Garibaldi war hier

Italien ist voll von Gedenktafeln und Statuen, viele davon im Zusammenhang mit dem Risorgimento, der Veinigung Italiens, und den Unabhängigkeitskriegen ab 1861. Es gibt Tafeln und Statuen, die an die Landung von Truppen, erfolgreiche Schlachten, erlittene Niederlagen und dergleichen erinnern.

Das ist aber nicht genug.

Jede Stadt, jeder Ort, jedes Dorf will etwas von dem Ruhm des Risorgimento abhaben und stellt daher Tafeln auf, wenn die Kämpfer für die italienische Vereinigung nur am Bahnhof den Zug gewechselt haben oder in einem Haus übernachtet haben. Jede Kleinigkeit wird mit stolzen Tafeln verkündet.

Der dabei am öftesten erwähnte Nationalheld ist Giuseppe Garibaldi. Jeder noch so kleine Ort hat eine Garibaldi-Straße oder einen Garibaldi-Platz oder -Park, oft auch alles davon.

Piazza Bologni Garibaldi 1Den vorläufigen Höhepunkt dieser Garibaldi-Verehrung habe ich auf der Piazza Bologni in Palermo in Sizilien gefunden: An einem zugegeben prächtigen Haus prangt über dem Torbogen eine fenstergroße Gedenktafel. Was mag hier wohl stattgefunden haben? Eine Versammlung der Freiheitskämpfer? Ein politischer Kongress? Oder diente die Villa als Lazarett für Verwundete?

Ich trat näher, um die Aufschrift zu entziffern, meinen Notizblock zur Aufzeichnung des historischen Ereignisses gezückt. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich mir sicher war, den in Stein gemeißelten italienischen Text richtig verstanden zu haben. Dann mußte ich lachen.

Piazza Bologni Garibaldi 2Die Inschrift lautet:

In diesem vornehmen Haus hat am 27. Mai 1860 für nur zwei Stunden seine müden Glieder ausgeruht:

GIUSEPPE GARIBALDI

So ein Nickerchen ist wahrhaft eine Leistung, die gewürdigt werden muss.

Den zweiten Teil der Inschrift konnte ich nicht ganz übersetzen, aber es geht irgendwie um die „einzigartige Tapferkeit des genialen Kämpfers gegen jegliche Tyrannei, zwischen der Explosion der tödlichen Waffen des Krieges ruhig schlafen zu können“.

(There is also an English version of this article.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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4 Antworten zu Garibaldi war hier

  1. Pingback: Garibaldi was here | The Happy Hermit

  2. M. Kranz schreibt:

    Immerhin kann der Ort zu Recht von sich behaupten, Garibaldi sei dagewesen. Aber auch
    prinzipielle Abwesenheit ist im Prinzip kein Hinderungsgrund, Denkmäler zu errichten, wie z.B.
    dieses

    http://news.de.msn.com/panorama/china-bekommt-angst-vor-seinen-geisterst%C3%A4dten?page=5

    vgl. auch diesen schönen Anti-Reiseführer:

    http://www.amazon.de/Hier-war-Goethe-nicht-Biographische/dp/3423204974

    oder – Achtung, Weltniveau!

    http://slightlywarped.com/crapfactory/curiosities/2010/lenin_statue_in_antarctica.htm

    sowie – was den ansonsten ja inzwischen eher zur historischen B-Prominenz
    zählenden Räuberhauptmann Josef Dschugaschwili besonders freuen wird – an einem noch viel
    unwahrscheinlicheren Ort:

    http://www.washingtontimes.com/news/2010/jun/7/stalin-bust-has-virginia-town-red-faced/

  3. Pingback: Das Ghetto von Venedig | Der reisende Reporter

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