Für eine richtige Kirche war nicht genug Geld da

Auf meiner Wanderung von Prilep zum Kloster Treskavec in Mazedonien begrüßte mich nach einem besonders steilen Aufstieg dieses Modell einer Kirche inmitten eines wilden Feldes, das wegen seiner Abgeschiedenheit und der Höhenlage wohl nie abgeerntet wird. Ich dachte schon, ich sei veräppelt worden und daß es gar kein echtes Kloster gäbe, so daß ich die 10-km-Bergwanderung in sengender Hitze nur für dieses Spielzeug gemacht hatte.

model Treskavec

Gestört hat es mich aber nicht, denn der Ausblick war phantastisch.

view hike TreskavecNach einer langen Rast (und vielen gesunden Früchten zum Mittagessen) setzte ich den Aufstieg fort und fand schließlich das echte Kloster Treskavec.

Ich sah solche Modelle von Kirchen fast überall in Mazedonien, oft außerhalb der richtigen Kirche, manchmal auch alleinstehend. Weiß jemand etwas über deren Bedeutung?

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Nach Abschuss von MH17: OSZE-Inspektorin ratlos

MH17 Gutachterin

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Ein Bürgerkrieg steht bevor

Frage: Woran erkennt man, daß ein bewaffneter Aufstand unmittelbar bevor steht?

Antwort: Die Nachbarn verpassen ihrem Auto einen Flecktarnungsanstrich.

camouflage car

(Fotografiert in der Garage meiner Nachbarn in Bari, Italien im Juli 2014. Es kann also nicht mehr lange dauern.)

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Transparenz des Terrors

ISIS, die Terror-Organisation aus Syrien und dem Irak, veröffentlicht jährlich einen Geschäftsbericht, in dem all ihre Angriffe ebenso aufgelistet werden wie Ausgaben, Unternehmensvergrößerungen, strategische Ziele, neue Mitarbeiter u.s.w.

Sogar mit hübschen Infografiken.

ISIS report 2013 infographic

Sie können den vollständigen Geschäftsbericht hier herunterladen (PDF, 410 Seiten).

Das Traurige daran? Eine brutale Terror-Organisation ist damit transparenter als viele Behörden und Ministerien in demokratischen Staaten.

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Video-Blog zur Entspannung

Nach all den nervenaufreibenden Videos von Bürgerkriegen, Vulkanen, den letzten Einhörnern, waghalsigen Radtouren, Autobomben, verpfuschten Lebensentwürfen und ausgestorbenen Zivilisationen biete ich heute mal ein Entspannungsvideo.

(gefilmt in Syrakus auf Sizilien)

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Halbzeit

Heute werde ich 39.

Nach der statistischen Lebenserwartung in Deutschland habe ich noch 39 Jahre zu leben.

Es ist also Halbzeit in meinem Leben. Beim Fußball gäbe es jetzt Werbung, dämliche Kommentare von früheren Nationalspielern oder eine gekürzte Ausgabe der Nachrichten mit dem Neuesten aus der Ukraine und dem Irak. Hier gibt es einen Rück- und einen Ausblick.

Vor fast genau fünf Jahren, wenige Tage vor meinem 34. Geburtstag, hatte ich eine Auszeit: eine Woche lang klingelte kein Telefon, eine Woche lang kein Internet und keine E-Mails, eine Woche lang keine Zeitungen, kein Fernsehen, keine Termine, keine Arbeit, keine Aufgaben, keine Verantwortung, keine Fristen. Ich war abgeschnitten von der Welt. Ich hatte etwas, was die meisten Menschen in ihrem Leben nie haben werden: ich hatte eine Woche lang Zeit, nachzudenken. Ich hatte nicht einmal Bücher, die mich ablenkten.

Egozentrisch wie ich bin, dachte ich über mich und mein Leben nach. Ich hatte bis dahin viel gearbeitet, war Rechtsanwalt, hatte mit 26 eine eigene Kanzlei gegründet, die mich ziemlich auf Trab hielt, war in der Kommunalpolitik aktiv und mischte mich ein, wo immer ich konnte. Viel zu selten sagte ich „nein“, viel zu oft zerrann mir eine Woche zwischen den Fingern, ohne einmal innehalten zu können.

Dieses Experiment funktionierte aber nur, weil ich nicht wußte, wie lange es andauern würde. Wenn Sie sich selbst eine Auszeit von einer Woche gönnen, denken Sie nur daran, was Sie nach dieser Woche alles erledigen und nachholen müssen. Das bringt nichts. In meinem Fall, und jetzt muß ich endlich aufklären, wie es überhaupt zu der Auszeit gekommen war, war ich 2009 während einer Reise im Iran vom dortigen Geheimdienst verhaftet worden. Ich verbrachte eine Woche im Evin-Gefängnis, in Einzelhaft, nur unterbrochen von nächtlichen Verhören, zu denen mir immer die Augen verbunden wurden. Ich hatte keine Ahnung, wie lange diese Haft andauern würde. Nach zwei Tagen fand ich mich innerlich damit ab, daß ich voraussichtlich zwei bis drei Jahre im gefürchtetsten Gefängnis Irans verbringen mußte.

Diese Erkenntnis wurde teuer bezahlt.

Diese Erkenntnis wurde teuer bezahlt.

Diese subjektive Gewissheit einer langen, tiefen und erzwungenen Zäsur war notwendig für die Entscheidung, mein Leben zu verändern. Hatte ich bis dahin solche Überlegungen immer auf nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr verschieben können, so lag ich jetzt auf dem Betonboden, wehrte Ameisen ab und suchte nach einer Schlafposition, die die von Knüppelschlägen malträtierten Stellen meines Körpers am meisten schonte. Es gab nichts, das mich davon abhielt, über mich selbst nachzudenken.

Ich wußte, daß ich auch andere Interessen hatte, denn ich war schon viel auf Reisen gewesen, von Australien bis Israel, von den USA bis Syrien. Ich war immer gerne in der Natur gewesen, und ich konnte mich tagelang in einen Roman vertiefen. Einfache Dinge, die mich viel glücklicher machten, als vor Gericht die Probleme anderer Menschen zu lösen. Aber wieso verbrachte ich 90% meiner Zeit nicht mit diesen Interessen, sondern mit Arbeit?

Damals beschloss ich, mein Leben zu ändern. Sofort nach der einwöchigen Auszeit hing ich meinen Job als Rechtsanwalt an den Nagel und zog nach London, wo ich Philosophie studierte.

Das war die eigentliche Halbzeit in meinem Leben.

„Mal sehen, wie es läuft. Ich kann ja in einem Jahr nach Deutschland zurückkehren und wieder als Anwalt arbeiten“ dachte ich mir, als ich nach London zog. Ich blieb zwei Jahre. Dann war mir die Großstadt zu viel geworden und ich zog nach Malta. Dort fehlte mir der Wald, so daß ich im Sommer nach Litauen zog, wo der Sommer tatsächlich schön, der Winter aber hart war. Rechtzeitig vor einem weiteren Winter floh ich nach Italien, wo ich noch immer lebe. Seit drei Jahren arbeite ich nur mehr freiberuflich, als Übersetzer und als Jurist, nur soviel wie ich gerade arbeiten muß, um mein Leben und meine Reisen zu finanzieren.

Fünf Jahre bin ich jetzt also durch Europa gezogen. Überzeugter Europäer war ich vorher schon. Jetzt habe ich die Idee des vereinigten Europa mit Leben erfüllt. Dafür sollte es EU-Fördermittel geben, nicht für Milchkühe oder Fernstraßen. Auf Europa habe ich mich dabei beschränkt, weil ich es bei meinen früheren Reisen vernachlässigt hatte, aber auch aus Bequemlichkeit. Wenn man kein Visum, keine Aufenthaltserlaubnis, absolut nichts benötigt, um auszuwandern, ist Auswandern leicht. Von einem EU-Staat in den anderen zu ziehen war weniger bürokratisch als ein Umzug innerhalb Deutschlands.

Aber oft stehe ich vor der Weltkarte und träume von Kontinenten, auf die ich noch keinen Fuß gesetzt oder wo ich nur wenige Tage verbracht habe. In Südamerika war ich noch nie, ebensowenig in der Karibik. In Afrika und Asien war ich kaum. Wenn ich mir dann Aufenthalte in Indien und Nepal, in Bolivien und Chile, in Sambia und Sansibar vorstelle, erdrückt mich immer wieder das Gefühl: „Mir läuft die Zeit davon.“ Deshalb treffe ich zur Halbzeit des Lebens mal wieder ein paar Entscheidungen:

  • Auf keinen Fall geht es zurück an den Schreibtisch.

Manchmal hatte ich überlegt, wieder ein paar Jahre als Rechtsanwalt zu arbeiten um etwas anzusparen und danach auf Weltreise zu gehen. Aber mittlerweile habe ich gelernt, mit wenig Geld auszukommen, so daß ich das nicht benötige. Als Anwalt kann ich auch noch arbeiten, falls ich zum Reisen mal zu alt bin. Jetzt ist mir mein Leben zu wertvoll, als es im Büro zu vergeuden.

Lieber in der Wüste verfahren als am Schreibtisch versumpft.

Lieber in der Wüste verfahren als am Schreibtisch versumpft.

  • Raus in die Welt!

Es gibt mindestens 160 Länder, die ich noch nicht gesehen habe. Wenn ich jetzt nicht anfange, um die Welt zu reisen, dann schaffe ich es nie. Dabei bin ich gar nicht einer jeder Fetischisten, die jedes Land der Welt besucht haben müssen. Aber wenn ich die Städte, Berge, Nationalparks und Länder aufzählte, die ich unbedingt noch sehen möchte, dann säßen wir ein paar Stunden zusammen.

Es ist zwar traurig, daß ich noch nicht einmal alle EU-Mitgliedsstaaten besucht habe, aber nach Dänemark oder Polen kann ich auch noch fahren wenn ich 65 bin. Nach Somalia oder in den Irak nicht so leicht. (Eine Ironie der Geschichte wäre es allerdings, wenn bis dahin Dänemark oder Polen gefährlicher wären als Bagdad oder Mogadischu.)

Ich werde also zu einer Weltreise aufbrechen. Dabei weiß ich noch nicht einmal, ob es zuerst nach Osten, Westen oder Süden geht (der Norden ist zu teuer). Vielleicht werde ich mal für ein Jahr planen, aber sicher werde ich mehrere Jahre unterwegs sein. Und wenn ich einmal rund um den Globus bin und es mir gefallen hat, geht es weiter.

  • Schreiben, schreiben, schreiben.

So weit, so einfach. Aber jetzt kommt die Herausforderung: Ich möchte diese Weltreise schreibend dokumentieren und verarbeiten. Längere Reiseerzählungen. Anekdoten. Berichte zu aktuellen Ereignissen. Artikel zu Geschichte, Politik und sozialen Strukturen und Bewegungen der Länder, die ich bereise. Kurzgeschichten. Gedichte. Politische Kommentare. An meinen Fotos werden Sie sich natürlich auch weiterhin erfreuen können.

Tintin reporterGeschrieben habe ich bisher auch schon, sonst gäbe es ja diesen Blog nicht, aber 90% meiner gefüllten Notizbücher lungern in Schubladen und Rucksäcken herum, ohne daß ihr Inhalt je mit Ihnen, meinen werten Lesern, geteilt wurde. Reiseberichte und Fotos von Hiiumaa bis Sizilien, von Las Vegas bis Damaskus warten seit Jahren auf ihre Veröffentlichung.

Das ist eine Vergeudung meiner Erfahrungen, meiner Gedanken, meiner Kreativität und des Talents, das ich in Momenten des Größenwahns aufblitzen sehe. Das muß sich ändern.

Das wird sich ändern! Denn ich nehme mir vor, diese Weltreise überwiegend durch schreibende und publizierende Tätigkeiten zu finanzieren. Möglichkeiten dafür gibt es viele: den Verkauf von Artikeln und Fotos an Zeitungen und Magazine, Beiträge für Reiseführer, Crowdfunding, Vorträge, Beiträge für Radio oder Fernsehen.

Wann geht es los?

Zwar bin ich grundsätzlich ein Schnellentscheider, aber so ein Projekt erfordert ein bißchen Vorbereitung, wenn mir nicht nach einem halben Jahr irgendwo im Atlas-Gebirge oder im Kaukasus die Puste ausgehen soll.

Zuerst einmal muß ich mein journalistisches und fotografisches Portfolio auf den aktuellen Stand bringen, denn niemand wird Schrödingers Katze im Sack finanzieren. Ich muß Kontakte zu Redaktionen knüpfen, Visa beantragen, Unterkünfte auftreiben, an meiner Fitness arbeiten, Spanisch, Russisch und Arabisch lernen und sadistischen Ärzten gestatten, mir Impfstoffe gegen Malaria in den Po zu jagen.

Es kann also durchaus 2015 werden, bis es richtig losgeht. Aber ein Termin steht fest: allerspätestens zu meinem 40. Geburtstag am 6. Juli 2015 werde ich mich auf den Weg gemacht haben. Zu dem Zeitpunkt im Leben, zu dem andere sich den Besitz eines Eigenheims und von zwei Kindern (oder Hunden) vornehmen, werde ich irgendwo unter freiem Himmel campieren und in die Sterne oder aufs Meer schauen.

Mehr brauche ich nicht zum Glück.

Landstreicher waren schon immer meine Vorbilder.

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Leicht zu verwechseln (26) Steuersünderinnen

Feministische Steuersünderin in Deutschland:

Alice Schwarzer

Feministische Steuersünderin in Saudi-Arabien:

Saudi woman driving

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Die kitschigste Insel der Welt

Die Insel Galešnjak in Kroatien:

Galesnjak

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Wohnen in Frankfurt

Die Goethe-Universität in Frankfurt gaukelt den zukünftigen Studenten wenigstens keine heile Welt bezüglich des Wohnungsmarkts in der Stadt vor:

Wohnen in Frankfurt

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Fußball-WM deckt versteckte Armut auf

Daß es in Brasilien Armut gibt, weiß jeder. Macht aber nichts, weil Fußball wichtiger ist. Außerdem ist dafür die übernächste Fußball-WM in Katar, wo es – zumindest im statistischen Durchschnitt – keine Armut gibt.

Überraschend ist jedoch, daß die WM 2014 auch in Deutschland die Armut zum Vorschein treten läßt, die sonst versteckt ist. Seit dem Wirtschaftswunder gaukelt die Bundesrepublik Deutschland der Welt vor, daß es hier ständig nur aufwärts geht und jeder gleichermaßen vom Wohlstand profitiert. Die WM bringt jetzt die erschreckende Wahrheit ans Licht.

Millionen von Deutschen können sich noch immer keinen eigenen Fernseher leisten. Für jede Übertragung müssen sie sich auf öffentlichen Plätzen einfinden, wo ein großzügiger Mäzen der Kultur ein Fernsehgerät für die verarmten Massen bereitgestellt hat.

public viewing WMSelbst stärksten Unwettern sind sie schutzlos ausgeliefert. Das Armutsproblem wird zu einem Gesundheitsproblem. Viele von ihnen werden an Erkältung eingehen.

Jogi Löw RegenEin fehlendes Fernsehgerät mag man als Luxusproblem abtun, als Jammerei auf hohem Niveau. Noch schlimmer trifft es aber diejenigen, die nicht einmal ein Haus haben, das sie um ihr Fernsehgerät herumbauen könnten.

Allein in Berlin werden derzeit Tausende von Obdachlosen in Fußballstadien notdürftig untergebracht.

sofa-WM2014(To the English version.)

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