Das Köhlerhandwerk

Wenn ich mich mit jemandem treffe, mache ich das ungern im Biergarten oder vor dem Kino, wo Hunderte von Menschen warten. Denn unter jenen Hunderten sind immer ein oder zwei, die man gerade nicht treffen will oder die einen wegen eines Eifersuchtsdramas erdolchen wollen.

Ich treffe mich lieber am See oder im Wald. „Geh einfach den Bach durchs Tobeltal entlang nach Norden, bis du den Zigarrenrauch riechst. Dann bin ich nicht mehr weit“, so meine klaren Instruktionen. Weil sonst kaum jemand mehr raucht, bin ich nur schwer zu verfehlen.

Nicht geklappt hat das östlich von Winterthur, bei Ricketwil, denn da war etwas im Wald, das noch mehr qualmte als ich: eine Köhlerei.

Aber wer hätte ahnen können, dass es diesen Beruf aus grimmschen, hauffschen und janoschschen Märchen noch gibt?

Als ich Anfang Mai durch den Wald spazierte, wurde der Meiler gerade fertiggestellt.

Links seht Ihr die Löschi, ein Gemisch aus Kohlenstaub und Kohlengrieß, mit dem der Meiler vor dem Entzünden zugedeckt wird, um ihn luft- und wasserdicht zu machen.

Ein paar Tage später war es Zeit zum Anzünden. Hier könnt Ihr den Fortschritt verfolgen.

Hier erklären die Leute von der Köhlerei Andelbach den ganzen Prozess:

Wie Ihr hört, haben die Köhlerfamilien über Jahrhunderte tief im Wald und fern der Zivilisation gelebt, so dass sie noch immer Alemannisch sprechen. Und Ihr wisst jetzt, wieviel Arbeit in der Holzkohle steckt, mit der Ihr Eure Quinoa-Burger und Rossbratwürste grillt. Guten Appetit!

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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18 Antworten zu Das Köhlerhandwerk

  1. Kasia schreibt:

    Ich nehme an, du triffst nicht so viele Leute?`:-) W
    Was für Zigarren sind das…?

    • Andreas Moser schreibt:

      Ne, meist werde ich versetzt. 😦
      Deshalb habe ich immer etwas zum Lesen dabei.

      Das sind die allerweltbesten Toscano-Zigarren aus Italien. Auch hier in vielen Läden oder am Bahnhof erhältlich und gar nicht teuer.
      Sehr zu empfehlen!

    • Kasia schreibt:

      Hm, ich mag Zigarren. Wobei ich meistens bei Zigarillos bleibe, weil sie praktischer sind 🙂 Ich werde den Tipp befolgen.

      „Ne, meist werde ich versetzt.“ Vielleicht wirst du einfach nicht gefunden? 😉 Habe mir die Gegend übrigens gleich mal abgespeichert, ist nicht so weit von mir entfernt. Das mit der Köhlerei ist sicher spannend, wenn man selbst vor Ort ist. Was ich sein werde. Zum Wandern. Demnächst 🙂

    • Andreas Moser schreibt:

      Die Toscanos sind von der Form her auch eher Zigarillos, aber richtig stark wie Zigarren. Weniger stark sind die mit Geschmack versetzten. Da gibt es richtig gute, von Schokolade über Anis bis zu Haselnüsses. Mmhhhh!

      Ich glaube, ich werde gar nicht erst gesucht und deshalb nicht gefunden. :/

      Es ist eine schöne Gegend zum Wandern. Tiefe Täler mit Bächen, viele Hügel, gut beschildert, und wenn man nicht mehr kann, ist überall eine Bushaltestelle, wo bis 23 Uhr jede Stunde ein Bus kommt. Trampen funktioniert aber auch gut, ich hab’s probiert.

    • Kasia schreibt:

      „Nicht mehr kann“ gibt es bei mir nicht 😉 Die aromatisierten sagen mir nicht so zu, aber vielleicht habe ich bisher die falschen erwischt. Richtig stark klingt gut; ich muss schon fühlen, dass ich rauche, sonst macht das Rauchen keinen Sinn 😉

      Ich werde definitiv vorbeikommen, bin ständig auf der Suche nach schönen Wanderstrecken. Im Moment gehe ich viel im Pfälzerwald wandern, ab und zu auch am Neckartal. Aber das Kloster Frauenalb habe ich auch schon besucht.

    • Andreas Moser schreibt:

      Oh, dann sind die Toscano Classico die richtigen für dich! Wenn du die große Packung kaufst, kannst du die etwa 15 cm langen Zigarren in der Mitte auseinander schneiden, sie reichen für zwei Portionen.

      Und wenn du es ganz stark willst: Toscano Extra Vecchio.
      Aber Vorsicht, danach kann man nicht mehr Autofahren. Manchmal nicht einmal mehr gerade gehen.

      Ich bin gespannt auf deinen Erfahrungsebericht!

      Das Neckartal war womöglich das Tal, das ich mit dem Zug entlang gefahren bin, als ich nach Schaffhausen gefahren bin. Oder es war ein anerer Fluss. Jedenfalls wunderschön! Also, wenn es mal nicht regnet.

    • Kasia schreibt:

      Zum Thema Zigarren und Koordinationsfähigkeit habe ich eine schöne Anekdote. So passiert am Sonntag letzter Woche: meine Freundin, die bei uns im Haus oben wohnt, und ich zwitscherten abends im Garten ein Weinchen. Gut, vielleicht zwei. Das erste und das letzte 😉 Sie (Nichtraucherin), supergut gelaunt, sieht mich Zigarillo rauchen. „Ach, gib mir doch auch eine.“ Gut, gesagt, getan. Nach einem Zug wurde ihr schwindelig. Nach zwei Zügen lag sie quasi auf dem Stuhl. Nach dem fertigen Zigarillo schwankte sie ins Bett. Ich hatte schon Sorge, ich hätte sie mir „kaputtgemacht“ *lach* Verstehe ich gar nicht, so stark sind die nicht… hm…

      Das Neckartal ist meine Lieblings-Motorradgegend, schön langgeschwungene Straße, eine Burg nach der anderen.

      Also Thema Zigarren, ich werde berichten.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ja, wenn das jemand nicht gewohnt ist, hauen die richtig rein. Aber der Nachteil ist eben auch das, was du vorhin erwähnt hattest: von sanftem Tabak bekommt man gar keinen Kick mehr.

      Ich finde es am schlimmsten, wenn ich eine starke Zigarre rauche und dazu in der prallen Sonne sitze. Da falle selbst ich noch vom Stuhl.

      Als ich das erste Mal eine Toscano Extra Vecchio rauchte, konnte ich mich kaum auf den Beinen halten und musste mich auf dem Weg nach Hause an den Häuserwänden abstützen.

    • Kasia schreibt:

      Ein ähnlicher Effekt wie der einer Shisha in geschlossenem Innenraum 🙂

    • Andreas Moser schreibt:

      Shisha habe ich nur einmal probiert und bekam so sakrisches Kopfweh von dem dämlichen Apfeltabak, dass ich seither für immer die Finger und vor allem die Lippen und Lungen davon lasse.

    • Kasia schreibt:

      Lach… Ach ich glaube, ich gehe gleich in den Garten, Zigarillo rauchen 😉

  2. tinderness schreibt:

    Es ist schon merkwürdig: Gerade als du den Post über die Köhlerei veröffentlichst, schreibe ich an einem Beitrag über das Salpetersieden ….

  3. danysobeida schreibt:

    Una parrilla solar sería un invento novedoso y tranquilizaría nuestras conciencias.

  4. Pingback: Eine Postkarte aus Bad Münstereifel | Der reisende Reporter

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