Deutsch-deutsche Willkommenskultur

Eines muss man den Deutschen zugute halten: Sie sind nicht nur fremdenfeindlich gegenüber Nichtdeutschen.

Es wäre interessant zu wissen, wieviele der DDR-Flüchtlinge tatsächlich einen Asylanspruch nachweisen hätten können. Zwar war die DDR eine Diktatur, doch bedarf es für die Gewährung von Asyl der individuellen politischen, religiösen oder ähnlichen Verfolgung. Bei den meisten unserer Brüder und Schwestern aus dem Osten handelte es sich wohl nicht um Regimegegner und Literaten im Untergrund (die waren vorher schon lange ausgewiesen oder freigekauft worden), sondern – oh Schande – um Wirtschaftsflüchtlinge.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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6 Antworten zu Deutsch-deutsche Willkommenskultur

  1. American Viewer schreibt:

    Dazu gibt es ja Zahlen, man muss nur ein bisschen recherchieren. 1961 zum Beispiel gab es 2810 DDR-Flüchtlinge (das ist ganz dicht an den 800.000 Migranten im Jahr 2015).

    Von diesen 2810 gaben 205 an der Wunsch nach besseren Einkommens- und Wohnungsverhältnissen sei ihr Fluchtgrund.
    http://www.chronik-der-mauer.de/material/178776/ausloesende-fluchtgruende-von-2-810-fluechtlingen-im-juli-1961-31-juli-1961

    Mal abgesehen davon waren es Deutsche, da ist es nur logisch, dass Deutschland sie aufnehmen muss. Welches Land auch sonst? Saudi-Arabien vielleicht? Oder doch lieber Bhutan?
    Diese Leute sprachen schon deutsch, die Berufsausbildungen waren ähnlich, die Kultur war ähnlich. Das waren mehr oder weniger ideale Migranten, die konnten innerhalb weniger Wochen anfangen zu arbeiten und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten.

    In Syrien sind vor allem Sunniten betroffen, man erkennnt aber nirgends, dass diese Leute zum Beispiel von den reichen sunnitischen Golfstaaten aufgenommen werden und dies obwohl Staaten wie Saudi-Arabien und Katar für den syrischen Bürgerkrieg zu großen Teilen mitverantwortlich sind.

    Stattdessen sollen diese Leute in den Westen, wo andere Sprachen und Kulturen vorherrschen und wo ihre Berufsabschlüsse nicht anerkannt werden. Warum dies logisch oder fair oder gar sinnvoll sein sollte, ist nicht wirklich ersichtlich.

    Damit ist auch die Theorie von den Flüchtlingsströmen, die man angeblich nicht aufhalten könnte hinfällig. Die Golfstaaten liegen viel näher an den Krisenregionen und haben riesige Grenzen mit diesen, die man extrem schlecht überwachen kann. Trotzdem verirrt sich kein Flüchtling nach Saudi-Arabien.

    • Andreas Moser schreibt:

      Nach diesen Zahlen gab es allein in den ersten 8 Monaten 1961 über 120.000 innerdeutsche Flüchtlinge: http://www.berlinermaueronline.de/geschichte/fluchtzahlen.htm Aber ich weiß nicht, wieso Du gerade 1961 herauspickst, wenn die obigen YouTube-Filme sich um 1989 drehen.

      Die Anerkennung von Berufsabschlüssen kann man leicht ändern (mußten wir im Einigungsvertrag und in jeder EU-Erweiterungsrunde auch machen).

      Das mit den Sunniten verstehe ich nicht. Die meisten DDRler waren Atheisten. Trotzdem sind sie im überwiegend christlichen Westen einigermaßen gut zurecht gekommen. Dass Menschen anderer Religionen anders sind, ist eine Mär. Religiöse Fanatiker sind anders, aber da wiederum macht es keinen Unterschied ob Christ, Moslem, Hindu, Jude oder Jehovazeuge. Von Leuten, die einfach deshalb Moslems sind, weil ihre Eltern es waren, unterscheidet mich als ex-katholischer Atheist nicht mehr als von Christen, die halt getauft wurden, weil ihre Eltern Christen waren. Ich bin ständig mit Menschen der verschiedensten Religionen und aus den verschiedensten Kulturen zusammen, und das ist überhaupt kein relevanter Unterschied. Ich habe z.B. mit einem iranischen Anwalt oder einem syrischen Schriftsteller auf Anhieb mehr gemeinsam (selbst wenn wir uns nur bruchstückhaft unterhalten können) als mit den meisten Menschen aus meinem Heimatdorf in Bayern.

      Saudi-Arabien hat keine Grenze zu Syrien, aber es dürfte doch wirklich bekannt sein, dass der Großteil der syrischen Flüchtlinge seit Jahren in Jordanien, im Libanon und in der Türkei untergekommen ist. Die Kritik an Saudi-Arabien teile ich durchaus, aber in Notfällen hilft der Verweis auf potentielle andere Alternativen nicht.

    • American Viewer schreibt:

      Aber ich weiß nicht, wieso Du gerade 1961 herauspickst, wenn die obigen YouTube-Filme sich um 1989 drehen.

      Weil ich nur für dieses Jahr Fluchtgründe gefunden habe.

      Die Anerkennung von Berufsabschlüssen kann man leicht ändern (mußten wir im Einigungs-vertrag und in jeder EU-Erweiterungsrunde auch machen).

      In dieser Richtung hat sich seit Jahren nicht bewegen. Zum Teil gibt es dafür auch gute Grün-de. Ein Arzt aus Syrien hat nicht die gleiche Ausbildung wie ein Arzt, der in Frankreich oder Deutschland studiert hat.

      Das mit den Sunniten verstehe ich nicht. Die meisten DDRler waren Atheisten. Trotzdem sind sie im überwiegend christlichen Westen einigermaßen gut zurechtgekommen.

      Es waren Deutsche aus dem praktisch gleichen Land. Ein Land, das wenige Jahre getrennt war. Wenn du das nicht sehen willst, kann ich dir auch nicht helfen. Wenn Nordkorea je einmal kollabiert, sollten die Nordkoreaner wohl überwiegend auch nach Deutschland kommen und nicht etwa nach Südkorea. Das würde gut zum aktuellen deutschen Verhalten passen.

      Saudi-Arabien hat keine Grenze zu Syrien

      Das musst du mir nicht sagen. Die Strecke von Syrien ins reiche Saudi-Arabien ist extrem kurz, kein Vergleich zur Strecke nach Deutschland und trotzdem gehen die Syrier nicht dorthin. Deutschland hat in den letzten 1-2 Jahren noch einmal massiv Pull-Faktoren aufgebaut und ist damit einer der Hauptverantwortlichen für diese neue Massenwanderung. Der Ruf nach einer Umverteilung innerhalb der EU ist Heuchelei. Deutschland hat das Problem zu großen Teilen selbst ausgelöst, jetzt ist es nur konsequent, dass Osteuropa die Reisenden nach Deutschland durchwinkt.

      Ich habe z.B. mit einem iranischen Anwalt oder einem syrischen Schriftsteller auf Anhieb mehr gemeinsam als mit den meisten Menschen aus meinem Heimatdorf in Bayern.

      Das Gefühl kenne ich. Mein Freundeskreis besteht überwiegend aus nicht aus Deutschen und nicht aus Amerikanern. In meinem Umfeld kritisieren Deutsche die Masseneinwanderung bis-her eher wenig. Vielleicht trauen sich mir gegenüber auch nicht, ich weiß es nicht. Jedenfalls sind es in meinem Umfeld vor allem regulär eingewanderte Migranten, die die aktuelle Politik kritisieren. Namentlich ein Kollege aus Syrien und eine Kollegin aus Rumänien.

      So weit wie die beiden würde ich nicht unbedingt in allen Bereichen gehen, aber wir stellen alle drei fest, dass die meisten deutschen Politiker und die meisten deutschen Medien aktuell prak-tisch nur die positiven Seiten dieser mittlerweile mehr oder weniger unregulierten Massenein-wanderung herausstellen, während negative Aspekte nicht diskutiert werden und laut gewissen Leuten auch erst gar nicht diskutiert werden dürfen.

      Man bekommt an dieser Stelle den Eindruck Deutschland neigt zu Extremen. Zum einen war da die relativ kurze Nazi-Herrschaft, in der ein extremer und mörderischer Nationalismus ver-treten wurde. Zum anderen haben wir heute das neue Deutschland, das „gute“ Deutschland, dass die meisten Politikfelder einseitig und mit einer kindlichen Naivität beackert, so dass
      das Herzen überbetont und zumindest die rechtspolitischen Ansichten des Gehirnes ausge-schaltet werden. Mir persönlich macht diese Entwicklung sorgen. Ich kann allerdings auch nicht sagen wie diese Geschichte endet. Mein Bauch und mein Gehirn sind skeptisch.

    • Andreas Moser schreibt:

      Mein Hirn hat keine rechten Ansichten, und mein Herz mischt sich in politische Diskussionen gar nicht ein, sondern beschränkt sich auf das Pumpen von Blut, das allerdings mit beeindruckender Zuverlässigkeit.

    • American Viewer schreibt:

      Der durch und durch rationale Mensch ohne falsche Gedanken. Ich glaube, so sehen sich auch die meisten deutschen Politikern. Das ist Hybris.

    • Andreas Moser schreibt:

      Nein, weil „anders“ nicht gleich „falsch“ ist.

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