Lissabon in Zeiten von Corona, Cholera und Kokain

To the English version.

„Alle Wege führen nach Rom“, sagte man in meiner Jugend, aber seither hat sich Lusitania die Freiheit erkämpft, und alle Wege auf die und von den Azoren führen durch Lissabon. So war ich auf der Hinreise im März sowie der Rückreise im Juni 2020 für ein paar Tage in der portugiesischen Hauptstadt. Im März wurde das Coronavirus gerade einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Juni kam ich in eine veränderte Stadt zurück. Zwei Jahre später interessiert das niemanden mehr, aber Ihr werdet sehen, dass ich es beim Niederschreiben meiner Erinnerungen nicht ganz ignorieren konnte.

Viel Spaß beim Stadtspaziergang!

Weil dieser ein bisschen länger geworden ist, habe ich nummerierte Kapitel eingeführt. So findet Ihr leicht den Wiedereinstieg in den Text, wenn Euch die Kinder, der Pizzalieferdienst oder der Chef bei der Lektüre unterbrechen. Oder wenn Ihr dazwischen ebenfalls Lust auf einen Spaziergang bekommt.

1

Die Menschen scheinen vorsichtiger geworden zu sein, denn schon Anfang März 2020 fand sich kein Couchsurfing-Gastgeber mehr bereit, sein Sofa für ein paar Tage bereitzustellen.

So endete ich in einem jener AirBnB-Zimmer, die gerade in schönen und bekannten Städten wie Lissabon die Stadtstruktur kaputt machen, weil nur mehr Touristen vorbeikommen und die Einheimischen vertrieben werden.

Untergekommen bin ich in Campolide, einem Arbeiterviertel, etwas heruntergekommen, aber nicht unsympathisch. Hier sollte die Gentrifizierung noch kein großes Problem sein.

Dachte ich. Doch am Hauseingang hängen sechs Schlüsselboxen, wo sich Touristen den Schlüssel zur Wohnung freikodieren können, ohne mit den sich dumm und dämlich verdienenden Eigentümern je in Kontakt zu treten. Nur die ukrainische Putzfrau, die ansonsten wie im Film „Parasite“ im Keller wohnt, kommt einmal am Tag nach oben, um Toilettenpapier nachzufüllen.

Und dann kann man nicht einmal richtig schlafen, weil zuerst die Flugzeuge dröhnen, dann ein anderer Gast im nächsten Zimmer schnarcht wie ein Leviathan.

2

Eigentlich wollte ich den sonnigen Morgen in einem Park verbringen und mich in die Geschichte Portugals einlesen, aber wie von todesgewisser Geisterhand geführt, stehe ich vor dem Cemitério dos Prazeres, dem Friedhof der Vergnügungen. Vor dem Eingang stehen Fitnessgeräte, davor sitzen rauchende Rentnerinnen, anscheinend auf einen freien Termin wartend. Wer das Sterben beschleunigen will, joggt schweißtreibend und herzinfarktfördernd durch den Friedhof.

Wer hingegen noch länger leben möchte, döst in der Sonne, wie diese zwei Katzen.

Im Friedhof erfahre ich, dass er tatsächlich – ein böses Omen – wegen einer Corona-Epidemie angelegt wurde, im Jahr 1833. Oder war es Cholera?

Der Friedhof ist wie eine kleine Stadt, mit Alleen, mit Rastplätzen, mit Ausblick auf die Golden-Gate-Brücke und mit sozialen Unterschieden wie im Leben. Manche Familien bauen sich Burgen und Paläste. (Ehrlich, wenn das mit der Burg kein Schachgroßmeister war, dann ist es kitschig.)

Andere Stadtviertel sind komplett vergessen.

Und die Gräber der Armen findet man erst, wenn man sich zwischen den megalomanischen Mausoleen durchquetscht. Dafür liegen bei den Armen frische Blumen. Die Kinder der Reichen haben keine Zeit. Sie sind zu beschäftigt, das Geld zu zählen, das sie mit Ferienwohnungen verdienen.

Auch der ständig nervende Fluglärm ist hier genauso schlimm wie in der Stadt selbst.

3

Weder die Fenster, noch die Särge sind für die Ewigkeit gemacht. Immer wieder höre ich, wie ein Sargdeckel aufklappt. Leichengeruch weht durch die Luft, hier und da stolpert man über Knochen.

Wenn ich nicht Corona habe, dann bekomme ich jetzt die Cholera.

4

Zwei Schreine lassen mich etwas ratlos zurück.

Erstens, kann jemand von Euch diese Schrift lesen?

Und zweitens, wie kann ein einzelner Mensch Dichter, Dramatiker, Pädagoge, Historiker, Abgeordneter, Direktor der Nationalbibliothek und Arzt sein, sich im Ersten Weltkrieg freiwillig an die Westfront melden, obwohl Portugal neutral war, 1927 die (erfolglose) Rebellion gegen die Militärdiktatur anführen, zweimal fliehen (zuerst aus Portugal und 1940 vor den Nazis aus Frankreich), mehrfach verhaftet werden und trotzdem 57 Bücher veröffentlichen?

Beeindruckend, was man alles schaffen kann, wenn man sich nicht ständig von diesem Internet ablenken lässt.

5

Vor dem Friedhof wartet die Trambahn Nr. 28. Wie ein Museumsstück sieht sie aus, mit Holztäfelung, Leder von im Stierkampf gefallenen Kühen, Bedienungshebeln aus Messing. Die Fenster in den Holzrahmen sind nach oben geschoben, der Wind weht durch das schnuckelige Gefährt.

6

Nur ein paar Stationen weiter steige ich an der Basílica da Estrela aus. Die alten Frauen gehen in die Kirche, ich gehe in die andere Richtung, auf der Suche nach den Tempeln meiner Religion. Im Estrela-Park steht die kleinste Bibliothek der Welt.

Ich bin ja durchaus ein weitgereister Spezialist für Im-Park-Rumlungern, aber eine Bibliothek, so ein Service ist mir noch nirgendwo untergekommen. Ab jetzt soll sich keine Stadt ohne derartige Infrastruktur mehr als lebenswert bezeichnen.

Eine Statue stellt anscheinend einen feministischen Helden dar, denn nur Frauen knien und sitzen betend davor.

Ein Künstlermarkt verkauft allerlei Tand von Töpferei über Holzstempel bis zu schwarz-weiß-Fotografien. Obwohl das alles niemand braucht, findet es mehr Anklang als die Zeugen Jehovas, die zuerst in zwei Paaren an zwei verschiedenen Orten stehen, sich aber bald so langweilen, dass sie sich an einem Ort im Schatten agglomerieren, Eis schlecken und auf das Ende der irdischen Welt warten. Dabei ist dieser Park doch schon das Paradies.

7

„Sie schreiben?“ fragt ein älterer Herr im Vorübergehen, und ich kann es nicht leugnen. Zu warm ist der Füller, zu frisch die Tinte auf dem Papier. Wir können uns nicht tiefschürfend unterhalten, weil er zwar mich, ich aber nicht ihn verstehe. Das ist der Nachteil in Portugal, wo man so ein kaputtes Spanisch spricht, dass seit 1668 selbst Spanier nicht mehr behaupten wollen, dass es Spanisch sei. So versteht der Herr mein bolivianisches Hochspanisch anscheinend gut, aber ich muss raten, was er mir sagen will.

Irgendwas über einen Schriftsteller. Oder über mehrere. Sein Haus oder ihr Haus oder ihre Häuser liegt oder liegen angeblich um die Ecke, gleich hinter dem englischen Friedhof. Oder dem Friedhof der Engel, nicht einmal da bin ich mir sicher. Jedenfalls solle ich ihm folge, bedeutet er mir. Na gut, ich habe eh nichts besseres zu tun.

Der Herr redet sich in Rage, er scheint entsetzt über mein Unwissen. Dabei wirft er mit Namen um sich, wie wenn wir eine ganze Schriftstellerkolonie besuchen. Wir gehen eine kleine Straße steil bergauf, vorbei an einer Apotheke, und stehen vor einem großen Klotz.

Que pena„, sagt der Herr, und das verstehe auch ich.

Mehrere Banner verkünden, dass das Haus des größten Poeten Portugals und die sich darin befindende Bibliothek gerade renoviert werden.

„Na gut, dann komme ich halt nächstes Jahr wieder“, tröste ich meinen Führer, der sich jetzt verabschiedet, traurig darüber, dass der Meister nicht zuhause ist. Und darüber, uns nicht vorstellen zu können.

Aber am Haus steht der Name Fernando Pessoa, so dass ich abends recherchieren kann und tatsächlich auf eine interessante Persönlichkeit stoße. Auch die vielen Namen ergeben jetzt Sinn. Pessoa lebte bis 1935 in Lissabon, die letzten 15 Jahre davon in dem Haus, zu dem mich der Dichterfreund so freundlich geführt hat.

Pessoa war Schriftsteller, Lyriker, Dichter, Übersetzer und hatte anscheinend zu viel Kreativität für nur ein Menschenleben. Neben seinem eigenen Namen schrieb er nicht nur unter Pseudonymen; er schuf Heteronyme, also erfundene Personen, denen er jedoch jeweils einen eigenen Lebenslauf, eine eigene Handschrift, einen eigenen Stil und sogar Horoskope verpasste. Manche von diesen schrieben auf Portugiesisch, andere auf Englisch. Damit es den erfundenen Figuren nicht langweilig wurde, schrieben sie sich gegenseitig Briefe. Und um es noch komplizierter zu machen, erfanden einige der Heteronyme weitere Pseudonyme für manche ihrer Werke, die sie dann gegenseitig in Leserbriefen an Literaturzeitschriften kritisierten.

Insgesamt schrieb Pessoa unter 73 verschiedenen Namen. Als nach Pessoas Tod 1935 eine Truhe mit 24.000 Texten gefunden wurde und die Fachwelt zum ersten Mal eine Ahnung vom Ausmaß seines literarischen Universums erhielt, verhängte das Nobelpreiskomitee sicherheitshalber ein 60-jähriges Moratorium gegen portugiesische Schriftsteller. Man wollte nicht aus Versehen jemanden auszeichnen, der gar nicht echt war.

Vielleicht war der Tausendsassa Jaime Cortesão aus Kapitel 4 auch nur eine von Pessoas Erfindungen…

8

Für den nächsten Tag bin ich zum Mittagessen mit Romeu und Mafalda verabredet.

Die beiden sind für mich unzertrennbar mit Lissabon verknüpft, seit ich 2017 zum ersten Mal in die Stadt kam. Bis dahin kannte ich Romeu nur aus diesem Interweb, aber natürlich schlug ich ein Treffen vor.

„Ja klar, gerne“, schrieb er zurück. Und, wie junge Menschen heutzutage sind: „Melde dich einfach ein paar Tage vorher nochmal.“

Da musste ich die ständig, immer und überall vernetzte Jugend aufklären, dass das nicht ginge, denn ich würde mit dem Schiff aus Kolumbien kommen. Zwei Wochen auf hoher See, ohne Internet, ohne Telefon. Aber ich wüsste bereits, dass ich am 25. Mai mittags um 12 Uhr im Hafen von Lissabon ankäme. Und wenn nicht, dann würde es sicher in der Zeitung stehen. So wie damals bei der Titanic. Oder, passender für Portugal, bei der Lusitania.

Selbst über die transatlantische Entfernung merkte ich, dass Romeu dachte, ich wolle ihn veräppeln. So weit im Voraus einen Termin festmachen? Und dann zwei Wochen ohne jegliche Kommunikationsmöglichkeit? Im 21. Jahrhundert? Romeu und Mafalda, das sollte ich noch erwähnen, arbeiten für irgendein dubioses Internetunternehmen und können sich deshalb ein Leben ohne Interweb gar nicht vorstellen.

So kam ich, zuverlässig, wie man es nur mit dem guten alten Dampfschiff hinbekommt, Punkt 12 Uhr im Hafen von Lissabon an. Und siehe da, während die meisten Passagiere von Reisebussen oder Drogenspürhunden begrüßt wurden, empfingen mich meine zwei neuen Freunde, Romeu und Mafalda.

9

Vorspulen in der März 2020. Ich bin wieder in Lissabon. Anruf bei alten Freunden. Verabredung zum Mittagessen in der Pizzeria „Bella Ciao“. Der Name weckt Erinnerungen an Bari.

„Ich habe reserviert, weil da mittags immer wahnsinnig viel los ist“, hatte Romeu gesagt. Aber als wir, pünktlich wie ein Ozeandampfer, um 12 Uhr ankommen, ist das Restaurant leer. Die Wirtin und der Koch sind den Tränen nahe.

„Was ist passiert?“ fragen wir.

„Seit einer Woche haben wir kaum mehr Gäste. Wegen dieses Virus in Italien geht niemand mehr in ein italienisches Restaurant“, erklärt die Wirtin den nicht bestehenden Zusammenhang.

„Dabei sind wir aus Brasilien“, ruft der Koch verzweifelt. „Ich war noch nie in Italien!“

Wir diskriminieren gegen niemanden und nehmen gerne Platz.

10

Nach der brasilianischen Lasagne führen mich Romeu und Mafalda über so viele Treppen und Hinterhöfe und Dachterrassen, dass ich mich allein überhaupt nicht mehr zurecht fände. Ich weiß nur, dass wir relativ nah am Hafen, an der Burg und eigentlich ziemlich zentral unterwegs sind, und bin umso beeindruckter, wie ruhig und wohnlich manche Gassen wirken.

11

Lissabon ist eine Stadt, die mitdenkt.

Kostenlose Wasserspender überall, damit niemand umkippt.

Grüne Parks zum Ausruhen, falls man doch umgekippt ist.

Tolle Museen zu erschwinglichen Preisen. (Für Studenten gibt es obendrein noch 50% Rabatt.)

Einen öffentlichen Nahverkehr, der einen nicht nur von A nach B transportiert, sondern an sich schon ein Augenschmaus und ein Erlebnis ist.

12

Und vor den öffentlichen Toiletten gibt es Wartebereiche, wo sich die Angehörigen derjenigen Touristen, die auf Reisen keine Toilette auslassen können (das sind meist die Handysüchtigen, die unbeobachtet instagrammen und whats-up-chatten wollen), währenddessen in die portugiesische Geschichte vertiefen können.

Liebevoll illustriert, selbst wenn Lissabon mal wieder belagert wird.

Und auch dunkle Kapitel, wie Pogrome gegen sowieso schon zwangsgetaufte Juden, werden nicht ausgespart. (Dazu mehr in Kapitel 30.)

Diese humorvolle, selbstkritische und respektlose Darstellung von Geschichte ist mir viel sympathischer als so Nationalbombast wie beim Entdeckerdenkmal unten am Fluss. Aber das kennt Ihr ja aus meiner Geschichtsreihe „Vor hundert Jahren …“. Da ging es bisher schon einmal um Portugal. Zumindest am Ende des für jene Serie typisch weitgezogenen Bogens der Geschichte.

Als ich zu jeder der Tafel an dem Wandgemälde inquisitive Fragen stelle, denken sich Romeu und Mafalda wahrscheinlich: „Oje, wieso kann der nicht wie andere Touristen einfach fragen, wo es das beste Eis gibt?“

Aber sie erklären geduldig die Streitpunkte zwischen Absolutisten, Konstitutionalisten, Cartisten und Setembristen, die 32 Putsche und 17 Revolutionen sowie den Einfluss historischer gewerkschaftlicher Organisationsgrade auf die kontemporäre sozioökonomische Entwicklung in verschiedenen Landesteilen.

Erst als niemand von uns dreien darauf kommt, warum trotz Neutralität im Ersten Weltkrieg portugiesische Soldaten an der Westfront in Flandern kämpften (was ich auf dem Grab in Kapitel 4 erfahren habe), sagt Romeu entschuldigend: „Wir sind ja eigentlich keine Historiker. Wir arbeiten bei Google und dürfen im Büro kostenlos deren Suchmaschine benutzen. Nur deshalb wissen wir ein bisschen Bescheid.“ Aber jetzt ist Home-Office (in Portugal verpflichtend), und die jungen Leute sind vom Schwarmwissen abgeschnitten.

13

„Das macht doch nichts“, sage ich, “ ich wollte sowieso noch ins Aljube-Museum gehen.“

Dieses Museum in einem ehemaligen Gefängnis ist, wie sich herausstellt, fast um die Ecke, und so kommt Romeu noch mit. Denn, wie das oft so ist, man war in Yad Vashem in Jerusalem und im Metropolitan Museum of Art in New York, aber man kennt die Museen in seiner Heimatstadt nicht.

Mafalda nutzt die Gelegenheit, um sich abzuseilen.

„Bist du Feminist?“ fragt sie zum Abschied.

„Ich bin noch dabei, es zu werden“, antworte ich.

„Gut. Am Sonntag ist 8. März, Internationaler Frauentag. Wir treffen uns um 15 Uhr am Largo de Camões zur Demonstration.“

Ein ganzer Platz voll Frauen? Da sage ich schon aus ganz unfeministischen Motiven zu.

14

Aber jetzt schnell ins Gefängnis. Ins Museum, meine ich. Denn um 18 Uhr macht es zu, uns bleiben nur zwei Stunden für mehrere Stockwerke. Plus Dachterrasse mit Café und Ausblick über die Altstadt.

Es gibt so Museen, da geht man einmal durch, bleibt pflichtschuldig vor ein paar Bildern stehen, denkt sich „hm“ und kommt nie wieder.

Das Aljube-Museum ist genau das Gegenteil.

Interessant, aufklärend, informativ. Wechsel zwischen großer Geschichte und persönlichen Schicksalen. Immer wieder denkt man sich „ah, jetzt kapiere ich das“ und hofft, dass man sich alles merken kann. Es ist ein Museum, wo die Eintrittskarte eigentlich für drei Tage gelten sollte, so dass man sich ausreichend Zeit und Pausen zum Nachfragen und Nachdenken nehmen könnte.

Ich blicke immer wieder nervös auf die Uhr, alle anderen Besucher ziehen an uns vorbei, aber Romeu weiß zu jedem Thema noch mehr zu sagen.

Die portugiesische Geschichte im 20. Jahrhundert ist richtig spannend.

Deutschland und Österreich bilden sich ja viel ein auf ihre wilden Zwanziger Jahre, aber Portugal steht dem in nichts nach. 1910 Revolution, Flucht des Königs, danach alle paar Monate ein Staatsstreich, Putsch oder eine neue Revolution. Tiefpunkt in der Lissaboner Blutnacht 1921. Ach ja, das mit dem Ersten Weltkrieg kam so, weil Deutschland Portugal den Krieg erklärt hatte. (Ist auch ziemlich doof, friedlichen, neutralen und sympathischen Ländern einfach so den Krieg zu erklären. Typisch Deutschland.)

Ab 1926 Militärdiktatur, dann ab 1933 Diktatur unter António de Oliveira Salazar. Aljube, das Haus, indem wir jetzt sind, war eines der Gefängnisse der Geheimpolizei PIDE, die unter anderem bei der Gestapo Nachhilfe nahm. So wie die Wachmannschaften der portugiesischen Konzentrationslager von der SS ausgebildet wurden. Allerdings, so brutal sie auch waren, darf man die portugiesischen Konzentrationslager nicht mit den deutschen gleichsetzen. Die Zahl der Toten lag in den Hunderten, nicht in den Millionen.

Vielleicht auch deshalb spielt die Aufarbeitung der Diktatur nicht die gleiche Rolle wie in Spanien oder in Deutschland (obwohl sie natürlich überall verspätet begann). „Vor ein paar Jahren gab es eine Show im Fernsehen“, erzählt Romeu, „bei der die größten Portugiesen gewählt werden sollten. Salazar gewann mit 41%. Viele Menschen sehen das einfach als ‚gute alte Zeit‘.“ Auf den zweiten Platz kam mit 19% ein Kommunistenführer, und erst auf den dritten Platz ein Diplomat, der Tausende von Flüchtlingen vor dem Dritten Reich gerettet hatte. Danach lauter Könige und Seefahrer.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Portugal auch neutral und war tatsächlich ein wichtiges Flucht- bzw. Transitland für Menschen, die vor den Nazis flohen. Die Nazis wiederum hatten natürlich schon Pläne geschmiedet, nicht nur Portugal, sondern auch die Atlantikinseln Madeira und die Azoren zu erobern. Aber das wisst Ihr ja aus meiner bahnbrechenden Recherche von ebendort, in der ich auch die Verbindungen zu Atlantis und zum Heiligen Gral aufdecke.

„Der wirkliche Held“, sagt Romeu trocken, „war der Stuhl, von dem Salazar 1968 fiel und sich eine Hirnblutung zuzog.“ Weil man davon ausging, dass der 79-Jährige nicht mehr lange leben würde, wurde bereits ein Nachfolger gekoren. Als sich Salazars Zustand wieder besserte, traute sich niemand in seiner Umgebung, ihm mitzuteilen, dass es bereits einen neuen Premierminister gab. Man ließ ihn also weiter Kabinettssitzungen abhalten und Anordnungen unterzeichnen, bis er zwei Jahre später endlich starb.

So richtig schlau wird man irgendwie nicht aus Portugal.

18 Uhr, wir sind noch immer im 2. Stock, in den ehemaligen Zellen für die politischen Gefangenen. Ein Wärter erinnert uns freundlich, dass sie jetzt schließen müssen. Schade, denn im 3. Stock ginge es um die Kolonialkriege, die Nelkenrevolution von 1974 und wie alles mit Salazars Verbot von Coca-Cola (und das wiederum mit Fernando Pessoa, dem Schriftsteller aus Kapitel 7) zusammenhängt. Romeu fängt schon wieder an zu erklären, der Wärter ermahnt uns noch zweimal ganz vorsichtig, dass sie nur wegen uns noch nicht zusperren können. (In Deutschland wären wir schon lange angeraunzt, in den USA erschossen worden.)

Na gut, in dieses Museum muss ich sowieso ein zweites Mal gehen.

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Der Amoreiras-Park ist schön, der Schriftsteller Adolfo Simões Müller hat hier eine Statue bekommen, und eine junge Frau sitzt auf einer Bank und lernt für die Universität. Aber hier tummeln sich auch die ganzen Kinder, die wegen Virusgefahr schulfrei haben. Die Menschen in Portugal sind sehr nett und höflich, das habt Ihr hoffentlich schon gemerkt. Nur die Kinder sind ein bisschen ungezogen. Die laufen einfach rum und spielen Ball und so Unfug.

16

Da erspähe ich ein rettendes kleines Museum, das für Arpad Szenes und Maria Helena Vieira da Silva. Sie waren Maler, ein Paar und haben sich hauptsächlich gegenseitig gemalt, wie man das von heutigen Paaren kennt, deren Paarsein oft in wenig mehr als im gegenseitigen Fotografieren besteht.

Wenn Arpad mal etwas anderes malen wollte, machte Maria eine Szene: „Was soll das?“ „Das gefällt mir überhaupt nicht.“ „Das kauft niemand.“ Und so weiter, so dass er aus Trotz immer düsterer und unleserlicher malte und damit unbeabsichtigt die moderne Kunst begründete.

Und wenn Arpad sich nicht malen lassen wollte, gestaltete Maria eine U-Bahn-Station.

17

Nur gut, dass Fernando Pessoa aus Kapitel 7 keine U-Bahn-Stationen illustriert hat, sonst würden sie siebzehnmal am Tag den Namen wechseln. Mir reicht schon, dass ich immer wieder die Haltepunkte Areeiro und Arroios verwechsle. Mehrmals steige ich falsch aus und laufe den Kilometer zwischen beiden Stationen zu Fuß, vorbei an dem beleuchteten, massiven Springbrunnen am Boulevard Dom Afonso Henriques.

Das ist so ein Bauwerk, bei dem man gar nicht nachschlagen muss, von wann es ist, weil es die Diktatur aus allen Poren atmet. Der Park zu Fuß des Springbrunnens ist übrigens der einzige Ort in Lissabon, wo nachts ein bisschen dubiose Stimmung herrscht. (Und vielleicht noch der Gefängnishügel aus Kapitel 22-24, aber da geht eh kein normaler Mensch hin.)

18

Mein nächster Stopp ist der Botanische Garten hinter dem Naturkundemuseum. „Eintritt nur mit Ticket“, steht an der Schranke, aber die nette Dame im Kassenhäuschen sagt, dass ich einfach so reingehen kann. Das sind die kleinen Freuden des Reisenden mit schmalem Budget.

Botanische Gärten sind mein Erholungstipp für jede Stadt. Eine Oase der Ruhe, eine grüne Lunge, ein kleiner Naturdschungel im Großstadtdschungel. Hier hört man weder Autos noch Flugzeuge, und auch die Menschen, die auf der Straße noch hektisch und gestresst waren, werden ganz ruhig und entspannt.

Als eine sehr abgemagerte und zerzauste Katze wehklagend vorbei eilt, bemerke ich meinen eigenen Hunger. Gegenüber vom Botanischen Garten ist das Bistro „Real Principe“, das im Schaufenster ganz leckere Süßsachen offeriert.

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Beim Bestellen vor der Schlaraffenvitrine mischt sich eine Kundin auf Englisch ein: „Sie müssen unbedingt Pastéis de Nata versuchen!“ Dankend greife ich den Vorschlag auf und setze mich und das volle Tablett einfach zu ihr an den Tisch.

Carolina hat ihren Job als Buchhalterin aufgegeben, weil es gleichzeitig zu stressig und zu langweilig war. Eine Kombination, die ich nur zu gut kenne und ein Grund, warum ich nicht mehr als Rechtsanwalt arbeite. Seither zieht sie um die Welt, ohne festen Job, ohne Haus und ohne Bausparvertrag. Das ist angenehm, weil man sich mal nicht erklären muss. Keine doofen Fragen wie „Was machst du, wenn du einmal alt bist?“ oder „Aber was ist mit der Rente?“

Lissabon findet sie „putzig, aber etwas klein“, was mich dann doch aus den Socken haut, weil die Stadt so groß ist, dass ich mich schon am ersten Tag entschieden habe, im Wesentlichen nur das Viertel zu erkunden, in dem ich zufällig gelandet bin. Aber Carolina kommt aus Buenos Aires bzw. New York, da ist sie natürlich anderes gewöhnt. (So wie die Chinesin, die Wien als Kleinstadt empfand.)

Im Überschwang habe ich mir so viel Kuchen aufs Tablett geladen, dass ich jetzt den ganzen Nachmittag damit beschäftigt bin. Dabei wollte ich um 15 Uhr eigentlich auf dem Camões-Platz sein, wo zum Weltfrauentag die Kundgebung stattfindet, die als Frauenstreik angekündigt ist. Das ergibt am Sonntag nur leider wenig Sinn, wenn am Montag die Frauen wieder an der Supermarktkasse, auf der Röntgenstation und in der Bibliothek sitzen, obwohl sie durchschnittlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Leider hat niemand mehr den Mut zu einem richtig langen Streik. Und die, die ihn hatten, verschwanden im Gefängnis oder in einem der Lager. Unter anderem auf den Azoren, wie ich im Aljube-Museum (Kapitel 14) gelernt habe. Mal sehen, ob ich dort noch den einen oder anderen alten Exilanten antreffen werde.

Dabei wäre gerade eine Pandemie, die für die nächsten zwei Jahre oder so alles lahmlegen wird, die perfekte Gelegenheit, um mal in Ruhe nachzudenken, welche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung man eigentlich will. Das Hamsterrad anhalten. Eine Pause einlegen. Weniger produzieren, weniger konsumieren, weniger hetzen, öfter mal im Botanischen Garten sitzen. Singen. Schreiben. Lesen. Oder meinetwegen malen.

20

Am frühen Morgen schläft die Stadt noch. Das ist die Gelegenheit, endlich der Frage nachzugehen, die einem beim Spaziergang durch Campolide ins Auge sticht: Wohin führt eigentlich das Aquädukt, das hier überall auf- und dann wieder untertaucht?

Durch intensives Studium von Landkarten, Topographie und der Geschichte der römischen Besiedlung von Olisipo glaube ich, den richtigen Punkt zum Einstieg in diese Wasserleitung gefunden zu haben.

21

Eine alte Frau trägt einen Wasserkanister und ein Riesenpaket Toilettenpapier die Rua Professor Sousa da Câmara hinauf. Die muss ich noch passieren lassen, dann hüpfe ich über eine Mauer, lasse mich einen Schacht hinab und lande im Wasser. In frischem, klaren Trinkwasser, wie es in jedem Park kostenlos aus den Brunnen sprudelt (siehe Kapitel 11).

Ewig lang ist der Tunnel und ziemlich horizontal, was mich verwundert, denn ich dachte eigentlich, am höchsten Punkt in den Aquaverteiler eingestiegen zu sein. Wo kann das hinführen?

Ich wate in die Richtung, aus der das Wasser fließt. Alle 50 Meter oder so kommt Licht in den oberirdischen Tunnel, aber die Fenster sind zwischen 3 und 4 Metern über mir, ich kann also nicht hinausblicken. Außerdem wäre der Ausgang nach oben vergittert.

Getreu dem Motto einer kommunistischen Untergrundzeitung, die ich im Aljube-Museum (Kapitel 14) gesehen habe, gibt es nur einen Weg: Avante! Vorwärts!

Ich bemerke, dass die dicken Mauern den Handy-Empfang und die GPS-Ortung verhindern, so dass ich weder weiß, wo ich bin, noch jemandem mitteilen könnte, dass ich nicht weiß, wo ich bin, aber zwar nicht verdursten, wohl aber irgendwann verhungern werde. Außerdem dürfte ich hier nicht einmal pinkeln, weil es direkt ins Trinkwasser geriete.

Aber da fehlt tatsächlich in einem der Türme das Gitter. Es sind genügend vorstehende Steine sowie Bruchstellen im Mauerwerk, dass ich, wenn auch mit Müh‘ und Not, nach oben klettern und mich in die Freiheit hieven kann.

Es ist, wie wahre Freiheit so ist, ein gleichzeitig atemberaubendes und beängstigendes Gefühl. Ich bin hoch über der Stadt! Auf einem Aquädukt, das seit 300 Jahren steht und sogar das große Erdbeben von 1755 überlebt hat. Ein Wahnsinnsaus- und -anblick. Jedes Stolpern, jeder Fehltritt, jeder Windstoß wäre jetzt tödlich. Ein Schild weist stolz darauf hin, dass ich von hier 65 Meter in die Tiefe fiele.

Aber weil die Leserschaft immer wieder Fotos fordert, muss ich waghalsig von der einen zur anderen Seite klettern. (Ehrlich, diese Fotografiererei bringt mich irgendwann ins Grab. Könnt Ihr Euch nicht damit abfinden, dass ich lieber nur schreibe? Als das Aquädukt gebaut wurde, hat auch noch niemand fotografiert, und alle waren glücklich.)

Faszination siegt über Furcht, und ich gehe jetzt außen, auf der Mauer, nach Westen, wo ich sehe, dass sich die tiefe Senke hebt und den Abstand zwischen Erdball und Ingenieurskunst verringert. Fast laufe ich, wie wenn ich die Gefahr dadurch verringern könnte, so wenig Zeit wie nötig in schwindelnden Höhen zu verbringen. Auf den letzten Metern, wo das Aquädukt mit einem bewaldeten Hügel zusammenwächst, lasse ich alle Vorsicht fallen und renne an das rettende Ufer.

22

Anscheinend schaffen nicht viele den Weg, denn der Berg ist seltsam unbevölkert. Über die Straßen rauscht manchmal ein Polizeiauto. Es gibt Aussichtspunkte mit Unterständen, Park- und Grillplätzen, aber alles sieht ein bisschen verfallen und verlassen aus. Die Rastplätze sehen aus, wie wenn man hier Gefangene exekutieren würde.

Mancherorts steht einsam ein Motorrad oder ein Auto, und wenn ich vorbeispaziere, werde ich misstrauisch und intensiv beäugt. Hier treffen sich wohl die Drogendealer. Und die Freundinnen, die ihre Freunde, sowie die Männer, die ihre Frauen betrügen.

Immer wieder stoße ich im Wald auf die Türme, die anzeigen, dass darunter das Aquädukt verläuft. Oder eines der Aquädukte, sollte ich richtigerweise sagen, denn die Gesamtlänge beläuft sich auf weitverzweigte 58 km. Gut, dass ich den Ausstieg gefunden habe; aus diesen Türmen wäre ich nie entkommen. Und nach ein paar Tagen im Aquäduktlabyrinth (ein tolles Wort für Scrabble!) dreht man wahrscheinlich durch.

23

Es ist ein seltsam spukiger Ort, dieser Monsanto-Berg. Auf den Fotos sieht er wahrscheinlich ganz schön und grün aus, aber ich habe ein komisches Gefühl, das ich sonst in der Natur nicht habe. Die Vögel mögen zwitschern, die gelben Blumen mögen blühen, aber hier liegen Niedertracht und Grausamkeit in der Luft, kommt mir vor. Wahrscheinlich gibt es sogar Schlangen.

Von einem der verlassenen Betonbunker, dessen Besteigung nach dem Aquäduktabenteuer ein Kinderspiel ist, bietet sich ein spektakulärer Blick über Lissabon. Jetzt erst sehe ich das von mir überquerte Aquädukt in seiner ganzen Pracht. Wow. Das war vielleicht schon ein bisschen verrückt.

24

Als ich mich dem Gipfel nähere, sehe ich ein paar Gebäude. Zuerst vermute ich einen Bauernhof, dann ein Kloster, aber schließlich erkenne ich es: Hier ist also das Gefängnis. Und daneben das Strafgericht. So abgeschieden, dass das Recht auf ein öffentliches Verfahren nur mehr auf dem Papier steht.

Jetzt weiß ich auch, woher die ganze Zeit die negative Aura geweht hat.

Schnell weg hier!

25

Nachdem ich den über das Aquädukt zurückgelegten Weg aus der Vogelperspektive gesehen habe und zugeben muss, dass das ein bisschen waghalsig war, bin ich vernünftig genug, die Schwerkraft kein zweites Mal herauszufordern. Es muss ja auch einen anderen Weg zurück nach Lissabon geben, denke ich mir, und schlage die grobe Richtung ein. Und finde einen wahrlich paradiesischen Ort. Eine Wiese, so saftig, grün und friedlich. Von der Sonne bestrahlt, aber nicht brutal und erbarmungslos, sondern sanft und zärtlich. Und dazwischen Bäume. Schöne, seltene Bäume. Meine Lieblingsbäume.

Wo Korkeichen sind, machen Menschen Wein und Pinnwände. Da kann man sich getrost niederlassen.

26

Erst am Abend fällt mir ein, dass ich ja noch auf die Azoren fliegen muss. Dort werde ich schließlich zum Housesitting erwartet. Tja, jetzt wird es doch ein bisschen hektisch. Irgendwie den Weg zurück in die Stadt finden, den ersten Bus nehmen, dessen Ziel einem bekannt vorkommt, den Rucksack packen und ab zum Flughafen.

Immer wieder wird vor Taschendieben gewarnt, aber im Bus Nr. 426 steigt an der Haltestelle nach dem Gefängnis (ein anderes als das auf dem Berg; ich meine das mitten in der Stadt, das aussieht wie eine Burg) eine Frau ein und sagt dem Busfahrer, dass sie heute ihre Handtasche im Bus liegen hat lassen.

„Ach ja, die habe ich hier“, sagt er und reicht ihr die Ledertasche.

27

Am Flughafen tragen die ersten Passagiere schon Ganzkörperschutzanzüge gegen das Virus.

Und dann geht es auf die Azoren.

Romeu, Mafalda und Carolina hatten zu meinem Reiseziel jeweils nur zwei Aussagen zu machen: „Da gibt es das zarteste Fleisch, den besten Käse und die leckerste Milch“ und „Die sprechen dort so ein komisches Portugiesisch, dass sie im Fernsehen Untertitel verpasst bekommen“. Also wie in der Schweiz. Nur mitten im Atlantik.

Aber drei Monate sind für einen Meisterreporter genug, um zu beweisen, dass es auf den Azoren mehr gibt als nuschelnde Menschen und glückliche Kühe. Bald würde ich explodierende Vulkane, haarsträubende Überfälle, im Sturm sinkende Fähren und abgefackelte Klöster überleben, christliche Geheimgesellschaften infiltrieren und im Büro der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft spionieren. (Letztere Geschichte ist so geheim, dass ich mich noch gar nicht getraut habe, sie zu veröffentlichen.)

28

Vorspulen: drei Monate später.

Die Auszeit auf den Azoren war wunderbar, aber irgendwann gingen wieder Flüge, wenn auch mit Umwegen, und ich musste zurück aufs Festland. Wie schon festgestellt, führen alle Wege durch Lissabon, und so bleibe ich auch im Juni 2020 ein paar Tage in dieser hübschen Stadt hängen.

Aber es ist eine andere Stadt als sonst.

Auf der Praça do Comércio, dem Platz des Handels, hatte Mafalda im März erstaunt ausgerufen: „Ich habe hier noch nie so wenige Leute gesehen!“

Drei Monate später, im Juni, sieht der berühmteste Platz Lissabons so aus:

Vor drei Monaten erschienen noch Artikel über Overtourism. Jetzt ist die Stadt zwar nicht ganz menschenleer, aber auch nicht geschäftiger als eine unbedeutende Kreisstadt. So ruhig war Lissabon nicht mehr seit der Zerstörung durch die Wikinger im Jahr 844. (Weswegen es nicht so lustig ist, sich als Reisebüro „Wikinger-Reisen“ zu nennen und erneut in Lissabon einzufallen.)

29

Im Bus Nr. 736 ermahnt der Fahrer einen Passagier lautstark, seine Schutzmaske richtig aufzusetzen. Er hört sich fuchtig an, dabei meint er es nur gut. Es steigt nämlich gerade ein Polizist ein.

Die Polizeibeamten in Portugal tragen übrigens ihren Vor- und Nachnamen auf der Uniform, was sie anders als ihre deutschen Kollegen nicht als Generalverdacht auffassen, sondern was zu einem höflicheren und zivilisierten Umgang (beiderseits) führt.

30

Ich muss ein paar Tage in Lissabon bleiben, bevor ich nach Deutschland fliegen kann. (Der grenzüberschreitende Zugverkehr wurde eingestellt. Trampen während einer Pandemie kann zwar funktionieren, aber Lissabon-Amberg ist unter diesen Umständen doch ein bisschen weit.)

Dieses Mal muss ich sogar ohne Romeu und Mafalda auskommen. In Portugal nehmen die Menschen die Gesundheit ihrer Mitmenschen ernst. Sie bleiben zuhause. Hier gibt es nicht so Krawalle wie in anderen Ländern, nicht diesen kurzsichtigen Egoismus. Hier gibt es Schutzmasken für alle, kostenlos ins Haus geliefert. Impfungen für alle, hervorragend organisiert. Home-Office, aber mit Schutz vor Störungen außerhalb der Arbeitszeiten.

Portugal ist so, wie die Welt sich Deutschland vorstellt: gut organisiert, lösungsorientiert, sachlich. Nur dass es hier tatsächlich stimmt. Zudem noch sympathisch, herzlich, menschlich. Ohne Tamtam, ohne Großspurigkeit, ohne Angeberei. Eben ein Land, wo der Staatspräsident selbst in den Supermarkt geht und sich artig in die Schlange stellt.

Oder jeden Tag Schwimmen geht und manchmal Menschen vor dem Ertrinken rettet.

Eine Sache muss ich noch erwähnen, um zu zeigen wie Portugal tickt. Erinnert Ihr Euch an den anti-jüdischen Pogrom in Kapitel 12? Es war nicht der erste. 1492 und 1496 wurden fast alle Juden aus Portugal (und aus Spanien) vertrieben. So weit nichts Besonderes, leider, die Geschichte kennt keinen Mangel an Pogromen. – Aber Portugal gewährt seit 2015 den Nachfahren der im Mittelalter Vertriebenen als Restitution die portugiesische Staatsangehörigkeit. Ohne allzu viel Papierkram, weil über 500 Jahre ja schon einmal die eine oder andere Geburtsurkunde verloren gehen kann.

Und wenn man es nicht mehr aushält, in so einem sympathischen Land zu leben, und zu Drogen greift, dann bekommt man keine Haftstrafe, sondern Hilfe.

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Apropos Drogen:

Dem Drogenhändler an der Ecke Rua da Vitória / Rua dos Fanqueiros it so langweilig, dass er, obwohl er mich jetzt schon als Abstinenzler kennt, jedes Mal zum Kauf von Haschisch, Mariuhana oder Kokain überreden will.

„Ich gebe dir die erste Portion gratis“, bettelt er. „Du würdest mir damit echt helfen. Mein Geschäft ist vollkommen eingebrochen.“

Schon wieder eine Branche, die bei der Rettung von Kleinunternehmen übersehen wird. Und die wahrscheinlich nicht so einen Radau machen wird wie der Autokorso von Jahrmarktschaustellern, der am Abend protestierend durch die Stadt fährt.

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Überhaupt wäre gerade eine gute Zeit für Autokorsos, denn die Straßen sind wie leergefegt.

Ganz allein sitze ich den Parks, die sonst vor Touristen und denen, die an Touristen verdienen wollen, wimmeln.

Die Straßenbahnen drehen leer ihre Runden.

Der Aufzug bei Santa Justa fährt leer auf und ab.

Erinnert Ihr Euch an das Foto vom Flughafen in Kapitel 27, das mit dem Kapuzenmann?

Drei Monate später ist auch der Flughafen wie ausgestorben.

Und ganz allein begehe ich den 75. Jahrestag des Sieges über den Nazifaschismus. Weil Coca-Cola während der Diktatur verboten war (siehe Kapitel 14), darf man in Portugal sogar als Kommunist mit diesem erfrischenden Brausegetränk feiern.

Oje, das ist so ein Foto, das die Bild-Zeitung in 20 Jahren rauskramen und in einer vollkommen konstruierten Geschichte verwenden wird, um meine Karriere zu zerstören. Das sehe ich jetzt schon kommen. Deshalb lasse ich das mit der Karriere lieber gleich sein. Lohnt die Mühe nicht.

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„La Vita è Bella“ steht trotzig an einem geschlossenen Restaurant.

Das Zentrum für traditionelle chinesische Medizin ist verwaist und geschlossen. Wenn es ernst wird, gehen die Leute halt doch lieber zu richtigen Ärzten.

An der Hotel- und Touristikschule prangt noch das Motto „Ordnung und Arbeit“, aber jetzt ist die Zeit für einen geordneten Rückzug. Gar nicht so schlimm, finde ich.

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Am Ufer des Tejo schwappt eine Flasche an den Strand. Ich denke an die Flaschenpost, die ich von den Azoren losgeschickt habe. Wo die jetzt wohl sein mag? Gefunden wurde sie noch nicht. Zumindest hat sich niemand gemeldet. Ob ich das noch erleben werde? Wie viele Flaschenposten wohl gerade auf den Weltmeeren schwimmen? Und wie viele entdeckt werden?

„Hey, Andreas“, ruft plötzlich jemand und reißt mich aus den Gedanken über die Strömungen auf den Weltmeeren.

Habt Ihr auch so Freunde, die überall auf der Welt auftauchen, egal ob Ihr gerade in Wien, in Antwerpen oder eben in Lissabon seid? Bei mir ist das Johann, den ich kenne, seit er mich als Sprecher zu einer TEDx-Konferenz in Târgu Mureș eingeladen hat. Wir lebten damals beide zufällig in dieser sympathischen Stadt in Rumänien, sind aber wohl beide eher zu Weltreisen veranlagt.

Was er in Lissabon macht, lässt sich nicht so genau eruieren. Aber ein paar Monate später kommt ein Film raus, in dem jemand, der erstaunliche Ähnlichkeit mit Johann aufweist, die nordkoreanische Waffenindustrie infiltriert.

Manchmal ist es besser, nicht nachzufragen.

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Ach ja, viele Leute kommen nach Lissabon, um Kacheln zu fotografieren. Ich weiß nicht warum. Es sind halt Kacheln. Oder Fliesen. Ich weiß gar nicht, was der Unterschied ist. Wen das wirklich interessiert, der muss ins Kachelmuseum gehen. Ja, so etwas gibt’s. Manche Leute nehmen diese Azulejos echt ernst.

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Oje, jetzt wollt Ihr sicher wissen, wo das ist? Na gut, die letzten Fotos sind aus dem Garten des Palácio Fronteira. Und weil ich schon dachte, dass Euch der gefällt, habe ich noch ein paar Eindrücke von dort mitgebracht.

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Es ist später Nachmittag geworden im Garten des Palácio Fronteira.

Unter einem Baldachin aus Blauregen sitzt ein Mädchen und liest ein Buch. Es ist gleichzeitig ein schöner und beruhigender Anblick. Wie gut, dass Menschen die Muße haben, sich dem Alltagsstress zu entziehen. Wie weise, dass ihnen solitäre Lektüre wichtiger ist als oberflächliche Gesellschaftigkeit. Ach, wenn doch mehr Menschen erkennen würden, dass ein Buch die eigene Attraktivität viel mehr steigert als teure Handys oder Schuhe.

Verstohlen mache ich ein Foto.

Palacio Fronteira girl with book

Ich will sie nicht stören, aber das Fräulein hat mich inspiriert, und unter dem Glyziniendach versteckt sich die einzige Sitzgelegenheit im Park. Rücksichtsvoll setze ich mich ganz ans andere Ende der Bank, packe ebenfalls ein Buch aus und lese den romantischen Schluss von Remarques „Die Nacht von Lissabon“.

Wir wechseln kein Wort.

Wir wechseln keinen Blick.

Dabei würde mich interessieren, was sie liest.

Nur einmal höre ich, wie ihre Handykamera klickt. Wahrscheinlich hat sie ein Foto von mir gemacht, ebenfalls verstohlen, weil ihr sonst niemand glaubt, dass es noch mehr öffentliche Leseratten gibt. Ich tue so, wie wenn ich es nicht gemerkt habe, und lese unbewegt weiter.

So verbringen wir eine halbe Stunde in der nicht mehr allzu starken, aber noch ausreichend wärmenden Sonne. Jeden Strahl und jede Seite saugen wir auf. Bis die Dame, der das Schloss gehört, vorbeikommt und verkündet, dass sie den Park nun schließen werde, weil es gleich 17 Uhr sei.

Das Mädchen geht vor mir durch das Labyrinth aus Hecken und dreht sich noch einmal neugierig um, als sie durch das große Tor auf die Straße tritt. Wieder gebe ich vor, es nicht zu bemerken. Dann geht sie in die eine, ich in die andere Richtung.

Selten gehen Mann und Frau so glücklich und erfüllt auseinander. Vielleicht sollten wir all unsere Kontakte so abwickeln. Dann gäbe es auch keine Überbevölkerung.

Praktische Tipps:

  • Den Eingang zum Aquädukt findet Ihr in der Calçada da Quintinha, geöffnet von Dienstag bis Samstag, von 10 bis 17:30 Uhr. Eintritt 3 €. Das Aquädukt gehört zum Wassermuseum, das auch Führungen in unterirdischen Tunneln, in Wasserspeichern und in Pumpstationen anbietet.
  • Für das Museum im Aljube-Gefängnis solltet Ihr Euch wirklich ein paar Stunden Zeit nehmen. Es ist eine hervorragende Einführung in die Geschichte Portugals im 20. Jahrhundert. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 18 Uhr. Eintritt 3 €.
  • Erst später habe ich erfahren, dass es in Lissabon nicht nur den Botanischen Garten beim Naturkundemuseum (Kapitel 18), sondern auch einen in Ajuda, einen für Tropenpflanzen und wahrscheinlich noch so einige gibt.
  • Der beste Reiseführer zu Lissabon ist der von Johannes Beck aus dem Michael-Müller-Verlag.

Links:

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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20 Antworten zu Lissabon in Zeiten von Corona, Cholera und Kokain

  1. festus schreibt:

    Die Schrift [Kapitel 4] könnte eine Abugida sein. Es ist kein Cree https://de.wikipedia.org/wiki/Cree-Schrift, aber das Konzept der Dreiecke kommt mir ähnlich vor

    • Andreas Moser schreibt:

      Wow. Was die Leserinnen und Leser hier alles wissen!
      Du hast mich auf eine Recherchefährte gebracht, und ich glaube, es ist der Freimaurer-Code:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Freimaurer-Alphabet#Freimaurer-Code

    • jo schreibt:

      Ich glaube es ist eher die Winkelschrift als Freimaurer-Code laut Wikipedia, vgl. https://www.labbe.de/Winkelschrift

      Zumindest ergeben die ersten drei Zeilen mit Freimaurer-Code laut Wikipedia:
      A
      GCGHREA
      SATKHSA KC GEPMA

      Und mit Winkelcode:
      A
      MEMORIA
      SAUDOSA DE MINHA

    • Andreas Moser schreibt:

      Ahh, ein echter Codebreaker, Hut ab!

      Ich finde das ja eine coole Idee für einen Grabstein. Das bringt Rätselspaß für alle Besucher und Passanten.

      Jetzt muss sich nur noch jemand die Mühe machen, die ganze Inschrift zu entziffern…

    • festus schreibt:

      Portugiesischer als SAUDOSA (oder war es saudade?) wird es wohl nicht. Wie und wo kommt man darauf, nach freimauerischen Schriften zu gucken? Vor anderthalb Stunden wußte ich noch gar nicht, daß es die gibt.

    • Andreas Moser schreibt:

      Auf so alten Friedhöfen und gerade in Südeuropa mit den großen Mausoleen muss ich irgendwie immer an die Freimaurer denken.
      Wenn man sich da auskennt (was ich nicht tue), würde man wahrscheinlich allerhand an Symbolik entdecken.

      Aber es freut mich, wenn mein Blog zur Mehrung des nutzlosen Wissens führt. 🙂

    • jo schreibt:

      Die Ziffern sind geraten auf Basis des Schemas für die Buchstaben S-Z und die Annahme, dass vierstellige Zahlen Jahreszahlen mit „1“ am Anfang sind. Ich kann kein Portugiesisch, aber es wirkt als ginge die Rechnung auf:

      A
      MEMORIA
      SAUDOSA DE MINHA
      QUERIDA. ESTREMOSA
      ESPCSA.
      ADELAIDE BAPTISTA MEVES
      NASCEU A 27. (Zahl?) DE AGOSTO,
      DE 1858 (Zahl?)
      VIVEU 33 (Zahl?) ANNOS, 2 (Zahl?) MEZES.
      E 19 (Zahl?) DIAS.
      FALLECEU A 15. (Zahl?) DE NOVEMBRO,
      DE 1891 (Zahl?).
      MANDADO ERIGIR,
      POR SEU MARIDO.
      JIAQUIM JOSE CARDOZO NEVES (?)
      EM. 16 (Zahl?) DE NOVEMBRO DE 1894 (Zahl?)
      PAZ A TVA ALMA.

      PS: Toller Beitrag!

    • Andreas Moser schreibt:

      Oh, vielen Dank für diese Mühe!!
      Arbeitest du sonst beim BND oder wie hast du das so schnell hinbekommen?

      Das geht tatsächlich auf, auch mit den Zahlen (1858 + 33 Jahre = 1891).
      ESPCSA müsste ESPOSA sein („Ehefrau“) und am Ende hieße es PAZ A TUA ALMA („Friede deiner Seele“), aber V anstatt U kennt man ja auch von deutschsprachigen Denkmälern.

      Interessant, dass der Witwer für seine verstorbene Frau so einen Text in Geheimalphabet anbringt. Ich kann mir vorstellen, dass die Schwiegereltern das nicht komisch fanden.

    • Dirk Festerling schreibt:

      Wenn Schwiegerpapa nicht schon selbst dazu gehörte… Irgendwer scheint ja noch in 2. oder 3. Generation die Grablatte zu putzen.

    • Andreas Moser schreibt:

      Oder es ist doch irgendein Geheimbund?
      Und zwar einer, der sich jetzt durch uns enttarnt fühlt und einen nach dem anderen zur Strecke bringen wird…

    • festus schreibt:

      Verdammt. Wenn ich eines wirklich fürchte, dann Geheimbünde, die blau-weiße Blumenvasen verwenden.

    • Andreas Moser schreibt:

      Aber natürlich blau-weiß, die Illuminati sind doch aus Bayern!

    • Dirk Festerling schreibt:

      Na dann. Als Dortmunder habe ich andere Tabus.

    • jo schreibt:

      Ich arbeite nicht beim BND, ich hab nur Spaß an Rätseln. Nach den ersten paar Zeilen und mit der Tabelle neben dem Bild geht es dann auch ganz fix, weil Buchstaben wie „a“ und „e“ recht häufig sind.

      Es könnten aber tatsächlich Freimaurer sein, falls man da die Zugehörigkeit offen zugeben darf. Außer dem System von Wikipedia scheint es da noch mehrere andere Konventionen zu geben, also ist das vielleicht von Land zu Land oder Gruppe zu Gruppe verschieden: https://kryptografie.de/kryptografie/chiffre/freimaurer.htm
      Dass das zweite probierte Schema sinnvoll war, war wohl mehr Zufall, aber „A memoria“ ist ein vielversprechender Anfang für einen Grabstein.

  2. festus schreibt:

    Jaime Cortesao [Kapitel 4] war als Freiwilliger in Flandern. Das ist nur aus deutscher Sicht Westfront, er ging nach Nordosten. Mein Portugiesisch ist lausig, aber die haben, wenn auch gegen Ende, noch in Korpsstärke mitgemischt. https://pt.wikipedia.org/wiki/Corpo_Expedicionário_Português

    • Andreas Moser schreibt:

      Später, im Aljube-Museum (Kapitel 14), habe ich erfahren, warum Portugal dann doch in den Ersten Weltkrieg eintrat.
      Man hätte es sich ja eigentlich denken können: Deutschland hat Portugal den Krieg erklärt.

  3. Kain Schreiber schreibt:

    Ich wünsche dir noch ein abenteuerliches, gesundes neues Jahr, Andreas!
    und deine fotos – falls sie dich wirklich einmal ins Grab bringen sollten – sind superschön!
    Toller Beitrag!
    normalerweise lese ich so lange Sachen nicht gern…

    • Andreas Moser schreibt:

      Vielen herzlichen Dank, dir auch ein spannendes Jahr, ohne Stürze vom Aquädukt oder anderen Hochbauinstallationen!

      Ich finde ja auch, dass so lange Artikel im Internet eigentlich eine Zumutung sind.
      Deshalb habe ich das mit den nummerierten Kapiteln eingeführt, so dass man die Lektüre unterbrechen kann und leicht wieder zurück findet.
      Manchmal nehme ich auch einzelne Teile und veröffentliche sie vorab oder nachher gesondert, wie zB das letzte Kapitel: https://andreas-moser.blog/2020/03/25/maedchen-buch/
      Aber das eignet sich halt nicht für alles. Und wenn ich eine gesondrte Geschichte über ein Museum ankündige, liest das ja niemand. Außerdem würden die ganzen kleinen nebenbei-Beobachtungen dann unter den Tisch fallen.

    • Kain Schreiber schreibt:

      der artikel ist gut wie er ist!
      mach dir kein` Kopp!
      Ich les dich gern.

  4. Pingback: Lisbon in the Time of Corona, Cholera and Cocaine | The Happy Hermit

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