Warzenschweine über Rumänien

Das Geräusch von Düsenjägern, Kampfflugzeugen und Bombern führt bei manchen Menschen zu Angst und Schrecken, bei mir jedoch zu Verzückung. Wenn der Überschall aus der Ferne dröhnt, lasse ich alles stehen und liegen und wende mein sich mit Begeisterung erhelltes Gesicht dem Himmel zu, um sowohl das Meisterwerk der Ingenieurskunst als auch das fliegerische Können zu bestaunen.

In den 80er Jahren in Westdeutschland aufgewachsen, konnte ich fast wöchentlich die Düsenjäger und Jagdbomber der amerikanischen und deutschen Luftwaffe beobachten. Als Kind pazifistischer Eltern mußte ich meine Begeisterung jedoch verbergen und mir stattdessen bei jedem Überflug der Verteidiger unserer Freiheit anhören, wie viele Lebensmittel oder Medikamente für die Dritte Welt mit dem Verteidigungshaushalt erworben werden könnten. (Im Keller baute ich dennoch ein Modell eines Apache-Kampfhubschraubers zusammen.) Als ich alt genug war, meine eigene Meinung energisch zu vertreten, war der Kalte Krieg zu Ende und der Himmel leer, leise und langweilig.

Vor einer Woche hörte ich in Rumänien wieder das altbekannte Geräusch. Ich war am Bahnhof in Razboieni und gerade im Begriff, den Zug nach Brașov (Kronstadt) zu besteigen, weswegen ich nicht ausharren konnte, um die dem Geräusch folgenden Flugzeuge zu erspähen.

Erst aus dem Zug sah ich sie: einige A-10 Thunderbolts, auch „Warzenschwein“ genannt. Mein Lieblingsflugzeug! Es dient der Bekämpfung von Panzern und anderen Zielen am Boden und fliegt tief und majestätisch langsam, auch vergleichsweise leise, aber dennoch enorm wendig. Diesen Flugzeugen bei ihren Manövern zuzusehen bereitet mehr Freude als spielende Katzen zu beobachten.

Aus dem Zug konnte ich ein paar Fotos von den über die Hügel Transsilvaniens gleitenden Thunderbolts machen:

A-10 1

A-10 2 A-10 3

Dabei handelt es sich um einige der 12 Thunderbolts, die die US-Luftwaffe nach Rumänien verlegt hat. Wenn man mit dem Zug nach Cluj-Napoca (Klausenburg) fährt, kommt man übrigens direkt am Luftwaffenstützpunkt in Câmpia Turzii vorbei und sieht das formidable Arsenal aufgereiht.

Diese Verlegung ist Teil der Operation Atlantic Resolve, mit der die westlichen NATO-Staaten ihren osteuropäischen Partnern zeigen (wollen), dass letztere mit der Unterstützung der ersteren rechnen können falls Russlands Expansionsdrang nicht in der Ukraine Halt macht. Russland hingegen nannte die Verlegung eine „Konfrontation in der Nähe der russischen Grenze“, wobei ich mich frage, welche Landkarte der Sprecher des russischen Aussenministeriums dabei zu Rate zog. Rumänien grenzt nicht an Russland.

Weil es so schön ist, hier noch ein Video von der Manövrierfähigkeit der A-10:

(To the English version of this text.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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3 Antworten zu Warzenschweine über Rumänien

  1. Pingback: Warthogs over Romania | The Happy Hermit

  2. Günter Moser schreibt:

    Hallo Andreas,

    sprachlich brillant dieser Artikel. Aber ich muss leider feststellen, dass unsere Erziehung zum Pazifisten wenig gefruchtet hat. Man hätte dich damals im Keller nicht alleine lassen sollen.

    Grüße dad

    • Andreas Moser schreibt:

      Danke!

      Spätestens mit den Kriegen in Ex-Jugoslawien ab 1991 war der Pazifismus für mich keine politische Option mehr. Auch aus der deutschen Geschichte hatte ich nicht die Lehre „Nie wieder Krieg“ gezogen, sondern mir war aufgefallen, dass es der Einsatz ausländischer Streitkräfte war, der uns in Deutschland in Frieden, Freiheit und Demokratie aufwachsen ließ.

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