Video: Befreiung Italiens

Zugegeben, bei der eigentlichen Befreiung Italiens von den Nazis und den Faschisten im Zweiten Weltkrieg war ich nicht mit der Kamera dabei. Aber gestern, am 25. April, wurde der 69. Jahrestag der Befreiung gefeiert.

Festa della Liberazione 2014 BariDie Befreiung Italiens geschah natürlich nicht an einem bestimmten Tag, sondern zog sich fast zwei Jahre hin. Am 10. Juli 1943 landeten die alliierten Truppen auf Sizilien und kämpften sich dann mühsam und unter Verlusten nach Norden voran. Der 25. April wurde als Feiertag auserwählt, weil am 25. April 1945 die Städte Milan und Turin in Norditalien befreit wurden.

Ich war bei der offiziellen Zeremonie in Bari, bei der ein Kranz niedergelegt wurde, um der getöteten Partisanen zu gedenken. Je mehr man über die Partisanen liest, desto mehr erkennt man, daß sie wesentlich mehr Kreativität in ihrer Würdigung verdient hätten, als in dem jedes Jahr wiederkehrenden Kranz mit Schleife zum Ausdruck kommt.

Es waren nur ein paar Dutzend Menschen anwesend, davon die Hälfte Soldaten und Reporter, die wohl keine andere Wahl hatten. Ein „Komitee für die Verteidigung und die Verwirklichung der italienischen Verfassung“ verteilte Flugblätter mit komplizierten Schaubildern zur Wahlrechtsreform.

Dann wurde es aber doch noch feierlich. Michele Emiliano, der Bürgermeister von Bari, stimmte die Partisanen-Hymne Bella Ciao an, und der kleine Menschenauflauf stimmte ein in das melancholische, schöne Lied.

Gut, wenn man einen Bürgermeister hat, der singen kann. Die anwesenden Soldaten waren hingegen überwiegend nicht geneigt, in ein Lied einzustimmen, das außerhalb der regulären Streitkräfte kämpfende Partisanen würdigt. Auf dem Weg nach Hause habe ich mich mal wieder gefragt, wieso es fast überall in Europa eine kämpfende Widerstandsbewegung gegen die Nazis gab, nur nicht in Deutschland.

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Was für ein Himmel!

Manche mögen von der Kirche beeindruckt sein. Andere erfreuen sich an den spielenden Kindern. Mir hatte es der Himmel am meisten angetan.

matrice nuova Castelbuono sky

Die Kirche Matrice Nuova finden Sie in Castelbuono, einer schönen, kleinen Stadt in den Hügeln Siziliens.

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Leicht zu verwechseln (19) Erasmus-Studenten

Junge Europäer vergeuden ihr Leben 1914:

World War 1 Flanders fields dead

Junge Europäer vergeuden ihr Leben 1944:

Wehrmacht Kindersoldaten

Junge Europäer vergeuden ihr Leben 2014:

Flyer.CDRSo sehr ich in Frage stelle, was Erasmus-Studenten während ihres Auslandssemesters wirklich treiben, angesichts der obenstehenden Vergleiche muss selbst ich anerkennen, dass sie sich gegenüber den vorangegangenen Generationen gebessert haben.

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Wie schlecht ist Spaniens Infrastruktur?

Immer wieder lesen wir aus den südeuropäischen Ländern, wie sehr sie von der Wirtschaftskrise betroffen sind. Unternehmen machen zu, Stellen im öffentlichen Dienst werden gekürzt, die medizinische Versorgung leidet, Menschen wandern aus, alles geht den Bach runter.

Ein besonders krasses Beispiel bietet Spanien, und dort insbesondere die Infrastruktur. So sehen Wanderwege in Spanien aus:

caminito del rey 1 caminito del rey 2 caminito del rey 3 caminito del rey 4 caminito del rey 5 caminito del rey 6

Schuld daran ist angeblich Deutschland, wobei mir noch niemand überzeugend den Zusammenhang erklären konnte. Mir scheint eher, daß da eben auf Schulden finanzierte Kartenhäuser zusammenfallen, die irgendwann mal zusammenfallen mußten. Selbst wenn Griechenland, Portugal und Spanien weniger Geld als zuvor haben, liegt es immer noch an ihnen, zu entscheiden, ob sie es für Wanderwege oder für U-Boote, für Krankenhäuser oder für das Königshaus ausgeben.

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Wasser

Ein gutes Wandergebiet zeichnet sich aus durch das Vorhandensein von Trinkwasser, entweder natürlicher Art (Bäche, Wasserfälle) oder in Form von Brunnen.

So gestärkt kann man selbst in der größten Hitze stundenlang weiterwandern.

water ZingaroDas Foto entstand in Zingaro, einem Naturreservat an der Nordküste Siziliens.

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Mit dem Fahrrad auf den Vulkan

Die vor der Nordküste Siziliens liegende Insel Vulcano verfügt über einen noch aktiven Krater, den man besteigen kann. Durch den Rauch und die Dämpfe kann man auf einem schmalen Grat um den Kraterrand herumwandern, muß dabei jedoch auf jeden Schritt achten, um nicht in eine der heißen Spalten zu geraten oder gar abzurutschen und in die Mitte des Kraters zu schlittern.

Das hielt diesen wagemutigen Jugendlichen aber nicht davon ab, den Vulkan auf einem Fahrrad zu umrunden.

bicycle Vulcano(Foto von Günter Moser. – Click here for the English version.)

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Wahl-O-Mat Europawahl 2014

Wie vor jeder Wahl spiele ich auch vor der Europawahl 2014 mit dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung herum.

Manchmal werde ich in meinen politischen Sympathien oder meinen bisherigen Wahlentscheidungen bestärkt, manchmal kommt Überraschendes zustande, was mich zumindest dazu bewegt, mir andere als die gewohnten Parteien mal näher anzusehen. Letzteres ist ohne 5%-Hürde ja noch verlockender.

Aber diesmal hat der Wahl-O-Mat gar nichts mit meinen europapolitischen Überzeugungen anfangen können. Für überzeugte Euro- und Europabefürworter, die für Freihandel aber gegen Wirtschaftswachstum, gegen Atomenergie aber für Militäreinsätze sind, gibt es anscheinend keine passende Partei.

Wahl-O-Mat Europawahl 2014

Den Vorschlag des Wahl-O-Maten, selbst zu kandidieren, halte ich für 2014 für etwas kurzfristig. Zudem lebe ich zur Zeit in Italien, wo ich die anti-deutsche Wahlkampfstimmung mit meiner Kandidatur nicht noch unbedingt anheizen muß.

Aber vielleicht komme ich ja 2019 dazu.

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Mensch und Natur

Der Mensch kann die schönsten Gebäude errichten, die 2.500 Jahre überdauern und noch immer mit ihrer Form und Größe beeindrucken, aber die sie umgebende Natur ist doch die eigentliche Schönheit.

Segesta temple

Segesta temple in nature

Die Fotos zeigen den Tempel von Segesta, einer der ältesten Städte auf Sizilien. Die Elymer, eine der ursprünglichen Volksgruppen Siziliens, erbauten diesen Tempel um 430/420 v.Chr., stellten ihn aber nie fertig. Dafür ist er noch erstaunlich gut erhalten.

(Fotos von Günter Moser. – To the English version.)

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Aus religiösen Gründen

Elternpaar 1: Ich bin zu faul, um am Morgen aufzustehen und meine Kinder in die Schule zu bringen.

Reaktion: Was für Rabeneltern!

Elternpaar 2: Aus religiösen Gründen erlaube ich meinen Kindern den Schulbesuch nicht.

Reaktion: Respekt!

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gay-wedding-cakePerson 1: Ich will nicht, daß andere Leute heiraten.

Gesellschaft: Was geht es Sie an, was andere Menschen in ihrem Privatleben machen?

Person 2: Es ist gegen meine religiösen Überzeugungen, wenn bestimmte andere Menschen heiraten.

Gesellschaft: Diesen Einwand müssen wir ernst nehmen.

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Scientology buildingSteuerzahler 1: Ich möchte keine Steuern zahlen.

Staat: Wir schicken den Gerichtsvollzieher.

Steuerzahler 2: Ich möchte aus religiösen Gründen keine Steuern zahlen.

Staat: Oh, dafür gibt es besondere Ausnahmevorschriften. Vielleicht können wir Sie sogar noch subventionieren.

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Metzger 1: Ich schlachte Tiere so, daß sie verbluten.

Gesellschaft: Wie barbarisch!

Metzger 2: Aus religiösen Gründen schlachte ich Tiere so, daß sie verbluten.

Gesellschaft: Wie barbarisch! [Hier gibt es keinen Unterschied in der öffentlichen Meinung, weil es sich um eine jüdische und muslimische Praxis handelt.]

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Das Menschenrecht der Religionsfreiheit bedeutete ursprünglich, daß sich der Staat nicht in die Religion eines Bürgers einmischen darf, daß er keine bestimmte Religion vorgeben darf, daß er keine Religion verbieten darf, und daß er zwischen den Bürgern nicht aufgrund deren Religion diskriminieren darf. Es war nicht gedacht als ein Recht, daß religiöse Menschen dafür verwenden können, um mehr und mehr Nischen in der Gesellschaft zu erkämpfen, in der sie ihre eigenen Regeln anwenden können oder sogar den Rest der Gesellschaft zur Anwendung ihrer Regeln zu zwingen zu versuchen.

Religionsfreiheit ist ein besonders sensibles Grundrecht, da es den Glauben an etwas schützt, das Menschen nach eigenem Gutdünken erfinden und notfalls wieder uminterpretieren können, wobei sie sich oft auf Instruktionen berufen, die angeblich von jemandem anderen erlassen wurden, der jedoch gar nicht existiert. Solch ein Konstrukt ist anfällig für Missbrauch. Je mehr versucht wird, dieses Recht über seinen ursprünglichen Anwendungsbereich hinaus auszudehnen, umso weniger kann es ernst genommen werden. Wenn Religionsfreiheit zur allgemeinen Handlungsfreiheit wird, dann brauchen wir dafür kein besonderes Grundrecht. Dafür haben wir nämlich schon Art. 2 I GG: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit …“

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„Bildnis der Mutter als junge Frau“ von Friedrich Christian Delius

Bildnis der Mutter als junge Frau

Rom im Januar 1943 ist eine interessante Zeit für ein Buch, insbesondere für Leser wie mich, die sich für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und des Faschismus interessieren und selbst in Italien leben,

und die Perspektive einer deutschen werdenden Mutter, die in Rom weilt, während ihr Mann bei der Wehrmacht in Afrika dient, erschien mir eine vielversprechende des Lektüreversuchs werte Perspektive,

wobei mich die Ankündigung, daß das ganze Buch in nur einem Satz geschrieben sei, gleichermaßen neugierig wie vorsorglich ablehnend gemacht hatte,

aber die Neugier überwog letztendlich, so daß ich ein in diesem künstlichen Format gehaltenes Buch las, das überhaupt nichts dadurch gewann, daß fast alle Absätze mit einem Bindewort beginnen mußten, um auch dort den Eindruck des Zusammenhängenden zu schaffen, wo nichts zusammenhing,

und so folgte ich dem handlungsrahmengebenden Spaziergang der Schwangeren, die durch ihre protestantische Religiosität, ihr Misstrauen gegenüber allem Italienischen und ihr ängstliches und trotziges Verharren in deutschen Kreisen, obwohl sie doch in der schönsten Stadt Europas weilt, nichts an Sympathie zu gewinnen vermag,

und als ich dann, viel zu spät, bemerkte, daß der Autor seine eigene Mutter beschreibt, die ihn 1943 in Rom gebar, da stand mein Urteil endgültig fest,

daß niemand ein Buch von Vorstellungen von der Mutter von jemandem mir persönlich völlig Unbekannten benötigt, die noch dazu ohne Punkt herkommen,

so daß ich am Ende nur noch hoffte, die US-Armee möge bei der Befreiung Roms von den Faschisten und Nazis auch gleich noch ein paar Satzzeichen mitbringen.

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