Reise zum Mittelpunkt Europas

To the English version.

Es ist der 15. Juli 2022. Noch ist es morgendlich-angenehm frisch, obwohl es später richtig heiß werden wird. Zwischendurch tröpfelt es. Aber es ist so ein Sommerregen, vor dem man sich gar nicht erst versteckt, weil man weiß, dass er bald vorübergeht. Außerdem: Lieber Regen als Raketen.

Es ist Tag 142 des russischen Angriffs auf die Ukraine, und niemand glaubt mehr, dass dieser Krieg bald vorübergeht.

Über eine wackelige Holzbrücke überquere ich den Fluss Theiß. Von Rumänien in die Ukraine.

Ganz legal. Kurze, freundliche Kontrolle auf der rumänischen wie auf der ukrainischen Seite. Keine Warnungen. Keine Vorsichtshinweise. Keine Fragen, was zum Teufel ich mitten im Krieg in der Ukraine will.

Dabei hatte ich mir so eine gute Antwort zurechtgelegt: Ich suche den Mittelpunkt Europas.

„In der Ukraine??“ werden jetzt viele fragen, wo doch bis vor kurzem die meisten (West-)Europäer von diesem Land noch überhaupt nichts wussten. Ukraine, Ural, Ulan-Ude, alles das gleiche. Alles weit weg. Irgendwo bei Sibirien.

Aber zurück zu jenem Tag im Juli 2022. Von Solotwino, dem Grenzort, würden Busse nach Rachiw gehen, hatte ich gelesen. Unterwegs könnte ich in der Nähe von Dilowe aussteigen. Doch der Busbahnhof, eigentlich nur ein Container an der Hauptstraße, ist wie verwaist.

Die Bahnhofsvorsteherin kommt hilfsbereit heraus und sagt, dass die Liste mit den Abfahrtszeiten Makulatur sei. Die Busfahrer sind an der Front, die Busse im Krieg.

Dann muss ich eben trampen. Per Anhalter durch ein Land im Krieg. Gar nicht so einfach, kann ich Euch sagen. Aber, wie immer beim Trampen, schließlich klappt es doch. Nach einer übertrieben rasanten Fahrt durch die wunderschönen Karpaten, immer an der Theiß entlang und nicht ernsthaft behelligt durch die Militärcheckpoints, lässt mich Vasili bei dem Weiler Kruhlyj in der Gemeinde Dilowe im Kreis Rachiw raus – nicht ohne sich zu wundern, was zum Teufel der komische Ausländer hier will.

Der reisende Reporter hingegen kann sein Glück kaum fassen, hat er doch tatsächlich die gesuchte Stelle und Stele gefunden, die den geographischen Mittelpunkt Europas markiert. Errichtet 1887 und schon ziemlich ramponiert.

Errichtet wurde sie beim Bau der nahen Eisenbahnlinie von österreichischen Ingenieuren, denn der Kreis Rachiw gehörte damals zum Kaiserreich Österreich-Ungarn. Überhaupt ist dieser Ort viel europäischer als man denkt. Allein im 20. Jahrhundert gehörte er zu fast einem Dutzend Staaten. (Nacheinander, nicht gleichzeitig.) Die Menschen hier sprachen und sprechen Ukrainisch, Russisch, Deutsch, Jiddisch, Ungarisch, Slowakisch, Rumänisch, Tschechisch, Ruthenisch, Romani und, wie ich für Euch getestet habe, ein klein wenig Englisch.

Historisch, linguistisch und ethnisch ist dieses Tal in den Karpaten also europäischer als Berlin, Paris oder Rom. Aber mehr dazu in einem demnächstigen ausführlichen Artikel über Kruhlyj, in dem ich dann leider die lateinische Inschrift des „locus perennis“ entziffern und mitteilen muss, dass die Welt seit 135 Jahren einem Übersetzungsfehler aufgesessen ist. Die österreichischen Eisenbahningenieure hatten nie behauptet, dass hier der Mittelpunkt Europas sei.

Also muss ich weitersuchen.

Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren in Litauen im Europa-Park schon über die angebliche Mitte Europas gestolpert bin. Auch damals war ich überrascht, diesen Punkt dort zu finden, wo ich die Peripherie Europas verortet hätte.

Mitte1
Mitte2
Mitte3

Die zugrundeliegende Berechnung stammt von 1989.

In 100 Jahren kann ein Kontinent schon mal wachsen, schrumpfen oder sich aufgrund der zwischenzeitlich erfundenen Plattentektonik verschieben. Aber zwischen der Ukraine und Litauen liegen – zumindest geographisch – doch Welten. Weitere Mittelpunktprätendenten liegen in der Slowakei, in Ungarn, in Deutschland, und so weiter. Es müssen also unterschiedliche Berechnungsmethoden angewendet worden sein.

Ein Problem ist die Bestimmung dessen, was Europa ist. Politisch? Das wäre dann das Habsburger-Reich oder die EU. Mit oder ohne Beitrittskandidaten? Ist Großbritannien nicht mehr europäisch? Und wie wirkt sich das mitten im Kontinent liegende schweizerische Loch im europäischen Käse aus? Zählt man die Inseln dazu, die dank der großzügigen Überseepolitik unserer französischen Freunde die EU bis nach Guadeloupe und Neukaledonien erweitern? Sind Französisch-Guyana und Ceuta nicht offensichtlich in Südamerika bzw. Afrika und damit keinesfalls in Europa? Was ist mit Nordzypern? Fragen über Fragen. Gut, dass wenigstens Deutschland alles vom Bismarck-Archipel bis Samoa verloren hat und die Karte der EU nicht noch zusätzlich verkompliziert.

Aber auch bei rein geographischer Bestimmung kann man end- und ergebnislos diskutieren. Wo verläuft die Grenze nach Osten? Was ist mit der Türkei? Was mit dem Kaukasus? Ist Malta europäisch oder afrikanisch? Verbindet man einfach die Extrempunkte, um das Zentrum zu ermitteln? Oder zieht man die Grenzen der Landmasse in Betracht? Womöglich noch gewichtet nach dem Produkt aus Fläche mal Gewicht. Ein Hektar Schweiz wiegt ja viel mehr als ein Hektar Holland. Oder wählt man das Zentrum eines um Europa gezogenen Kreises? Man könnte auch nach der Bevölkerung gewichten, damit sich die skandinavischen Länder nicht so wichtig nehmen. Oder einen ökonomischen Mittelpunkt errechnen, gewichtet nach Bruttosozialprodukt.

Man sieht schon: Wer lange genug mit Zahlen und Methoden herumspielt, findet immer einen Mittelpunkt Europas, der in einem kleinen Dorf liegt, das hofft, dadurch den Tourismus anzukurbeln.

Denn auffällig ist, dass alle bisherigen Mittelpunkte Europas in der Pampa liegen, wo sonst tote Hose ist. Oder, im Falle von Flossenbürg und Braunau am Inn, wo man von etwas anderem ablenken will. Hier die wahrscheinlich nicht vollständige Liste aller Orte, die jemals behauptet haben, der Mittelpunkt Europas bzw. der Europäischen Union zu sein:

  • Polazk, Belarus
  • Wizebsk, Belarus
  • Ivieś am Scho-See, Belarus
  • Viroinval, Belgien
  • Hildweinsreuth bei Flossenbürg, Deutschland
  • Kleinmaischeid, Deutschland
  • Cölbe, Deutschland
  • Gelnhausen-Meerholz, Deutschland
  • Westerngrund, Deutschland
  • Veitshöchheim, Deutschland
  • Mõnnuste auf der Insel Saaremaa, Estland
  • Saint-André-le-Coq, Frankreich
  • Noireterre, Saint-Clément, Frankreich
  • Purnuškės, Litauen
  • Europa-Park, Litauen
  • Braunau am Inn, Österreich
  • Suchowola, Polen
  • Landskrona, Schweden
  • Krahule (Blaufuß), Slowakei
  • Kremnica (Kremnitz), Slowakei
  • der Tillenberg an der deutsch-tschechischen Grenze
  • ein Hügel östlich von Čečelovice, Tschechische Republik
  • Kruhlyj (zwischen Dilowe und Rachiw), Ukraine
  • Tállya, Ungarn

Und hier eine mühsam erstellte interaktive Landkarte. Die blauen Haken kennzeichnen die Orte, an die ich es bereits geschafft habe. Grüne Haken werden bald diejenigen Punkte schmücken, über die ein Artikel auf diesem Blog veröffentlicht wurde.

Diese Karte ist vor allem praktisch, um herauszufinden, ob Ihr zufällig in der Nähe eines dieser Punkte von Weltbedeutung lebt. In diesem Fall könnt Ihr Euch gerne melden, denn ich habe mir in den Kopf gesetzt, alle bisherigen Mittelpunkte Europas zu besuchen sowie darüber zu schreiben. Keinen oberflächlichen Reisebericht, sondern, wie Ihr es von mir gewohnt seid, tief in die Geschichte eintauchend. (Auch wenn Flossenbürg und Braunau am Inn das gar nicht gut finden.) Weil ich meist per Anhalter oder wandernd unterwegs bin, ergibt sich dazwischen hoffentlich noch das eine oder andere Abenteuer. Apropos Abenteuer: Drückt mir die Daumen, dass ich das Visum für Belarus bekomme! Sonst muss ich mich da irgendwie über die Grenze schleichen…

Gerade fällt mir auf, dass das eigentlich ein ziemlich rundes Projekt für ein Buch ist, oder? Ich glaube, dass ich auf diesen Reisen tatsächlich mehr über das Wesen Europas herausfinden kann, als wenn ich nur in Brüssel oder Paris herumhocke.

Wenn Ihr die Idee interessant findet, so freue ich mich natürlich über jegliche erdenkliche Unterstützung! Vor allem über ein Sofa für ein paar Nächte, wenn Ihr in der Nähe eines der vielen europäischen Mittelpunkte lebt. Oder auf dem Weg dorthin.

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Ihr wärt überrascht, herauszufinden, wie schwer es vielerorts geworden ist, noch Postkarten zu finden. Aber für Euch, geschätzte Leserinnen und Leser, mache ich mich auf die Suche nach diesen Relikten vergangener Zeiten.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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20 Antworten zu Reise zum Mittelpunkt Europas

  1. Pingback: Wo ist der Mittelpunkt Euopas? – Archivalia

  2. Pingback: Die Grenze zwischen Europa und dem Orient | Der reisende Reporter

  3. Pingback: Zurück aus den Karpaten | Der reisende Reporter

  4. Kasia schreibt:

    Also, natürlich bestimmt man den Mittelpunkt Europas geografisch. Alles andere würde aus den von dir oben so schön aufgeführten Gründen zur Verknotung der Gehirnwindungen führen.

    „Wo verläuft die Grenze nach Osten?“ Entlang des Ural-Gebirges, wie wir es brav in der Schule gelernt haben.

    „Was ist mit der Türkei?“ Was soll sein, die Grenze verläuft hier schön mitten durch Istanbul.

    „Was mit dem Kaukasus?“ Was soll sein? Nur nicht zu viel nachdenken…

    „Ist Malta europäisch oder afrikanisch?“ Malta ist afrikanisch, vergiss Malta.

    „Verbindet man einfach die Extrempunkte, um das Zentrum zu ermitteln?“ Klingt kompliziert.

    „Oder zieht man die Grenzen der Landmasse in Betracht?“ Hää? Klingt noch komplizierter.

    „Womöglich noch gewichtet nach dem Produkt aus Fläche mal Gewicht. Ein Hektar Schweiz wiegt ja viel mehr als ein Hektar Holland.!“ Puh, mein Hirn brodelt…

    „Oder wählt man das Zentrum eines um Europa gezogenen Kreises?“ Ja, die Idee ist charmant, die gefällt mir gut. Und wo die Mitte ist, ist dann die Mitte. Sehr schön, nehmen wir.

    „Man könnte auch nach der Bevölkerung gewichten, damit sich die skandinavischen Länder nicht so wichtig nehmen.“ Nein, nix „nach Bevölkerung“, wir hatten uns auf geografisch geeinigt.

    „Oder einen ökonomischen Mittelpunkt errechnen, gewichtet nach Bruttosozialprodukt.“ Jetzt politisierst du wieder, nein, wir nehmen brav den Zirkel.

    So, ich hoffe, ich konnte weiter helfen 😉 By the way, schon strange, dass man dort einfach über die Brücke rüber spazieren kann… wenn ich bedenke, wie krass die Kontrollen über die polnisch-ukrainischen Grenzen waren…

    • Andreas Moser schreibt:

      Je einfacher es wird, umso weniger hübsche kleine Städtchen kommen aber in Betracht. Wobei selbst „Städtchen“ für die meisten Orte auf der Liste zu hoch gegriffen ist.
      Dafür wiederum haben etliche der Orte wirklich viel an Geschichte zu bieten. Kremnica in der Slowakei war zB angeblich mal eine der wichtigsten Bergbaustädte der Welt, praktisch wie das europäische Potosí.

      Von der Kreis-Methode gibt es noch eine schöne Abwandlung, nämlich soll das Zentrum dort sein, von wo aus man für die Reise zu jedem Punkt auf diesem imaginären Kreis die gleiche Zeit benötigt.

    • Kasia schreibt:

      Hm, das gefällt mir noch besser und ergibt irgendwie Sinn 😉 Dennoch bin ich gespannt darauf, wenn du all die kleinen Orte besucht (und beschrieben) hast. Ob die sich dann über mehr touristischen Boom werden freuen können?

    • Andreas Moser schreibt:

      Wenn ein paar weniger Touristen nach Neuschwanstein und ein paar mehr nach Hildweinsreuth fahren, dann schadet das nicht.
      Aber ich fürchte, die meisten Orte sind nicht fotogen genug.

      Obwohl: An der Säule in der Ukraine war doch ziemlich reger Verkehr. Ich war zwar der einzige Ausländer, aber viele ukrainische Familien kamen vorbei, um sich dort fotografieren zu lassen. Und es gab ein paar Stände, die so typischen Touristenklimbim verkauften, wie Bärenfellmützen, holzgeschnitzte Suppenlöffel, angeblich lokale Trachten der Huzulen, und so weiter. Aber leider keine Postkarten.

    • Andreas Moser schreibt:

      Auf beiden Seiten der Brücke waren schon Kontrollen, aber weil da hauptsächlich Fußgänger und Radfahrer waren, ging es tatsächlich ziemlich flugs.
      Vielleicht zwei Minuten pro Abfertigung.

      Ein weiterer Unterschied ist, dass Rumänien nicht in Schengen ist. Die können also eigentlich jeden reinlassen, weil sie wissen, dass Ungarn bzw. die Slowakei dann sowieso noch einmal kontrollieren. 😉

    • Andreas Moser schreibt:

      Es gibt übrigens eine coolen Film zu dem Thema: „Srodek Europy“ von Stanislaw Mucha.
      Im Handel vergriffen, aber über die Bibliothek habe ich ihn bekommen.
      (Ich hatte die Idee zu diesem Projekt schon länger, aber er hat mich darin bestärkt, dass auch diese kleinen Orte interessant sein können. Und ein Buch gibt es, soweit ich das sehe, noch nicht darüber.)

    • Kasia schreibt:

      Hm, die Mitte Europas, so? Vielleicht bekomme ich ihn über den polnischen Handel, mal sehen…

  5. hanselmar schreibt:

    Die Geschichte mit der Geographie ist eigentlich jetzt einfach. Deutschland ist im Zentrum von Europa und damit im Mittelpunkt wenn es um europaische Heldentaten geht.Wer hat den Rassismus und die Skaverei erfunden?. Wer unterdruckt standig Menschen aus anderen Erdteilen und lasst sie nicht ungehindert einreisen? Wer behindert die Entfaltung der einzigen wahren Religion dieser Welt? Diese Fragen werden die meisten Afrikaner wahrscheinlich mit Europa beantworten. Jetzt wird die nachste Frage schon komplizierter wer ist Europa? Malta gehort ethnisch zu Afrika und Zypern zu Asien.Nach dem Brexit gehort England auch nicht mehr zu Europa. Russland hat sich spatestens seit dem Ukraine Krieg von Europa verabschiedet.Es bleibt also nur mit Sicherheit Deutschland ubrig.Da Deutschland unbestritten zu Europa gehort bleibt nur noch die Frage wo ist der Mittelpunkt von Deutschland. Ich habe unlangst erfahren. der ist in Kassel und dort ist in diesem Jahr die Dokumenta. Das sollte doch wohl geschichtlich unbestritten bleiben

    • Andreas Moser schreibt:

      Aber wenn Großbritannien nicht mehr, das weiter westlich liegende Irland aber doch zu Europa gehört, ändert dann der Austritt Großbritanniens überhaupt etwas?

      Und wenn wir Malta und Zypern geographisch oder ethnisch behandeln, dann sollte Großbritannien doch zu Europa gehören.
      Ja, wenn wir ethnisch argumentieren, gehören auch die USA und Australien zu Europa.

      Dass Russland sich selbst aus Europa verabschiedet hat, das ist aber auf jeden Fall ein valider Punkt.
      Muss man deshalb die alte Erdkunde-Weisheit von der Grenze am Ural überdenken?

      Ich persönlich hätte ja auch auf Deutschland getippt, weil ich eher politisch-historisch denke. Und da ist das jetzige Deutschland das einzige Land, das West und Ost in sich vereint hat. Mitteleuropäischer geht es gar nicht.
      Und innerhalb Deutschlands wahrscheinlich tatsächlich Kassel oder Fulda, weil man da immer mit dem Zug durchmuß, wenn man quer durch Deutschland fährt.

  6. Bene schreibt:

    Zur hier genutzten Methodik findet sich ein Hinweis bei der Wiener Zeitung, die wohl bereits 2004 einen Reporter in die Ukraine entsandt hat:
    „Wie der k.u.k. Hauptmann Netuschill darauf kam, hier den Mittelpunkt Europas zu definieren, darüber geben die Akten im Bundesvermessungsamt, einem Nachfolger des k.u.k. Militärgeographischen Instituts, keine Auskunft. Ich habe eine gute Europa-Karte zu Hilfe genommen: Zieht man eine Gerade vom Nordkap bis zum Kap Matapan am Peleponnes und eine Projektionslinie von der Pointe du Raz, dem westlichsten Punkt der Bretagne, bis zur Mündung des Ural-Flusses in den Kaspisee, so schneiden sie sich hier. Zu Europa gerechnete Inseln wurden damit ausgeklammert.“
    https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/145586_Locus-Perennis.html

    Hier findet sich außerdem ein Hinweis auf die Historie des Europa-Mittelpunkts bei Braunau:
    „In Braunau am Inn gibt es ein Gasthaus namens „Mittelpunkt Europas“. Wir verdanken diese Definition – Napoleon, der so auf seinem Durchmarsch 1805 entschied.“

    • Andreas Moser schreibt:

      Vielen Dank für diesen interessanten und hilfreichen Link!
      Die damals vermissten Souvenirstände gibt es bei Dilowe mittlerweile. Sogar im Juli 2022, mitten im Krieg, kamen ukrainische Touristen fast am laufenden Band, fotografierten sich und waren stolz. Ein gerade neu angebrachtes Plakat verkündete, dass die Ukraine jetzt Beitrittskandidat zur EU ist.

      Ob auf der Stele tatsächlich etwas vom Mittelpunkt Europas steht, bin ich mir hingegen nicht so sicher.
      Die Inschrift lautet „Locus Perennis Dilicentissime cum libella librationis quae est in Austria et Hungaria confecta cum mensura gradum meridionalium et parallelorum quam Europeum. MDCCCLXXXVII“, und daran mögen sich jetzt die Lateiner laben und streiten.

      Über die Behauptung von Napoleon habe ich auch schon gehört, bin aber gespannt, ob es dazu tatsächlich eine Quelle gibt.
      Vieles bei diesem Thema bleibt recht vage und nebulös, scheint mir.

  7. Pingback: Journey to the Center of Europe | The Happy Hermit

  8. Pingback: Reise zum Mittelpunkt Europas – Kruhlyj, Ukraine | Der reisende Reporter

  9. Anne schreibt:

    Ahoj Andreas, schau dir doch noch anderssprachliche Wikipedia-Seiten zum Mittelpunkt Europas an … Z.B. sind auf der tschechischen Wikipedia-Seite noch ganz viele weitere tschechische Mittelpunkte aufgelistet: https://cs.wikipedia.org/wiki/St%C5%99ed_Evropy

    Das hier ist die Bildersuche nach Pupík Evropy – Nabel Europas… : )
    https://www.google.com/search?q=pup%C3%ADk+evropy&hl=de&sxsrf=ALiCzsadfNHll-Flgpnf9dVK3zCMIL4iyw:1661682531133&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwjNmP3nqen5AhVBxQIHHaJbBU0Q_AUoAXoECAIQAw&biw=1280&bih=618&dpr=1.5

    Vielleicht oder sehr wahrscheinlich herrscht in Polen, Ukraine usw. eine ähnliche inländische Mittelpunktkonkurrenz : ) Wobei dein Buch dann sicher ausufert und deine Recherchereise eine unendliche wird…

    Finde die Mittelpunkte auch sehr interessant, bin quasi zwischen dem Hildweinsreuther und dem Tillenberger aufgewachsen, da kommt man dem Thema nicht aus… Also falls du für die Gegend oder auch für Tschechien (inzwischen wohne ich in Prag) noch Tipps oder Hilfe brauchst, melde dich gerne.

    • Andreas Moser schreibt:

      Oh herrjemine, das sind ja unendlich viele Punkte! :O
      Allein in der Tschechischen Republik so viele wie im Rest Europas zusammen. Ich sehe das Buch- gerade zu einem Lebensprojekt wachsen…

      Andererseits bin ich ja immer gerne in Tschechien, und je öfter ich in unser sympathisches Nachbarland muss, umso besser. Spätestens nächsten Sommer werde ich mir dann das CD-Sommerticket kaufen und kreuz und quer wie ein Verrückter durchs Land fahren.
      Zumindest zu dem „locus perennis“ bei Lisov muss ich auf jeden Fall, denn durch diesen Hinweis hast du aufgelöst, was es mit der dubiosen Stele in der Ukraine auf sich hat. Vielen Dank!!

      Den Nabel Europas muss ich natürlich auch mit aufnehmen. 🙂

      Hildweinsreuth und Tillenberg werden wahrscheinlich die nächsten Kapitel werden, denn ich bin zur Zeit zuhause in Amberg.
      Also, wenn du darüber irgendwelche interessanten Geschichten hast, höre ich gerne zu! Und wenn es nach Tschechien geht, muss ich mich echt melden. Allein bin ich da geodätisch, linguistisch und anderweitig hoffnungslos verloren.

      Ich scheue mich jetzt ein bisschen davor, auf der polnischen, litauischen, belarussischen u.s.w. Wikipedia nachzusehen… Ich dachte eigentlich schon immer, dass Deutschland mit so vielen Mittelpunkten überrepräsentiert ist!

  10. Anne schreibt:

    Hm, also zu Hildweinsreuth weiß ich direkt nichts, wenn dann eher zur Umgebung, Flossenbürg ist ja nicht weit. Zum Tillenberg gibt es viel zu erzählen, bloß bin ich gerade zwar in der Gegend, aber leider ständig am Arbeiten. Du kannst dich aber gerne trotzdem melden, vielleicht passt es ja zufällig. Und bei der Tschechien-Reise (oder DEN Reisen) helf ich dir gerne, nächstes Jahr bin ich wieder ein freier Mensch ohne Festanstellung.

  11. Pingback: Vor hundert Jahren suchte man den Mittelpunkt Brasiliens – September 1922: Brasília | Der reisende Reporter

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