Die Synagoge neben der Moschee

Geographie war anscheinend nicht die starke Seite des von mir vor Urzeiten besuchten Gregor-Mendel-Gymnasiums in Amberg. Denn von Suriname habe ich erst jetzt bei der Vorbereitung meiner Südamerikareise Näheres erfahren, und von seiner Hauptstadt Paramaribo habe ich gar zum ersten Mal gehört. Aber als ich das Foto einer Moschee neben einer Synagoge sah (dazu gibt es noch Kirchen und einen Hindu-Tempel in der Stadt), bekam ich eine Vorahnung davon, dass Suriname eines der interessantesten Länder auf meiner Reise werden könnte. Die Straße, in der die beiden Gotteshäuser friedlich nebeneinander stehen, heißt, und das machte meine Begeisterung über diesen Kulturmix komplett, Keizerstraat (Kaiserstraße).

Moschee-Synagoge

Kann es sein, dass dieses Land im südamerikanischen Dschungel mit seiner indischen, kreolischen, indonesischen, maroonischen, chinesischen und niederländischen Bevölkerung, unter der Christen, Hindus, Muslime, Buddhisten, Juden und hoffentlich auch ein paar Atheisten sind, in Zeiten verstärkter Einwanderung und Vielfalt in Europa ein paar Lektionen für uns bereithält? Die Geschichte Surinams hört sich danach an, dass Multi-Kulti nichts Neues ist und dass die „Ströme“ von Einwanderern nach Europa gering sind im Vergleich zu dem, was andere Kontinente zu anderen Zeiten aufgenommen haben, inklusive der Auswanderer aus Europa. Wenn kleine südamerikanische Länder das schaffen, warum sollte dann nicht auch Europa von einem Mix aus verschiedenen Kulturen, Sprachen und Religionen profitieren?

Nächstes Jahr werde ich das hoffentlich herausfinden!

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„Du sollst aufs Rektorat kommen!“

Als Student an der Universität Belgrad folgt man dieser Aufforderung gerne, führt sie einen doch in eines der schönsten Gebäude der Stadt.

Rektorat Uni Belgrad

Und nach der überraschenden Nachricht über das bewilligte Stipendium kann man sich gegenüber im Studentski Park entspannen. In unmittelbarer Nachbarschaft zur philosophischen und philologischen Fakultät trifft man hier nicht nur hüsche, sondern auch intelligente Mädchen. Mich selbst haben allerdings nur ein Junge und ein älteres Ehepaar angesprochen, mit denen ich mich dann aber den ganzen Nachmittag bestens unterhalten habe.

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Frieden in Kolumbien? Gerade rechtzeitig!

Im Januar oder Februar 2016 werde ich irgendwo auf dem Amazonas treiben, auf einem flussaufwärts segelnden Boot, und von Tag zu Tag tiefer in den Dschungel eintauchen. Auf dem Weg zu einem der vielen Zuflüsse des Amazonas kann es gut sein, dass letztlich der Zufall entscheidet, wo ich landen werde.

Es gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

  • Ein Boot nach Iquitos in Peru und von dort aus wiederum weiter mit dem Boot ins Landesinnere von Peru (die Fitzcarraldo-Route).
  • Mit etwas Glück und viel Geduld finde ich vielleicht ein Boot nach Cobija in Bolivien, wobei auf dieser Route kein regelmäßiger Schiffsverkehr zu laufen scheint und Cobija während der Regenzeit vom Rest des Landes abgeschnitten ist.
  • Ich kann in Tabatinga (Brasilien) von Bord gehen und über die Grenze nach Leticia in Kolumbien spazieren. Das hat auch seine Tücken, weil kein Fluss existiert, der Leticia mit dem Rest Kolumbiens verbindet, und weil die nächste Fernstraße 800 km weit weg liegt. Ich müsste also durch den Dschungel marschieren, was an sich schon beängstigend ist, aber in Kolumbien dadurch noch furchterregender wird, dass genau dort seit mehr als 50 Jahren der Bürgerkrieg zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC-Rebellen tobt. Die FARC hat die lästige Angewohnheit, Touristen zu ermorden, weil sie diese für Spione halten, sobald sie eine Kamera oder ein GPS-Gerät bei sich tragen.
Die Linien sind Flüsse und Grenzen, keine Straßen. Es gibt dort keine Straßen.

Die Linien sind Flüsse und Grenzen, keine Straßen. Es gibt dort keine Straßen.

Gerade rechtzeitig für meinen Ausflug nach Südamerika scheint sich das letztgenannte Problem zu lösen. Zumindest machen die kolumbianische Regierung und die FARC große Fortschritte zur Beilegung des am längsten andauernden Konflikts der westlichen Hemisphäre. Sie befinden sich auf der Zielgeraden zu einem Friedensabkommen. Das sind gute Nachrichten, auch wenn die Frist für die endgültige Einigung im März 2016 bedeutet, dass ich den undurchdringlichen und hochgefährlichen Dschungel noch während des Bürgerkrieges, bestenfalls während eines Waffenstillstands, durchqueren werde. Ich hoffe einfach darauf, dass alle Beteiligten des Kämpfens schon müde sind und die Rebellen emsig mit dem Erstellen ihrer Lebensläufe und dem Aushandeln von Buchverträgen anstatt mit Geiselnahmen beschäftigt sind.

Colombia peace deal

Nun da dieses Problem aus dem Weg geschafft wird, hoffe ich, dass jemand einen Friedensvertrag mit den Piranhas und den Anacondas aushandelt.

– – –

War von Euch schon mal jemand in dem oben angesprochenen Eck des Regenwaldes und hat Erfahrungen mit einer oder mehrerer der angedachten Routen? Danke! ¡Gracias!

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Flug nach Montenegro

“Cabin crew, prepare for landing” kam das Kommando durch die Lautsprecher und füllte die leise Kabine des frühmorgendlichen Flugs von Belgrad nach Podgorica. „Wo kann man hier landen?“ fragte ich mich etwas besorgt, denn ich hatte nur dramatische Berge, teilweise mit Schnee bedeckt, und dazwischen ein paar Seen erblickt.

Der kurze Flug von der serbischen in die montenegrinische Hauptstadt war mir eher wie ein landschaftlich reizvoller Rundflug als wie eine Personenbeförderung von A nach B vorgekommen. Die Sonne brach nur sporadisch durch die Wolken und hellte das dunkle, schaurige Licht der Berge etwas auf. Aber immer wenn die Sonne sich durchgesetzt hatte, benötigten die Berge nicht lange, um ihre wolkige Decke mit Nachdruck zurückzuziehen, wie wenn sie um 30 weitere Minuten Schlaf rangen. Jetzt verstand ich, woher der Name kam: Montenegro, die schwarzen Berge.

Sogar der kleine Flughafen kam mir eher wie ein Gebirgskurort vor. In solch einem Land muss es einfach gewesen sein, den genauen Ort für den Flughafen zu bestimmen. Man nimmt das einzige einigermaßen flache Stück Land, das man finden kann, und enteignet den Landwirt, dem es gehört. Das Fughafen-Kürzel TGD deutet noch auf die jugoslawische Vergangenheit hin: Titograd.

Zu Eurer großen Enttäuschung gebe ich beim Fliegen mein gesamtes Gepäck auf, einschließlich der Kamera, weil ich gerne mit nichts weiter als einem Buch an Bord gehe. So konnte ich erst vom Flughafen aus ein Foto machen, was ich zutiefst bedauerte.

mountains airport Podgorica

Beim Rückflug von Tivat nach Belgrad wollte ich diesen Fehler wettmachen, aber an jenem Tag war die Wolkendecke zu dicht.

mountains through the clouds

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Wie Phönix aus der Asche

Das Opernhaus La Fenice in Venedig hat seinen Namen (die italienische Version von Phönix) wahrlich verdient. Mehrfach abgebrannt, immer wieder aufgebaut.

Fenice1

Zuletzt wurde es 1996 von einem der am Bau beteiligten Elektroingenieure in Brand gesteckt. Enrico Carella befand sich mit seinen Arbeiten im Verzug und wollte eine Vertragsstrafe von 7.500 € umgehen. Das Gebäude brannte vollkommen nieder. Eine klassische Überreaktion. Wenn der Ingenieur stattdessen um Spenden gebeten hätte, wären die 7.500 € wahrscheinlich schnell zusammen gekommen.

Seit 2003 ist das Opernhaus wieder geöffnet.

Fenice2

Delikat fand ich angesichts der Geschichte des Hauses die Wahl des Sponsors: die Kaffeemarke Hausbrandt. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist.Fenice3

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Herbst in Belgrad

Herbst1 Herbst2 Herbst3 Herbst4 Herbst5

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Büchermarkt in Belgrad

Ich beurteile Städte unter anderem danach, wieviele Buchläden es dort gibt. In der kurzen Fußgängerzone von Belgrad habe ich nicht nur mindestens vier Buchhandlungen entdeckt, sondern zusätzlich diesen Bücherflohmarkt.

book market

Und nach lektüremäßig entbehrungsreichen Balkanreisen ist es immer wieder schön, nach Belgrad zurückzukehren und im Zeitschriftenladen gegenüber dem Studentski Park die Süddeutsche Zeitung vorzufinden.

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Ein romantischer Spaziergang

paar panzer kalemegdan

Fotografiert in der Kalemegdan-Festung in Belgrad, Serbien im Oktober 2014.

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Wo die Gondeln gebaut werden

Mitten in Venedig, zwischen all den prunkvollen Palästen, den Kirchen, Kathedralen und Museen stehen ein paar Holzschuppen, so deplatziert wie wenn sie erst heute morgen mit dem Zug aus Südtirol angekommen wären.

Es ist die Schreinerei, wo die Gondeln gezimmert werden.

Gondelschreinerei

So sehen sie fertig aus:

gondolas Venice

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Durchgangsstädte

Wer öfter mit dem Zug unterwegs ist, kennt das: Es gibt bestimmte Bahnhöfe, an denen man immer wieder Halt macht, um umzusteigen, aber die dazugehörige Stadt lernt man nie kennen.

So haben ICE-Fahrgäste schon Millionen von Stunden in Fulda oder Kassel zugebracht, sind aber nie über den Bahnhof oder allenfalls die dazugehörige Kneipe hinausgekommen. Man hat meist nur eine Stunde Zeit oder ist auf dem Weg von der Arbeit oder der Fernbeziehung zu müde, um sich historische Altstädte anzusehen. Auf dem Weg von Amberg zur Universität in Regensburg und zurück bin ich hunderte Male in Schwandorf umgestiegen, aber weiter als bis zum Zeitschriftenladen kam ich während der ganzen Zeit nie.

In Rumänien erfüllt der Ort Războieni diese Funktion. Beim Studieren des Fahrplans der rumänischen Eisenbahn fiel mir immer wieder dieser Name auf. Egal ob von Târgu Mureș (deutsch: Neumarkt am Mieresch) nach Cluj (Klausenburg), von Timișoara (Temeschwar) nach Brașov (Kronstadt), von irgendwo sonst nach überallhin, jeder Zug, der das Land durchquert, fährt durch oder endet in Războieni. „Das muss ja eine wichtige Stadt sein“, dachte ich mir und freute mich auf die paar Stunden Aufenthalt, die mir der großzügige Fahrplan dort jedes Mal gwähren würde.

Burgen, Schlösser und Museen erwartend, sprang ich aus dem Zug, rannte durch die Bahnhofshalle und sah – nichts.

field Razboieni

Nur Felder, mit Raureif bedeckt. Ein einzelner Feldweg, an dessen Ende in ein paar Kilometern Entfernung ein Dorf lag. Das war also Războieni, der rumänische Eisenbahnknoten. Dass sich der Weg zu den paar Häusern am Horizont nicht lohnen würde, sah ich auch von hier. Ich drehte mich um, wieder dem Bahnhof zugewandt, und bemerkte erst jetzt dessen armseligen Zustand.

train station Razboieni

Ja, das Foto zeigt den Haupteingang.

Es gab keinen Kiosk, keinen Laden, keinen Getränkeautomaten. Links neben dem Bahnhofsgebäude stand ein Haus, das mal ein Wirtshaus gewesen sein könnte. Es war leer, tot und traurig anzusehen.

restaurant Razboieni

Ich ging in die Wartehalle (es war zu kalt, um draußen herumzustehen), wo schon einige Bahnkunden schliefen. Wenigstens hatte ich genug zum Lesen dabei.

Ähnlichen Duchgangscharakter haben Grenzorte. Wenn man von Rumänien nach Serbien fährt, steigt man kurz nach der Grenze in dem serbischen Ort Vršac um, den auszusprechen einem leichter fällt, wenn man sich an dem deutschen Namen Werschetz orientiert. Vršac ist zwar durchaus eine Kleinstadt (35.000 Einwohner), aber weil man nur eine Stunde Wartezeit hat und man dringend nach Belgrad will, hängt man meist am Bahnhof herum.

Dieser ist jedoch um vieles schöner und strahlt den Glanz des Habsburger- oder des jugoslawischen Königreichs aus. Auch tummelt sich hier die internationale Jugend, die ihre Ersparnisse oder ihr BAföG in die Erkundung des Kontinents gut investiert.

Vrsac train station

Auf der Rückfahrt nach Timișoara traf ich hier zwei Amerikaner, von denen einer kein Hotelzimmer für die Nacht und auch keinen Plan zur Beseitigung dieses Notstands hatte. Da ich schon ein Doppelzimmer gebucht hatte, nahm ich ihn kurzerhand mit und machte dann die ganze Nacht kein Auge zu, weil Tyler aus Tennessee schnarchte wie ein Bär.

Ob dieser Hund, der mein Gepäck beschnüffelte, zur Zollkontrolle gehörte oder einfach nur herrenlos herumspazierte, konnte nicht geklärt werden. Jedenfalls fand er nichts Interessantes.

Vrsac dog

Außerhalb des Bahnhofs steht die obligatorische alte Diesellok vor dem obligatorischen verfallenden Haus aus besseren Zeiten.

Vrsac train

Und dann hingen im Wartesaal noch Bilder von dem gleichen Zweck gewidmeten Orten aus aller Welt an der Wand, wie z.B. das Foto dieser auf den Zug wartende Familie aus Tunesien. Eindrücke aus der weiten Welt in einem verschlafenen Balkanstädtchen, wie wenn der Bahnhofsvorsteher von Vršac ausrufen will: „Wenn Ihr dämlichen Touristen schon keinen Tag in unserer Stadt verbringen wollt, dann hänge ich halt ein paar internationale Fotos auf!“

Vrsac Bir Bouregba

Und schon kommt der Zug nach Belgrad, und es geht weiter, an die Orte, die es aus einer Laune der Geographie oder der Geschichte zu Hauptstädten und Metropolen gebracht haben.

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Habt Ihr auch so einen Ort, an dem Ihr jeden Tag oder jede Woche umsteigt, eine halbe Stunde verbringt, aber noch nie jenseits des Bahnhofs- oder Flughafengebäudes geblickt habt?

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