Ist das nicht ironisch? (9) Bernie Ecclestone

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone war angeklagt wegen Schmiergeldzahlungen. Der Zahlungsempfänger Gerhard Gribkowsky hatte die Bestechung gestanden. Er war damals für die Bayerische Landesbank und damit mittelbar für den Freistaat Bayern tätig.

"Ja, ich möchte ab jetzt immer München als Gerichtsstand. Hier gefällt es mir."

„Ja, ich möchte ab jetzt immer München als Gerichtsstand. Hier gefällt es mir.“

Jetzt stand Herr Ecclestone vor einem Gericht des gleichen Freistaats Bayern und dachte sich: „Was einmal geklappt hat, kann noch einmal klappen.“ Er bot dem Freistaat Bayern wieder ein Schmiergeld an. 100 Millionen Dollar. Diesmal direkt, ohne Umweg über Mittelsmänner wie Herrn Gribkowsky. Der Freistaat Bayern nahm dankend an. Prozess beendet.

Jetzt verstehe ich, wieso der Prozess von Anfang an als „Schmiergeldprozess“ lief. Ich hatte das immer ganz falsch verstanden.

(To the English version.)

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Die Tierwelt Mazedoniens

An nur einem Tag, während einer Wanderung von Prilep zum Koster von Treskavec (und zurück), sah ich die Bandbreite der in Mazedonien lebenden Tiere, von den üblichen Verdächtigen bis zu unerwarteten Exoten.

Pferde gehören natürlich in eine Landschaft, die sich hervorragend zum Drehen von Western-Filmen eignet.

horse

Als ich unter einem Baum Rast machte und Schatten suchte, hörte ich ein Rascheln im Blätterwerk. Ein Geräusch wie von einem großen Tier, das eigentlich nicht in Bäume gehört. Wie von einem Krokodil. Es war gar nicht leicht, es zu entdecken denn es hatte genau die gleiche Farbe wie die Blätter, aber netterweise hielt es still als es meine Neugier bemerkte: eine Smaragdeidechse.

crocodile in tree

Sie war ziemlich groß. Ich konnte den Schwanz nicht ganz sehen, aber der Rumpf allein war mindestens 10 cm lang. Und fett. Auf dem Weg gab es natürlich auch Hunderte von ganz normalen Eidechsen, aber von denen machte ich keine Fotos, vermutlich weil ich mich an sie während meines Lebens am Mittelmeer schon so gewöhnt habe.

Ebenfalls keine Fotos habe ich leider von den Schmetterlingen. Sie waren zu schnell, ich war zu langsam. Oft schwirrten fünf oder sechs gleichzeitig um meinen Kopf herum. Grellgelbe, grüne, blaue, Schmetterlinge mit Streifen, mit durchsichtigen Flügeln und ganz schwarze, viele davon größer als normale mitteleuropäische Schmetterlinge.

“Wooaaa!” rief ich vor Überraschung aus, als ich fast auf dieses Tier getreten wäre.

turtle

Auf einer Höhe von etwa 1.000 Metern und in sehr trockener Landschaft hatte ich wirklich keine Schildkröte erwartet. Ich dachte immer, daß die lieber an Seen oder Flüssen leben.

Und dann die überraschendste Entdeckung. Was ist das Tier, das Ihr als allerletztes in den mazedonischen Hügeln erwarten würdet? Ich weiß nicht, ob das hier seine natürliche Umgebung ist oder ob er aus einem Zoo ausgebrochen war, aber da stand ein Elefant und blickte unschlüssig auf die Stadt Prilep hinab.

elephant(To the English version of this biology class.)

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Video-Blog: So klingt Skopje

Es war schon Abend als ich Skopje ankam, und bis ich von meiner Unterkunft in die Innenstadt gefunden hatte, war es dunkel geworden. Zum ersten Mal war ich in Mazedonien und wußte nicht so richtig, was ich erwarten sollte. Aber das hatte auf jeden Fall nicht erwartet: das Stadtzentrum erinnerte mich an meine Zeit in Las Vegas.

Überall Springbrunnen, aber keine der einfachen Sorte, sondern die mit Wasserspielen und in abwechselnden Farben beleuchtet. Dazwischen Statuen, riesig groß und hell beleuchtet. Und dann schallt Musik aus den Lautsprechern, die wohl mit den Wasserspielen harmonieren soll. Aber sie kann nicht mithalten, weil es in Sichtweite voneinander etwa 20 dieser Springbrunnen gibt, auf beiden Seiten des Flusses, auf den darüberliegenden Brücken und sogar – und so etwas hielt ich nicht für möglich und halte es noch immer nicht für sinnvoll – Springbrunnen im Fluß.

Für ein oder zwei Stunden torkelte ich durch dieses kitschige Fest aus Licht, Marmor, Gold und Musik, und konnte mich vor Lachen nicht mehr halten. Es war zu viel, es war zu deplatziert, es war zu künstlich. Ernst nehmen konnte ich das nicht.

Ein kleiner Ausschnitt:

Und so ging das den ganzen Abend.

Der Mann auf dem Pferd ist übrigens nicht Alexander der Große, wie ich zuerst vermutet hatte, sondern ein namenloser Krieger auf dem Pferd, der nur so aussieht wie Alexander der Große.

Aber Skopje ist auch ganz anders. Durch den auch abends noch geschäftigen Basar suchte ich den Weg zum Festungsberg, wo die Luft klarer und alles ruhiger war. In der Ferne sah ich jetzt die hell-erleuchteten Statuen und Gebäude im Stadtzentrum, aber die Musik drang nicht bis hier hoch.

Nur 15 Minuten entfernt von Disneyland lauschte ich den Moscheen der Stadt. Das Video zeigt den Blick auf die Mustafa-Pascha-Moschee:

Der Ruf des Muezzin erinnerte mich an meine Reisen im Mittleren Osten und ich verstand noch weniger als vorher, wieso Menschen in Mitteleuropa sich gegen den Bau von Moscheen sträuben. Ich finde den Gesang exotisch, aber gleichzeitig beruhigend. Auf dem Rückweg zur Herberge mußte ich aber wieder durch das noch immer kitschig klirrende und klimpernde Stadtzentrum.

Skopje, die Stadt mit mindestens zwei ganz verschiedenen Seiten. Wenn Las Vegas und Mekka mal gemeinsam Urlaub machen wollen, können sie hierher kommen.

(To the English version of this video blog.)

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Gibt es Rabatt, wenn ich Master und Doktor gleichzeitig mache?

Man merkt, daß an der Bildungslandschaft etwas faul ist, wenn Universitätsabschlüsse wie Fahrräder oder Pauschalreisen zu „999 €“-Preisen angeboten werden.

999 university

(Fotografiert an der European University in Skopje, Mazedonien.)

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Leitkultur

Durch die beiden Ausrufezeichen erschien mir das „Hier wird Deutsch gesprochen!!“ eher wie ein Befehl als wie ein Angebot. Freunde des deutschen Leitkultur-Gedankens können sich auf der Halbinsel Sinis auf Sardinien also wie zuhause fühlen.

hier wird deutsch gesprochen

Da ich in Italien aber gerne Italienisch spreche, radelte ich weiter.

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UFO-Parkplatz

Fotos von UFOs im Flug zu machen ist keine Herausforderung. Sie sind laut, haben eine Menge blinkender Lichter und versuchen unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Deshalb gibt es Tausende von Fotos von fliegenden UFOs.

Aber bis jetzt hat noch niemand herausgefunden, wohin die UFOs anschließend entschwinden. Um zu tanken oder wenn die Besatzung ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten muß.

In Sardinien entdeckte ich den geheimen UFO-Parkplatz, gerade als eines der UFOs dort gelandet war. Das gelang mir nur, weil es seine Lichter noch nicht abgeschaltet hatte.

UFO1

UFO2 UFO3(Die Fotos habe ich in Oristano auf Sardinien gemacht. Falls Ihr selbst nachsehen wollt, kann ich Euch die genauen Koordinaten geben. – Click here to read this scoop in English.)

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Verklagt mich doch!

Als Blogger ist man ständig Gefahren ausgesetzt. Wenn man sich über Al-Qaida lustig macht, wird man irgendwann geköpft. Wenn man über mexikanische Drogenkartelle schreibt, wird man plattgemacht. Und dann sind da noch die ständigen Abmahnungen und Klagen wegen Urheber- oder Markenrechtsverletzungen, Verleumdung, Beleidigung und Geheimnisverrat.

Letzteres macht mir aber nichts aus.

Nicht nur weil ich Jurist bin und deshalb weiß, daß man Abmahnungen getrost ignorieren kann, sondern weil ich in Italien lebe. Wenn jemand droht, mich zu verklagen, kann ich mit ruhigstem Gewissen rufen: „Gerne. Verklag mich!“ und meine zustellungsfähige Anschrift zur Verfügung stellen. Denn bis die Klageschrift zugestellt wird, wohne ich höchstwahrscheinlich schon wieder woanders.

Italy civil trialsDie durchschnittliche (!) Dauer eines italienischen Zivilprozesses bis zum rechtskräftigen Abschluss beträgt 8 Jahre. Nun sind Zivilprozesse grundsätzlich nicht schnell (das liegt nicht nur an den Gerichten, sondern auch an den beteiligten Parteien und Anwälten, die oft ein eigenes Interesse daran haben, den Fall hinauszuzögern), aber die Grafik rechts zeigt, daß italienische Gerichte sich besonders viel Zeit lassen. Ich selbst habe – allerdings in Deutschland – 7 Jahre als Rechtsanwalt gearbeitet. Hätte ich die gleiche Zeit als Advokat in Italien geschuftet, wäre womöglich an meinem letzten Arbeitstag noch keiner meiner Fälle abgeschlossen gewesen. Das muß unbefriedigend sein.

Als Mario Barbuto vor 12 Jahren Präsident des Zivilgerichts von Turin wurde, entdeckte er daß der älteste der an seinem Gericht noch anhängigen Fälle 43 Jahre zuvor eingeleitet worden war. Da streiten sich wahrscheinlich Generationen von Klägern, Beklagten, Rechtsanwälten, Insolvenzverwaltern, Nebenintervenienten und Streitverkündungsempfängern wie in Charles Dickens Bleak House. Italienweit gibt es einen Rückstand von 5,2 Millionen Fällen.

Das Problem und der daraus zu ziehende taktische Nutzen sind unter der martialischen Bezeichnung „italienischer Torpedo“ auch außerhalb Italiens bekann. Wer z.B. aufgrund einer (Ab-)Mahnung befürchtet, bald vor einem deutschen Gericht verklagt zu werden, reicht vorher in Italien eine negative Feststellungsklage bezüglich des gleichen Streitgegenstands ein. Dann ist das deutsche Gerichtsverfahren erst einmal nachrangig [grob vereinfacht für juristische Laien], bis das italienische Gericht entschieden hat. Und das kann eben dauern.

Es ist also einfach, sich über die italienische Justiz lustig zu machen. Angebracht ist es nicht. Denn von Zeit zu Zeit gibt es hier Verfahren, die mir Anerkennung abringen. Nur zwei Beispiele, allerdings aus dem Strafrecht:

  • Italien ist das einzige Land, in dem Geheimagenten wegen einer der Entführungen von Terrorverdächtigen nach 2001 verurteilt wurden. 2003 wurde Abu Omar von der CIA in Mailand entführt und – über Deutschland – nach Ägypten verbracht. Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelte die Täter und deren Identitäten und klagte sowohl die beteiligten Amerikaner als auch Italiener an. Trotz enormen politischen Drucks, das Verfahren einzustellen oder auszusetzen, wurden 23 CIA-Agenten zu hohen Haftstrafen verurteilt (allerdings weigerte sich die italienische Regierung, deren Auslieferung aus den USA zu beantragen). Der ehemalige Direktor des italienischen Militärgeheimdienstes wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt, sein Stellvertreter zu 9 Jahren. Deutsche Staatsanwaltschaften legen in solchen Fällen allenfalls pro forma eine Akte an, mit der dann nichts geschieht.
  • In Taranto wurden vor wenigen Monaten 27 Manager des größten Stahlwerks in Europa u.a. wegen fahrlässiger Tötung (Krebs durch Asbest und Umweltverschmutzung) zu Haftstrafen von bis zu 9 Jahren verurteilt. Überall anders wird Umweltverschmutzung verwaltungs- und zivilrechtlich verfolgt und letztendlich mit Geld abgegolten. An die Manager selbst trauen sich außerhalb Italiens nicht viele Staatsanwälte und Gerichte heran.

Von Italien könnte man also auch etwas lernen.

(To the English version of this article.)

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Erster Weltkrieg

Franz KafkaVor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg.

Zeitzeuge Franz Kafka vermerkte in seinem Tagebuch:

„2. August. Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. – Nachmittag Schwimmschule.“

Vielleicht werden Zeitzeugen überbewertet?

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Gespräch unter Neonazis

Tino Brandt: Auf solche Leute basiert der Verfassungsschutz die Verteidigung von Demokratie und Freiheit (für 800 DM pro Woche).

Fragt der eine Neonazi pikiert: „Sag mal, arbeitest Du etwa für den Verfassungsschutz?“

Nach einer kurzen Pause antwortet der andere Neonazi: „Wieso, Du etwa nicht?“

Beide: „Hahaha!“

= = =

Ich lese gerade Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie der NSU von Stefan Aust und Dirk Laabs. Bisher bin ich auf fast jeder Seite mit schockierenden Erkenntnissen konfrontiert.

Es ist erschreckend, wie eng Rechtsextremisten und staatliche Stellen verbandelt sind. Die Neonazis führen den Verfassungsschutz mit selektiven Informationen an der Nase herum und lassen sich so aus Steuergeldern finanzieren. Der Verfassungsschutz finanziert dabei nicht nur das Leben der Neonazis, sondern auch rechtsextreme CDs, ihre Computer, Mobiltelefone und Autos, Geldstrafen bei Verurteilungen und den Rechtsanwalt für Familie Böhnhardt. Schließlich gibt es auch noch 2000 DM dafür, dass die NSU-Terroristen sich falsche Pässe besorgen können.

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Ist das der schönste Friedhof der Welt?

Mazedonien ist voll von Friedhöfen.

Vielleicht kam es mir auch nur so vor, weil es in den größeren Orten keine gemeinsame Ruhestätte für die Ahnen gibt, sondern immer mindestens einen christlichen, einen islamischen und einen jüdischen Friedhof. Letzterer weist aber kaum Gräber auf, weil nahezu alle mazedonischen Juden 1943 von den bulgarischen Besatzern ins KZ Treblinka deportiert und dort ermordet wurden.

Dazu kommen deutsche, französische und britische Friedhöfe. Zwar wußte ich, daß der Erste Weltkrieg sich nicht nur auf die mitteleuropäische West- und Ostfront beschränkte (sonst hätte er schließlich die Bezeichnung als Weltkrieg nicht verdient), aber so richtig in mein Bewußtsein drang die geographische Ausbreitung dieses Krieges erst, als ich die 100 Jahre alten und streng national getrennten Totensammelstellen im fernen Mazedonien sah.

Der schönste Friedhof in Mazedonien ist der türkische Friedhof in Bitola, aus der Zeit des Osmanischen Reichs und seit dessen Zusammenbruch nicht mehr gepflegt. Wenn er nicht auf dem Stadtplan verzeichnet gewesen wäre, hätte ich ihn nie entdeckt. Und falls ich ihn zufällig entdeckt hätte, wäre ich achtlos vorbeigelaufen oder hätte allenfalls ein Foto gemacht und unter dem Titel „Kornfeld mit Wolken“ veröffentlicht.

Turkish cemetery Bitola panorama clouds

Erst beim zweiten Hinsehen erkannte ich einige Grabsteine zwischen Hafer und Gerste.

Turkish cemetery 2

Je mehr ich mich auf diesem verwilderten Hügel umsah, desto mehr Zeugnisse der Vergangenheit entdeckte ich, leider allesamt in einer von mir nicht entzifferbaren Schrift. Dieser türkische Friedhof wurde aufgegeben bevor Mustafa Kemal Atatürk das lateinische Alphabet durchsetzte. Atatürk selbst war höchstwahrscheinlich ein paar Mal auf diesem Hügel gewesen, denn seine militärische Ausbildung begann 1896 an der Militärschule in Bitola. Vielleicht rauchte er hier heimlich seine ersten Zigarren.

Turkish cemetery 3

Grabstein im Hafer

Diese historische Ansicht aus dem Ersten Weltkrieg zeigt den Blick vom Friedhofshügel auf die Stadt (die auf türkisch und griechisch Monastir heißt). Schon damals war erkennbar wie die Natur anfängt, sich die Kontrolle über den Hügel zurückzuerobern.

Turkish cemetery Bitola historicMitten in einem Land, das in den letzten 100 Jahren etliche Kriege, Bürgerkriege, Revolutionen und Freiheitskämpfe erlebt hat, gibt es einen Ort, an dem die Zeit stillsteht. Die goldenen Getreidehalme wiegen sich im Wind. Die Wolken eilen vorüber und werfen ihre Schatten, so wie es die Geschichte immer wieder getan hat.

(To the English version of this article.)

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