Minimalismus lernen von den Kleinen

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Eben habe ich ein Haus-und Hasen-Sitting für eine Familie begonnen, die für drei Monate nach Tansania fliegt, um dort in einem Krankenhaus zu arbeiten.

Nachdem die fünfköpfige Familie für ein Vierteljahr sieben Koffer – davon zwei mit Sachspenden für die Menschen in Liuli – gepackt hatte, stand die etwa 10-jährige Tochter nachdenklich davor und sagte: „Krass. Da ist jetzt alles drin, was wir zum Leben brauchen“, wobei Stofftiere und Schulsachen schon mit eingerechnet waren.

„Und unsere Schränke sind noch immer voll“, fuhr sie fort. „Eigentlich brauchen wir das alles gar nicht.“

Nur ein Symbolbild. Das ist NICHT das hiesige Haus.

Das waren weisere Worte als in so manchem blöden Minimalismus-Film.

Richtigen Minimalismus lernt man eben erst auf Reisen. Je öfter man den Rucksack aus- und einpackt und mühsam die steilen Stufen zur Jugendherberge in der Burg hochschleppt, umso deutlicher wird einem, dass Eigentum und Besitz eher belastend denn befreiend wirken.

Aber auch ich habe noch einen Schwachpunkt, Ge- und Bedrucktes betreffend.

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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8 Antworten zu Minimalismus lernen von den Kleinen

  1. Siewurdengelesen schreibt:

    Das mit den Büchern kenne ich.

    Und nee – da gibt es auch kein Bild;-)

  2. evaschong schreibt:

    Ohne Kram isses auch doof. Zumindest für mich. Klar haben wir (und das ist nur ein! winziges! Beispiel) viel zu viele Tassen & Teller. Aber welche sollte ich entsorgen und welche nicht? Und warum Tassen entsorgen, die völlig ok sind? Bzw. im Sinne der Nachhaltigkeit: wohin damit? Die will ganz sicher keiner. Bzw. was wird global mit den Arbeitsplätzen der Tassenhersteller, weil keiner mehr Tassen kauft, weil alle ihre überflüssigen Tassen einfach weitergeben? Fragen über Fragen. Die sich mir allerdings bei Büchern gar nicht erst stellen würden. Die bleiben. Punkt.

    • Andreas Moser schreibt:

      Man hört doch immer von den Leuten, die nicht genug Tassen im Schrank haben.? Die würden sich vielleicht freuen!
      Okay, Ende der Kalauerei.

      Der Tassen- und Tellervorrat in Privathaushalten ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich finde, dass man die Produktion der meisten Konsumgüter für ein paar Jahre einstellen könnte, wenn nur die vorhandenen Exemplare fairer verteilt würden. Das muss nicht zu Enteignungen führen, sondern könnte zB den Weg über Flohmärkte finden, wo sich dann – so meine blumige Vorstellung – die bisher Tassenlosen mit den Tassenüberbesitzern im freundlichen Plausch unterhalten und lebenslange Freundschaften schließen, die die bisherigen Grenzen und Schranken der Klassengesellschaft überwinden.

      Klar, das mit den Arbeitsplätzen ist ein Punkt. Aber damit könnte man auch für Einwegtassen argumentieren. Und insgesamt wäre es doch besser, wenn für den Porzellanabbau keine Bergkuppen mehr weggesprengt und keine Porzellanarbeiter im Bergwerk verschüttet würden.

      Meine Vision ist ja die, dass jeder weniger konsumiert, so dass jeder weniger arbeiten muss, weil er/sie weniger ausgibt. Also macht es auch nichts, wenn weniger produziert wird.
      Man tauscht praktisch Geld gegen Zeit und sitzt halt ein oder zwei Tage pro Woche mehr am See oder in der Bibliothek. Oder schreibt Gedichte oder lernt Spanisch. Alles Aktivitäten, die kaum etwas kosten, aber viel mehr Vergnügen, Gewinn und Weisheit bringen als das Akkumulieren von Tassen und Tellern.

      Alternativ könnten die bisherigen Tassenfabrikarbeiter in der Plankommission zur Bestimmung der gerechten Anzahl von Haushaltsutensilien arbeiten und anhand von Familiengröße, Verwandtschaftsgröße, Alter aller Beteiligten und durchschnittlichen Spülzeiten sowie den erfahrungsgemäß pro Jahr zerbrochenen Tellern die genehmigte Anzahl von Tellern pro Haushalt errechnen.

      Ich war einmal Housesitting bei einem slowenisch-moldauischen Paar in München, die hatten zu zweit drei Teller, eine Pfanne und einen Topf. Sie waren sehr glücklich.

      Aber Eure Bücher- und Filmsammlung finde ich persönlich schon sehr sympathisch!

  3. Anke schreibt:

    Ich würde gern „aus dem Koffer“ leben, das finde ich sehr übersichtlich und befreiend.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich finde das auch sehr befreiend. Man muss nicht lange suchen. Man muss sich nicht zwischen zwei verschiedenen Hosen entscheiden. Und vor allem muss man sich keine Sorgen machen, was man alles durch Feuer, Flut oder Diebstahl verlieren kann.

      Und es macht innerlich unabhängiger, wenn man weiß, dass man in einer Stunde seinen Rucksack oder Koffr gepackt hat und weiterziehen kann, wenn einen der Chef nervt.

    • Anke schreibt:

      Richtig. Einfach, übersichtlich, praktisch. Das Leben ist zu kurz, um sich stundenlang zwischen verschiedenen Hosen (oder Röcken) entscheiden zu müssen. 😉

  4. Pingback: Learning Minimalism from the Kids | The Happy Hermit

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