Vor hundert Jahren wollte ein Ex-Kaiser es noch einmal wissen – Oktober 1921: Karl von Österreich-Ungarn

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Nach dem Ersten Weltkrieg waren vier Weltreiche kaputt. Die einstigen Herrscher gingen ganz unterschiedlich mit der plötzlichen Arbeitslosigkeit um. Der russische Zar Nikolaus II. ließ sich erschießen. Der osmanische Großwesir Talât Pascha ließ sich erschießen. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. entdeckte seine kleinbürgerliche Ader, ging ins Exil nach Holland und widmete sich fortan dem Holzhacken. Und der Unterstützung für die Nationalsozialisten.

Nur Kaiser Karl I. von Österreich war mit seinen 31 Jahren zu jung und ungestüm zum Aufgeben. Beziehungsweise, um die wahre Urheberin dieses Dramas zu benennen, seine Frau, die noch jüngere und ungestümere Ex-Kaiserin Zita Maria delle Grazie Adelgonda Micaela Raffaela Gabriella Giuseppina Antonia Luisa Agnesewar von Habsburg-Lothringen, geb. von Bourbon-Parma, war nicht bereit, den Thron aufzugeben. Sie hatte schon getobt, als Karl nach der Revolution im November 1918 – realistisch gesehen alternativlos – auf die Ausführung seiner Amtsgeschäfte verzichtet hatte.

„Was soll der Schmarrn, Kalle? Ich will Kaiserin sein, nicht Hausfrau.“ Nicht, dass Madame jemals selbst einen Finger in der Küche gerührt hätte, aber als Italienerin war sie ein bisschen melodramatisch veranlagt.

Außerdem hatte sie, als sie sich einen Kaiser geangelt hatte, eher so einen Napoleon-Typen vorgestellt, der ganz Europa in Schutt und Asche legen würde.

„650 Jahre Monarchie, und du wirfst das einfach weg?“

„Aber Zita, wir sind doch noch jung und können etwas Neues anfangen.“

Zita hing viel mehr an dem Job als ihr Mann, der sich eigentlich freute, mehr Zeit zum Reisen zu haben. Außerdem könnte er so sein unterbrochenes Jurastudium wieder aufnehmen, hoffte er. (Österreichische Kaiser und Bundeskanzler kommen oft ein bisschen verfrüht ins Amt und müssen dann das Studium schleifen lassen.)

„In der Schweiz ist es auch schön“, versuchte Karl ihr das Exil in Prangins schmackhaft zu machen, wohin die Kaiserfamilie im März 1919 ausreiste. Womit er objektiv Recht hatte.

Aber wenn in einer Beziehung mal der Wurm drin ist, dann hilft auch ein Urlaub nur kurz. Zita nervte weiter: „Sag mal, du bist doch nicht nur Kaiser Karl I. von Österreich, sondern auch König Karl IV. von Ungarn und König Karl III. von Böhmen.“ Irgendwann, wahrscheinlich in einem Erbfolgekrieg, war die Habsburgernummerierung durcheinander geraten, und der arme Karl musste das ausbaden.

„Ja, aber das war ich nur Kraft des Amtes als österreichischer Kaiser. Und da habe ich doch die Kündigung unterschrieben.“ Manchmal wünschte sich Karl, dass er damit auch die ehrgeizige Kaiserin losgeworden wäre.

„Du hast aber nur in Österreich gekündigt, nicht in Böhmen und Ungarn“, wandte die findige Kaiserin ein.

„Böhmen gibt es nicht mehr, Schatz“, erklärte Karl die neue weltpolitische Lage, „das ist jetzt die Tschechoslowakei, und die wollen sicher keinen König, der nicht Tschechisch kann.“ Tschechisch zu lernen ist bekanntlich unmöglich, weil die Sprache ganz ohne Vokale auskommt: Chrt zdrhl z Brd. Vtrhl skrz strž v tvrz srn, v čtvrť Krč. Blb! Prskl, zvrhl smrk, strhl drn, mrskl drn v trs chrp. Zhltl čtvrthrst zrn skrz krk, pln zrn vsrkl hlt z vln. Chrt brkl, mrkl, zmlkl. (Mir persönlich tut das besonders leid, weil ich in Deutschland nicht weit von Tschechien lebe und sehr gerne die Sprache dieses sympathischen Nachbarlandes lernen würde. Aber dafür fehlt es an Talent.)

Eines Morgens kam Zita ganz aufgeregt ins Zimmer, die druckfrische Zeitung in der Hand, und rief: „Ungarn ist wieder Monarchie!“ Tatsächlich hatte Ungarn, nach einem kurzen Intermezzo, das wir im August 1921 gestreift haben, sich wieder zum Königreich erklärt. Allerdings ohne eigenen König. Stattdessen mit dem uns schon aus besagter Folge bekannten Miklós Horthy als Reichsverweser. Reichsverweser ist so eine Art Statthalter, ein Strohmann, jemand, der den Sessel warm hält, während der Chef gerade weg ist.

„Die warten nur auf dich!“, war die Kaiserin Feuer und Flamme, und Karl musste zugeben, dass man das so interpretieren könne. Nun war das Problem, dass Österreich nicht nur dem Ex-Kaiser und der Ex-Kaiserin, sondern allen Habsburgern verboten hatte, jemals wieder das Land zu betreten. Das Flugzeug war damals, im Frühjahr 1921, noch nicht erfunden. Also klebte sich Karl einen falschen Bart an, besorgte sich einen falschen Pass (wahrscheinlich in Malta, da ist das ganz einfach, wenn man Geld hat) und fuhr heimlich und unerkannt von der Schweiz durch Österreich nach Ungarn.

Die Habsburger hatten zwar schon einiges Pech bei Autofahrten erlebt, aber an Ostern 1921 ging alles glatt. Bis zu Ankunft in Ungarn.

Eine Sache hatte der Kaiser nämlich vergessen: Er hatte Horthy nicht informiert. Und der Reichsverweser, der den ungarischen Thron für den König warmhalten sollte, war ziemlich verdutzt, als es eines Tages klingelte wie bei einem bösen Halloweenstreich, und Karl I. bzw. aus ungarischer Sicht Karl IV. oder sogar, wenn man die Unterbrechung der Monarchie berücksichtigte, mittlerweile Karl V. vor der Tür stand.

„Hallo, ich bin’s, die Majestät.“

„Na sowas, damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Aber kommen Sie doch bitte herein. Wir haben leider nur noch ein bisschen Suppe.“

Karl teilte seinen Plan mit, den ungarischen Thron zu übernehmen, und war ganz verdutzt, dass Horthy diesen nicht freiwillig räumen wollte.

„Horthy, Sie haben einen Eid auf mich geschworen!“

„Ja schon, Herr König, aber sehen Sie, die weltpolitische Lage …“ Und Horthy erklärte seine Angst, die Entente würde Ungarn angreifen, wenn wieder ein Habsburger den Thron besteigen würde. Das war natürlich ein fadenscheiniger Vorwand. In Wirklichkeit hatte sich Horthy einfach daran gewöhnt, als König ohne Titel ein Königreich ohne König zu regieren. Da er auch Admiral ohne Flotte, ja sogar ohne Hafenstadt war, passte das ganz gut.

Was Horthy verschwieg, war, dass er bereits einen neuen besten Freund gefunden hatte. Auch einen Österreicher.

Das Gespräch an Horthys Küchentisch verlief ergebnislos, und am Ende musste der Kaiser in seinem eigenen Palast in Budapest um ein Gästezimmer bitten. Nur gut, dass der Palast nicht einer der kleinsten war. Andererseits, vielleicht wollten die Horthys gerade deshalb so ungern ausziehen.

Karl, der I./III./IV./V. blieb noch eine Woche, diskutierte jeden Abend mögliche Wege zu seiner Reinthronisierung, aber merkte irgendwann, dass es doch eine Schnapsidee gewesen war, so ganz ohne Plan, ohne Absprachen, ohne Verbündete nach Budapest zu fahren.

Man verblieb gesichtswahrend vage, und nach einer Woche fuhr der Kaiser geknickt zurück in die Schweiz. Ganz ehrlich, die Furie seiner Frau machte ihm größere Sorgen als der vakante Thron und der fremdbewohnte Palast.

Kurzum: Die Zeit in der Schweiz war für Karl noch unerträglicher als sich im Gästezimmer seines eigenen Palastes zu langweilen. Zita machte jetzt fast täglich Stress, zog ihn auf, erwähnte manchmal sogar frech, dass sie sich ja einen anderen Kaiser suchen könne. (Haile Selassie, der Schah von Persien und der Kaiser von Kalifornien waren damals bei europäischen Prinzessinnen hoch im Kurs.) Und wenn er es recht überlegte, musste Karl zugeben, dass ihn dieser Horthy irgendwie an der Nase herumführte.

Also auf zum zweiten Anlauf! Im Oktober 1921 und damit – passend für diese kleine Serie – vor genau 100 Jahren.

„Dieses Mal komme ich mit!“ insistierte Zita, die nicht mehr das volle Vertrauen in den unbedingten Karrierewillen ihres Mannes hatte. Gar kein Vertrauen hatten beide zu Admiral Horthy, dem sie deshalb wiederum nicht vorzeitig Bescheid gaben. Praktischerweise war mittlerweile das Flugzeug erfunden worden, die beiden kauften sich eine Junkers F-13 und flogen nach Ungarn.

Diesmal hatten die Habsburger sogar ein paar Truppen vorbereitet, die sogenannten Legitimisten. Weil Fliegen neu und ungewohnt war, verpassten sich Kaiserpaar und Legitimisten aber ein bisschen und benötigten eine Weile, um sich im Westen Ungarns in die Arme zu laufen.

Nun war der Westen Ungarns, man glaubt es kaum, wenn man heute über die öden Felder dort wandert, damals ein heißes Pflaster. Jeden Monat zu lesen, dass der Erste Weltkrieg nicht 1918 endete, ist womöglich so ermüdend wie ein langer Spaziergang über die Puszta, aber auch zwischen Österreich und Ungarn gab es Ende 1921 noch offene territoriale Fragen.

Das war besonders vertrackt, denn bei den Friedensverhandlungen in Paris bzw. den namensgebenden Schlössern um Paris (Neuilly, Sèvres, Saint-Germain, Trianon, Versailles) war Österreich-Ungarn anfangs noch ein unterlegener Staat, der sich dann schnell in mehrere Staaten aufspaltete, die mit Österreich-Ungarn, das den Weltkrieg ausgelöst hatte, absolut rein gar nichts mehr zu tun haben wollten. „Österreich? Noch nie gehört“, sagten die Ungarn. „Wir waren eigentlich das erste Opfer„, sagten die Österreicher und kamen damit überraschenderweise durch. Also schlugen die Siegermächte den zwischen den beiden Staaten umstrittenen Grenzstreifen (im Wesentlichen das heutige Burgenland) Österreich zu, nicht zuletzt, weil Wien sonst sehr nah an der Grenze zu Ungarn gelegen hätte und in seinem Umland nicht über ausreichend landwirtschaftliche Fläche zur Ernährung der mit gutem Appetit ausgestatteten Hauptstadtbevölkerung verfügt hätte. Außerdem war, ein unglücklicher Zufall, Ungarn just zu jenem Zeitpunkt kurzzeitig kommunistisch (Ihr erinnert Euch), was ihm bei den Siegermächten keine Sympathie einbrachte.

Wien liegt übrigens trotz des Burgenlandes noch immer ziemlich nah an der Grenze, weshalb das eine der wenigen Möglichkeiten ist, an einem Tag zu Fuß von der Hauptstadt eines Landes (Wien) in die Hauptstadt eines anderen Landes (Bratislava) zu wandern, wie ich mal spaßeshalber spontan bewiesen habe. Nicht einmal zwischen Ost- und West-Berlin war das möglich, weil letzteres keine Hauptstadt war. Jerusalem und Ramallah fallen mir noch ein, aber da hagelt es gleich wieder Protestkommentare von Leuten, die dem einen die Staats- und dem anderen die Hauptstadtqualität absprechen wollen.

Aber zurück zum Konflikt um das Burgenland, dem Nahostkonflikt der Großelterngeneration. Obwohl, lasst mich das abkürzen, denn ich blicke ja selbst nicht durch zwischen Saint-Germain und Trianon, zwischen Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg, zwischen dem Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn, der Verbindung der Deutschen Landsleute aus West-Ungarn und dem Aktionskomitee für die Befreiung West-Ungarns, zwischen der Österreichischen Legion, den Königlich-Ungarischen Westungarischen Aufständischen, den Legitimisten, den Friedrich-Freischärlern, dem Osztenburg-Detachement und der Interalliierten Generalskommission. All diese Parteien kämpften gegeneinander, miteinander, untereinander.

Um ein paar Felder. (Das Burgenland ist ungefähr so groß wie Französisch-Polynesien. Oder wie Kap Verde. Oder wie Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln. Das sagt einem alles nichts, was wiederum beweist, wie klein das Burgenland ist.)

Man denkt, die Menschen wären nach vier Jahren Weltkrieg kriegsmüde gewesen. Aber dem war nicht so. Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, in Österreich ging es erst richtig los.

Und in dieses Chaos, in diesen Hexengulaschkessel, in dieses Pusztapulverfass, sprang seine kaiserlich-königliche Hoheit Karl I. mit Gemahlin aus dem Flugzeug, um Anspruch auf den Thron zu erheben.

Er benötigte erst einmal ein paar Tage, um überhaupt herauszufinden, wer für ihn und wer gegen ihn war. Im Zuge der dadurch ausgelösten Diskussionen spalteten sich viele der Brigaden, Parteien und Freischärlerkorps in anti-monarchistische, monarchistische, revanchistische, legitimistische, gemäßigte royalistische, konstitutionelle, magyaristische und Dutzende von anderen Gruppen. Aber immerhin hatte das eine befriedende Wirkung, weil jetzt nicht mehr geschossen, sondern debattiert wurde. (Das ist der Grund, warum es über diesen Ausläufer des Ersten Weltkrieges keinen Hollywood-Film gibt. Was wiederum der Grund ist, warum Ihr noch nie davon gehört habt.)

Für ein Foto am Bahnhof in Ödenburg fanden sich immerhin eine Handvoll Soldaten, die Karl I./III./IV./V. huldigten.

Die Frau mit dem Blumenstrauß ist Zita, die, weil man schon an einem Bahnhof war, auf die Fahrt nach Budapest, in das große Schloss drängte. Also stieg das Kaiserkönigspaar in den Zug, zusammen mit ein paar Gefährten, von denen es den meisten wahrscheinlich weder um Karl, noch um die Monarchie ging, sondern die sich dachten: „Oh, super, endlich mal nach Budapest! Allemal besser als das Burgenland.“ Denn in Budapest gab es damals schon Kinos, Kneipen und hübsche Studentinnen, weil George Soros eine neue Universität eröffnet hatte.

In der Zwischenzeit war die Nachricht von Karls erneutem Ausflug nach Ungarn zu Admiral Horthy vorgedrungen. Der war weniger erpicht darauf, wieder mit seinem nominellen Chef diskutieren zu müssen. Statt den Tisch zu decken und das Gästezimmer herzurichten, zog er seine Truppen zusammen, um den Zug in Budaörs, einem Vorort von Budapest, zu stoppen. Am 23. Oktober 1921 kam es dort tatsächlich zu einem Gefecht. 19 Soldaten starben. Als Karl sah, dass die Thronbesteigung kein Spaziergang werden würde, blies er die Sache ab.

Am unglücklichsten darüber war Zita. Sie selbst hatte nie auf irgendetwas verzichtet, deshalb fühlte sie sich noch immer als Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn, Königin von Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illyrien, Königin von Jerusalem, Erzherzogin von Österreich, Großherzogin der Toskana und von Krakau, Herzogin von Lothringen und Bar, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina, Großfürstin von Siebenbürgen,  Markgräfin von Mähren, Herzogin von Ober- und Niederschlesien, von Modena,  Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und von Zator, Teschen, Friaul, Ragusa und Zara (das hat nichts mit dem Bekleidungsgeschäft zu tun, glaube ich), gefürstete (und vielleicht auch gefürchtete) Gräfin von  Habsburg und Tirol, von Kyburg, Görz und Gradisca, Fürstin von Trient und Brixen, Markgräfin von Ober- und Niederlausitz und Istrien, Gräfin von Hohenems, Feldkirch, Bregenz und Sonnenberg, Herrin von Triest, von Cattaro und auf der Windischen Mark, Großwojwodin der Woiwodschaft Serbien, Infantin von Spanien, Prinzessin von Portugal und von Parma.

Aber bevor es zum Ehekrach kommen konnte, wurden die beiden schon verhaftet, auf einen Donaudampfer gesetzt und auf Drängen Englands ganz weit weg gebracht, wo sie bitteschön keinen weiteren Unfug anrichten konnten: Madeira, eine zu Portugal gehörende Insel weit draußen im Atlantik, wo Zita feststellen musste, dass ihre „Prinzessin von Portugal“ null und nichts wert war. Portugal, seit jeher eines der fortschrittlichsten Länder Europas, hatte schon 1910 den König, den Adel und die Kirche zum Teufel gejagt.

Trotzdem besser als St. Helena, würde ich sagen.

Karl hatte nicht viel von der schönen Insel, denn er starb – weil es damals noch keine Impfung gab – an der Spanischen Grippe. Aber auch daraus hat Portugal schnell gelernt, reagierte vorbildlich auf Covid-19 und ist Impfweltmeister.

Wie schaffen die das?

In Portugal wird jeder Bürger, jede Bürgerin, der/die noch nicht geimpft ist, persönlich angeschrieben und angerufen. Und zwar von diesem Mann: Vize-Admiral Henrique Eduardo Passaláqua de Gouveia e Melo, der U-Boot-Kapitän des „Roten Oktober“.

Ergebnis? Mehr als 98% der über 12-Jährigen in Portugal sind geimpft.

Schade, dass in Deutschland alle George-Clooney-Verschnitte, falls wir so etwas überhaupt haben, Querdenker sind. Und Österreich hat nach den bösen Erfahrungen mit Admiral Horthy seine U-Boot-Flotte in der Bucht von Kotor versenkt.

Ex-Kaiser Karl wurde 2004 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Warum, das habe ich nicht wirklich kapiert. Echt, diese Katholiken sind komische Käuze. Die Kaiser-Karl-Gebetsliga hat Zweigstellen und Anbetungsorte in aller Welt und einen verzweifelten Aufruf auf der Website: „Gebetserhörungen bitten wir dringend zu melden!!!“ Also, wenn Menschen 2021 noch glauben, dass ein toter Kaiser bei einer Autopanne oder beim Abitur hilft, dann verbietet es sich wirklich, an den Fortschritt zu glauben.

Statt mit einem Gebet schließe ich lieber mit einem Zitat von Karl Kraus:

Gewiss, ein Monarch kann auf Regierungsdauer ein Trottel sein, das widerstreitet nicht dem monarchischen Gedanken. Wenn er sich aber auch in der Zeit, da er kein Monarch mehr ist, wie ein Trottel benimmt durch die Art, wie er wieder Monarch werden möchte, so sollte man doch meinen, dass auch die Anhänger des monarchischen Gedankens ihm die Eignung hierzu absprechen müssten.

Ach ja, Österreich bekam dann tatsächlich das Burgenland, aber ohne dessen Hauptstadt Ödenburg (Sopron auf Ungarisch), wo das kaiserliche Flugzeug niedergegangen war. So konnten sich beide Seiten als Sieger fühlen, und es herrscht seit hundert Jahren Friede, Freude, Kaiserschmarrn.

Apropos: Schreiben macht echt hungrig…

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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8 Antworten zu Vor hundert Jahren wollte ein Ex-Kaiser es noch einmal wissen – Oktober 1921: Karl von Österreich-Ungarn

  1. peregrina schreibt:

    auf den Donaudampfer stiegen sie ,ich glaube ganz ohne Gefolge und ziemlich incognito, in Galatzi,eine Donaustadt in Rumaenien…

  2. sinnlosreisen schreibt:

    Wie immer sehr humorvoll und informativ. Ich staune, wie kompliziert Geschichte war.

    • Andreas Moser schreibt:

      Vielen Dank!
      Und das ist hier ja noch sehr vereinfachend. In diesem Fall notgedrungen, weil ich beim Burgenland selbst nicht ganz durchsteige.

  3. Pingback: One Hundred Years Ago, an Ex-Emperor wanted to have another go at it – October 1921: Karl of Austria-Hungary | The Happy Hermit

  4. danysobeida schreibt:

    Lectura interesante y muy muy divertida, diría que hiciste gulash con Zita.
    Pero en otro asunto. Puedo preguntar que es lo que comiste luego de escribir?

    • Andreas Moser schreibt:

      El Kaiserschmarrn es algo facil, pero muy rico y dulce. Y hay una conección, porque „Kaiser“ es la palabra alemán por „emperador“.

      Hay videos que muestran como cocinarlo, pero hacen todo complicado:

      Yo solamente uso harina, huevos, leche y uvas secas. Las uvas secas deben quedar en un vazo de ron por al menos un día antes de cocinar.

      Tal vez puedes enconctrar a alguien de Austria o del sur de Alemania en Bolivia y ellos pueden invitarte.

    • danysobeida schreibt:

      Tal vez, mientras … gracias por la receta probare, me parece mas fácil que pronunciar su nombre.

  5. Pingback: Vor hundert Jahren … | Der reisende Reporter

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