„Italia dei Valori“ erklärt anti-deutsche Wahlkampagne

„Europäer, nicht Deutsche“ plakatiert die italienische Partei Italia dei Valori („Italien der Werte“) derzeit. Wie ich schon ausführlich dargestellt habe, finde ich das reichlich mißglückt und unangebracht.

Über Twitter antwortete Ignazio Messina, der Parteivorsitzende von Italia dei Valori, auf meinen Artikel, daß ich den aus drei Wörtern bestehenden Slogan missverstanden habe und daß man „Wir wollen Europäer sein, keine Deutschen“ schreiben habe wollen. Er wende sich gegen ein „germano-zentrisches“ Europa und gegen ein „Diktat“ von Frau Merkel.

IdV Europei non tedeschi Twitter Ignazio MessinaIch wunderte mich, was Italia dei Valori dagegen unternehmen will, daß Deutschland geographisch halt nun mal im Zentrum Europas liegt und welchen Teil Europas sie abschneiden wollen, um das zu ändern. Das Wort „Diktat“ finde ich auch reichlich deplatziert für einen europäischen Meinungsbildungsprozess, in dem Italien ja durchaus keine ungewichtige Stimme hat.

Ich wandte mich also mit den folgenden Fragen direkt an Herrn Messina:

  • Was genau ist das Problem, das Ihre Partei mit den Deutschen hat?
  • Warum die personenbezogene Formulierung des Plakats? Warum „Deutsche“ anstatt zum Beispiel „Deutschland“?
  • Haben Sie bedacht, welche Auswirkungen dies auf das Verhältnis von Italienern und Deutschen haben könnte?
  • Ich habe diese Poster nur im Süden Italiens gesehen (bisher in Palermo und in Polignano a Mare). Verwenden Sie diese auch im Norden? Hängen Sie diese Plakate in den deutschsprachigen Gebieten in Südtirol auf?
  • Wie würden Sie reagieren, wenn eine Partei in Deutschland mit dem Slogan „Europäer, nicht Italiener“ werben würde?

Bei allen Meinungsverschiedenheiten muß ich anerkennen, daß prompt eine höfliche Antwort kam.

Caro Andreas,

noi non ce l’abbiamo con i tedeschi e non nutriamo alcun risentimento verso di loro. Noi vogliamo un’Europa diversa da quella che c’e‘, non germanizzata come accade adesso: un’Europa che non sia di proprietà delle banche, un’Europa dove i salari sono equivalenti. E’ questo che intendiamo con un’Europa germano-centrica, perché di fatto la signora Merkel ha fatto pagare all’Italia un prezzo troppo alto in termini di austerità bloccando qualunque tentativo di crescita. Non e’ possibile che le imprese italiane paghino il 40% di tasse sul lavoro mentre negli altri paesi dell’Unione si paga il 21%. Inoltre le banche debbono ricevere per il credito alle industrie e alle famiglie non piu’ del 5%. Siamo europei, non sudditi della Germania e della sua scellerata politica economica, questo lo vogliamo ribadire. Da quando c’e’ l’euro gli italiani hanno perso il 50% del potere di acquisto. Questo perché non si è fatta l’Europa politica ma solo quella monetaria. Si doveva fare il contrario. I Paesi deboli debbono essere aiutati da quelli più forti, non come sta facendo la Germania che fagocita le aree più deboli.

A questo proposito ti invito a guardare questo video in cui chiarisco meglio la nostra posizione:

Un caro saluto

Herr Messina beteuert, daß seine Partei kein Problem mit den Deutschen habe, aber daß sie kein „eingedeutschtes“ Europa wie das jetzige wolle. Er wolle kein „germano-zentrisches“ Europa.

Dann behauptet er, daß Italien wegen Frau Merkel (anscheinend zieht IdV ihre Angriffe gerne ins persönliche) einen zu hohen Preis bezahlen müsse. Angebliche Sparmaßnahmen blockierten jedes Wachstum. (In Wirklichkeit hatte Italien auch schon vor der Schuldenkrise seit etlichen Jahren kein oder kaum Wirtschaftswachstum.)

Den Hinweis darauf, daß Unternehmen in Italien 40% Steuern bezahlen und in anderen EU-Ländern (welchen?) 21%, kann ich schlecht als Rechtfertigung für den Anti-Germanismus akzeptieren, denn ich wüßte nicht, daß Deutschland Italien gezwungen hätte, seine Steuersätze so hoch anzusetzen (und dafür vielleicht bei der Steuereintreibung zu sparen). Außerdem ist die prozentuale Steuerlast für Unternehmen in Deutschland genauso hoch.

„Wir sind Europäer, keine Untertanen Deutschlands und seiner ruchlosen Wirtschaftspolitik,“ hört man weiter das Megafon aus der E-Mail. Haben Berlusconi und Grillo das politische Klima in Italien so vergiftet, daß solche Aussagen jetzt normal sind?

Seit der Einführung des Euro (die Italien befürwortete und die nun wirklich niemandem von Deutschland aufgezwungen wurde) haben die Italiener angeblich 50% ihrer Kaufkraft eingebüßt. Wie es halt so passiert bei einer Kombination von Nullwachstum und steigenden Staatsausgaben. Es heißt Inflation, und die gab es mit der Lira auch schon (sogar viel drastischer).

Auf meine spezifischen Fragen wollte der Parteivorsitzende nicht eingehen. Ich erkenne eine gewisse Obsession mit Deutschland, das für alles verantwortlich gemacht wird, was einem nicht behagt, auch wenn das meiste davon auf Entscheidungen Italiens oder der Mehrheit der EU-Länder basiert. Das erinnert mich an die „Kanada ist an allem schuld“-Kampagne aus dem Film South Park. Dann erkenne ich noch eine kleine Prise „früher war alles besser“. Und daß alle Deutschen unabhängig von ihrer politischen Meinung für Meinungen der derzeitigen Bundeskanzlerin haftbar gemacht werden, überrascht aus dem Land, das bis vor kurzem von Silvio Berlusconi regiert wurde, schon ein bißchen.

(Click here for the English version of this article.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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2 Antworten zu „Italia dei Valori“ erklärt anti-deutsche Wahlkampagne

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