Trailer zu James-Bond-Film „Spectre“

Wir müssen noch bis November 2015 warten, bis der neue James-Bond-Film Spectre in die Kinos kommt, aber hier ein erster Vorgeschmack:

Ich bin nicht begeistert darüber, dass die Handlung von Skyfall weitergesponnen wird und wieder Charaktere aus Casino Royale und Quantum of Solace auftauchen. Die älteren James-Bond-Filme hatten ebenfalls kleine Anspielungen auf andere Filme, aber sie waren auch für Neulinge absolut verständlich. Wenn die Handlung immer mehr auf den vorangegangenen Filmen aufbaut und die Filme mit Bezugnahmen auf ihre Vorgänger überfrachtet werden, befürchte ich, dass diese für Zuschauer, die nicht gerade die größten James-Bond-Fans sind, wenig interessant sein wird. Man kann schließlich nicht erwarten, dass sich jeder die drei letzten Filme ansieht, bevor er zu Spectre ins Kino geht. Und wieso versucht Mr White meinen Landstreicher-Look nachzuahmen?

Freuen tue ich mich auf Christoph Waltz, von dem ich seit Inglourious Basterds (2009) gehofft hatte, dass er mal den Bösewicht in einem James-Bond-Film spielen würde.

Die Fragen zu James Bonds Vergangenheit und das im Trailer gezeigte Formular zur Errichtung einer Vormundschaft lassen mich erschaudern. Die Filme hatten immer davon profitiert, dass James Bond  der Kerl ohne interessante Vergangenheit war. Ich will nichts mehr hören über seine Eltern, seine Geschwister und ob er als Kind einen Hund oder eine Katze hatte. Ich will aktuelle Handlungen mit überraschenden Wendungen. Wenn sich herausstellen wird, dass James Bond in irgendeiner auf seine Kindheitstage zurückgehenden Verbindung zum Bösewicht steht, werde ich im Kino laut gähnen.

Auch der zweite Trailer gibt keinen Anlass zu gesteigerter Hoffnung.

Eine Menge Düsternis, sinnlos aneinander gereihte Actionsequenzen und dann wieder diese überflüssige persönliche Geschichte aus der Bond-Oberhauser-Familie. Immer mehr erinnert Bond an die unzähligen Marvel-Comics-Verfilmungen. Wo bleiben Intelligenz und Witz früherer Bonds? Stattdessen erleben wir hier einen einfältigen James Bond, der nicht nur beruflich jenseits des Burnouts zu sein scheint. „Wollen Sie das wirklich? Im Schatten leben? Jagen? Gejagt werden? Immer allein?“ fragt eine der Bond-Frauen. „Ich lasse mir keine Zeit zum Nachdenken,“ antwortet er. Man erwartet keinen Philosophen beim MI6 – obwohl ich zur Verfügung stünde -, aber ganz so dämlich muss der Retter der freien westlichen Welt dann doch nicht daherkommen.

Den letzten Trailer habe ich bisher nur auf Englisch gefunden:

(Click here for the trailer and my comments in English.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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14 Antworten zu Trailer zu James-Bond-Film „Spectre“

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  2. American Viewer schreibt:

    Ich hoffe mal die Handlung knüpft an Casino Royale an. Von Christoph Waltz erwarten alle sehr viel. Da ist die Enttäuschung fast schon vorprogrammiert. Es scheint so, als käme er nie wieder an die Leistung in Basterds heran.

    • Andreas Moser schreibt:

      Letzteren Bemerkungen stimme ich zu. Die Rolle als Hans Landa war so schaurig gut gespielt, dass ich mir auch nicht vorstellen kann, wie diese Performance zu übertreffen wäre.

      Als ich mir nach „Inglourious Basterds“ ein paar Interviews mit Christoph Waltz angesehen habe, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Großteil der Hans-Landa-Rolle seine ganz normale Gestik, Mimik und Sprechweise abbilden. Ein „perfect match“ also, von dem jetzt andere Produzenten und Regisseure profitieren wollen, was wohl tatsächlich fast nur zu Enttäuschungen führen kann.

      • American Viewer schreibt:

        Ein cleverer Screenwriter sollte einfach die bewährten Elemente aus Basterds variieren: Man lasse ihn zwischen verschiedenen Sprachen hin- und herspringen (auf jeden Fall Englisch und Deutsch). Dann braucht er eine Nazi-Vergangenheit bzw. sein Charakter muss zumindest aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Anders kann man seinen Akzent auch gar nicht erklären. Dann stattet man seinen Charakter mit viel Bösartigkeit, Intelligenz und schwarzen Humor aus und garniere das ganze mit großartigen Dialogen à la Tarantino. Wenn Waltz je kein gutes Screenplay bekommt, wird er mal wieder nicht viel reißen können.

      • Andreas Moser schreibt:

        Der von Christoph Waltz verkörperte Charakter heißt Franz Oberhauser, was sich schon sehr österreichisch/schweizerisch/süddeutsch anhört.

        Die Viel-/Viersprachigkeit von Christoph Waltz fand ich auch mit das Beeindruckendste an Inglourious Basterds. Die italienische Szene ist schon für sich genommen ein wunderbarer Kurzfilm.

        Nazi-Vergangenheit muss nicht sein, dafür sind die James-Bond-Filme meiner Meinung nach zu unernst (obwohl in Goldeneye die Lienzer Kosakentragödie thematisiert wurde). Nachdem James Bond in der Gegenwart angesiedelt ist, wären noch lebende Charaktere mit Nazi-Vergangenheit auch wenig glaubwürdig.

        Ich fürchte, dass sich außer Tarantino fast niemand traut, minutenlange, gute Dialoge zu zeigen. Man erinnere sich an die schaurige Verhörszene bei dem französischen Milchbauern gleich zu Beginn von Inglourious Basterds. Zwei Männer sitzen minutenlang an einem Tisch und reden. Jedem anderen Regisseur würde Angst und Bange, dass die Zuschauer einschlafen, also kommt nach spätestens 30 Sekunden Dialog eine Explosion, ein Überfall oder ein Erdbeben. Die Aufnahmebereitschaft und Neugier der Zuschauer wird zutiefst unterschätzt.

      • American Viewer schreibt:

        Die beiden besten Szenen von Inglourious Basterds hast du sehr schön beschrieben. Das sind auch meine beiden Lieblingsszenen. An Tarantino liebe ich seine außergewöhnliche Fähigkeit geniale Dialoge zu kreieren, die Minuten andauern können. In den besten Filmen von ihm, sitzt fast jeder Satz. Andere Regisseure haben keine minutenlangen Dialoge, weil sie es einfach nicht können. Es ist viel leichter alle 30 Sekunden etwas explodieren zu lassen, als eine echte Handlung zu erfinden.

        Dass mit den Lienzer Kosaken ist eine sehr gute Idee. So einen widersprüchlichen Hintergrund sollte man Waltz geben. Bei dieser Gelegenheit sollte man gleich Sean Bean reaktivieren und ihn dann wieder sterben lassen. Oder man macht einmal etwas noch nie Dagewesenes: Man lässt Bean zum ersten Mal in der Filmgeschichte nicht sterben.

      • Andreas Moser schreibt:

        Haha, Dein Sean-Bean-Vorschlag ist klasse! 🙂

      • American Viewer schreibt:

        Die beiden besten Szenen von Inglourious Basterds hast du sehr schön beschrieben. Das sind auch meine beiden Lieblingsszenen. An Tarantino liebe ich seine außergewöhnliche Fähigkeit geniale Dialoge zu kreieren, die Minuten andauern können. In den besten Filmen von Tarantino, sitzt fast jeder Satz. Andere Regisseure haben keine minutenlangen Dialoge, weil sie es einfach nicht können. Es ist viel leichter alle 30 Sekunden etwas explodieren zu lassen, als eine echte Handlung zu erfinden.

        Dass mit den Lienzer Kosaken ist eine sehr gute Idee. So einen widersprüchlichen Hintergrund sollte man Waltz geben. Bei dieser Gelegenheit sollte man gleich Sean Bean reaktivieren und ihn dann wieder sterben lassen. Oder man macht einmal etwas noch nie Dagewesenes: Man lässt Bean zum ersten Mal in der Filmgeschichte nicht sterben.

    • Andreas Moser schreibt:

      Mit dem Anknüpfen an die Handlungen früherer Filme wird mir James Bond zu sehr wie Herr der Ringe Teil 1, Teil 2 und Teil 3.
      Die alten James-Bond-Filme konnte man noch vollkommen durcheinander ansehen (je nachdem, welcher Film gerade im Fernsehen wiederholt wurde), ohne dass dies zu einem Verständnisverlust führte.

      • American Viewer schreibt:

        Ich hoffe auch, dass die Produzenten nicht so weit gehen, dass man die Vorgänger alle im Detail gesehen haben muss. Zumal ich Quantum of Solace nie gesehen habe. Trotzdem war Skyfall dann wieder gut verständlich. Ich denke, so wird es bei diesem Mal auch sein.

      • Andreas Moser schreibt:

        Wie schafft man das, einen James-Bond-Film nicht zu sehen? Ich wäre da viel zu neugierig.

        Quantum of Solace litt auch unter den enormen Erwartungsdruck nach Casino Royale, meiner Meinung nach einer der besten (nicht nur James-Bond-)Filme überhaupt. Aber so schlecht ist Quantum of Solace nun auch nicht. Was mir gut gefiel, war dass es – wie in den alten Filmen – wieder schöne Landschaftsaufnahmen (v.a. aus Südamerika) gab und ortsbezogene Festivals oder Sportereignisse mit einbezogen wurden, wie z.B. das Pferderennen in Siena während der Verfolgungsjagd über die Dächer dieser Stadt: https://www.youtube.com/watch?v=89aTFgtsXX0

      • American Viewer schreibt:

        Wie schafft man das, einen James-Bond-Film nicht zu sehen?

        Das ist für mich ganz leicht. Ich habe auch die schlechten Filme mit Brosnan nicht gesehen und praktisch keinen Film mit Dalton. Ich informiere mich vorher über einen Film und wenn ich den klaren Eindruck bekomme, das ein Film nicht gut ist, dann schaue ich ihn mir auch nicht an. Das war bei Quantum of Solace der Fall. Mein Eindruck von Solace ist, dass ziemlich lustlos Actionszene an Actionszene gehängt wird, ohne lohnenswerte Handlung oder gar geniale Dialoge.

        Diese Unart nur noch Actionszene an Actionszene zu hängen, ohne große Handlung, gibt es spätestens seit Hitchcocks North by Northwest. Solche Filme gucke ich mir meist nur selten an und wenn dann meist im Schnelldurchlauf. Wie oben erklärt, kommt es mir auf die Handlung und auf die Dialoge an. Und die hat in Casino Royale zum Teil sehr gut gepasst, wenn man sich zum Beispiel die Szene zwischen Bond und Vesper Lynd im Zug vor Augen führt.

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