Wir sitzen am Fluss, und das Mädchen rückt ein bisschen näher, als sie das lange Schweigen unterbricht:
“Andreas, ist das nicht ein wundervoller Sonnenuntergang? Ich bin so froh, dass wir hierher gekommen sind, um diesen Moment gemeinsam zu genießen.”
Wir starren beide weiter in die Ferne, wobei wir wahrscheinlich nicht ganz unähnliche Gedanken und Hoffnungen hegen.
Aber dann kann ich einfach nicht widerstehen:
“Schatz, das ist kein Sonnenuntergang. Die Sonne geht nicht unter, und sie geht nicht auf. Wir sind diejenigen, die sich bewegen, während unser Planet um die Sonne kreist und sich um die eigene Achse dreht. Das erweckt den Eindruck, als ob sich die Sonne bewege, obwohl sie der einzige Fixpunkt in unserem Sonnensystem ist.”
Eine weitere Pause, bevor ich – vielleicht mit zu viel Überheblichkeit in der Stimme – hinzufüge:
“Aber ich dachte, das sei allgemein bekannt.”
Ein paar Sekunden verstreichen, dann blickt sie mich mit traurigen Augen an, steht auf und geht wortlos weg. Ich habe sie nie wieder gesehen.
Diese verdammten Sonnenuntergänge machen wirklich alles kaputt.
Links:
Pingback: Why I never get a second date | The Happy Hermit
Vor Sonnenaufgang waere „das Maedchen“ vielleicht geblieben.
Irgend etwas mache ich immer falsch.
Du Depp 😀 m-(
Als Blogger denke ich: besser eine gute Geschichte als ein „happy end“.
Dass die Sonne der „einzige Fixpunkt des Sonnensystems“ ist, kann man natürlich schreiben, es ist aber auch irgendwie ein bisschen tautologisch bzw. redundant.
„Fixpunkt“ ist vielleicht nicht immer glücklich im Hinblick auf die Sonne. Es kommt letztendlich auch auf den Standpunkt des Betrachters an.
Soweit ich die Gravitation verstanden bzw. nicht verstanden habe, wissen wir bis heute nicht einmal warum wir eigentlich um die Sonne kreisen.
Über das eigene Sonnensystem wollte ich gar nicht hinausgehen, auch weil das zugegeben meinen Horizont übersteigt. Ich kann darüber lesen, so oft ich will, aber diese riesigen Entfernungen, Zeiten und physikalischen Kräfte kann ich mir einfach nicht vorstellen. Das gleiche gilt übrigens für winzig kleine Teilchen.
Vielleicht ist mein Abstraktionsvermögen nicht ausreichend, um Dinge wirklich zu verstehen, die ich nicht sehen kann. Andererseits habe ich das juristische Abstraktionsprinzip sofort verstanden.
Armer einsamer Mann
Ja, sehr traurig das Ganze. 😦
Pingback: Es könnte alles so einfach sein – oder morgen
Pingback: Flaute am Flughafen | Der reisende Reporter