Liebe Terroristinnen und Terroristen

Der Unsitte, “Mitbürgerinnen und Mitbürger”, “Studentinnen und Studenten” oder “Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer” zu sagen, konnte ich mich schon aus sprachästhetischen Gründen nie anschließen. Ich fand es auch nicht notwendig, denn ich bin alt genug, um mich an die Zeiten zu erinnen als sich meine Mitschülerinnen bei Ansprachen an die “lieben Schüler” nicht ausgegrenzt fühlten und als man bei der Bezeichung “die Bürger dieses Landes” nicht fragte, ob da nicht versehentlich die Hälfte der Bevölkerung vergessen wurde. Vielleicht denke ich auch schon zu lange oder zu oft auf Englisch.

Was mich aber wundert: Selbst die konsequentesten Vertreter(innen) dieser Sprachverkomplizierung und -verunstaltung wenden die weiblichen Suffixe nur im positiven Zusammenhang an. Noch nie habe ich von “Terroristinnen und Terroristen”, “Kinderschänderinnen und Kinderschändern” oder “Kriegverbrecherinnen und Kriegsverbrechern” gehört.

Wo bleibt denn da die sprachliche Gleichberechtigung?

„Und dabei haben wir uns so für die Gleichberechtigung eingesetzt.“

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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6 Antworten zu Liebe Terroristinnen und Terroristen

  1. löwenzahn schreibt:

    naja, bei diversen linksaußen-publikationen hab ich das schon gesehen.
    beispiel nach 10 sek. google suche: http://atfjena.blogsport.eu/2012/02/06/aufruf-keine-versohnung-mit-deutschland/

    „Deutsche Täter_innen sind keine Opfer!“

    sogar mit gender_gap für transsexuelle, tja…

  2. Paul schreibt:

    Hallo Andreas,
    habe Deinen Block abonniert. In diesem Zusammenhang ist mir dieser schon etwas ältere Artikel verlinkt worden.
    Über diese Einseitigkeit der teilweise idiotischen „Verweiblichung“ habe ich mich auch schon aufgeregt. Das treibt dann bei „man“, was mit einem „Mann“ überhaupt nichts zu tun hat, auch schon mal Stilblüten.
    Der Hinweis von @löwenzahn oder ist das nicht vielleicht sogar eine „löwenzähnin“(?) auf einen unbedeutenden Blog, ist auch völlig daneben.
    Dieser Hinweis hat mich aber angeregt zu fragen, wie man z.B. „Nazi“ verweiblicht. „Nazininnin“ 🙂 ?
    Manche Bezeichnungen lassen sich eben nicht verweiblichen. Aber von dieser Erkenntnis ist der überbordende Feminismus noch weit entfern. Eher wird noch ein Pralleldeutsch erfunden.

  3. Pingback: “Liebe Terroristinnen und Terroristen” | -=daMax=-

  4. Paul schreibt:

    Genau so ist das. Ist mir auch schon aufgefallen und ich habe es an verschiedenen Stellen gerügt. Bisher ohne jede Wirkung.
    Irrsinn muss nur weit genug verbreitet sein, dann wir der zur Normalität.

    Sprachlich wird es besonders abartig, wenn z.B. bei Christen die Mehrzahl gemeint ist und es dann auch noch mit Christinnen gedoppelt wird.

    Besonders idiotisch, wenn man/frau das so schreibt und damit nicht nur mangelndes Sprachverständnis sondern auch völlige grammatische Unwissenheit dokumentiert.

    Herzlich, Paul

    PS: Sehe gerade, Du hast diesen Kommentar noch mal „aufgewärmt“. >Habe dazu bereits einen Kommentar geschrieben. Na, egal: Doppelt hält gut. 🙂

  5. da]v[ax schreibt:

    Wie heiß´t eigentlich ein weiblicher Hooligan? Hooligin? Und von Salafistinnen hört man auch nie! Eine echte Schweinerei 😉

  6. Zwetschgenmann schreibt:

    Sehr richtig…
    Ich vermisse in diesem Zusammenhang die dezidierte Klärung, wann endlich mal die Bundes- oder Landesregierungen Steuerhinterzieherinnen-CDs kaufen werden.
    Ich suche in der Sprache nach den Falschparkerinnen (oh… bloß jetzt keinen Flachwitz anschließen, dass es von dieser Art ja besonders viele gibt) und frage mich, wann diese endlich in Flensburg in der Verkehrssünderinnendatei erfasst werden.

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