Video: Schreiben im Pazifik

Ins Schreiben vertieft, bemerkte ich kaum den Tsunami, der hinter mir heranrollte. An der Südküste der Osterinsel:

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Filmkritik: James Bond „SPECTRE“

Dieser Filmkritik wird keine Spoiler-Warnung vorangestellt, weil im jüngsten James-Bond-Film SPECTRE sowieso keine Handlung zu erkennen ist. Er ist eher eine unorganisierte Aneinanderreihung von schlecht geschriebenen und lustlos gespielten Szenen. Wie eine Resterampe, auf der alles verramscht wird, was in den letzten James-Bond-Filmen als Schnittabfall übrig blieb.

Es beginnt in Mexiko, mit einer Szene, die in fast jedem Artikel als „die beste Action-Szene, die es je gab“ bezeichnet wurde, was den Verdacht aufwirft, dass viele Filmkritiker genauso geschmiert wurden wie die Produzenten von Mexiko Stadt mit Millionen dazu bewogen wurden, diese Szene in den Film einzubauen. Denn der Film beginnt nicht fulminant, sondern schlecht. Der Dia de los Muertes, dieses lateinamerikanische Allerheiligenspektakel, wäre eine dankbare Umgebung, aber der Film nützt sie nicht. Die Mexikaner sind reine Statisten, bleiben im Hintergrund, James Bond interagiert mit keinem von ihnen, keiner von ihnen tritt als Person in Erscheinung. Sie sind eine amorphe Masse ohne Individuen. Wie wenn der Film nicht genau weiß, was er mit ihnen anfangen soll.

Man merkt, dass Mexiko Stadt nicht nur die Szene gekauft hat, sondern auch die Schauspielerin Stephanie Sigman, zwischen der und Daniel Craig kein Funke überspringt. Noch schlechter sind die Actionszenen. Die Explosionen, die einstürzenden Häuser und die Blicke aus dem Helikopter sind so offensichtlich computeranimiert, dass man sich fremdschämt. Wenn Actionsequenzen 2015 schlechter aussehen als 1975, dann sollte man sich vielleicht mal wieder auf die damalige Technik besinnen (Tipp: Stuntmänner statt Computerjungs).

Die Filmmusik Writing’s on the Wall von Sam Smith  ist zum Einschlafen. Im Vorspann erscheinen Bilder der Protagonisten aus den drei vorangegangenen Filmen und bestätigen meine Befürchtung: ein weiterer Rückschau- und Rückblenden-Bond, anstatt ein alleinstehender Film. Und dazu eine vollkommen blöde Familiengeschichte, in der Bond und der Bösewicht Blofeld eine gemeinsame Kindheit hatten. Nur dumm, dass dies keinem der früheren Bonds oder Blofelds je einfiel, geschweige denn in den Büchern von Ian Fleming erwähnt wurde.

Monica Bellucci als Witwe eines eben erst Getöteten wird nicht verführt, sondern regelrecht sexuell belästigt. So etwas hatten wir ja schon in Skyfall, wo der ehemaligen Kinderprostituierten das gleiche Los widerfährt. Von der Diskussion um die Grenzen zwischen einvernehmlichem Sex und Vergewaltigung scheinen James Bond, die Drehbuchschreiber, Regisseure und Produzenten nichts zu halten. Der Gesichtsausdruck von Monica Bellucci bringt ihre Gedanken deutlich zum Ausdruck: „Was soll diese Scheiße? Ich hätte solch eine Rolle vor 20 Jahren bekommen sollen.“

SPECTRE Monica Bellucci

„Wann ist dieser Film endlich vorbei? Knallt mich doch bitte jemand ab!“

Nun ist mir durchaus bewusst, dass James-Bond-Filme noch nie durch in sich schlüssige Geschichten bestochen haben. Dass Bond Flugzeugabstürze überlebt, von Maschinengewehrsalven nie auch nur ein einziges Mal getroffen wird, und der Bösewicht am Ende immer seinen Plan preisgibt, daran haben wir uns gewöhnt. Das stört uns nicht. Aber was einem in SPECTRE vorgesetzt wird, ist wirklich eine Beleidigung der Zuschauer. Nicht einmal der halbseidenste rote Faden ist vorhanden.

Bond wird zum mittlerweile dritten Mal suspendiert, behält aber nicht nur seinen Job, sondern kann aus dem MI6-Keller unentdeckt ein Auto entwenden und erhält die Unterstützung von Q, der anscheinend seinen Arbeitsplatz für ein paar Tage in Österreich verlassen kann, ohne dass ihn – trotz Totalüberwachung, dem Thema des Films – jemand vermisst.

Mit eben jenem Auto fährt Bond dann schnurstracks von London nach Rom, wo überhaupt kein Verkehrschaos herrscht, so dass sich Bond und ein Verfolger eine angeblich rasante Verfolgungsjagd liefern können. Dass das einzige Auto, das ihn aufhält, ein Fiat 500 mit einem alten Italiener, der eine Oper hört und mitsingt, ist, zeigt, in welche kitschigen Tiefen dieser Film sinkt.

Als Bond in Rom das geheime Treffen der Geheimorganisation SPECTRE findet, das – ganz geheim – in einem riesigen Palast mit Dutzenden von Luxusautos vor der Tür stattfindet, wird er von Oberhauser schon erwartet. Komisch nur, dass Oberhauser/Blofeld, der sonst an alles denkt und vorausplant, Bonds Wagen einfach so auf dem Parkplatz stehen lässt, damit Bond fliehen kann.

Mr White will sich vor SPECTRE verstecken, baut aber eine Webcam in seinem Wohnzimmer auf, die alles in die SPECTRE-Zentrale überträgt. Im Hotel in Tanger (ich glaube, es ist das aus den mittlerweile besseren Jason-Bourne-Filmen) hat er einen Geheimraum voll mit laufenden Computern, den er aber anscheinend nach jedem Besuch zumauert und von dem das Hotel nichts bemerkt.

Wieso will der für Oberhauser/Blofeld arbeitende Dicke im Zug James Bond töten, wenn Oberhauser/Blofeld ihn doch bereits erwartet? Und in Marokko kann man anscheinend unbehelligt den Zug an der Haltestelle „Geheimes Hauptquartier des Bösewichts in der Wüste“ verlassen, nachdem man die Waggons zerstört hat.

Geredet wird in dem Film nicht viel, womöglich weil dann die fehlende Handlung auffiele. Die wenigen Dialoge sind so etwas von flach („Warum bist Du gekommen, James?“ – „Ich bin gekommen, um Dich zu töten.“ – „Und ich dachte, Du bist gekommen, um zu sterben.“ soll wohl ein billiger Goldfinger-Aufguss sein) und werden vorgetragen wie bei einem Schülertheater. Gerade bei Daniel Craig und Christoph Waltz kam es mir vor, wie wenn sie unter Protest spielten. Christoph Waltz bringt in jeden Talkshow-Aufritt mehr Elan. Ja, selbst seine gedruckten Interviews lesen sich spannender als dieser Film.

Der angeblich so geniale Bösewicht lässt Bond seine explosive Uhr, die dieser trotz Fesselung freibekommt, und die er so zur Detonation bringen kann, dass sie all seine Fesseln auf wundersame Weise sprengt, ihn selbst unverletzt lässt und Blofeld die Gesichtsverletzung verpasst, trotz derer er wenige Stunden später schon wieder aktiv ist. Bond selbst leidet auch keine Sekunde unter dem Schlagbohrer, der ihm vorher das Gehirn zerstört hat. (Die Drehbuchautoren hingegen scheinen diese Methode selbst mit mehr Erfolg ausprobiert zu haben.)

SPECTRE Daniel Craig plane

Abgestürzt und fluguntauglich. Wie der ganze Film.

Bond entkommt, Blofeld lockt ihn wieder in eine Falle, natürlich wieder in London, wie in all den vorherigen Filmen. Wieder wird das Mädchen irgendwo festgebunden, und Bond muss sie retten bevor die aus Goldeneye bekannte 3-Minuten-Bombe losgeht. Zum Glück steht das Boot aus Die Welt ist nicht genug noch fahrbereit in der völlig ausgebrannten MI6-Zentrale, der Schlüssel steckt, der Tank ist voll, und Bond kann einen Helikopter mit einem Schuss aus der Pistole zum Absturz bringen, den Blofeld natürlich erneut überlebt.

Und so weiter, und so weiter. Nichts als schwachsinniger Stuss und dämliche Kopien der letzten Filme. Zum Teil werden die Szenen eins zu eins übernommen, leider jedoch wieder die unlogischsten. Wie schon in der Anfangsszene von Casino Royale merkt der Schreibtischspion nicht, dass seiner Pistole das Magazin entnommen wurde und drückt ab. Wer jemals eine Pistole mit und ohne Magazin in der Hand gehalten hat, wird den Gewichtsunterschied sofort bemerken. So dumm ist niemand. So dumm, die gleiche dumme Szene zweimal zu verwursten, ist leider doch jemand.

Als James-Bond-Fan fällt es mir schwer, solch ein hartes Urteil abzugeben, aber ich kann mich wirklich an nichts Positives an dem ganzen Film erinnern. Spart Euch das Geld, dieser Film verdient keine müde Mark, und die Drehbuchautoren verdienen eine besondere Schmähung.

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Video: Wohnungssuche in Südamerika

Wie Ihr mitbekommen habt, hatte ich in Südamerika bis jetzt kein großes Glück bei der Wohnungssuche. Insbesondere war es überall zu laut zum Lesen, Schreiben und Denken, geschweige denn zum Schlafen.

Ein Immobilienmakler hat mir schließlich diese Wohnung in Humberstone in Chile vorgeschlagen:

Ich habe sofort zugegriffen.

Die Vermieter waren so nett, mir die Wohnung einzurichten. In der Küche lag sogar eine Schale mit Obst bereit.

esszimmer

Am gemütlichsten wurde das Wohnzimmer.

wohnzimmer

Das Gästezimmer ist eher spartanisch eingerichtet, verfügt aber immerhin über einen Ofen, an dem Ihr Euch wärmen könnt, wenn Ihr mal vorbeischaut.

ofen

Besonders aufmerksam fand ich, dass meine Bemerkung, dass ich mich schreibend betätige, zur ungefragten Zurverfügungstellung einer Schreibmaschine führte. Endlich kann ich das N mit Tilde tippen: ÑÑÑÑÑÑ.

schreibmaschine

Neben der Stadt gibt es einen arg windigen Hügel, von dem aus ich Euch einen Panoramablick über die gesamte Ansiedlung offerieren kann.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

Ich glaube, Humberstone ist die einzig vollkommen autofreie Stadt in Südamerika. Vorbildlich. Internet gibt es hier allerdings auch nicht.

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Nach dem Hurrikan

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Emma & Timmi

Man sagt, dass Blogs beliebter werden, wenn sie Katzenfotos veröffentlichen.

Zum Glück hat mir meine Mutter diese Fotos ihrer beiden Katzen Emma (braun) und Timmi (grau) geschickt.

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Kon-Tiki

Bei der Vorbereitung meiner Reise zur Osterinsel kam mir natürlich wieder Kon-Tiki in den Sinn, eines der ersten Expeditionsbücher, das ich gelesen habe. Zwar segelte die Crew um Thor Heyerdahl 1947 nicht zur Osterinsel sondern weiter nördlich, doch die zugrundeliegende Frage, ob die Inseln Polynesiens von Asien oder von Südamerika aus besiedelt wurden, betrifft den gesamten Südpazifik.

Die Methodik Heyerdahls ist wissenschaftlich überholt. Heutzutage analysiert man DNA-Strukturen, um Wanderungsbewegungen zu rekonstruieren, anstatt 101 Tage auf einem nicht besonders navigationsfähigen Floß inmitten von Haien, die zur Abwechslung gerne mal einen Skandinavier verspeisen würden, zu treiben. Aber spannender war die Kon-Tiki-Expedition allemal. Nur so wurde ein bis dahin rein wissenschaftlicher Diskurs einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

2012 wurde die Erinnerung an die Expedition wieder wachgerufen als Kon-Tiki in die Kinos kam. Ein eher kitschiger Versuch, die Forschungsreise einer kitsch- und actiongewohnten Generation nahezubringen.

Wer jetzt denkt, das mit den Haien und Walen sei übertrieben, für den gibt es ein tolles Filmdokument: Aufnahmen von der Expedition aus dem Jahr 1947.

Mir war bisher nicht bewußt, dass die Abenteurer/Forscher auch filmten. Daraus entstand ein Dokumentarfilm, der unendlich beeindruckender als die Neuverfilmung ist. Dafür gab es 1952 sogar einen Oscar.

Hier noch ein Ausschnitt:

Um den gesamten Film zu sehen, müsst Ihr aber schon in das Kon-Tiki-Museum in Oslo gehen. Ein Taxi vom Osloer Hauptbahnhof bis zur Halbinsel Bygdøy, wo das Museum liegt, kostet passenderweise genauso viel wie ein Flug zum Tuamotu-Archipel.

1955 kam Thor Heyerdahl dann übrigens doch noch auf die Osterinsel. Auch hier vertrat er die Theorie der primären Besiedlung von Südamerika aus. Einfluss auf die Osterinsel hatter er aber schon vorher. Mit der erfolgreichen Kon-Tiki-Expedition war bekannt geworden, dass einfache Flöße hochseetauglich waren und dass man nur einmal die richtige Strömung erwischen musste, um ziemlich weit zu kommen. Dieses einmal ins Ohr gesetzte Floß ließ die Osterinsulaner nicht mehr los. Einige Familien bauten sich ihre eigenen Schiffe und flohen die 4258 km nach Tahiti.

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Paypal ist übersensibel

Wie Ihr wisst, biete ich gegen eine kleine Spende Postkarten von den spektakulärsten Orten der Welt an. Dadurch halte ich meinen Blog am Laufen, und es bringt einen Lichtblick in Euer gestresstes Leben, wenn Ihr eines Abends nach 14 Stunden im Büro eine Postkarte von der Osterinsel vorfindet.

Kürzlich erhielt ich eine Nachricht von Paypal, dass eine der Spenden „verdächtig“ sei und dass dies „untersucht“ werden müsse. Ich dachte, dass ein Leser vielleicht nicht ausreichend Deckung auf seinem Konto hätte, oder dass es sich um einen Drogendealer oder um eine dieser verdächtigen nigerianischen Prinzessinnen handelte, die Millionen verschenken.

Aber nein. Es war nur ein Leser, der den Wunsch geäußert hatte, keine Postkarte aus dem Iran zu erhalten.

Das war Anlass genug für Paypal, ihn zu kontaktieren und zu fragen, was zum Henker er sich dabei gedacht hatte, das Wort „Iran“ in seiner Überweisung aufzuführen. Seine Erklärung, dass er eben eine Postkarte aus jedem anderen Land bevorzuge, reichte nicht aus, um Paypal davon zu überzeugen, dass diese Überweisung nichts mit dem Iran zu tun hatte, nicht aus dem Iran stammte, nicht für den Iran bestimmt war und das 15 $ sowieso kein erheblicher Beitrag zu einem Nuklearwaffenprogramm wären.

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Also lehnte Paypal die Überweisung ab. Der Spender versuchte es noch zweimal, ohne irgendeinen Verewndungszweck, aber beide Male wurde die Zahlung zurückgewiesen.

Wahrscheinlich sind wir jetzt beide auf einer Liste von Terrorverdächtigen.

Paypal, Ihr müsst wirklich ein bisschen lockerer werden.

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Was isst man in Peru?

Meerschweinchen und Katzen. Ehrlich.

Als ich in Peru zum ersten Mal „guinea pig“ angepriesen sah, dachte ich noch, es wäre einer jener lustigen Übersetzungsfehler, die bei Speisekarten immer mal wieder passieren. Aber nein, liebe Kinder, das was Ihr zuhause streichelt und von dem Ihr nicht merkt, wenn es Eure Eltern durch ein neues ersetzt haben nachdem das alte verstorben ist, kommt hier auf den Teller.

Und zwar nicht in irgendeiner bereinigten oder beschönigenden Form, sondern mit Kopf und Klauen.

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Wie Ihr an den Fotos seht, ist das keine Bergbauernmahlzeit für Notfälle. Es sind teure Restaurants, die diese Barbarei anbieten.

Wenn die Meerschweinchen ausgehen, schnappt sich der Koch eine Katze. „Warum nicht eine Kuh?“ fragt Ihr Euch, aber die braucht man in spanischsprachigen Ländern bekanntlich für Stierkämpfe.

Da Katzen eine größere Lobby haben, zerhackt man sie wenigstens bis zur Unkenntlichkeit und macht eine Art Gulasch daraus. Gegrillte Katze gibt es aber angeblich auch.

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Zugegeben, das mit den Katzen ist örtlich und zeitlich begrenzt. Jedes Jahr im September wird das „Festival Comegato“ in Cañete abgehalten. Natürlich, wie alles in Lateinamerika, zu Ehren irgendeiner heiligen Jungfrau.

Aber die Meerschweinchen gibt es immer und überall.

Jetzt aber mal etwas Positives: Rocoto relleno ist, wie ich dachte, gefüllter Paprika, der mit Käse überbacken wird und so ziemlich das schärfste ist, was ich je gegessen habe. Scharf, aber gut. Extrem gut. Das ist zwar auch mit Fleisch gefüllt, aber wenigstens erkennt man keine putzigen Füßchen oder unschuldigen Äuglein.

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Meine Annahme, dass es sich dabei um normale Paprika handelte, wurde durch die gleiche Größe, Farbe und Textur bestätigt. Die Schärfe müsse also von Gewürzen kommen, mutmaßte ich. So kaufte ich am Markt ein Kilo rocoto und bereitete daraus einen Salat zu, den ich reichlich mit Zwiebeln und Pfeffer schärfte. Nur Paprika wäre zwar gesund, aber fad.

Mein Mund explodierte! Das war wie Feuerschlucken. Zuerst dachte ich, dass die Zwiebeln verdammt scharf wären, aber es war der Paprika. Beziehungsweise das paprikaähnliche Gewächs, dessen deutscher Name treffenderweise Baumchili ist, den ich als Europäer natürlich nicht kannte. Bei der Recherche habe ich wieder etwas Neues gelernt. Ihr kennt den Streit darum, was schärfer ist, der unter subjektiven Empfindungen leidet? Die Rettung liegt in der Scoville-Skala, die die Schärfe von Paprikafrüchten mißt. Eine Peperoni liegt zwischen 100 und 500 Scoville-Punkten. Ein Jalapeño, für die meisten Menschen das Limit des Erträglichen, hat schon zwischen 2500 und 8000 Punkte. Und der rocoto, den ich lustig in meinen Salat schnippelte? Zwischen 30.000 und 100.000.

Wenn Ihr in Europa an so ein Gemüse kommt, probiert es mal. Oder, noch besser, bringt es jemandem als Geschenk für die Zubereitung von Salat mit. Das wird ein lustiger Abend! Und wenn peruanische Freunde zu Besuch kommen, versteckt besser das Meerschweinchen.

(To the English version.)

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„Du kannst im Garten parken.“

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Fotografiert in Chisinau, Moldawien.

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Timișoara: Europäische Kulturhauptstadt 2021

Und damit habt Ihr den 371. Grund, endlich mal Rumänien zu besuchen: Timișoara wird eine der Europäischen Kulturhauptstädte 2021. Wie alles im multilingualen Rumänien hat auch Timișoara einen deutschen Namen: Temeschwar, Temeswar oder Temeschburg.

Obwohl ich ein Jahr in Rumänien gewohnt habe, habe ich keine eigene Fotos von Timișoara, wie ich gerade feststelle. Ich habe die Stadt im äußersten Westen Rumäniens nur zweimal auf dem Weg nach und von Belgrad kurz besucht, wollte immer wieder zurückkommen, und habe es dann – hauptsächlich weil Rumänien viel größer ist als ich es mir vorstellte – nie geschafft. Also auch für mich ein Grund, mal wieder nach Rumänien zu fahren.

Das erste Mal kam ich an einem kalten Oktobertag nach einer langen und quälend engen Busfahrt in Timișoara an. Es regnete in Strömen. Ich musste den Nachmittag totschlagen, bis ich abends bei Elena unterkommen konnte, die mir über Couchsurfing eine Übernachtung angeboten hatte. Die Straßen in der ganzen Innenstadt waren aufgerissen für irgendwelche Kanalarbeiten, und im Regen watete ich durch den Schlamm, während mir von Stunde zu Stunde kälter wurde.

Und dennoch gefiel mir die Stadt. Timișoara war mal ungarisch, mal osmanisch, mal österreichisch, für kurze Zeit serbisch gewesen und jetzt natürlich rumänisch. Die Stadtviertel heißen noch immer Josefstadt, Elisabethstadt oder Freidorf. Die Innenstadt ist eine typische Stadt im Habsburgerstil, und lange vor der Krönung als Kulturhauptstadt konnte ich mich an eine Menge Buchläden, Gallerien und ein umfangreiches Theaterprogramm in rumänischer, ungarischer und deutscher Sprache erinnern.

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Der Siegesplatz hingegen wird von rumänischer Architektur, insbesondere der rumänisch-orthodoxen Kathedrale der heiligen drei Hierarchien mit den märchenschlosshaften Türmen, der Handelskammer und dem Nationaltheater dominiert.

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Couchsurfing-Gastgeber sind meist sehr freundlich und hilfsbereit, aber das umfangreiche Essenspaket, das mir Elena am nächsten Morgen mitgab, hatte ich wirklich nicht erwartet. Sie packte mir genug Sandwiches, Obst und Kohlrouladen ein, um während der gesamten Zugfahrt nach Belgrad zu essen, mich dort in einen Park zu setzen um weiterzuessen, und den Rest, den ich in jener Woche unmöglich noch verschlingen konnte, mit einem Obdachlosen zu teilen.

Zwei Wochen später, auf dem Rückweg von Belgrad nach Timișoara traf ich im Zug auf Tyler, einen jungen Mann aus Tennessee in den USA. Er hatte ein Jahr lang wie wild geschuftet, war wieder bei seinen Eltern eingezogen, ging nicht mehr aus, weil er alles für eine einjährige Weltreise sparen wollte. Er wollte über Rumänien und Bulgarien nach Istanbul und war von Europa höchst angetan. „Wenn das so weitergeht wie bisher, kann ich sogar drei Jahre lang reisen. Ich gebe viel weniger Geld aus als geplant, weil ich ständig von Mädchen eingeladen werde, ein paar Wochen in ihrem Strandhaus zu wohnen“, wunderte er sich über kontinentale Gastfreundschaft, und ich brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass das hauptsächlich daran lag, dass er aussah wie Brad Pitt.

Tyler hatte allerdings zuviel Vertrauen in die Pünktlichkeit der rumänischen Bahn, und dachte deshalb, dass einige Minuten Aufenthalt in Timișoara genug wären, um den Nachtzug nach Bukarest zu erwischen. Die rumänische Staatsbahn CFR garantiert jedoch bei jeder Fahrt eine Mindestverspätung von 30% oder 2 Stunden, je nachdem was länger ist. Da ich ihn nicht auf dem Bahnhof erfrieren lassen wollte und da ich zufällig ein Hotelzimmer mit zwei Betten gebucht hatte, nahm ich ihn einfach mit und ließ mir dafür ein Abendessen (wieder Krautrouladen) spendieren. Die ganze Nacht lag ich dann wach und bereute meine Gastfreundschaft, weil Tyler schnarchte wie ein Bär. Aber ich gleite ab in persönliche Anekdoten, wenn ich doch eigentlich über Timișoara schreiben will.

Ich finde die Wahl vor allem deshalb verdient, weil Timișoara in der Geschichte des Falls des Ostblocks eine Rolle spielt, die nur deshalb vergessen wurde, weil 1989 überall auf der Welt so viel passierte, dass niemand den Überblick behielt. Dass die rumänische Revolution im Dezember 1989 in Timișoara begannen, war vielleicht kein Zufall. Dort, an der Westgrenze des Landes, konnte das jugoslawische und ungarische Fernsehen empfangen und von den Angehörigen der serbischen und ungarischen Volksgruppen im Banat verstanden werden. Die Banater Schwaben waren über familiäre Kontakte über das Ende der DDR unterrichtet. Die Berliner Mauer war zu dem Zeitpunkt schon offen, ebenso der Eiserne Vorhang zwischen Ungarn und Österreich. So fügte sich ein Gesamtbild von den Umwälzungen in Osteuropa, das die Rumänen motivierte, mit dem verhassten Diktatorenehepaar Ceaușescu Schluß zu machen. Das wurde dann allerdings blutiger als in allen anderen europäischen Staaten. Zehn Tage lang tobten die Kämpfe.

Vielleicht wie keine andere Stadt ist Timișoara deshalb dazu geeignet, sich der Fortschritte bei der Einigung zwischen Ost und West in Europa bewußt zu werden. Vor 27 Jahren Bürgerkrieg und Massaker, seit 9 Jahren EU-Mitgliedschaft und jetzt eine der Städte Europas mit der niedrigsten Arbeitslosenquote. Hier gedeiht nicht nur die Kultur, sondern auch Unternehmen aus aller Welt siedeln sich an. Der Boom zeigt auch dergestalt Wirkung, dass ich 2014 keine erschwingliche Wohnung in Timișoara fand und stattdessen nach Târgu Mureș ziehen musste.

Die weiteren Kulturhauptstädte 2021 werden noch zu bestimmende Städte in Griechenland und in Montenegro sein (ich hoffe auf Cetinje), so dass sich eine große Balkantour anbietet. Es gibt jedoch keinen Grund, damit noch fünf Jahre zu warten.

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