„Müll“ von Wolf Haas

Vor kurzem habe ich den Wolf Haas entdeckt. Aber das habe ich schon erzählt.

Wobei „Entdecken“ eigentlich ein viel zu aktives Verb dafür ist, dass man bis dahin halt keine Ahnung von etwas gehabt hat. Es nervt mich immer, wenn die Seefahrer so großspurig tun, von wegen „Amerika entdeckt“, „Australien entdeckt“, „Osterinsel entdeckt“. Das ganze Konzept hat auch etwas Rassistisches, findet Ihr nicht? Wenn der erste Weiße nach Australien kommt, ist er der große Entdecker. Aber ich möchte mal sehen, was die Europäer gesagt hätten, wenn der erste Australier nach Europa gesegelt wäre und getönt hätte: „Ich habe Euch entdeckt und jetzt gehört Ihr mir.“ Die hätten ihn gleich in ein Abschiebezentrum gesteckt.

Penicillin gab es eigentlich auch schon immer. Aber da lasse ich noch mit mir diskutieren, wenn man die Entdeckerleistung auf die praktische Anwendung und Nützlichkeit dieser Substanz bezieht. „Substanz“ ist übrigens ein gutes Wort, wenn man gerade nicht weiß, ob es sich um Bakterien, um Säuren, um Organelle oder um Vitamine handelt. Man könnte natürlich bei Wikipedia nachsehen, aber das ist eine der gefährlichsten Seiten im Internet. Da kommt man immer vom Hundertsten ins Tausendste. Sowas kann ich überhaupt nicht leiden.

Jedenfalls klingt „Substanz“ gescheiter als „Ding“. „Entität“ ist auch so ein praktisches Wort, wenn Ihr nicht wisst, ob eine Region ein unabhängiger Staat ist oder nicht. Oder ob es ein Fürstentum oder eine Teilrepublik ist. So hat man das 1995 im Friedensvertrag von Dayton gelöst. Weil man sich nicht darüber einig werden konnte, wie die Republika Srpska zum Rest des Staates steht oder idealerweise stehen soll, hat man sowohl diese wie auch die Föderation Bosnien und Herzegowina als „Entitäten“ in der Verfassung festgelegt. In Wirklichkeit ist es komplizierter, weil es noch ein paar Exklaven und ein Kondominium gibt. Außerdem mischt der Landwirtschaftsminister von der CSU mit.

Aber jetzt, wo ich auf den Balkan abgeschweift bin, fällt mir ein, dass ich eigentlich über einen Krimi aus Wien erzählen wollte. Denn das ist ja auch irgendwie eine Balkanentität. Zumindest in Ottakring.

Nach der Rezension von „Wackelkontakt“ wurde ich von meiner gebildeten Leserschaft einstimmig darauf hingewiesen, dass die Brenner-Krimis von Wolf Haas erst recht die Lektüre lohnen. Also bin ich in heute die Stadtbibliothek gerannt, wo man merkt, dass Sommerferienzeit ist: Fast alle Krimis waren entliehen.

Das ist ein gutes Zeichen, denn wer Krimis liest, begeht selbst keine Straftaten. Und wenn, dann ist er/sie schön blöd. Denn das erste, was die Kripo nach einem Banküberfall macht, ist natürlich die Nachfrage bei der Stadtbibliothek, wer in letzter Zeit Bücher über Banküberfälle ausgeliehen hat. Überhaupt sind die Gefängnisse zu einem großen Teil nicht deshalb voll, weil die Leute kriminell sind, sondern weil sie doof sind. Und am dämlichsten sind die Leute, die glauben, sie seien besonders schlau. Ehrlich, da könnte ich Geschichten von meinen Mandanten erzählen, wenn ich dürfte. Die rauben eine Tankstelle aus und glauben, sie seien Arsène Lupin, weil sie währenddessen für ein paar Minuten ihr Handy in den Flugmodus schalten.

Es war nur mehr ein Buch da, nämlich „Müll“, das ich flugs ausgecheckt habe, wie man das in der Bibliothekswissenschaft nennt. Bibliothekswissenschaft ist übrigens eine große Ärgerlichkeit, weil deren Absolventen ein Kartell bilden. So hat man als arbeitsloser Historiker, Philosoph oder Literaturwissenschaftler keine Chance mehr auf einen lockeren Job in der Bücherei.

Mit solchen Ausbildungen kann man aber immerhin, und jetzt nähern wir uns langsam der Handlung des Buches, auf dem Mistplatz arbeiten, wie man in Österreich die Wertstoffhöfe nennt. Dort hackelt auch der ehemalige Kieberer, als in den Recyclingwannen Leichenteile entdeckt werden.

Brenner wird natürlich, das ist wahrscheinlich so eine Berufskrankheit, in die Ermittlungen hineingezogen. Weil „Müll“ ein Krimi ist, darf ich nicht viel verraten. Aber es entwickelt sich eine schön verzwickte Geschichte zwischen Abfallwirtschaft und Organhandel, zwischen Wien und dem Chiemsee, zwischen kleinen Bestechungen und home invasion.

Noch wichtiger als die Handlung sind die liebenswürdigen Charaktere, die witzigen Dialoge und vor allem die meisterhaft-lockere, natürlich wirkende Sprache. Wolf Haas schreibt so, wie wenn er mit dem Leser abends am Donaukanal sitzt und eine Geschichte erzählt. (Aus eigener Erfahrung: Steigt schon an der Taborstraße aus der U-Bahn und holt Euch an der Würstelbude am Eck noch eine heiße Käsekrainer und ein paar Bier. Die haben bis mindestens um Mitternacht offen, was während meiner Zeit in Wien an einigen Abenden meine Rettung war. Aber Vorsicht mit der Krainer, wenn Ihr am Kanal sitzt, denn da huschen nachts die Ratten rum.)

Ich bin gleich aus der Bibliothek zu Marx und Engels in den Park gegangen, weil es ausnahmsweise mal unter 30 Grad hatte und man wieder im Freien lesen konnte. Schon nach wenigen Kapiteln war ich hellauf begeistert! Immer wieder musste ich so laut auflachen, dass mich Passanten verwundert-kritisch beäugt haben. In Sachsen ist es nicht so gerne gesehen, wenn man guter Laune ist, zumindest nicht öffentlich. Und wenn man dazu noch ein Buch liest, dann gilt man eh als intellektueller Spinner. In einem Restaurant in Chemnitz, in das ich öfters allein gegangen bin, wurde ich mal gebeten, keine Bücher mehr zum Mittagessen mitzubringen. „Sind wir hier bei den Roten Khmer oder was?“ fragte ich, und da flog ich natürlich gleich raus. Es war ein vietnamesisches Restaurant.

Seither muss ich wieder selbst kochen und lebe sehr ungesund.

Was mich an „Müll“ auch beeindruckt hat, ist das Geschick, mit dem Wolf Haas ernste Themen (Organspende, Scheidung, warum klingeln Paketboten nicht?) anspricht, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Es stecken ein paar Weisheiten und Nachdenklichkeiten in diesem Krimi, die einem aber nicht auf so amateurhaft-aufdringliche Art und Weise vor den Latz geknallt werden wie bei Bernhard Schlink, Ferdinand von Schirach oder Paulo Coelho.

Genauso überschätzt wie der brasilianische Dampfplauderer wird der Dalai Lama. Echt, der nervt mich. Mit hohlen Phrasen und esoterischen Kalendersprüchen erreicht man nichts für Tibet (auch so eine „Entität“). Der aktuelle Dalai Lama hat am 6. Juli Geburtstag, dann werden wieder alle Zeitungen mit seinem Grinsgesicht voll sein. Dabei verschweigen die Mainstream-Medien, dass ich am gleichen Tag ebenfalls Geburtstag habe (genauso wie die Komoren). Ich erwähne das nur, falls jemand von Euch ein paar Brenner-Krimis herumliegen hat. Denn „Müll“ habe ich bereits heute in einem Rutsch ausgelesen, und jetzt gelüstet mich nach mehr.

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About Andreas Moser

I am a lawyer in Germany, with a focus on international family law, migration and citizenship law, as well as constitutional law. My other interests include long walks, train rides, hitchhiking, history, and writing stories.
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27 Responses to „Müll“ von Wolf Haas

  1. Es freut mich sehr, dass du Wolf Haas für dich entdeckt hast. Mit Betonung auf für dich. Sonst müssten wir dich ja einerseits dauerhaft aus Österreich verbannen, und andererseits als Spät-Gekommenen auslachen.

    • Dir noch einmal vielen Dank für die Empfehlung!

      Und ich freue mich eigentlich immer, wenn ich etwas spät entdecke. Denn habe ich noch länger etwas davon. Außerdem hätte ich viele Bücher, Filme, Kunst, ja sogar Reiseziele oder Menschen in jüngeren Jahren gar nicht zu schätzen gewusst. Deshalb ist es schon gut, dass die mir erst jetzt über den Weg laufen.

      Auch für den Autor stelle ich mir das angenehmer vor, wenn seine Bücher nicht nur hypemäßig gelesen werden, sondern zu Longsellern avancieren, die auch Jahre und Jahrzehnte nach Erscheinen noch erfreuen.

      Ich kann mir vorstellen, dass der Wolf Haas in den Wochen nach dem Erscheinen eines neuen Brenner-Krimis gar nicht so begeistert ist, wenn er in der Bim oder in der Westbahn sitzt und jemand sein Buch liest. „Hoffentlich erkennt der mich nicht“, denkt er sich dann und stellt sich angestrengt schlafend. Aber wenn er 17 Jahre später im Zug nach Berlin sitzt und in Elsterwerda jemand in den Zug steigt, der einen alten Brenner-Krimi in der Hand hält und sich damit sichtlich die ganze Fahrt vergnügt, dann freut sich auch der Autor wie ein Schneekönig und weiß, dass es richtig war, den Job bei der Werbeagentur zu schmeißen.

      Blöd ist nur, wenn der Erfolg erst posthum kommt, so wie bei Melville.

    • Avatar von danysobeida danysobeida sagt:

      Quiero comentarte, que también compartes la fecha de cumpleaños con la Ciudad de Córdoba – Argentina, hoy cumple 452 años de fundación, lo acabo de oír en la radio, deberías programar un viaje para allá, de repente te entregan la llave de la ciudad.

      Existen bastantes compatriotas tuyos y decendientes de alemanes allá. No conozco, lo sé a través de mi hermano mayor.

    • Qué bien: otro lugar donde el 6 de julio es un día festivo!

      En Lituania es la fiesta nacional. Estuve ahí el año pasado por mi cumpleaños.

  2. Avatar von danysobeida danysobeida sagt:

    „En Sajonia, no está muy bien visto estar de buen humor, al menos no en público. Y si lees un libro mientras lo haces, de todas formas te consideran un intelectual chiflado“. 😂 

    Y la gente no se marchita de tanto estar seria? Me alegra saber que ríes a carcajadas.

    Así que, compartes día de cumpleaños con el Dalai Lama. A propósito que pases un día especial y bienvenido a los 50.

  3. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Da kann man dich wirklich nur beneiden, dass du noch so viele Haase vor dir hast! Kann es auch nie verstehen, wenn Leute so komisch reagieren von wegen: Was, du kennst xy nicht, wie kannst du durchs Leben gehen? Denn das offenbart doch eher Unkenntnis darüber, wieviel Lesestoff in der Menschheitsgeschichte schon zusammengekommen ist und dass man nunmal auch nicht für alles Zeit haben kann und auch nicht jedem Trend folgen muss. Ich lese auch am liebsten ältere, bereits gut abgehangene Bücher – wenn irgendwo ein Aufkleber „Spiegel Bestseller“ drauf ist, werde ich eher misstrauisch. Es sei denn, es ist ein Haas oder das Buch ist schon 20 Jahre alt, dann geht es langsam wieder … viel Spaß mit Brenner : )

    • Genau, ich finde das auch praktisch-schlau, weil man so abwartet, was sich qualitativ durchsetzt und nicht die ganzen Eintagsfliegen liest.

      Ich freue mich zB immer für Menschen, die den „Zauberberg“ oder „Zwölf Stühle“ noch nicht gelesen haben, denn die haben das Vergnügen noch vor sich. Oder Menschen, die noch keinen Hitchcock-Film gesehen haben.

      Bei Filmen geht es mir nämlich ähnlich. Da verpasst man ja auch oft unabsichtlich etwas, weil der Film nach ein oder zwei Wochen wieder abgesetzt wird.
      Und dann muss man ewig warten, bis er im Fernsehen kommt (und man es rechtzeitig mitbekommt).
      „Das Boot“ habe ich etwa 40 Jahre nach der Veröffentlichung gesehen. Es war trotzdem gut.
      Vor kurzem bin ich auf „Charade“ gestoßen, den ich 1963 anscheinend im Kino verpasst hatte. Ein meisterhafter Film!

  4. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Bei deiner Geschichte von der Roten Khmer musste ich laut lachen. Und nein: Die 50 sind nicht der Beginn des Niedergangs. Da geht es erst richtig los! Aber vielleicht ist das keine gute Nachricht.
    Danke nochmal für deine Zeit in Chemnitz. Der Link funktioniert jetzt.

    Liebe Grüße in die Kulturhauptstadt

    Rolf

    • Du hast Recht:
      Eigentlich möchte ich gar nicht so jung sein, dass man Anspielungen auf politische Entwicklungen der 1970er Jahre nicht mehr versteht.

  5. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Lieber Herr Moser,

    Auch ich gratuliere Ihnen recht herzlich zu Ihrem Geburtstag, und hoffe, Sie hatten auch dieses Jahr eine schöne Geburtstagswanderung!

    50 werden ist nichts schlechtes. Man freue sich und bedenke bei jedem Geburtstag, dass andere Leute früher sterben mussten. Die Welt steht Ihnen noch ziemlich weit offen.

    Letztendlich bleiben wir alle mit unserer kleinen Seele das Kind, das wir von Anfang an schon immer gewesen sind. Nur kann man sich das in jüngeren Jahren nicht vorstellen, dass in den älteren und alten Leuten immer noch dieses Kind drin ist, und deshalb stellt man sich vor, das Leben ab 50  müsste nur noch traurig und uninteressant sein. Dabei kommt es nur darauf an, dieses innere Kind  wenigstens ab und zu mal zum spielen raus zu lassen.

    Alles Gute!

    Maria

    Und noch was zum Geburtstag, falls Sie als Bayer zufällig auch des Schwäbischen mächtig sein sollten:

    • Hallo Maria,

      vielen Dank für die Wünsche!

      Dieses Jahr hatte ich leider nicht einmal Zeit oder Muße zu einer Geburtstagswanderung, geschweige denn einer längeren Reise.
      Stattdessen habe ich mich auch an jenem heiligen Tag mit den familienrechtlichen Problemen meiner Mandanten herumgeschlagen. :/

      Schwäbisch kann ich zumindest verstehen, und es erinnert mich an eine herrliche Zeit, die ich einst im Bottwartal verbracht habe.

  6. Avatar von Siewurdengelesen Siewurdengelesen sagt:

    Naja – der Dalai Lama hat sich ja ohnehin eine ordentliche Messlatte gelegt für sein Alter und hofft, bei jetzt 90 Lenzen noch 130 Jahre alt zu werden. Ob man das wollen will, mag jeder mit sich abklären.

    Dann gratuliere ich Dir ganz herzlich zum halben Jahrhundert;-)

    Mach Dir keine Platte, denn 50 sind nicht der Untergang, sondern nur ein Punkt im Leben, an dem man schon ein wenig auf seine Leistungen und seinen Weg zurück schaut und vom Muss in´s Kann und Will schwenkt. Das hat ja auch sein Gutes und nimmt enorm den Druck raus. Da geht schon noch was…

    Bei Deinen Literaturangeboten bin ich aber froh, dass ich mittlerweile auch (wieder) einen Büchereiausweis habe. Kaufen kann man das nicht alles.

    Viele Grüße

    Thomas

    • Hallo Thomas,

      ja, so ein Bibliotheksausweis lohnt sich wirklich.
      Und mittlerweile sind bei den meisten Büchereien ja auch noch Filmangebote, Online-Zeitungen, Sprachkurse und was weiß ich noch alles dabei.

      Vielen Dank für die Wünsche!

      Wenn der Dalai Lama tatsächlich 130 Jahre alt werden will, ist das ein weiterer Beleg dafür, dass seine Weisheit überschätzt wird.
      Ein Leben nach Jahren zu beurteilen kommt mir genauso oberflächlich vor, wie ein Buch nach Seiten oder einen Film nach Minuten zu bewerten. Lang ist nicht unbedingt besser.
      Ich fand das immer komisch, wenn Leute sagen: „Die 80 will ich noch erleben“, und dann die ganze Zeit nur missmutig herumsitzen.
      Ich würde gerne auf ein paar Jahre verzichten, wenn ich dafür in der Zeit mehr erleben könnte.

    • Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

      Danke für den link! Wer hat dieses fragwürdige Plakat zum Geburtstag des Dalai Lama wohl gestaltet? So viel Heiligkeit auf einem Haufen. Und wer nicht ganz unumstritten heilig war, dem werden noch schnell zwei betende Hände mittels copy und paste angeklebt, siehe Nelson.

      Aber nix gegen den Lama. Er meint es ja gut und was er sagt ist ja nicht falsch. Nur wird es nichts helfen, weil die Bösen allein schon der Logik nach immer gewinnen, denn die sind halt nicht pazifistisch drauf und haben keine Skrupel. Sieht man ja.

      Schönen Gruß,

      Maria

    • Ich bin sowieso ein großer Fan von Lamas:

      Leicht zu verwechseln (37) Lamas

    • Avatar von Siewurdengelesen Siewurdengelesen sagt:

      @Maria

      Wer diese Kunst am Bau verbrochen hat, will ich lieber gar nicht wissen;-)

      Auch der nach außen ach so friedlich wirkende Buddhismus hat wie jede Religion seine Schattenseiten und die Struktur hat teils sektenhafte Züge.

      Mit Selbstkritik und so haben sie es auch nicht so, wie bei allem, was nicht nur als Religion auf Dogmen basiert, die nicht angekratzt oder hinterfragt werden dürfen, selbst wenn es offensichtlich falsch ist. Wir haben da als inzwischen ziemlich nüchtern sein Wollende wie bei vielem, was aus anderen Teilen der Welt kommt, vielleicht auch einen verklärten Blick wegen des Exotischen daran. Das war aber irgendwie schon immer so, denn wie die Hippies usw. hat da jede Zeit ihre Nische, wo der Ausstieg aus dem Hamsterrad gesucht wird und sei es eben als mentaler Sehnsuchtsort in einer für uns scheinbar zu allem kompatible Religion.

      Ein Dalai Lama ist gegen Kriege als Auswüchse unserer Gesellschaft genauso machtlos wie der Papst. Die können Botschaften und Kritiken äußern und nicht viel mehr. Wenn es drauf ankommt, segnen dieselben Religionsführer die Waffen und Soldaten. Tibet als Hauptland dieser Religion und der Buddhismus an sich ist dabei eher noch in der glücklichen Situation, keine „Staatsreligion“ und generell zu klein zu sein, um da zu stark mitzumischen.

      Das Bild sieht für mich aus wie ein sozialistisches Wandplakat – überlebensgroß dargestellte Führer und Halbheilige in leicht debiler Aura, welche die weichen Komponenten betont und eben s.o. die Fehler und Schwächen zudeckt. Da bin ich schon wieder weg, weil das gleich so nach Parteitag aussieht;-)

  7. Avatar von flusskiesel flusskiesel sagt:

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

  8. Vielen herzlichen Dank an Kirsti für den „Knochenmann“!

    Das war gerade eine äußerst freudige Überraschung am Briefkasten.

    • Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

      Die Verfilmung mit Josef Hader gibt’s übrigens bei Filmfriends zu sehen.

    • Vielen Dank für den Tipp!
      Brutal, aber auch brutal lustig.

      Toll finde ich auch, dass der Film so weit vom Buch abweicht, dass er trotz Lektüre noch spannend ist.

  9. Pingback: Besser als selber schreiben – Here you are!

  10. „Müll“ ist wirklich ein Juwel von einem Roman! Ich mag auch sehr die Sprache mit ihrem feinen Humor. Und ja, das ist schon eine Kunst, Organhandel und Scheidung mit Witz zu kombinieren, ohne dass es peinlich wird. Die Brennerkrimis sind eh meine Lieblingslektür, mein liebster ist Brennerova. Nur mal so, falls es dir langweilig wird…

    • Oh ja, „Brennerova“ habe ich auch schon gelesen.
      Und gerade „Komm, süßer Tod“, wo Brenner am Ende auf der Donauinsel die Arbeit der Stadtreinigung bewundert. Das ist wie eine frühe Vorahnung auf das weit spätere Buch „Müll“.

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