Die Hohenzollern geben auf

Das waren harte Monate für die deutschen Fürstenhäuser.

Zuerst wurde Heinrich XIII. Prinz Reuß verhaftet, vorgeführt und weggesperrt, obwohl er doch so gerne König, Kaiser oder Reichspräsident geworden wäre.

Weil er bei der Festnahme eine FFP2-Maske trug, verscherzte sich das fast zukünftige Staatsoberhaupt sogleich die Sympathien mindestens der Hälfte seiner Unterstützer, die nicht an Viren glauben, den Gesundheitsminister ermorden wollen und in allen Stoffen außer Tweed (nur echt, wenn von unterdrückten schottischen Leibeigenen gewebt) eine Freiheitsbeschränkung sehen. Deshalb gab es bisher wohl keinen Versuch der „Patriotischen Union“, ihren Vorzeige-Clown aus dem Gefängnis freizubomben.

Auf diesem Blog findet Ihr natürlich alle Hintergründe zu den Reichsbürgern. Wie immer sachlich fundiert, vollkommen objektiv und total neutral. Denn mit der deutschen Geschichte macht man keine Witze.

Und jetzt hat Georg Friedrich Prinz von Preußen, Clan-Chef der Hohenzollern-Bande, klein beigeben müssen. Rechtzeitig vor dem auf den 13. und 14. Juni 2023 anberaumten Gerichtstermin beim Verwaltungsgericht Potsdam, für den ich mir schon extra freigenommen hatte, hat der von seinem Naturell (oder vom BWL-Studium her) eigentlich eher geldgeile Prinz erklärt, auf millionschwere Forderungen gegen ostdeutsche Bundesländer zu verzichten.

Man verzichtet aber halt auch leichter, wenn die entscheidende Frage die ist, ob die Vorfahren mit den Nazis unter einer Decke gesteckt haben und eben jene Vorfahren ganz freiwillig, offen, regelmäßig, dauerhaft und lautstark in die Nazi-Kiste gehüpft waren. So ein Pech, dass es damals schon Fotos und Zeitungen gab.

Auch zu dem Hohenzollern-Nazi-Entschädigungskomplex, der wirklich ein bisschen kompliziert ist, gibt es auf diesem wunderbaren Blog einen sachlich-objektiven, historisch und juristisch fundierten Erklär-Artikel. Letzteres ist auch besser so, denn andernfalls wird man ziemlich schnell verklagt.

Aber auch damit soll jetzt Schluss sein, hat der Prinz von Preußen versprochen. Anscheinend ist sogar das Geld für Anwälte knapp, was mir als Jurist natürlich besonders leid tut. Denn wenn man schon bei den Juristen sparen muss, tja, dann wird Preußen niemals auferstehen. (Wenn Euch der verarmte Adel so richtig leid tut, könnt Ihr zur Feier des Tages ein Hohenzollern-Bier bestellen. Freibier gibt es leider keines, wir sind ja nicht in Bayern.)

Ach ja, zu den beiden Komplexen, Reichsbürger und Hohenzollern, gibt es auch jeweils einen Podcast, zu finden unter den angegeben Links.

Lang lebe die Republik!

Jetzt müssten nur noch die Kirchen nachziehen.

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About Andreas Moser

I am a lawyer in Germany, with a focus on international family law, migration and citizenship law, as well as constitutional law. My other interests include long walks, train rides, hitchhiking, history, and writing stories.
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11 Responses to Die Hohenzollern geben auf

  1. Avatar von festus festus sagt:

    Die erste Meldung im WDR2 (Radio-Autofahrer-Welle) klang tatsächlich, als würde Georg Friedrich aus eigener Einsicht freiwillig auf das Geld verzichten. Ich hätte beim im tiefsten Herzen kölschen WDR eigentlich keine Preußen-Sympathisanten erwartet.

  2. Avatar von hanselmar hanselmar sagt:

    Heinrich der XIII wird in nachster Zeit wohl nicht Kaiser werden. Er ist ein Verrater der Leute die immer schon wussten dass die Covid-19 Viren eine reine Erfindung der Kolonialregierung sind. Ein echter Monarch tragt nun mal keine Maske gegen nicht existierende Viren. Er hatte vielmehr eine Kaiserkrone tragen mussen obwohl er nicht Wilhelm heisst.

    Georg Friedrich dagegen ist ein Mann den man in der englischen Sprache wohl als Smartarse bezeichnen wurde. Er versucht der offentlichen Meinung Glauben zu machen dass der Klugere nach gibt. Er macht uberhaupt einen uberzeugenden Eindruck. Wenn man ihn fragen wurde ob Deutschland wieder eine Monarchie werden solle wird er wahrscheinlich antworten er sei seit jeher ein uberzeugter Republikaner.

    • Die Leute hätten aber auch ahnen können, dass die Nummer XIII nur Unglück bringen kann.
      Vor allem, wo sie doch die AfD-Astrologin und -Esoterikerin Ruth Leiding im Team hatten. In dem geplanten Kabinett war sie als Sonderbeauftragte für Spiritualität vorgesehen.

    • Aber bei der Monarchie-Frage lavieren sich die Hohenzollern immer gerne so durch.
      Ein klares Bekenntnis zur Republik sieht anders aus, als sich noch immer mit „Königliche Hoheit“ zu bezeichnen. Und wenn er danach gefragt wird, antwortet Georg Friedrich doch eher ausweichend.

      Zum Beispiel hier ab Minute 4:12:

      Aber das war bevor die Hohenzollern-Nazi-Geschichte hochkochte. Ich denke, jetzt müssten selbst die Prinzessinnen und Prinzen gemerkt haben, dass dieser Zug abgefahren ist.
      So wie 1918 der kaiserliche Zug mit etwa 50 Waggons voller Gold und Gemälden, das Wilhelm II. in einem letzten Akt noch seinem Volk entwendete.

  3. Pingback: Fastenzeit: Wann verzichten die Kirchen? | Der reisende Reporter

  4. Avatar von Siewurdengelesen Siewurdengelesen sagt:

    Lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch Die Hohenzollern und die Nazis von Stephan Malinowski, welches u.a. die Frage behandelt, ob die Hohenzollern in dieser Zeit dem Regime Vorschub geleistet haben oder eher Verfolgte oder gar im Widerstand waren. Malinowskis Expertise hat auch in der Frage des Entschädigens der Hohenzollern zum Entscheiden beigetragen.

    Subjektiv kann ich mir vorstellen, dass die Familie nach wie vor nicht so richtig weg sein dürfte von Adel und Herrschaftsansprüchen. Das lässt ja auch dieser Versuch geltend gemachter Ansprüche wieder durchscheinen.

  5. Avatar von Siewurdengelesen Siewurdengelesen sagt:

    „Ich muss gestehen, ich fand das Buch von Stephan Malinowski zwar detailreich, aber konfus und nur schwer lesbar.“

    Fand ich jetzt nicht so schlimm. Da kommt vermutlich der Historiker durch und m.E. hat er so geschieben, wie es ihm eingefallen ist. Es sind sicher ziemliche Sprünge enthalten und Malinowski einigt sich nicht so wirklich auf eine Zeit- oder Ortslinie. Das durch die Hohenzollern erzeugte falsche und immer wieder dezent umgedeutete Bild des Verhältnisses zu den Nazis zerlegt er mit unterschwelligem Humor ganz gut.

    Es ist aus meiner Sicht vielleicht auch deshalb so ein Eiern um den Punkt, weil viele Aussagen immer wieder juristisch überzogen wurde. Wer weiss schon, was da im Urtext stand und dann vorsichtshalber doch nicht geschrieben wurde, um der Klageflut der hohenzollernschen Anwälte zu entgehen.

    Die Buchtipps sind übrigens Salz in die Wunde. So nimmt der Stapel ungelesener Bücher auch nicht ab;-)

    • Das ist ein guter Punkt!
      Denn es liest sich teilweise tatsächlich sehr vorsichtig und ausweichend. Viel „man könnte daher zu der Ansicht kommen, dass die Meinung, dass und so weiter nicht aufrecht erhalten werden könnte, wenn man berücksichtigen würde, dass und so weiter“.

      Und besser ein Stapel ungelesener Bücher als zu wenig Bücher!
      (Das ist übrigens meine größte Furcht auf Reisen, dass mir der Lesestoff ausgeht. Meist packe ich dann doch wieder zu viel ein.)

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