Friedensnobelpreis 2014 für Liu Xiaobo

Mein Vorschlag für den Friedensnobelpreis 2014: Liu Xiaobo, der chinesische Autor und Menschenrechtsaktivist.

Ja, ich weiß dass Liu Xiaobo schon 2010 den Friedensnobelpreis gewonnen hat, und es wäre das erste Mal, dass eine Person den gleichen Preis zweimal gewinnt. (Fußballmannschaften hingegen können problemlos zweimal hintereinander Meister werden.) Aber hier geht es um eine besondere Situation, die nach einer besonderen Lösung ruft: Der Friedensnobelpreisträger von 2010 sitzt in China noch immer in Haft. Falls Nobelpreise über ein paar Zeitungsartikel in der Woche nach ihrer Bekanntgabe hinaus irgendetwas erreichen sollen, kann das Nobelpreiskomitee seine Entschlossenheit zeigen und den Preis weiterhin dem letzten Preisträger verleihen, der noch immer in Haft sitzt, und damit Druck auf China ausüben. Das kann man Jahr für Jahr wiederholen – bis China Liu Xiaobo freilassen muss.

Die Ungeheuerlichkeit der Behandlung von Liu Xiaobo durch China wird noch deutlicher, wenn man einen historischen Vergleichsfall betrachtet: Selbst Nazi-Deutschland entließ 1936 den Preisträger Carl von Ossietzky aus dem Konzentrationslager (obwohl er natürlich weiterhin unter Gestapo-Bewachung stand).

(To the English version.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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11 Antworten zu Friedensnobelpreis 2014 für Liu Xiaobo

  1. Pingback: Nobel Peace Prize 2014 for Liu Xiaobo | The Happy Hermit

  2. Der Senfspender schreibt:

    Die Zocker sind natürlich ganz anderer Ansicht: Laut dieser überaus
    lustigen Liste mit den Wettquoten für die diversen potenziellen Kandidaten

    http://www.nicerodds.co.uk/nobel-peace-prize

    (angeführt selbstverständlich von Papst Franz) dürfen sich u.a. auch die Folgenden
    Hoffnung machen: Helmut Kohl, Ban Ki-Moon, Bill Clinton, Tony Blair,
    Angela Jolie, Leonardo Di Caprio, der IS – pardon: muss natürlich heißen: Die ISS
    (Internationale Raumstation) und natürlich Wladimir Putin. Warum Joschka Fischer,
    Ursula von der Leyen, Iris Berben und Friede Springer nicht auf der Liste stehen,
    ist dem Senfspender ehrlich gesagt ein Rätsel. Er schlägt jedoch vor, nicht zuletzt angesichts
    der nimmerendenden Debatten um den Friedenspreis

    http://en.wikipedia.org/wiki/Nobel_Prize_controversies#Peace

    die Weltöffentlichkeit erst mal ein paar Jahre – ach was sag ich: ein paar Jahrhunderte
    mit dem ganzen peinlichen Quatsch zu verschonen. Die Preisgelder kann man ja
    sparen – und vielleicht dereinst für schwedische Bootsflüchtlinge verwenden …

    • Andreas Moser schreibt:

      Und Artikel 9 der Japanischen Verfassung, wie ich der Liste entnehme. Das wird doch immer absurder.

      Wenn nicht die EU den Preis schon abgeräumt hätte, wäre mein Favorit die italienische Marine mit ihrer Operation „Mare Nostrum“. Die wird jetzt wegen Geldmangel eingestellt, da könnte das Preisgeld gut helfen.

  3. alphachamber schreibt:

    Ich bin stets erneut enttäuscht über die perzeptive Denkweise studierter Menschen, und über den Irrtum, dass Reisen angeblich den sprichwörtlichen Horizont erweitert. Vielleicht sollten Sie sich in den Ländern Ihres Interesses ein paar Jahre aufhalten, um besser zu urteilen.
    Unter Chinas Milliarden Bürgern haben Dissidenten wie Au Wei-wei und Liu weniger Nachfolger als Marxisten im Vatikan. Eine „demokratische“ Revolution würde China balkanisieren und Konflikte auslösen, welche die momentanen Nahost-Kriege dagegen wie ein Pfadfinder Jamboree aussähen ließe. Vielleicht gefiehl Ihnen ja Kants deontologische Ethik am besten, aber Ihr background sollte dennoch Respekt vor den kulturellen Unterschieden hervorbringen. Ohne bewusstes Spekulieren (oder gar Wissen) auf westliche Unterstützung, würden sich diese Herrschaften kaum zu Hampelmänner der US Interessen machen. Für welche wahren „Leistungen zum Weltfrieden“ sollte er denn ausgezeichnet werden? Der Friedensnobelpreis wurde schon lange zum imperialistischen Propagandainstrument und inflationär entwertet. Um unser aller Frieden Willen hoffe ich, dass China einen Dreck darum kümmert.
    Gute Reise

    • Andreas Moser schreibt:

      Kulturelle Unterschiede rechtfertigen keine Diktatur, insbesondere wenn es in jeder Kultur schon immer Menschen gab, die für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie kämpfen.

      Mit den „kulturellen Unterschieden“ hätte man vor drei Generationen auch in den meisten Staaten Mitteleuropas Diktaturen vor jeglicher Kritik schützen können.

      • alphachamber schreibt:

        1.) China hat keine Diktatur, 2.) Ihr Argument der Demokratie ist im Falle Chinas unanwendbar und widersprüchlich: Der Begriff selbst, enthält einen Mehrheitswillen – der ist im Moment klar auf der Seite der CCP. Natürlich ist jeder gesunde Mensch gegen Misshandlungen von Personen, aber Herr Liu hatte eine Wahl. Seine Situation rechtfertigt keine Einmischung von selbstgerechten Altruisten in unterschiedliche Gesellschaften, nur weil sie die nicht verstehen oder ihnen nicht zustimmen. Als Philosoph müsste Ihnen klar sein, dass „Freiheit, Menschenrechte und Demokratie“ abstrakte Begriffe und keine absoluten Werte sind – und als Jurist, dass es keine Rechtsgrundlage ist für Verletzung nationaler Souveränität. Außer Sie befürworten die amerikanischen „Freiheitskämpfe“ seit Vietnam? Bin seit 1975 Hong Konger Bürger, lebte auch lange in China und weiß wovon ich schreibe.

      • Andreas Moser schreibt:

        Wenn die „Wahl“ zwischen Maul halten oder gefoltert werden besteht, klingt das schon sehr stark nach Diktatur.

        Und natürlich kann ich mich überall auf der Welt einmischen, wo ich will. Genauso wie jeder eine Meinung zu mir haben kann. Das verletzt keine staatliche Souveränität. Wenn andere Chinesen Nobelpreise gewinnen, stört sich China daran ja auch nicht.

    • Der Senfspender schreibt:

      Mann, ist der Senfspender mit seinem soliden Hauptschulabschluss froh, kein „studierter“ Mensch zu sein und also der Belehrungen eines Mitglieds (?) der „Liberalen Faschisten“ (??)

      https://liberalerfaschismus.wordpress.com/author/alphachamber/

      nicht zu bedürfen. Nichtsdestoweniger, hier als kostenloser Service und zur Wiederholung aus dem Fach Staatsbürgerkunde

      http://www.lebenshilfe-nds.de/de/Artikel-6-11.php
      http://www.lebenshilfe-nds.de/de/Artikel-19.php
      http://www.lebenshilfe-nds.de/de/Artikel-28.php

      sowie ein bisschen Geografie

      http://www.laogai.org/page/what-laogai-system

      • alphachamber schreibt:

        1. Erinnere mich nicht, einen „Senfspender“ belehrt zu haben – fühlt er sich denn belehrt?
        2. Da sehen Sie mal was Ihre Menschenrechte wert sind! 🙂
        3. Darf ich mich mit einem – ebenso kostenlosen – Geschichtsunterricht revanchieren:
        „Liberaler Faschismus“ ist unser Link, nicht der Name unseres Blogs. Er stammt von dem Paradigma der linken Heuchelei, dem erklärten Sozialisten H.G. Wells. In einer Rede im englischen Oxford vor den Jungen Liberalen 1932 sagte er: “…die Progressiven müssten „liberale Faschisten und aufgeklärte Nazis werden.“

      • Andreas Moser schreibt:

        Studieren schadet nicht, insbesondere ist es der Arbeit vorzuziehen, aber es macht nur in den seltensten Fällen einen klügeren Menschen aus dem, der sich da einstmals zur Universität begab.

  4. alphachamber schreibt:

    Das Problem mit der Ideologie ist, dass die Syllogismen aus dem Fenster fliegen.
    „…natürlich kann ich mich überall auf der Welt einmischen, wo ich will.“
    Ja, da „können“ Sie. Wenn Sie dann auf dem Platz des „Himmlischen Friedens“ brüllen: „Nieder mit der CCP!“ und ins Gefängnis wandern, können Sie mit Recht auch den Friendensnobelpreis erwarten.
    Ich habe von Ihnen gelernt. Danke für Ihre Einsicht.

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