Tut mir leid, aber mein Panzer ist auf den Golan-Höhen steckengeblieben.
Jetzt aber im Ernst: Wieso habe ich bisher nichts zum Scharmützel zwischen Israel und Gaza geschrieben? Dafür gibt es zwei Gründe.
Erstens war ich im Urlaub, und wenn ich nicht täglich zumindest ein paar Stunden Zeit habe, um mich über ein aktuelles Thema auf dem Laufenden zu halten, dann schreibe ich lieber nichts. Allerdings merke ich, daß andere Kommentatoren weniger langsam sind und sofort alles durchblicken, sobald sie ein Foto eines toten Kindes (das durchaus aus einem ganz anderen Krieg stammen kann) gesehen haben.
Zweitens erwarte ich keine sinnvolle Diskussion. Es werden die gleichen Argumente wie vor zwei Jahren, vor fünf Jahren und vor zehn Jahren ausgetauscht werden. Zwei festgefügte Lager werden sich die gleichen Parolen an den Kopf werfen wie bei allen anderen Israel-Palästina-Diskussionen seit 1948. Die besonders Dämlichen werden mit Nazi-Vergleichen auf sich aufmerksam machen. Niemand wird seine Meinung ändern, nur weil er von neuen Tatsachen erfährt. Niemand wird innehalten und nachdenken.
Die meisten der aktuellen Diskussionen sind so unsachlich und niveaulos, da kann einem so ein Krieg fast schon als die bessere Alternative zur Beilegung von Streitigkeiten erscheinen. Da gibt es am Ende wenigstens einen Sieger, und dann ist wieder für zwei Jahre Ruhe.
Eigentlich taugen diesen kurzen Gaza-Kriege nur zu einem: Man kann leicht feststellen, wen man als Gesprächspartner, Journalisten oder Nahost-Experten nicht mehr ernst zu nehmen braucht. Wer ignoriert, daß seit Mitte Juni 2014 einige Hundert Raketen von Gaza auf Israel geschossen wurden, aber dann bei der ersten Reaktion Israels „Völkermord“ und „Kriegsverbrechen“ schreit, ist ein sehr selektiver Pazifist. Wer ignoriert, daß die Hamas ihre Raketen in Schulen und Privathäusern lagert und daß Palästinenser in ihren Häusern bleiben, nachdem sie von der israelischen Luftwaffe zum Verlassen aufgefordert werden, der kann nur sehr unglaubwürdig über die Schuld an toten Zivilisten diskutieren. Wer bei einer normalen kriegerischen Auseinandersetzung von „Zionismus“ schwafelt, stellt sich selbst in eine ganz rechte Ecke. Und dann warte ich noch immer auf denjenigen, der mir das historische Beispiel eines Staates liefern kann, der sich gegen anhaltenden Raketenbeschuss auf seine Zivilbevölkerung nicht militärisch zu wehren versucht.
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