Dunkle Wolken müssen nicht schlecht sein

… zumindest nicht für Fotografen.

Von der Kirche des Heiligen Johannes von Kaneo in Ohrid in Mazedonien habe ich eine ganze Menge Fotos gemacht, aber ich teile hier mal diejenigen, die zeigen, daß das Wetter an jenem Tag nicht perfekt war. Es hatte immer wieder geregnet, und ich brachte ein paar Stunden herumstreunend zu, unterbrochen durch Sprints zurück zur orthodoxen Kirche sobald die Sonne für eine Minute durch die Wolken brach.

dark clouds Sveto Jovan Ohrid 1dark clouds Sveto Jovan Ohrid 2dark clouds Sveto Jovan Ohrid 3Geduld (zum Glück hatte ich Zigarren und ein Buch dabei) und das vorab, noch während es bewölkt war, erfolgte Auskundschaften eines geeigneten Standorts zahlten sich aus.

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Ist Albanien schon in der EU?

Natürlich noch nicht. Gerade erst im Juni 2014 erhielt Albanien den offiziellen Status als Beitrittskandidat. Jetzt gehen die jahrelangen Verhandlungen erst richtig los.

Wenn man durch Albanien reist, könnte man jedoch einen anderen Eindruck gewinnen. Entweder aus Vorfreude oder aus Selbstbewusstsein weht vor öffentlichen Gebäuden bereits die EU-Fahne.

EU flag in AlbaniaSchön, zu sehen, daß die EU noch immer eine positive Anziehungskraft hat. Von wegen Krise! Wer Europa verstehen will, sollte mehr reisen anstatt britische Zeitungen zu lesen oder auf AfD-Parteitagen herumzuhängen.

(Das Foto zeigt die Polizeiwache in Vlora im Juli 2014. – Click here to read this article in English.)

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Basketball in Schottland

Der einsamste Basketballplatz, den ich je gesehen habe. Irgendwo in Schottland, entlang des West Highland Way.

basketball

Leider hatte ich vergessen, für die 154 km langen Wanderung einen Basketball einzupacken. Wann wohl zum letzten Mal jemand hier gespielt hat?

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Sonnenschirm gefällig?

Beim Abflug nach Griechenland hatte ich mal wieder meinen schicken Panama-Hut vergessen. Die Promenade in Thessaloniki entlang flanierend und unter der Sonne leidend fand ich dann die Erlösung in Form von öffentlichen Sonnenschirmen. Gut daß es früh am Vormittag und damit noch ein ausreichender Vorrat an Schirmen vorhanden war.

parasol Thessaloniki 1

parasol Thessaloniki 2

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In diesem Wald spukt es

Während ich die Insel Zvërnec vor der albanischen Küste erkundete, hatte ich das Gefühl, wie wenn mich dieser Baum beobachten würde.

tree with face

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Bin ich zu spät für den Krieg?

Tut mir leid, aber mein Panzer ist auf den Golan-Höhen steckengeblieben.

Jetzt aber im Ernst: Wieso habe ich bisher nichts zum Scharmützel zwischen Israel und Gaza geschrieben? Dafür gibt es zwei Gründe.

Erstens war ich im Urlaub, und wenn ich nicht täglich zumindest ein paar Stunden Zeit habe, um mich über ein aktuelles Thema auf dem Laufenden zu halten, dann schreibe ich lieber nichts. Allerdings merke ich, daß andere Kommentatoren weniger langsam sind und sofort alles durchblicken, sobald sie ein Foto eines toten Kindes (das durchaus aus einem ganz anderen Krieg stammen kann) gesehen haben.

Zweitens erwarte ich keine sinnvolle Diskussion. Es werden die gleichen Argumente wie vor zwei Jahren, vor fünf Jahren und vor zehn Jahren ausgetauscht werden. Zwei festgefügte Lager werden sich die gleichen Parolen an den Kopf werfen wie bei allen anderen Israel-Palästina-Diskussionen seit 1948. Die besonders Dämlichen werden mit Nazi-Vergleichen auf sich aufmerksam machen. Niemand wird seine Meinung ändern, nur weil er von neuen Tatsachen erfährt. Niemand wird innehalten und nachdenken.

Die meisten der aktuellen Diskussionen sind so unsachlich und niveaulos, da kann einem so ein Krieg fast schon als die bessere Alternative zur Beilegung von Streitigkeiten erscheinen. Da gibt es am Ende wenigstens einen Sieger, und dann ist wieder für zwei Jahre Ruhe.

Eigentlich taugen diesen kurzen Gaza-Kriege nur zu einem: Man kann leicht feststellen, wen man als Gesprächspartner, Journalisten oder Nahost-Experten nicht mehr ernst zu nehmen braucht. Wer ignoriert, daß seit Mitte Juni 2014 einige Hundert Raketen von Gaza auf Israel geschossen wurden, aber dann bei der ersten Reaktion Israels „Völkermord“ und „Kriegsverbrechen“ schreit, ist ein sehr selektiver Pazifist. Wer ignoriert, daß die Hamas ihre Raketen in Schulen und Privathäusern lagert und daß Palästinenser in ihren Häusern bleiben, nachdem sie von der israelischen Luftwaffe zum Verlassen aufgefordert werden, der kann nur sehr unglaubwürdig über die Schuld an toten Zivilisten diskutieren. Wer bei einer normalen kriegerischen Auseinandersetzung von „Zionismus“ schwafelt, stellt sich selbst in eine ganz rechte Ecke. Und dann warte ich noch immer auf denjenigen, der mir das historische Beispiel eines Staates liefern kann, der sich gegen anhaltenden Raketenbeschuss auf seine Zivilbevölkerung nicht militärisch zu wehren versucht.

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Diese Bücher passen nicht zusammen

Auf meiner Reise durch Albanien sah ich in den Parks oder am Straßenrand öfters kleine Buden, die gebrauchte und neue Bücher verkauften. Die meisten davon waren auf Albanisch, und die einzigen englischen Werke waren Lehrbücher für Volkswirtschaft oder Lexika. Meist ziemlich alte.

Die Zusammenstellung der verschiedenen Titel war ein bißchen eigenartig, zum Beispiel findet sich hier Adolf Hitlers „Mein Kampf“ neben Werken von Paulo Coelho, Sigmund Freud und (vielleicht etwas passender) Donald Trump.

Mein Kampf CoelhoBand 14 eines Werks von oder über Stalin fand sich neben der Lohengrin-Sage.

Lohengrin Stalin

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Video-Blog: Banküberfall in Tirana

Eines sonnigen Nachmittags spazierte ich durch Tirana und ahnte nichts Böses, als ich plötzlich diese bewaffneten Männer vor einer Bank sah.

bank robbery 1

bank robbery 2

Ganz offensichtlich war ein Banküberfall im Gange. Am hellichten Tag. Im Herzen der Stadt. Millionen von Albanern, die ihre gesamten Ersparnisse in soliden Schneeballsystemen angelegt hatten, drohte der Totalverlust. Und weit und breit war keine Superheldin zu sehen, die den Raubzug stoppen hätte können.

Mit trotz der Gefahr gewohnt klarem Kopf erkannte ich sofort, daß ich drei Optionen hatte:

  • Ich könnte die Polizei anrufen. Allerdings wußte ich deren Nummer nicht.
  • Ich könnte den Bankraub eigenhändig unterbinden. Allerdings hatte ich an dem Tag noch nichts gegessen und hatte deshalb nicht genug Energie.
  • Ich könnte das Geschehen filmen, um Euch davon zu berichten.

Also ging ich hinter einem Auto in Deckung, blieb dabei aber so nah wie möglich am Ort des Geschehens und filmte den folgenden Schusswechsel:

– – –

UPDATE: Zwei Wochen später erfuhr ich aus der Zeitung, daß bei dem Raub 7 Millionen Dollar entwendet wurden. Jetzt bereue ich, nicht versucht zu haben, das Verbrechen zu stoppen. Von der Belohnung könnte ich wahrscheinlich ein ganzes Jahr in Albanien leben.

Tirana Times bank heist

(This exclusive story is of course also available in English.)

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Wo George W. Bush noch beliebt ist

Nirgendwo auf der Welt habe ich bisher eine „George-W.-Bush-Allee“ oder einen „George-W.-Bush-Platz“ gesehen. Aus irgendeinem Grund ist er nicht mehr sonderlich beliebt. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es in den USA selbst eine „George-W.-Bush-Straße“ gibt, außer vielleicht in Texas.

Aber dann habe ich in Tirana in Albanien gleich ums Eck von meinem Hotel diese Schilder gesehen: „George-W.-Bush-Straße“

rruga George W Bushrruga George W Bush 2

Wie wohl amerikanische Islamhasser die Tatsache interpretieren, daß einige der Amerika-freundlichsten Länder Europas diejenigen mit großen muslimischen Mehrheiten (insbesondere Albanien und Kosovo) sind?

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Auf nach Westen

ferry into sunset17. Juli 2014. In der albanischen Hafenstadt Vlora (wobei albanisch hier nur eine geographische Bezeichnung ist, denn Vlora ist eher eine typische Mittelmeer-Tourismus-Hafenstadt, die so auch in Italien oder in der Türkei liegen könnte) bin ich an Bord einer etwas älteren und nicht zu großen Fähre gegangen, um nach Brindisi in Italien überzusetzen. Einige Stunden auf heute absolut ruhiger See stehen mir bevor.

Das Ablegen verzögert sich um eine Stunde, wohl auch weil etwas zu viele Autos in die Fähre drängen. Manche müssen wieder rückwärts rausrangieren, um Platz für andere zu machen und um den Stauraum optimal auszunutzen. Die Einweiser spielen Tetris mit Wohnmobilen und Kombis. Erst später beim Aussteigen werde ich das Ergebnis sehen: einige Autos sind quer geparkt, und alle stehen so dicht aneinander, daß manche Fahrer nur durch die Dachluke ausgestiegen sein können.

Wirklich überladen ist die Fähre dennoch nicht. Es sind noch ausreichend Tische und bequeme Sessel frei. Das Restaurant ist fast vollkommen leer. Mich zieht es aber an die frische Luft. Noch für ein paar Stunden Sonne, Wind und Meer genießen bevor ich nach zwei Wochen Urlaub wieder an Schreibtisch und Computer muß.

Sazan view from ferryDie Fähre liegt noch im Hafen, aber meine Grundkenntnisse interstellarer Konstellationen sagen mir, daß, wenn wir auf der Nordhalbkugel nach Westen fahren, mittags die Sonne von backbord kommt. Also mache ich mich steuerbord auf einem Zwischendeck breit. Anfangs erwischt mich hier zwar noch die pralle Sonne, aber nachdem wir den Hafen von Vlora verlassen und an der ausschließlich militärisch genutzen Insel Sazan vorbeituckern, hat sich ein wohltuender Schatten über mich gelegt. Nur meine von den Turnschuhen befreiten und breit ausgestreckten Füße werden von der Sonne erreicht. Ich zünde mir eine erste Zigarre an; mein Rucksack dient als Kopfkissen. So läßt sich reisen. Ich verstehe nicht, wieso jemand Geld für eine Kabine verschwendet.

Rückblende. Vage Erinnerungen an die Fernsehnachrichten von damals, jetzt anläßlich der Albanien-Reise aufgefrischt. 1991, unter anderem auf genau dieser Strecke von Vlora nach Brindisi, aber auch von Durrës nach Bari, waren Boote unterwegs, auf denen kein Auto Platz gefunden hätte, auf denen sich niemand so ausstrecken konnte, wie ich es jetzt tue. Die Schiffe damals waren gepackt voll. Übervoll. Albanien war in der Umbruchphase nach Jahrzehnten der kommunistischen Diktatur, die Zukunft war höchst unsicher. Viele Albaner befürchteten eine gewaltsame Reaktion der Regierung gegen das rebellierende Volk. So kaperten sie in den albanischen Häfen Schiffe und zwangen die Kapitäne zur Fahrt nach Italien.

Albania 1991 refugees

Auf dem Frachtschiff Vlora befanden sich bei der Überfahrt nach Italien angeblich um die 10.000 Menschen.

Albania 1991 refugees boat

Albania 1991 refugees boat full

Zurück im Jetzt, Juli 2014. Albanien hat sich stabilisiert, es ist friedlich. Mein persönlicher Eindruck war außerordentlich positiv. Einiges, von Fremdsprachenkenntnissen bis zur Geschwindigkeit des Internets, war besser als in manchen Teilen Westeuropas. Die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft sowieso. Seit drei Wochen ist Albanien Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Auf der Fähre mit mir sind hauptsächlich albanische Familien, viele von ihnen leben aber schon lange in Italien und sind mittlerweile italienische Staatsbürger. In Brindisi schleppen und rollen sie riesige Koffer mit Kleidung, Nahrungsmitteln, Elektrogeräten, Büchern von Bord. Auf den Fotos von 1991 hat niemand auch nur eine kleine Tasche oder einen kleinen Rucksack.

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