Eine Postkarte aus Schiras

Vor der Schah-Tscheragh-Moschee hält mich ein Wächter auf: “Sind Sie Muslim?”

Wahrheitsgemäß verneine ich.

“Ich bedaure, mein Herr, aber heute ist nur für Muslime geöffnet”, erklärt er unter Verweis auf das Aschura-Fest. Hilfsbereit fügt er hinzu, dass morgen für alle geöffnet sei.

Doch heute ist mein letzter Tag in Schiras, früh am nächsten Morgen geht der Flug nach Teheran. Schade, die Moschee mit einem Mosaik aus Millionen Spiegelscherben soll eine der schönsten im Iran sein.

Der Wächter gibt mir den Rat, doch einfach in zehn Minuten wieder zu kommen. Verdutzt wandere ich um den Block. Hat er dann etwa seine Mittagspause?

Nein, er ist noch da. Mit breitem Grinsen fragt er: “Und, sind Sie jetzt Muslim?”

Ich lächle anerkennend über seiner Raffinesse und antworte: “Allahu akbar.“

Mit einer einladenden Handbewegung bittet er mich in die Moschee.

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About Andreas Moser

I am a lawyer in Germany, with a focus on international family law, migration and citizenship law, as well as constitutional law. My other interests include long walks, train rides, hitchhiking, history, and writing stories.
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5 Responses to Eine Postkarte aus Schiras

  1. Avatar von Fritz Friedl Fritz Friedl sagt:

    Sehr schön!
    Netter Wächter!
    Alles Gute für 2021!

  2. Gott ist groß, mit Glück auch seine Diener 😉

  3. Avatar von Stephan Pernau Stephan Pernau sagt:

    “Allahu akbar“ du darfst, ja aber wehe „Allahu Abha“ sagen. Alláh-u-Abhá ist der Gruss der grössten religiösen Minderheit im Iran, der Baha’i. Sie lehnt Priesterkasten ab, kämpft für Gleichberechtigung und höchste ethische Standards, weltweit. Dazu zählt, immer zu den eigenen Prinzipien stehen, auch wenn man Nachteile deshalb erduldet. Das Regime hat Baha’i-Frauen mit dem Tod bestraft, auch Jugendliche, weil sie Kinderklassen unterrichtet haben in diesen Tugenden. Ein gutes Video aus den 1980er erklärt wie es zu einem Popsong kam zur Thematik. https://www.youtube.com/watch?v=dppZcFn-Ybo

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