„Das Tal des Himmels“ von John Steinbeck

Wie wenn ich geahnt hätte, wie schön es in Venta Micena werden würde, nahm ich ein Buch über ein ähnlich schönes Tal für die Lektüre mit nach Andalusien: Das Tal des Himmels von John Steinbeck.

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In diesem frühen Werk, veröffentlicht 1932, zeigte Steinbeck schon viele der Fähigkeiten, die zu großen Werken wie Früchte des ZornsVon Mäusen und Menschen oder Tortilla Flat und schließlich zum Nobelpreis für Literatur führten. Es besteht aus zwölf Kurzgeschichten, die durch wiederkehrende Charaktere lose miteinander verbunden sind, aber die stärkste Verbindung stellt ein gemeinsamer Ort dar: ein Tal in Kalifornien, dessen Schönheit niemand bestreiten könnte und das die eigentliche Hauptperson des Buches ist.

Die Protagonisten sind überwiegend normale Menschen, Landwirte, Ladenbesitzer, Hausfrauen, Lehrer, die meisten von ihnen ganz nett, und auf jeden Fall einprägsam. Steinbeck benötigt nur einen Absatz oder ein paar Sätze über etwas, das sie tun, das sie sagen oder auch, was sie nicht sagen, um die Charaktere zum Leben zu erwecken.

186369Wie bei den meisten Büchern von Steinbeck gibt es nicht immer ein gutes Ende, aber es ist weit weniger herzzerreißend als manche seiner späteren Werke. Und auch wenn eine Geschichte traurig oder melancholisch endet, wird dies überschattet von der Bewunderung für die wunderbare Erzählweise. Als ich auf der Veranda saß, schloß ich das Buch nach einem jeden Kapitel, weil ich über die Menschen nachdenken wollte, deren Leben mir präsentiert worden waren. Bei allen von ihnen verspürte ich den Wunsch, sie persönlich kennenzulernen. Sogar die Menschen mit negativen Charakterzügen, wie der Bauer, der ständig mit seinem Reichtum angibt, führen nicht zur Ablehnung, eher verspürt man Mitleid.

Vielleicht sind die einzelnen Schicksale weniger wichtig, denn das Tal war immer noch da, im Buch und im echten Leben, und das Tal würde weiter für die Menschen sorgen.

Mein persönlicher Lieblingscharakter ist Junius Maltby.

Die Leute im Tal erzählten sich viele Geschichten über Junius. Manchmal verabscheuten sie ihn mit dem merkwürdigen Hass, den fleissige Leute für faule empfinden, und manchmal beneideten sie ihn wegen seiner Sorglosigkeit; oft aber hatten sie Mitleid mit ihm, weil er so planlos in den Tag hineinlebte. Niemandem im Tal fiel auf, dass er glücklich war.

Andreas Moser Western poster

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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