Vielen wissen das nicht, aber die praktischen Plattenbauten wurden deshalb erfunden, weil man in der DDR beim Umzug die eigenen vier Wände mitnehmen musste. Die Inneneinrichtung hingegen konnte in der Wohnung verbleiben, weil landesweit sowieso jeder das gleiche Sofa und die gleiche Küche hatte.

Aber die Wände mussten jedes Mal mit in die Umzugskartons, weil darin die personalisierte Überwachungseinrichtung („Wanzen“) installiert war.
In diesem Zusammenhang kamen viele DDR-Bürger unschuldig in den Knast, wenn sie ihre Wohnungen über AirBnB an Touristen vermieteten. Die von den Ausländern durchgeführten Konspirationen wurden dann nämlich den unwissenden Wohnungseigentümern zugerechnet. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum auch heute noch im Beitrittsgebiet eine leicht erhöhte Skepsis gegenüber Fremden besteht.
Solche Missverständnisse hätten sich mit einem guten Rechtsanwalt leicht aufklären lassen, aber in der gesamten DDR gab es nur etwa 600 Anwälte. Viel zu wenige!
Immerhin, letzteres Problem ist mittlerweile behoben.
Grins, sagt ein Plattenbau Insider aus der Wohnung Block10/618: In Halle-Neustadt entstand das größte Wohnhaus der DDR, der 380 m lange „Block 10“. Nach weiterem Ausbau des Viertels erhielt er die Blocknummern 618 bis 621. In nur 6 Monaten Bauzeit wuchsen aus 23.000 Plattenelementen 320 Mehrzimmer- und 536 Einraumwohnungen empor. Zu damaliger Zeit war das außergewöhnlich. Vom Design her war DDR Plattebau unterste Schublade. Das mit der Küche stimmt bei Leipzig P2 Wohnungen. Die Sofas der DDR waren weniger umbaute Luft als im Westen. Sie waren ein wenig lauter beim Poppen, aber ziemlich haltbar. Abhören durch die Stasi war ein Problem, die DDR Bürger hatten kaum Telefon. Per Funk abhören mit Wanze war teuer, die musste die Stasi importieren. So oder so wird der Plattenbau mit die Zukunft bestimmen. Wie das geht, kann man in China bewundern. So mager vom Design her wie in der DDR aber auch cool mit integrierter Begrünung, integrierten cleveren Wohn- und Sozialstrukturen, sowie schneller und billiger als in Deutschland. (https://www.facebook.com/groups/464462906978397/permalink/8730342070390398/?)
Ich bin ein großer Fan des Plattenbaus!
Seit ich vor vielen Jahren in Vilnius in so einem Viertel gewohnt habe, weiß ich, wie gemütlich die Wohnungen innen sind, wie schön begrünt die Zwischenflächen sind, und vor allem, dass bei der Planung des Wohnviertels auch schon an Straßenbahnanbindung, Poliklinik, Postamt, Bäckerei und Bibliothek gedacht wurde.
Die Lebensqualität in diesen Vierteln ist viel höher als in langweiligen Neubausiedlungen, wo zwar jeder einen Garten hat, aber wo man ohne Auto nichts zum Essen bekommt.
Ich persönlich finde Plattenbauviertel auch optisch ansprechend, ja im Winter richtig romantisch: https://andreas-moser.blog/2023/12/24/schnee-yorck/
Und ich weiß nicht, ob die Sofas überall die gleichen waren, aber in Rumänien hatte ich so alte Sofas aus der Zeit vor 1990, die sich mit einem Handgriff in ein Bett umklappen ließen. Die waren super bequem und stylish!
https://www.acpresse.fr/raymond-camus-pape-prefabrication-lourde/
Dies war das Fertigbausystem was auf Deinem Foto abgebildet ist , das sogenannte Camus Dietsch system das auch unter Lizenz in Russland hergestellt wurde . ( Fertigbaufassade mit Glasmosaikaussenfertigung ) .
Dietsch war saarlaendischer Abstammung , aber in Forbach und spaeter in Saargemünd taetig
So langsam scheinen es die Baustrategen im vereinten Deutschland im Jahre ´24 auch zu verstehen, dass man auf diese Weise flott Wohnraum schaffen kann. Muss ja heute auch nicht mehr so „plattig“ aussehen wie damals … gibts ja auch schon in schick … , aber würde noch ein weiteres Problem lösen …
Ein weiterer Vorteil, wenn alle Wohnungen gleich geschnitten sind, ist, dass man beim Umzug alle Möbel mitnehmen kann.
Wobei ich es noch sinnvoller fände, wenn die Möbel beim Umzug einfach in der Wohnung bleiben und man nur ein paar Klamotten und Bücher mitnimmt.
Ich habe noch nie kapiert, warum jemand Kühlschrank und Waschmaschine abbaut, herumschleppt, teure Umzugsunternehmen bezahlt, nur damit der Nachmieter wieder einen Kühlschrank und eine Waschmaschine – mit ebensolchen Mühen und Kosten – in die Wohnung schleppt.
In Chemnitz hatte ich zB einen super coolen Vormieter, der mir nicht nur die Küche, sondern sogar die Teller, die Pfannen und ein paar Flaschen Alkohol daließ. Und noch einen Großteil seiner Bücher.
Ich hoffe, ich finde auch mal einen Nachmieter, der das alles gerne (natürlich kostenlos) übernimmt.
Ich rufe immer Erstaunen hervor wenn ich sage in spätestens 10 Jahren will ich zurück nach Halle – Neustadt. Ich hab hier ein Buch über die Planung dieser Stadt. Total durchdacht und was sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat sind Pappeln und Skulpturen. Kunst im Raum. Ich finde auch dass Plattenbausten ihre eigene Melancholie haben. Im Film Dekalog finde ich diese Athmosphäre eingefangen.
Ich wohne in Chemnitz-Yorckgebiet, ebenfalls ein Plattenbauviertel, wenn auch nicht so groß und bekannt wie Ha-Neu.
Und ich finde es wunderbar! Wie du sagst, gut durchdacht angelegt, mit viel Grünflächen, Freiräumen und öffentlichen Räumen. Und die in den 1970er Jahren angepflanzten Bäume sind jetzt alle riesengroß. Hier ist mehr Grün und Natur als auf so manchem Dorf.
Man kann das auch nicht als (N)ostalgie abtun, denn ich bin ja aus dem Westen und habe erst in meinen 30ern zum ersten Mal (in Vilnius) in so einem Viertel gewohnt.
Das mit der Melancholie stimmt, vor allem im Herbst/Winter, aber es ist irgendwie eine wohlig-warme Melancholie.
Selbst an grauen Tagen gehe ich hier gerne Spazieren und finde es irgendwie schön. (Viel deprimierender finde ich diese Neubausiedlungen mit den ganzen gleichen Würfelhäusern, die jetzt überall gebaut werden.)