Rallye Dakar in Argentinien und Bolivien

Mein Timing ist schlecht: Ich ziehe nach Bolivien, um Ruhe und Entspannung zu finden, und schon brummt und dröhnt die Rallye Dakar vorbei.

Die bekannte Wüstenrallye, die Paris aus dem Namen gestrichen hat, nennt sich noch immer Rallye Dakar, obwohl sie 2007 zum letzten Mal die Hauptstadt Senegals anfuhr. 2009 zog die Rallye nach Südamerika um.

In diesen Tagen düsen die Autos, Motorräder, Lastwagen und Quads durch Argentinien. Ab dem 7. Januar 2016 sind sie für ein paar Tage in Bolivien, um den Salzsee von Uyuni zu (zer)stören.

Dakar 2016 map

Ein paar Wochen, nachdem sich die Welt in Paris auf den weitgehenden Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geeinigt hat, werden hier aus Jux und Tollerei Benzin und Diesel verbrannt und die Luft verpestet. Jeglicher Optimismus, den man nach der Vereinbarung von Paris haben hätte können (ich hatte keinen), verflüchtigt sich in den Staubwolken, die die PS-Boliden aufwirbeln.

Die direkten Auswirkungen auf die Umwelt und auf archäologische Schätze sind nicht besser. Aber Evo Morales, der sonst im ganzen Land Poster mit dem Motto „Im Einklang mit der Natur zu leben bedeutet ein gutes Leben“ aufhängt, findet dass die Rallye eine gute Werbung für Bolivien sei. Abgesehen davon, dass der Salzsee von Uyuni der letzte Ort in Bolivien ist, der noch der Reklame bedürfte, wäre das Geld besser angelegt, wenn man damit einem Reiseblogger ein Jahr lang den Aufenthalt in Bolivien finanziert, und dieser regelmäßig über Land und Leute berichtet. Zufällig stehe ich zur Verfügung.

Stattdessen läßt sich Bolivien von dem Sportunternehmen ASO das Geld aus der Tasche ziehen und setzt sogar das Militär für Logistik und die Sicherung der Strecke ein. Praktischerweise erstickt die Anwesenheit der Armee auch gleich jegliche Proteste, die sich sonst vielleicht gezeigt hätten, im Keim.

Mein größter Kritikpunkt an der Rallye Dakar ist, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Mordsspektakel ist. Den Tod der Fahrer kann man noch als deren eigenes Risiko verbuchen. Aber in den 37 Jahren ihres Bestehens hat die Rallye insgesamt 65 Todesopfer gefordert. Darunter waren mehr Journalisten als auf das Konto so einiger Terrororganisationen gehen, und etliche Kinder, die halt mal über die Straße laufen, vielleicht weil sie gar niemand gewarnt hatte, dass dieser tödliche Zirkus durch ihr Dorf zieht.

Nani Roma of Spain and co-pilot celebrate winning the car title of the South American edition of the Dakar Rally 2014 in Valparaiso

„Tut uns leid wegen all der Toten. Aber es war ein Riesenspaß!“

Auch das diesjährige Rennen begann traditionsgemäß mit einer Fahrerin, die ein Dutzend Zuschauer niedermähte.

Wenn ich so fahren würde, käme ich (hoffentlich) vor Gericht. Nicht so bei der Rallye Dakar, deren Teilnehmer anscheinend rechtliche Immunität genießen.

(To the English version.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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2 Antworten zu Rallye Dakar in Argentinien und Bolivien

  1. Pingback: Dakar Rally in Argentina and Bolivia | The Happy Hermit

  2. Dirk schreibt:

    Danke für die treffende Analyse, habe auch aus anderen Quellen schon gehört, dass das „Pachamama“-Gerede des vorgeblichen Indigena-Präsidenten recht inkonsistent ist. Naja, wenn einer schon die selbst gestrickte Verfassung per Plebiszit ändern will, um -wahrscheinlich unbegrenzt– wiedergewählt werden zu können… Chavez lässt grüßen! Hast Du dich schon um die Stelle des Stadtschreibers von Sucre beworben? Suerte Amigo, que te vaya Bien!!

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