„Deutschland 89“ – eine eher durchwachsene Geschichte

Pünktlich zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung bringt Amazon die Fortsetzung von „Deutschland 83“, das ich hervorragend fand, und „Deutschland 86“, das ich auch noch ganz gut fand. Wenn Ihr Euch den letzten Teil der Spionagetrilogie ansehen wollt, macht das unbedingt in der Reihenfolge, denn die meisten Charaktere sind altbekannt, und alte Geschichten werden weitergesponnen.

„Deutschland 89“ beginnt am Tag vor der Maueröffnung, und zwar mit dem Innenblick aus der HVA, dem Auslandsgeheimdienst der DDR. Die Instruktionen aus Moskau bleiben aus, und das Chaos beginnt.

Dieser etwas andere Blick auf den Mauerfall ist ganz interessant, und zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass zu jener Zeit die Agenten der HVA, eines durchaus erfolgreichen Geheimdienstes, bei Headhuntern aus der Branche ziemlich gefragt waren.

Leider versucht die dritte Staffel krampfhaft, alte Fäden wieder aufzugreifen. Anscheinend wurde allen jemals vorgekommenen Schauspielern versprochen, auch diesmal dabei sein zu dürfen, egal ob dies der Story förderlich ist oder nicht. Wie schlechte Autoren es machen, wenn ihnen die Geschichte über den Kopf wächst, werden dann der Reihe nach alle Teilnehmer an dieser Revue erschossen. Richtige Spannung kommt bald nicht mehr auf.

Vor allem die Dialoge sind zu offensichtlich so geschrieben, dass die Protagonisten 1989 vorgeblich die Zukunft voraussehen, z.B. die Probleme nach der Wiedervereinigung, den ökologischen Kollaps, und dass sich Menschen freiwillig Spionagegeräte ins Wohnzimmer stellen. Eine kleine Anspielung wäre mal lustig gewesen, aber hier werden die Lehren, die man ziehen soll, so unsubtil plakativ wie auf einer FDJ-Schulung vorgebracht. Deshalb kommen auch 1989 schon die „black sites“ der CIA vor, die wir aus der Guantanamo-Zeit nach 2001 kennen.

Fazit: Ziemlich schwacher Abschluss der Trilogie. Kann man sich eigentlich auch sparen.

Die besseren Spionagefilme stammen wohl doch aus dem Sozialismus vor der Wende, z.B. „Balkanski špijun“ aus Jugoslawien. Nicht alles wurde 1989 besser.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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