Familiendrama

Spätabends am U-Bahnhof Ottakring:

Eine junge Frau mit Kinderwagen stürmt aus dem Aufzug und fordert lautstark und bestimmt: „Können Sie bitte die Polizei rufen!“

„Warum?“ frage ich.

„Der Typ da hinten bedroht mich“, deutet sie auf einen ebenfalls jungen Mann, der hinter ihr herschlurft.

Zum Glück kommt ein ÖBB-Mitarbeiter hinzu, dessen Lebenserfahrung sich in seiner Ruhe und in der Frage spiegelt: „Ist das Ihr Mann oder Ihr Freund?“

Das Opfer der Bedrohung kann den Stolz nicht verbergen: „Das ist mein Freund und ich bin im achten Monat schwanger.“

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About Andreas Moser

I am a lawyer in Germany, with a focus on international family law, migration and citizenship law, as well as constitutional law. My other interests include long walks, train rides, hitchhiking, history, and writing stories.
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11 Responses to Familiendrama

  1. Avatar von Myriade Myriade sagt:

    Tja, Ottakring ist eben ein gefährliches Pflaster 🙂 🙂

  2. Avatar von edlingera81859c31d edlingera81859c31d sagt:

    … Wiener Humor, zum Fürchten!

  3. Avatar von sori1982 sori1982 sagt:

    Seit mehr als fünf Jahren lebe und fürchte ich mich in Ottakring.

    • Ich war leider nur einen Sommer dort – zum Haus- und Katzensitting -, aber ich habe mich richtig wohl gefühlt in dem Bezirk.

    • Avatar von sori1982 sori1982 sagt:

      Das mit dem Fürchten war eher augenzwinkernd gemeint.
      Ich fühle mich im 16. Hieb auch sehr wohl. Ich habe es nicht weit zur S+U-Bahn-Station Ottakring und bin auch schnell im Wienerwald.

    • Ich bin mal in den Bus 48A eingestiegen, einfach weil er fast vor der Haustür hielt, und bis zur Endstation gefahren, ohne zu wissen, was mich erwartet.

      Und so wurden die Steinhofgründe einer meiner Lieblingsorte in Wien.
      In der Natur und bei den leicht Bekloppten, da fühle ich mich wohl.

  4. Avatar von Ingwer Ingwer sagt:

    Köstlich!

  5. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Ich verstehe den Witz nicht.

    Noch nie davon gehört, dass Lebenspartner, ob mit oder ohne Trauung, durchaus bedrohlich und aggressiv sein können, auch zu Frauen, die sie selbst geschwängert haben, auch wenn sie nachher hinterher schlurfen?

    Schönen Gruß,

    Maria

  6. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Mir fällt noch etwas dazu ein:

    Ich finde, dass die Frage des ÖBB-Mitarbeiters doch vollkommen sinnlos ist, und gewissermaßen tendenziös, und nicht für Erfahrung spricht, es sei denn, die aus der privaten Meinung gebildete Erfahrung, dass die Weiber sowieso immer nur nerven.

    Als ob die Bedrohung durch einen Freund oder Ehemann irgendwie normaler und deshalb hin zu nehmen sei.

    Er hätte fragen sollen, wodurch sich die Frau bedroht fühlt, das wäre doch das wirklich sinnvolle gewesen.

    Und wenn die Frau dann gesagt hätte: „Er will mir meine Pommes klauen!“, dann wäre es vielleicht ein Witz gewesen.

    Noch mal schönen Gruß

    Maria

    • Hallo Maria,

      das stimmt natürlich und ist – wieder mal – ein guter Grund gegen Eheschließungen und Beziehung jeder Art. Wer allein lebt, wird viel seltener vom Partner umgebracht.

      Die Situation am U-Bahnhof war allerdings so, dass nicht nur keine bedrohliche Situation, sondern auch keine Konfrontation oder eine Auseinandersetzung zu sehen gewesen wäre.
      Deshalb habe ich „warum?“ gefragt, denn was hätte ich der Polizei sagen sollen?

      Die beiden sind dann auch sofort zusammen nach Hause gegangen, stolz auf ihre sich stetig vermehrende Kinderschar, mit der sie kleine oder große Streitigkeiten zu übertünchen versuchen. Das Fräulein hat kein weiteres Mal um irgendwelche Hilfe gebeten.

      Das war also eher eine Komik, die sich aus der Situation ergab.

      Aber grundsätzlich hast du Recht. Bedrohungen durch Partner sind eigentlich schlimmer als durch Fremde, weil der Partner oder die Partnerin ja mit in der gleichen Wohnung lebt. Oder weiß, wann man wo zum Joggen geht.

      Aber man wird auch irgendwann müde mit dem Helfen. Vor vielen Jahrzehnten war ich der Kontaktanwalt für den Weißen Ring (eine Opferschutzorganisation) und für den SKF (die das Frauenhaus betrieben) und habe Dutzenden von Frauen geholfen, die Männer aus der Wohnung zu werfen, Kontaktverbote zu bekommen, einstweilige Verfügungen, Polizeischutz, immer alles schnell und dringend und rund um die Uhr und mit viel Drama.
      Habe ich alles gemacht, obwohl schlecht bezahlt.
      Aber dann: In etwa der Hälfte der Fälle war die Frau zum Gerichtstermin (also in zwei bis vier Wochen) schon wieder zum Mann zurückgezogen oder hat ihn wieder in die Wohnung gelassen. Natürlich ohne irgend jemandem Bescheid zu sagen.
      Wenn man das Dutzende Male erlebt, dann nimmt man es nicht mehr ganz so ernst. (Außer es kommt jemand mit Messer im Rücken in die Kanzlei.)
      Natürlich bräuchten solche Menschen viel mehr Hilfe, weil sie oft in einem (echten oder imaginierten) Abhängigkeitsverhältnis zum Täter stehen, aber das können Anwälte, die Polizei oder die ÖBB nicht leisten. Die Menschen brauchen gute Freunde, eine unterstützende Familie (leider ist die Familie oft das Problem, weil sie Druck ausübt, in der unglücklichen Ehe zu bleiben) und vor allem einen Haufen Geld, denn oft bleiben die Opfer aus finanzieller Angst (oder im Fall von Ausländerinnen aus Angst vor dem Verlust des Aufenthaltstitels) beim Täter.
      Das Traurige ist, wenn sich Leute so ein Abhängigkeitsverhältnis vorstellen, obwohl es in Wirklichkeit gar nicht besteht. Ich hatte Mandantinnen, die haben mehr verdient als ihr Mann, aber der Mann hat ihnen jahrelang eingeredet, wie wenig sie wert sind, dass er der Chef ist, und so weiter. Und irgendwann setzt sich das anscheinend fest.

      Eigentlich sollte man Beziehungen überhaupt verbieten.

  7. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Ja ja, wir hatten das Thema der möglichen Nachteile einer Beziehung hier ja schon öfter und selbst habe ich hin und wieder ähnliche Erfahrungen im Bekannten- und Freundeskreis gemacht. Trotzdem sollte man dabei bedenken, dass die andere Hälfte der Frauen eben nicht zu ihrem geliebten Schurken zurück gegangen ist, und dafür hat es sich schon gelohnt zu helfen.

    Dann gibt es noch jede Menge Beziehungen zwischen Menschen, die sich nichts Böses wollen, sich gegenseitig schätzen, respektieren und unterstützen, und dabei noch viel Spaß miteinander haben. Die wären echt traurig, wenn man ihnen das alles verbieten würde, und man muss sie ebenfalls in die Statistik zur Beweisführung einbeziehen.

    Nur weil man etwas nicht mag, oder nicht hin bekommt, muss es nicht grundsätzlich schlecht sein.

    Schönen Gruß,

    Maria

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