Zurück aus den Karpaten

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In den letzten Monaten war auf diesem Blog erschreckend wenig los. 😦

Zum einen liegt das an meinem Geschichtsstudium, wo ich an einer Hausarbeit über die Geschichte des Arbeitsbegriffs im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit laboriere. Wie bei jedem Thema, in das man tiefer einsteigt, stellt es sich bald als wesentlich komplizierter (und interessanter) heraus, als man anfangs dachte.

Und in den letzten zwei Wochen war ich dann endlich mal wieder unterwegs. Zu meinem Geburtstag zog es mich nach Rumänien und in die Ukraine, von wo ich Euch ein paar (hoffentlich) interessante Geschichten mitgebracht habe. Während ich an diesen schreibe, gibt es hier einen kleinen Vorgeschmack.

Der erste Stopp war in Alba Iulia. Die heimliche Hauptstadt Rumäniens wird einen Auftritt in einer der kommenden Folgen meiner Geschichtsreihe „Vor hundert Jahren …“ haben, weil dort im Oktober 1922 ein Hohenzollern-Prinz zum rumänischen König gekrönt wurde. Fast hundert Jahre brauchte ich auch, um die Zitadelle von Alba Iulia zu umrunden. Die ist so riesig, es könnte das größte Verteidigungsbauwerk der Menschheit sein. Vielleicht nach der Chinesischen Mauer.

Außerdem wird es eine Geschichte darüber geben, wie ich im Botanischen Garten eingesperrt wurde, sowie über einen sehr juristischen Kinderspielplatz.

Danach ging es nach Baia Mare, der putzigen Hauptstadt der Maramureș.

Das Reisen zwischen den Städten war nicht nur wegen des Ausblicks auf Berge, Flüsse und die typischen Holzhäuser eine Freude, sondern auch weil ich in den Genuss von architektonischen Glanzstücken wie dem Busbahnhof von Baia Mare kam.

Oder den Bahnhof von Sighet.

Sighet ist für seine Größe eine ziemlich lebendige Stadt. Seine Museen, darunter das für die Opfer des rumänischen Kommunismus und das Geburtshaus von Elie Wiesel, locken Besucher aus aller Welt.

Für mich war Sighet hauptsächlich der Ausgangspunkt, um über diese Holzbrücke in die Ukraine zu kommen.

Für ein Land, das sich gegen einen schweren Krieg wehren muss, ging der Grenzübertritt erstaunlich leicht und unkompliziert vonstatten (und freundlicher als die Einreise nach Deutschland zu Friedenszeiten). Auch die Züge funktionieren noch. Ich musste allerdings per Anhalter kreuz und quer durch die ukrainischen Karpaten kurven, denn ich war auf der Suche nach dem geographischen Zentrum Europas. Und ich fand es tatsächlich!

Der letzte Stopp auf der Reise, zurück in Rumänien, war Satu Mare. Eine sehr freundliche Stadt, wo jeder Zeit für einen Plausch hat. Im Kunstmuseum bot mir sogar die Direktorin höchstpersönlich eine Führung durch die Ausstellung über Aurel Popp dar. Auf Französisch. Es gab erstaunlich wenig Tourismus, obwohl eine Broschüre der Tourismusinformation stolz Direktflüge zwischen Satu Mare und New York erwähnte. (Die Information war veraltet oder war immer nur Ausdruck einer hoffnungsvollen Zukunft gewesen.)

Dabei sollte Satu Mare viel berühmter sein. Es könnte locker die Rolle als heimliche Welthauptstadt des Brutalismus übernehmen.

Und wie immer wird es auch jede Menge Friedhöfe geben.

Und Katzen. Diese beiden habe ich in Solotwino in der Ukraine fotografiert. Ich nehme an, Ihr könnt leicht erraten, wessen Eigentümer noch vor Ort ist, und welche Katze durch Tod oder Flucht ihrer Familie herrenlos geworden ist.

Aber mehr darüber in den kommenden Berichten.

In der Zwischenzeit könnt Ihr in meinen alten Artikeln über Rumänien und über die Ukraine blättern.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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9 Antworten zu Zurück aus den Karpaten

  1. Pingback: Back from the Carpathians | The Happy Hermit

  2. Dirk Festerling schreibt:

    „Die ist so riesig, es könnte das größte Verteidigungsbauwerk der Menschheit sein.“ Das Foto auf Wikipedia sagt mir zwar, größer als sagen wir mal Naarden ist sie schon. Selbst das mittelalterliche Ulm ohne Festung hat schon eine größere Ausdehnung. Und wenn wir den europäischen Referenzrahmen verlassen: Ungefähr zeitgleiche koreanische Festungen fallen deutlich größer aus, bieten zugegeben aber keinen vergleichbaren Schutz gegen schwere Artillerie.

    • Andreas Moser schreibt:

      Der Limes ist mir auch noch eingefallen, allerdings nicht mehr so gut erhalten.
      Oder der Hadrianswall, für den ich tatsächlich vier Tage gebraucht habe, um ihn entlang zu wandern.

  3. Mano schreibt:

    Katzen haben doch keine Eigentümer, eher Dosenöffner 🙂
    Traurig zu sehen 😦

    • Andreas Moser schreibt:

      Ja, der Anblick der einen Katze war echt traurig. So etwas zerzaustes habe ich noch nicht gesehen.

      Die Rolle der Menschen als Dosen- und Türöffner für Katzen wird mir ab Dienstag wieder bewusst werden, wenn mein nächstes Katzensitting in Berlin beginnt.

  4. chrisbaumgarten schreibt:

    Der Busbahnhof von Baia Mare schaut wirklich sehr interessant aus. Sofern man das von einem Foto sagen kann, wirkt der architektonisch sehr durchdacht: Elegant durch Schlichtheit und Funktionalität. Leider halt etwas heruntergekommen. Würd ich aber gerne mal besuchen, sollte ich in der Gegend sein.

    So spektakulär, dass man nur seinetwegen nach Baia Mare fährt, ist er dann auch wieder nicht.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich fand den wirklich sehr außergewöhnlich.
      Der Bau ist absolut rund. Mit den hohen Fenstern und dem Blau und den Kacheln sieht es irgendwie wie in einem Schwimmbad aus. Und für wartende Reporter gibt es sogar Schreibtische; was will man mehr?

      Hoffentlich bleibt er noch lange erhalten.

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