Tagesnotizen 1

Jeden Tag sammeln sich in meinem Kopf, in Notizbüchern und auf in der Wohnung verstreuten Zetteln Ideen für Artikel, Kommentare zum Zeitgeschehen und Links auf andere interessante Artikel an, die ich mal verarbeiten möchte. Irgendwann. Dazu kommt es dann nie, weil ich am nächsten Tag neue Ideen habe oder nach dem recht teuren Ausflug auf die Osterinsel auch mal wieder arbeiten muss.

Um den Kopf für ausführlichere Artikel und Geschichten freizubekommen, werde ich von nun an einen Teil des restlichen Gedankengeschwirrs alle paar Tage in eine Liste wie die folgende packen. Das entspricht in etwa den Kommentare oder Links, die ich sonst auf Facebook oder Twitter posten würde, aber ich finde, dass auf Blogs meist eine qualitativ höherwertige Diskussion entsteht. Außerdem, aber da beginne ich doch gleich mal mit der Liste:

  1. Ich habe meinen Computer so eingestellt, dass ich bis 13 Uhr und nach 22 Uhr keinen Zugriff auf Facebook, Twitter, YouTube, Tinder, OKcupid und natürlich auf keine Spiele habe. Selbst zwischen diesen Sperrstunden ist der Gesamtverbrauch auf 2 Stunden pro Tag beschränkt. Es ist nämlich erschreckend, zu analysieren, wieviel Zeit man mit all diesen Dingen vergeudet. Kein Wunder, dass ich mit 41 Jahren weder promoviert noch ein Buch veröffentlicht habe.
  2. Überhaupt finde ich es erschreckend, wie sehr man sich selbst ablenkt von dem, was man eigentlich machen will. Andererseits kann man Disziplin und Produktivität auch recht schnell zu einer Routine machen.
  3. Seit ein paar Tagen bin ich in dem Rhythmus, dass ich vor 6 Uhr aufwache und zu schreiben/arbeiten beginne. An einem Tag habe ich vormittags so viel geschafft, dass ich um 11 Uhr das Haus verließ und die Nachbarn mit „buenas tardes“ grüßte, weil für mich gefühlt schon ein ganzer Tag vergangen war.
  4. Zu Al-Bakr: Jeder hat ein Recht auf Selbstmord. Alles andere würde bedeuten, einen Menschen als Mittel zum Zweck, hier der Aufklärung eines Sachverhalts, zu sehen. Das hat uns schon Immanuel Kant untersagt. Diese Selbstzweckformel halte ich für den wichtigeren Teil des Kategorischen Imperativs als die Universalisierungsformel, die bei näherer Betrachtung nicht so viel Sinn ergibt, wie uns im Ethikunterricht weisgemacht wurde.
  5. Philosophie ist übrigens so ein Fach, das ich mit dem mittlerweile gewonnenen Abstand von ein paar Jahre gerne noch einmal studieren würde.
  6. Auf meinem englischsprachigen Blog habe ich mal wieder eine Kurzgeschichte veröffentlicht. Es ist komisch, aber Reportagen und Aufsätze schreibe ich lieber auf Deutsch, während ich für Kurzgeschichten Englisch bevorzuge.
  7. Zu dem Thema: Auf der Osterinsel traf ich einen deutschen Archäologen. Da eine Chilenin dabei war, sprachen wir alle Englisch. Als die Chilenin ein paar Minuten in die Küche ging, fuhren wir auf Englisch fort. Als sie zurückkam, fragte sie verwundert „Wieso sprecht Ihr nicht Deutsch miteinander?“ Übereinstimmend erklärten wir, dass es für (manche) Deutsche irgendwie komisch/uncool/gekünstelt wirke, nach einer Unterhaltung auf Englisch ins Deutsche zu wechseln.
  8. Das Schlimmste an dieser Woche waren ja wohl die Frauen, die Donald Trump gegen Vorwürfe der sexuellen Nötigung verteidigen, nachdem dieser selbst damit geprahlt hat.
  9. Mit Chile habe ich übrigens gerade mein 50. Land bereist. Hier die vollständige Liste. Mir ist es wichtig, dass die Zahl der bereisten Länder immer höher ist als mein Alter. Zur Zeit habe ich also einen gemütlichen Puffer und könnte mich ein paar Jahre ausruhen.
  10. Eine ehemalige Mitbewohnerin aus Arequipa schreibt einen hervorragend amüsanten Blog über Peru. Allerdings auf Französisch.
  11. Ein erstes Foto von der Osterinsel. Bald werden ich so viele veröffentlichen, dass sie Euch zum Hals raushängen.tongariki-from-afar
  12. Nach all den „asymmetrischen“ Kriegen ist es eine fast wohltuende Abwechslung, mal wieder eine vorher angekündigte, große Schlacht um eine befestigte Stadt zu erleben. Den kurdischen Kollegen wünsche ich viel Erfolg. Aber bitte keine Kriegsverbrechen!
  13. Gibt es eigentlich ein anderes Beispiel dafür, dass NATO-Staaten eine Gruppierung/ein Volk unterstützen, die/das gleichzeitig von einem anderen NATO-Staat bekämpft wird?
  14. Früher hieß „postfaktisch“ einfach nur „idiotisch“.
  15. Wenn Ihr als Nicht-Game-of-Thrones-Seher mit Game-of-Thrones-Fans sprecht, bekommt Ihr dann auch den Eindruck, dass diese Serie etwas quasireligiöses hat?
  16. Die BBC arbeitet an einer neuen Dokumentarreihe Planet Earth II. Nach dem Trailer zu urteilen wir das etwas ganz Tolles.

  1. Ich kriege es nicht hin, die Nummerierung der Absätze nach einem eingefügten Video fortzuführen, also ist hier Schluss.

Natürlich freue ich mich über Eure Kommentare. So kristallisiert sich vielleicht auch heraus, welches Thema einen separaten Artikel verdient.

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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10 Antworten zu Tagesnotizen 1

  1. American Viewer schreibt:

    Zu Al-Bakr: Jeder hat ein Recht auf Selbstmord. Alles andere würde bedeuten, einen Menschen als Mittel zum Zweck, hier der Aufklärung eines Sachverhalts, zu sehen. Das hat uns schon Immanuel Kant untersagt. Diese Selbstzweckformel halte ich für den wichtigeren Teil des Kategorischen Imperativs als die Universalisierungsformel, die bei näherer Betrachtung nicht so viel Sinn ergibt, wie uns im Ethikunterricht weisgemacht wurde.

    Sehr schön ausgedrückt. Leider liest man diese durch und durch liberale (und rationale) Meinung in den deutschen Medien praktisch überhaupt nicht, was wiederum nur allzu typisch ist.

    Wenn Ihr als Nicht-Game-of-Thrones-Seher mit Game-of-Thrones-Fans sprecht, bekommt Ihr dann auch den Eindruck, dass diese Serie etwas quasireligiöses hat?

    Ich habe mich auch lange über die Fans der Bücher lustig gemacht. Bei der TV-Serie bin ich fast von Anfang an dabei. Es ist zwar keine Religion, aber ich wüsste auch keine aktive Drama-Serie, die besser wäre. Beziehungsweise: Besser gewesen wäre, denn so nach 3-4 Staffeln fällt die Qualität zum Teil deutlich ab, aber das ist bekanntlich fast bei jeder Serie so.

    Wobei ich sagen muss: Wenn es eine Religion wäre, wäre es wohl nicht die schlechteste. Man hat auch eine nette Auswahl. Es gibt allein 13 größere Religionen. Ein Glaube lässt sich so zusammen fassen: There is only one god, and his name is Death. And there is only one thing we say to Death: „Not today!“

    Checkmate Christentum, Judentum und Islam.

    • Andreas Moser schreibt:

      Haha, ok, diese Art von Religion hat durchaus etwas für sich.

      Ich selbst mache mir einfach gar nichts aus Fantasy, und wenn ich das äußere, entgegen mir GoT-Fans immer: „Das ist kein Fantasy, sondern Philosophie/Politik/u.s.w.“. Ich frage mich dann, was die ganzen Drachen und Feen in der Show machen.

      Andererseits bin ich auch froh, dass es mich nicht interessiert, sonst würde ich auch damit noch eine Menge Zeit verbringen. Letzten Monat habe ich „The Americans“ entdeckt und alle bisherigen vier Staffeln in weniger als zwei Wochen geguckt. Das ist meiner Meinung nach die am besten geschriebenste Serie zur Zeit. Für Leute, die sich an den Kalten Krieg nicht persönlich erinnern, aber vielleicht weniger interessant. Zum Glück bin ich so alt.

      • American Viewer schreibt:

        Feen habe ich noch keine gesehen. Ich bin mit Sicherheit auch kein Fantasy-Narr. Ich kenne LotR und das war es dann für mich in Sachen Fantasy. Aber prinzipiell ist mir das Genre egal. Die Qualität muss stimmen. Und die stimmt in den ersten 3-4 Staffeln auf jeden Fall. Generell tue ich mich mit der Einteilung „Fantasy“ schwer, was soll das überhaupt bedeuten? Wenn man die Handlung einteilen wollte in „realistisch“ und „phantastisch“, dann wäre die Verteilung wohl 90% zu 10%. Ich wette das ist realistischer als in Americans.

        Realismus, Plausibilität und innere Logik sind für mich sehr wichtig, mir sind selbst Serien wie Breaking Bad und Dr. House zu unrealistisch, so etwas kann ich mir nicht angucken. Auch Americans hört sich für mich unrealistisch an, so viele Abenteuer in Serienlänge können zwei Spione in der Realität gar nicht erleben. Wenn Charakter in GoT einen großen (oder kleinen) Fehler machen, hat das in der Regel massive Auswirkungen auf die weitere Handlung.

      • Andreas Moser schreibt:

        Für mich ist Fantasy alles, wo Wesen vorkommen, die so nicht existieren. Fliegende Drachen, sprechende Frösche, Spiderman, Iron Man u.s.w. Ich konnte mich dafür noch nie erwärmen, weil ich beim Lesen oder Anschauen nie vergessen kann, dass die Geschichte nur erfunden ist.

        Du hast schon recht, das Spionenehepaar in „The Americans“, das nebenbei noch ein Reisebüro betreibt, zwei Kinder erzieht und den Haushalt schmeißt, weil sie wegen all der geheimen Radios zuhause keine Putzhilfe einstellen können, und dennoch Zeit hat, nebenbei etliche Agenten zu führen, Codes zu entschlüsseln, Leute abzuknallen, die Leichen zu entsorgen, und ein- und auszubrechen ist etwas unrealistisch.

        Aber es sind Menschen. Und als solche kann ich mich da hineinversetzen. Wenn ich so ein Buch lese oder den Film schaue, dann tauche ich richtig ab. Ich bin dann in der Handlung und vergesse, dass es eine erfundene Geschichte ist. Wenn dann plötzlich die Katze spräche oder der Hund flöge, wäre das alles kaputt.

        Siehst Du als Arzt eigentlich Arztserien? Als Anwalt fand ich nur „The Practice“ eine gleichermaßen realistische wie spannende Serie, die auch die organisatorischen und finanziellen Probleme einer kleinen Kanzlei nicht unter den Teppich kehrte.

      • American Viewer schreibt:

        Siehst Du als Arzt eigentlich Arztserien?

        Nein, nicht mehr. Das macht man eher im Studium, wenn man vom Beruf nicht viel weiß und hofft, dadurch vielleicht etwas zu lernen.

        Aber bis vor ein paar Jahren waren diese Serien auch noch eher unrealistisch. Heute sind sie zwar oft realistischer, aber wenn man voll im Beruf ist, hat man keine Lust mehr sich auch noch in seiner Freizeit mit diesem Thema zu beschäftigen. Angehenden Ärzten habe ich immer „Scrubs“ empfohlen, das ist die beste Serie für junge Ärzte, die ich kenne.

        Schon die erste Folge trifft es genau. Der junge Assistenzarzt betritt zum ersten Mal die Klinik und realisiert: „Four years of pre-med, four years of med school, and tons of unpaid loans have made me realize one thing … I don’t know jack.“

  2. kunstschaffende schreibt:

    Zu Punkt 12: Ich wünsche vor allem den Kurdenkämperinnen viel Erfolg, damit möglichst viele IS Kämpfer nicht in’s Paradies kommen und da die versprochenen Jungfrauen auch noch quälen!

  3. Elbe, Dom und Meer schreibt:

    Ich musste schmunzeln als ich deinen Beitrag gelesen habe. Die Idee von 22 bis 13 Uhr das Smartphone, etc. beiseite zu legen ist super! Gerade, so kommt es mir vor, meine Generation muss überall und zu jeder Zeit erreichbar sein. Ich erinnere mich noch gut an meinen Urlaub in Italien diesen Jahres. Habe mit Absicht mein heiß geliebtes Smartphone zuhause gelassen. Ganze 9 Tage Abstinenz. Am Anfang wirklich ungewohnt, aber schlussendlich doch eine tolle Erfahrung, die mich meinen Urlaub sehr intensiv erleben ließ.

    • Andreas Moser schreibt:

      Genau! Ich mache das selbe auf Reisen. Die ersten ein zwei Tage fehlt es, und dann merkt man, dass man viel mehr freie Zeit hat, dass man viel mehr sieht, dass man ja auch einfach mal mit anderen, neuen Menschen sprechen kann, anstatt immer nur die gleichen Fotos von den gleichen alten Freunden zu betrachten.

      Eines der Projekte, das ich in den nächsten Jahren mal gerne durchführen würde, wäre, ein halbes Jahr durch Europa zu reisen ohne Internet, ohne Handy, ohne GPS. So dass man einfach wieder mehr Menschen ansprechen und fragen muss, dass man wieder Karten lesen muss, dass man wieder in die Bibliothek gehen muss, wenn man etwas recherchieren will.

      Als ich mit dem Schiff den Atlantik überquerte (8 Tage) war ich so froh, kein Internet zu haben. Ich habe es gar nicht vermißt, weil ich es weitgehend mit Arbeit in Verbindung brachte. Es war interessant, zu sehen, wieviele Passagiere am Anfang den gleichen Plan hatten und dann nach zwei oder drei Tagen schwach wurden und sich sündteurere Internetpakete auf dem Kreuzfahrtschiff kauften.

      • Elbe, Dom und Meer schreibt:

        Dein zukünftiges Projekt klingt wirklich vielversprechend. Einfach mal back to the roots und mit Menschen vis à vis kommunizieren ist, wenn man es mal überlegt, wirklich eine Bereicherung. Ein halbes Jahr durch Europa und dann die vielen verschiedenen Facetten von Kultur und Menschen – interessiert mich auch. Na klar muss ich zugeben, dass das als Soziologe auch irgendwie in meinen Genen liegt. Ich finde, durch die ständige Erreichbarkeit via PC, Tablets und Smartphones kommt man nie zur Ruhe. Erst heute hörte ich von einer Frau, dass diese selbst Freitag Nachmittag noch eine Antwort einer Stiftung erhielt, dass der geplante Projektantrag nicht durch diese gefördert wird – „Freitag Nachmittag und das Wochenende war versaut“ so ihre Worte. Wir Soziologen nennen das die Entgrenzung von Arbeit. Und selbst ich erwische ich mich nicht selten dabei, dass ich samstags oder sonntags in das Mailfach der Uni schaue. Aus Neugier. Tja so ist da heutzutage. Jedenfalls würde ich es jedesmal wieder tun wenn ich im Urlaub bin. Wie viel Zeit man mit unnützen Surfen im Internet, etc. verbringt ist wirklich angsteinfößend, wenn man die Zeit betrachtet. Natürlich ist es anfangs nicht leicht, wie du es mit den Personen auf dem Kreuzfahrtschiff beschrieben hast, aber es ist eine Sucht und wenn man etwas wirklich will, dann macht man es einfach. 😊

      • Andreas Moser schreibt:

        Soziologie war übrigens das, was mich in meinem abgebrochenen Studium der Politikwissenschaft am meisten interessierte. Seit kurzem packt mich wieder der Bildungshunger und ich überlege, nach Jahren der Abstinenz mal wieder zu studieren. Soziologie ist eine der Optionen, oder als leichten Einstieg vielleicht einen Master in Rechtssoziologie.
        Aber ich schweife ab.

        Was mich an dem internetlosen Experiment auch interessiert, wäre dass man dadurch glaube ich mehr über die bereisten Orte lernt. Denn dank Internet gucke ich überall auf der Welt die Tagesschau oder lese die Washington Post. Ohne Internet müsste ich jetzt zB eine peruanische Zeitung kaufen oder die örtlichen Nachrichten gucken.
        Das Internet, das unbestritten das Tor zur Welt ist, engt so über den Pfad der Bequemlichkeit/Gewohnheit den Blickwinkel sogar wieder ein.

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