren. (Ich war selbst noch nie dort. Schade eigentlich.) Nansen und seine fünf Kollegen erklommen Höhen von bis zu 2719 Metern und Tiefen bis zu -46 Grad Celsius.

Aber es ging alles glatt, um auf einer Eismetapher auszugleiten.

Wie das jedoch immer so ist bei Blog-Artikeln und Grönland-Durchquerungen: Nansen und seine Männer hatten länger als geplant benötigt. Inzwischen war es Spätherbst 1888 geworden, und es ging kein Schiff mehr von Grönland nach Europa. (Ob Grönland zu Europa gehört oder nicht, gehört nicht hier- sondern hierher.)

Also musste der lustige Skifahrertrupp sieben Monate bei den Inuit überwintern, die damals noch Eskimos hießen. Dieser Zwangsaufenthalt sollte sich später als gewinnbringend herausstellen, weil Nansen und seine Männer zu dieser Zeit – notgedrungen – viel über das (Über)Leben im arktischen Winter lernten.

Es gibt zwei Arten von Grönland-Durchquerern: Die einen sind stolz auf das Geleistete, schreiben ein Buch und gehen in Clubs, um whiskeytrinkend und zigarrenqualmend von ihren Abenteuern zu erzählen. Die anderen denken sich: „Als nächstes ist der Nordpol dran!“

Dazu muss man wissen, dass damals in den 1890er Jahren, noch niemand am Nordpol gewesen war. Nicht einmal Reinhold Messner.

„Dafür war ich am Südpol! Das ist eh viel schwieriger. Zum Nordpol spaziere ich locker nebenbei, während ich mit dem Hund Gassi gehe. Ohne Sauerstoff!“

Nansen hatte nach seiner Rückkehr aus Grönland einen Fehler gemacht: Er hatte geheiratet. Wahrscheinlich wollte er nur deshalb zum Nordpol. Und deshalb heckte er einen Plan aus, wie er möglichst lange von zuhause wegbleiben konnte.

Die langsamste Möglichkeit, den Nordpol zu erreichen, war, ein Schiff zu bauen, damit an die Nordküste Sibiriens zu fahren, sich im Winter im Packeis einschließen zu lassen und dann zu warten, bis die Meeresströmung das im Eis eingeschlossene Schiff zum Nordpol treibt.

Nansen ließ zu diesem Zweck ein Schiff konstruieren, das bei zunehmendem Druck nicht zerquetscht, sondern emporgehoben werden sollte: die Fram.

Er ließ aber auch durchblicken, dass es nicht so schlimm sei, wenn das Schiff untergeht. Dann würde man halt ein Zelt auf einer Eisscholle aufschlagen und so zum Nordpol treiben. Wenn ich den Titel für den dümmsten Plan aller Zeiten nicht schon vergeben hätte, dann wäre die Fram-Expedition eine aussichtsreiche Kandidatin.

Am 21. Juli 1893 ging die Fahrt in Norwegen los. Die Fram segelte gen Osten, immer tiefer nach Nordsibirien, wo sie am 5. Oktober 1893 schließlich – wie geplant – festfror.

Die Windmühle betrieb übrigens einen Stromgenerator, so dass die Mannschaft Licht zum Lesen hatte. Das war ziemlich schlau, denn bis dahin waren in der internationalen Schifffahrt bereits Hunderte von Schiffen abgebrannt, weil ein bildungshungriger Matrose bei brennender Kerze eingeschlafen war. (Diese ganzen Geschichten von Piraterie und Schlachten bei Trafalgar und so, die wurden nur für die Kaskoversicherung erfunden.)

Jetzt konnte man nur noch warten. Und messen. Die täglichen Positionsbestimmungen ergaben dummerweise, dass sich die Fram langsamer als geplant fortbewegte. Außerdem stimmte die Richtung nicht ganz. Nach aktualisierten Berechnungen Nansens würde es fünf Jahre dauern, bis das Schiff den Nordpol erreichen würde. Fünf Jahre!

Und jeden Tag warten, lesen, Karten spielen. Man kann nur hoffen, dass jemand an ein Schachspiel gedacht hatte. Und an eine Katze.

„Diese Scheißwarterei macht mich noch ganz verrückt.“

Am 14. März 1895 – nach fast zwei Jahren auf dem Schiff! – verlor Nansen die Geduld: „Also, Männer, Ihr bleibt auf dem Schiff, und ich packe mir ein paar Skier und gehe zu Fuß zum Nordpol. Ich werde ausrechnen, wohin Ihr treibt, und dort treffen wir uns dann später. Tschau mit Kakao!“ Nur einen Kollegen, Fredrik Johansen, nahm er mit.

„Bis bald im Wald“, „tschüssli Müsli“ und „bis Spätersilie“ riefen die Männer, denn zwei Jahre auf einem Schiff machen kreatiff.

Die von der Fram bis zum Nordpol zu überwindende Distanz betrug 660 km. (Wer mein obiges Verdikt des dümmsten Planes aller Zeiten für überzogen gehalten hat, möge das jetzt überdenken.)

Nansen und Johansen legten pro Tag zwischen 13 und 17 km zurück, aber jede Nacht, als sie schliefen, veränderte die Meeresströmung ihre Position wieder. Und zwar meist in die falsche Richtung. Das Wetter wurde härter, das Eis unwirtlicher, die Kräfte schwanden. Bei einer nördlichen Breite von 86° 13,6′ hatten sie den bisherigen Nordrekord um fast drei Breitengrade übertroffen, machten ein Selfie und beschlossen, umzukehren.

Auf dem Rückweg wurden sie – mal wieder – vom einsetzenden Winter überrascht, so dass sie für acht Monate ein Winterlager aufschlagen mussten. (Ein persönlicher Tipp: Wenn Ihr wie Nansen der Enge der Ehe entfliehen wollt, geht nicht mit nur einem anderen Menschen zu Fuß zum Nordpol!)

Erst am 19. Mai 1896 – also 14 Monate nach Verlassen des Schiffes! – konnten sie ihren Weg fortsetzen. Am 17. Juni 1896 trafen sie, wie es halt manchmal so passiert, auf Frederick George Jackson, einen britischen Polarforscher.

Jackson hatte am Kap Flora eine Forschungsstation eingerichtet, wo er schon seit drei Jahren lebte. Ich kann mir vorstellen, dass er sich über die Abwechslung freute. Umso mehr als Nansen und Johansen bereits als verschollen galten. Das nächste Versorgungsschiff, das Jacksons Lager anlief, nahm die beiden Abenteurer mit nach Norwegen. Lustigerweise traf die Fram, die ihre Eisreise überlebt hatte, nur wenige Tage später ein. Das gab ’ne Party!

Jackson hatte bald genug vom Eis und durchquerte in den folgenden Jahren Afrika und Australien. (Ich weiß nicht warum, aber es gibt so Menschen, die müssen ständig irgendwas durchqueren oder besteigen.) Nansen hatte auch genug vom Eis, ging in die Politik und verhalf Norwegen 1905 zur Unabhängigkeit. Dummerweise hatte sich Norwegen zur Monarchie erklärt, ohne eine eigene Herrscherfamilie zu haben; ein Problem, das aufmerksame Leser dieser Reihe aus anderen Ländern bereits kennen.

Also fragten die Norweger, die sich gerade von Schweden losgesagt hatten, einen dänischen Prinzen, ob er nicht gerne norwegischer König werden wollte. Wie dänische Prinzen so sind, zögerte dieser keine Sekunde, und noch heute wird Norwegen von der Dynastie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg regiert, die uns bereits auf einer langen Zugfahrt nach Stockholm begegnet ist.

Aber genug des schneetreibenden Vorgeplänkels. Schließlich wollte ich anlässlich des hundertjährigen Jubiläums eigentlich davon erzählen, wofür Fridtjof Nansen 1922 den Friedensnobelpreis erhielt.

Den gab es nämlich weder für die Polarexpedition, noch für die Gründung Norwegens. Stattdessen ging es – jetzt wird’s richtig spannend! – um Staatsbürgerschaftsrecht, Flüchtlingsfragen und Pässe. Ganz zufällig eines meiner Spezialgebiete als Jurist.

Nansen war nämlich – wie ich – der Meinung, dass man keinesfalls mehr als sieben Jahre im gleichen Berufsfeld tätig sein sollte. Für ihn und andere Menschen mit Lust an einer beruflichen Umorientierung war 1920, als eine der Lehren aus dem Ersten Weltkrieg, der Völkerbund gegründet worden. Das war so etwas wie die UNO, nur dass jedes kleine Bibsiland ein Veto hatte. Sogar Guatemala, Abessinien und Luxemburg.

„Bürokratie ist viel spannender als diese Arktisdurchquererei.“

Nansen nahm sich der Aufgabe an, Kriegsgefangene und Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückzubringen. Das war schwierig genug, weil es nach so einem Weltkrieg naturgemäß Millionen von Kriegsgefangenen und Flüchtlingen gibt. Noch dazu haben manche Länder auch nach dem Krieg absichtlich Flüchtlinge produziert, z.B. beim griechisch-türkischen „Bevölkerungsaustausch“, wo Hunderttausende von Menschen zu ihrer großen Überraschung mitgeteilt bekamen, dass sie im falschen Land lebten, die Koffer packen sollten und in „ihr“ Land abhauen sollten, obwohl sie dort noch nie gelebt hatten.

Andernorts bestand das Problem, dass die Städte nicht mehr bestanden, in die man zurückkehren konnte. So sah z.B. Ypern in Belgien aus, nachdem die Deutschen vorbeigeschaut hatten:

Dann gab es Flüchtlinge, die nicht mehr in ihre Heimat zurück konnten, weil sie dort als Staatsfeinde betrachtet wurden, z.B. viele der Flüchtlinge des Russischen Bürgerkriegs. Dieser Krieg war bekanntlich so kompliziert, dass man sehr leicht zum Staatsfeind oder zum Feind des Staatsfeindes oder zum Feind des Feindes des Staatsfeindes wurde, was sich zudem tagtäglich ändern konnte. (Wer die Komplexität des Russischen Bürgerkriegs erahnen möchte, dem sei die Folge über den deutsch-baltischen Baron empfohlen, der während dieses Kuddelmuddelkrieges eine eigene asiatische Reiterarmee aufstellte, sich als Reinkarnation von Dschingis Khan betrachtete, das Zarengold raubte, das Königreich Mongolei gründete und die Neonazis dort hoffähig machte. Ist eine spannende Geschichte!)

Und dann gab es die Flüchtlinge, die nicht zurück konnten, weil jemand ihr ganzes Volk ausrotten wollte. Da kommen einem insbesondere die armen Armenier in den Sinn, die deshalb bereits im März 1921 und im April 1922 einen Auftritt in dieser Geschichtsreihe hatten. Bei den Armeniern sieht man auch sogleich eines der Probleme, das die Arbeit von Nansen erschwerte: Manche Völker hatten keine eigenen Staaten, andere Staaten waren untergegangen. Millionen Menschen wurden staatenlos. Die Sowjetunion entzog nach ihrer Gründung – übrigens ebenfalls im Dezember 1922, also vor genau hundert Jahren (falls jemand feiern will) – allen ins Exil gegangenen ehemaligen Russen, Ukrainern u.s.w. die Staatsbürgerschaft.

Auch die Auflösung von Österreich-Ungarn und des Osmanischen Reiches, Grenzverschiebungen und allerhand völkerrechtliche Zwischenprodukte wie Mandatsgebiete (z.B. das Saarland und Palästina, die beiden ewigen Problemkinder der Weltgemeinschaft), Freie Städte (z.B. Danzig) und von mehreren Staaten gemeinsam verwaltete internationale Zonen (z.B. Tanger) konnten zur Staatenlosigkeit führen. Darüber hinaus missbrauchten immer mehr Staaten das Staatsangehörigkeitsrecht, um bestimmte religiöse, ethnische oder politische Minderheiten auszubürgern und damit schutzlos zu stellen.

Auch wenn Ihr das Land, dessen Staatsangehörigkeit Ihr – meist ohne eigenes Zutun – habt, nicht besonders mögt, glaubt mir: So ganz ohne Staatsangehörigkeit lebt es sich noch schlechter. Das gilt umso mehr, je papiergläubiger eine Gesellschaft ist. Ohne Personalausweis oder Pass, manchmal sogar ohne Geburtsurkunde, ist es extrem schwer, eingeschult zu werden, ein Konto zu eröffnen, einen Mietvertrag abzuschließen oder zu heiraten. Nach deutschem Recht darf man als Staatenloser eigentlich nicht einmal sterben. Hannah Arendt, selbst von 1937 bis 1951 staatenlos, bezeichnete sich und ihre Schicksalsgenossen „politisch gesprochen als lebende Leichname“.

Fridtjof Nansen konnte dieses Riesenproblem nicht lösen. Aber er ging eines der praktischen Probleme an, nämlich die fehlenden Personaldokumente. Als Hochkommissar für Flüchtlingsfragen setze er die Idee durch, dass der Staat, auf dessen Territorium man sich befindet, ein Identifikationspapier ausstellt, das auch zum Reisen berechtigt, aber keine staatsbürgerschaftlichen Rechte verleiht. Mit diesem sogenannte Nansen-Pass oder Nansen-Ausweis konnte man zumindest eine eigene Arbeit und eine Wohnung finden.

Aber natürlich blieb dieses Stück Papier ein zweitklassiges Stück Papier. Wladimir Nabokov, selbst Inhaber eines Nansen-Passes, bezeichnete es als „höchst minderwertiges Dokument von kränklich grüner Farbe. Sein Inhaber war wenig mehr als ein auf Bewährung entlassener Verbrecher.“ Außerdem setzten nicht alle Staaten die Idee des Völkerbundes um. Viele Flüchtlingsgruppen waren ganz ausgeschlossen.

Dennoch gab es dafür 1922 den Friedensnobelpreis für Fridtjof Nansen, mit der aus Arbeitszeugnissen bekannten Wendung „er hat sich stets bemüht“.

Das Problem der Staatenlosigkeit ist bis heute ungelöst. Allein in Europa leben schätzungsweise über 500.000 Staatenlose, in Deutschland nach aktueller Zählung 27.940.

Den Nansen-Pass gibt es nicht mehr. An seine Stelle ist der „Reiseausweis für Flüchtlinge oder Staatenlose“ nach Art. 28 der Genfer Flüchtlingskonvention getreten. Achtet mal bei der nächsten Reise darauf, ob Ihr jemanden mit so einem blauen Pass in der Warteschlange an der Grenze entdeckt. Dann wisst Ihr, dahinter steckt vielleicht eine dramatische Geschichte. Oder auch nicht, schließlich kann derjenige meist überhaupt nichts für seine Staatenlosigkeit.

Aber bevor ich jetzt in die Einzelfälle abgleite, was einem uferlosen Unterfangen gleichkäme, kehre ich doch noch einmal zurück zur guten alten Fram: Die Idee hinter der Eisdrift wurde nämlich kürzlich wiederbelebt. Im Rahmen der MOSAiC-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts wurde der Eisbrecher Polarstern eingefroren und bis auf 156 km an den Nordpol herangetrieben, näher als je zuvor ein Schiff gekommen war.

„Wir mussten allerdings immer ein Auge auf die norwegischen Mitglieder des Teams werfen“, so der deutsche Expeditionsleiter Markus Rex. „Wenn die so nah am Nordpol sind, da merkt man richtig, wie es sie in den Fingern juckt, über Bord zu springen und loszulaufen.“


Und das war’s für 1922.

Schaltet auch nächstes Jahr wieder ein, wenn wir mindestens einmal im Monat genau hundert Jahre zurück reisen. 1923 ist einiges passiert, von der Besetzung des Ruhrgebiets bis zum Hitler-Putsch, von der Italienisierung Südtirols bis zur Gründung von Warner Brothers und der Disney-Studios, vom Friedensvertrag von Lausanne bis zum Rifkrieg, vom Hamburger Aufstand bis zum Militärputsch in Spanien.

Hunderte von Themen tummeln sich schon auf meiner Liste, aber Wünsche, Vorschläge und Gastartikel sind gerne willkommen. Ebenso wie Eure Spenden, die mir diese Arbeit erst ermöglichen. Vielen Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, und ein spannendes 1923/2023!

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Über Andreas Moser

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19 Antworten zu Vor hundert Jahren erhielt der Mann aus dem Eis den Friedensnobelpreis – Dezember 1922: Fridtjof Nansen

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  3. sinnlosreisen schreibt:

    Was für eine spannende und humorvolle Geschichte! Was so eine Ehe alles bewirken kann 😁.
    Mir war gar nicht bewusst, wie problematisch diese Staatenlosigkeit ist. Da gibt es doch auch einen Film mit Tom Hanks, der in einem amerikanischen Airport lebte, weil während des Fluges sein Land aufgelöst wurde und er weder ein- noch ausreisen durfte. Eigentlich müsste die UNO oder die UN allen betroffenen einen Ausweis als Erdbürger ausstellen, der dann zumindest als Identitätsnachweis gilt.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ahh, den Film „Terminal“ wollte ich eigentlich erwähnen, vor allem weil das Vorbild, Mehran Karimi Nasseri, gerade erst diesen November gestorben ist!

      Ich sollte mir wirklich mal Notizen machen, anstatt zu glauben, dass mir beim Schreiben schon wieder alles einfällt.

      In Abchasien habe ich jemanden getroffen, dem es ähnlich ging wie Tom Hanks. Er hatte 1989 als Sowjetbürger ein Studentenvisum für die Niederlande erhalten. Dort lebte er dann während des Auseinanderfalls der Sowjetunion, in dessen Zug es einen Krieg zwischen Abchasien und Georgien gab.
      Sein sowjetischer Pass war natürlich wertlos. Die Niederländer sagten ihm, er solle sich einen georgischen Pass holen. Er ging zur georgischen Botschaft, die merkten, dass er Abchase ist, und schickten ihn weg.
      „Also blieb ich notgedrungen noch ein paar Jahre in den Niederlanden“, sagte er mir trocken. (Er nutze die Zeit für eine Promotion in Linguistik und wurde später Außenminister von Abchasien.)

      Wenn Staaten zerfallen gibt es viele solche Fälle, vor allem wenn Staatsangehörige gerade im Ausland sind und gar nicht wissen, ob sie Serben oder Bosnier sind, weil sie während Jugoslawien nie darüber nachgedacht haben.
      Ein anderes Beispiel ist Lettland, das mit der Unabhängigkeit 1991 fast ein Drittel Staatenlose hatte. Das waren Menschen, die zum Teil ihr ganzes Leben in Lettland gelebt hatten, aber ethnisch/linguistisch keine Letten, sondern Russen, Belorussen, Armenier, Kasachen oder andere Sowjetbürger waren.
      Und dann gibt es noch die Minderheiten, denen bewusst keine Staatsbürgerschaft zugestanden wird, zB den Rohingya in Myanmar, vielen Muslimen in Indien oder Palästinensern im Libanon oder in Ost-Jerusalem.
      Selbst in Europa bekommen Angehörige der Roma manchmal keine Pässe, in manchen Fällen nicht einmal Geburtsurkunden.

      So ein Weltpass wäre eine tolle Sache, aber die Identität hängt dann natürlich wieder von Geburtsurkunden ab.
      Oder man scannt irgendwann nur mehr die Iris, den Fingerabdruck und die DNA, was aber auch irgendwie dystopisch ist.

    • sinnlosreisen schreibt:

      Ich finde das gar nicht so dystopisch. Hauptsache, meine Identität ist eindeutig geklärt. Einfacher als immer seinen Reisepass zu zeigen, wäre es. Und niemand kann dann die Identität klauen oder fälschen. Vielleicht bin ich da aber auch zu gutgläubig. Missbrauch ist wahrscheinlich immer im Paket dabei. Ich will allerdings keinen Einreisestempel oder ein Visum auf die Iris gebrannt bekommen.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich bin da äußerst skeptisch, zum einen weil es nicht immer Strom gibt, um diese Daten zu lesen, zum anderen glaube ich nicht, dass sie nicht geklaut oder gefälscht werden können.

      Ich habe ihn selbst noch nicht gehört, aber gerade habe ich einen Podcast zu diesem Thema gesehen:
      https://www.ardaudiothek.de/episode/ard-radiofeature/verraeterische-daten-doku-ueber-die-gefahren-der-biometrie/ard/12204469/

      Und gerade in der Hand von Staaten, die bestimmte Teile der Bevölkerung „verschwinden“ lassen wollen, finde ich Technologie noch gefährlicher als Papier. Einen Pass kann der Staat für ungültig erklären, dann komme ich nicht mehr über die Schengen-Grenze. Aber wenigstens halte ich ihn noch in der Hand und kann damit nach Italien oder eine Wohnung mieten.
      Wenn mein Fingerabdruck oder meine Iris aus einer Datenbank gelöscht werden, und jeder auf die „Objektivität“ der Technologie vertraut, dann bin ich gesellschaftlich tot.
      Und wenn man auch noch DNA-Daten dazu nimmt, das freut ja erst recht die Länder, die ethnische Minderheiten ausgrenzen wollen. Das ist dann wie bei den „Nürnberger Gesetzen“, nur effizienter. Und wahrscheinlich finden es noch mehr Leute cool, weil es ja Technik und digital und 2.0 ist.

      Es gibt dazu einen Roman von Andreas Eschbach, „NSA – Nationales Sicherheits-Amt“, der sich vorstellt, wie der NS-Staat mit den jetzigen technischen Möglichkeiten funktioniert hätte. Der Roman ist so-la-la, aber einige Gedanken darin sind interessant. Andererseits kann man ja auch einfach nach China mit seinen „social scores“ blicken.

    • sinnlosreisen schreibt:

      Hm ja, da ist wohl was dran. Also brauchen wir doch erst die demokratische Weltregierung statt Nationalstaaterei. Und dann sollte die biometrische Identität mit Blockchain abgesichert werden. Mindestens.
      Klingt utopisch, das gebe ich gerne zu. 😀
      Schönes neues Jahr!

    • Andreas Moser schreibt:

      Die „Vereinigten Staaten der Menschheit“ wollte Nansen auch, mit dem Völkerbund als Organ und Parlament.

  4. Andreas Moser schreibt:

    Das sagt Twitter dazu:

  5. danysobeida schreibt:

    ¡Muchas gracias a todos los seguidores y un emocionante 1923/2023! Esto es nuevo y emocionante como tu relato. Percibo un tratado de paz con el mundo? … me gusta!

    • Andreas Moser schreibt:

      En 1923 se fundaron el Colegio Aleman en La Paz, el „Northern Football Club“ que más tarde se llamó Club Mariscal Santa Cruz, y – lo más importante – la organización Atene Femenino.

      Este último es interesante, porque en el mismo ano se fundaron asociaciones feministas en Egipto e Iraq.

      Espero encontrar a alguien que puede escribir sobre este tema. Porque yo no sé nada.

    • danysobeida schreibt:

      No creo que mi narrativa este a la altura de la tuya … pero buscare información y si estas de acuerdo te la envío a tu correo. Sería un honor colaborar con tu blog.

    • Andreas Moser schreibt:

      Te agradezco muchisimo!

      Todavía existe la asociación Atene Feminino?
      Solo conozco Mujeres Creando:
      https://andreasmoser.blog/2017/03/10/divorce/

    • danysobeida schreibt:

      No tengo vínculos con asociaciones feministas, no puedo responder a tu pregunta ahora, pero buscaré información. Si? María Galindo = Mujeres Creando, pues si es una de las organizaciones mas bulliciosas, feminismo radical para mi criterio entre otra cosas, aunque a veces estoy de acuerdo con ella. Recuerdo tu post. Te escribiré cuando tenga algo de información Andreas.

    • danysobeida schreibt:

      Sobre El Ateneo Femenino y el movimiento feminista en Bolivia, las primeras indagaciones indican que fue disuelto durante la Revolución Nacional de 52, luego de haber logrado uno de sus principales objetivos, el derecho al voto. Existe una trama de muy interesante de relaciones y diferencias de pensamiento que logró establecer El Ateneo Femenino con otros movimientos de mujeres. Eso por ahora como respuesta rápida, encontré algunos documentos interesantes …

    • Andreas Moser schreibt:

      Muchas gracias, estimada colega!

      Pero ten cuidado! Vas a descubrir que, una vez iniciada la búsqueda, un dato interesante te lleva al siguiente.

  6. danysobeida schreibt:

    Si de hecho ya estoy en estado de suspenso, sin embargo estoy algo complicada durante enero. La última semana de este mes te envío avances a tu correo. Ok? Lo de estimada colega, me encantó. Estoy como luciendo una insignia de fans destacada en facebook. 😉

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