Frieden in Kolumbien? Gerade rechtzeitig!

Im Januar oder Februar 2016 werde ich irgendwo auf dem Amazonas treiben, auf einem flussaufwärts segelnden Boot, und von Tag zu Tag tiefer in den Dschungel eintauchen. Auf dem Weg zu einem der vielen Zuflüsse des Amazonas kann es gut sein, dass letztlich der Zufall entscheidet, wo ich landen werde.

Es gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

  • Ein Boot nach Iquitos in Peru und von dort aus wiederum weiter mit dem Boot ins Landesinnere von Peru (die Fitzcarraldo-Route).
  • Mit etwas Glück und viel Geduld finde ich vielleicht ein Boot nach Cobija in Bolivien, wobei auf dieser Route kein regelmäßiger Schiffsverkehr zu laufen scheint und Cobija während der Regenzeit vom Rest des Landes abgeschnitten ist.
  • Ich kann in Tabatinga (Brasilien) von Bord gehen und über die Grenze nach Leticia in Kolumbien spazieren. Das hat auch seine Tücken, weil kein Fluss existiert, der Leticia mit dem Rest Kolumbiens verbindet, und weil die nächste Fernstraße 800 km weit weg liegt. Ich müsste also durch den Dschungel marschieren, was an sich schon beängstigend ist, aber in Kolumbien dadurch noch furchterregender wird, dass genau dort seit mehr als 50 Jahren der Bürgerkrieg zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC-Rebellen tobt. Die FARC hat die lästige Angewohnheit, Touristen zu ermorden, weil sie diese für Spione halten, sobald sie eine Kamera oder ein GPS-Gerät bei sich tragen.
Die Linien sind Flüsse und Grenzen, keine Straßen. Es gibt dort keine Straßen.

Die Linien sind Flüsse und Grenzen, keine Straßen. Es gibt dort keine Straßen.

Gerade rechtzeitig für meinen Ausflug nach Südamerika scheint sich das letztgenannte Problem zu lösen. Zumindest machen die kolumbianische Regierung und die FARC große Fortschritte zur Beilegung des am längsten andauernden Konflikts der westlichen Hemisphäre. Sie befinden sich auf der Zielgeraden zu einem Friedensabkommen. Das sind gute Nachrichten, auch wenn die Frist für die endgültige Einigung im März 2016 bedeutet, dass ich den undurchdringlichen und hochgefährlichen Dschungel noch während des Bürgerkrieges, bestenfalls während eines Waffenstillstands, durchqueren werde. Ich hoffe einfach darauf, dass alle Beteiligten des Kämpfens schon müde sind und die Rebellen emsig mit dem Erstellen ihrer Lebensläufe und dem Aushandeln von Buchverträgen anstatt mit Geiselnahmen beschäftigt sind.

Colombia peace deal

Nun da dieses Problem aus dem Weg geschafft wird, hoffe ich, dass jemand einen Friedensvertrag mit den Piranhas und den Anacondas aushandelt.

– – –

War von Euch schon mal jemand in dem oben angesprochenen Eck des Regenwaldes und hat Erfahrungen mit einer oder mehrerer der angedachten Routen? Danke! ¡Gracias!

(To the English version.)

Werbeanzeigen

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
Dieser Beitrag wurde unter Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Militär, Peru, Politik, Reisen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Frieden in Kolumbien? Gerade rechtzeitig!

  1. Pingback: Peace in Colombia? Just in time! | The Happy Hermit

Hier ist Platz für Kommentare, Fragen, Kritik:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s