„Wir müssen die Märkte beruhigen.“

Ich finde die Marktwirtschaft toll: Angebot und Nachfrage, freie Auswahl, Vertragsfreiheit, alles super.

Aber die Martwirtschaft ist, wie der Name schon klarstellt, ein Wirtschaftssytem. Sie ist kein Gesellschaftssystem und kein politisches oder Verfassungssystem. Insbesondere in einer Demokratie ist die Marktwirtschaft das Wirtschaftssystem, das sich die Mehrheit der Bevölkerung oder ihrer Repräsentanten gegeben hat, um die Ziele zu erreichen, auf die sich wiederum die Mehrheit als erstrebenswert geeinigt hat. Die Marktwirtschaft ist ein Instrument, kein Selbstzweck.

Wenn nun, wie es seit einigen Jahren gang und gäbe ist, Politiker (die Sie und ich gewählt haben) Entscheidungen damit begründen, daß „der Markt“ dies oder jenes „erwartet“ oder daß man „die Märkte beruhigen“ müsse, dann wird dieses Verhältnis in sein Gegenteil verkehrt.

Ganz abgesehen davon, daß „der Markt“ als Entität wohl nicht existiert, frage ich mich, wer denn Frau Merkel oder den Finanzminister oder die Abgeordneten des Bundestags im Namen des Marktes anruft und mitteilt, was dieser erwartet oder wodurch dieser – komischerweise immer nur für eine kurze Weile – zu beruhigen sei.

Richtigherum würden Sie und ich unseren Abgeordneten mitteilen, welche Ziele wir uns für unser Land und unsere Gesellschaft wünschen, und das Parlament und die Regierung würden dann versuchen, diese Ziele zu erreichen – gerne auch unter Gebrauch marktwirtschaftlicher Instrumente. In der Verteidigungspolitik wird zurecht das „Primat der Politik“ beschworen. Warum nicht auch auf allen anderen Politikfeldern?

Lassen Sie uns zum Ausklang noch einen kurzen Blich auf diese Märkte werfen, die unsere Wählerstimmen verdrängen:

Anstatt der „Beruhigung“ dieser Märkte mit Milliarden an Steuergeldern schlage ich vor, daß sich diese Märkte erst einmal selbst beruhigen. Auf mich machen diese Märkte nämlich einen ziemlich durchgeknallten Eindruck.

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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4 Antworten zu „Wir müssen die Märkte beruhigen.“

  1. Bundesbedenkenträger schreibt:

    Nimmt ja schon quasireligiöse Züge an, wie man die Märkte zu beruhigen sucht und auf ihre Gnade hofft…

  2. eric schreibt:

    Andreas, deine Videos sind ja fast schon historisch – siehe etwa Felix Salmon über high frequency und algo trading:
    http://blogs.reuters.com/felix-salmon/2012/08/06/chart-of-the-day-hft-edition/

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