Bergsteigen in Bolivien

Wenn Ihr schon immer mal einen Sechstausender besteigen wolltet, aber bisher den Arsch noch nicht hochbekommen habt, motiviert Euch vielleicht diese Geschichte.

Diese elf Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren bestiegen im Dezember 2015 den Huayna Potosí (6.088 m).

Es sind die Ehefrauen von Bergführern, die schon als Trägerinnen und Köchinnen bis zu einer Höhe von 5.130 m, wo sich ein Basislager befindet, gearbeitet haben. Als immer mehr Bergsteiger die Damen fragten, wie es denn auf dem Gipfel aussähe, dachten sie sich “hmm, vielleicht sollten wir uns das tatsächlich mal selbst ansehen“, überzeugten ihre Männer zu einer Zweitagestour und gingen in ihren traditionellen Röcken los. Am besten gefallen mir die einfachen, farbenfrohen Rucksäcke, die aus einem Stück Stoff bestehen, das am Rücken einmal umgeschlagen und vor der Brust verknotet wird. So gehen die Cholitas in Bolivien zum Markt, darin tragen sie ihre feilzubietende Handelsware und sogar ihre Kinder. Was gut genug für ein Baby ist, taugt auch für eine Gletscherüberquerung. Es gibt keinen Grund, sich irgendwelche teure Ausrüstung zu kaufen. Nur schade, dass der Wind die Frauen dazu zwang, auf dem Gipfel ihre traditionellen Hüte abzunehmen.

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(Fotos von Juan Karita.)

Und auch wenn Ihr selbst keine Bergtour vorhabt, offeriert diese Geschichte eine nützliche Antwort, wenn einer Eurer Freunde mal wieder damit angibt, die Zugspitze (2.962 m) oder das Matterhorn (4.478 m) bestiegen zu haben: “Ja? Ich habe ein paar alte, rundliche, bolivianische Frauen gesehen, die über 6.000 m gestiegen sind. Die haben da keine so ne große Sache draus gemacht.”

(Read this article in English.)

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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5 Antworten zu Bergsteigen in Bolivien

  1. Pingback: Mountaineering in Bolivia | The Happy Hermit

  2. chrissywo schreibt:

    Hallo Andreas,
    vielen Dank für diesen großartigen Beitrag! Die Bilder sind super (vor allem das erste von unten) und ich bin total beeindruckt von dem schlichten Pragmatismus der Frauen.
    Liebe Grüße
    Chrissy

  3. Pingback: Die Damen in Bolivien erklimmen weitere Gipfel | Der reisende Reporter

  4. Steigelmann Otto schreibt:

    Saludos Andreas – Schön, dass ich durch Deinen Bericht meine Touren von damals nochmal nacherleben darf – Titicaca (die Peruaner sagen, ihr Teil des Sees ist Titi und der bolivianische Teil ist caca – !). Huana Potosi (der Wind hat bei uns genau so heftig geweht und sogar ein Zelt davongetragen), Illimani (hab von dort 1 Ztr. Steine mit nach Hause gebracht) e un ecetera …
    Ich freu mich einfach mit Dir und wünsch Dir auch weiterhin viele spannende Erlebnisse und erfüllte Tage. Dazu Gottes Segen und liebe Grüsse – otto aus Siegsdorf – hasta la proxima

    • Andreas Moser schreibt:

      Hallo Otto,

      ich habe während meiner Wanderungen entlang dem See an Dich und Deine Abenteuer gedacht und mich gefragt, ob sich eigentlich viel verändert hat dort. Von Copacabana habe ich Fotos aus den 1960ern/1970ern gesehen, die Stadt ist ein bißchen gewachsen, und auf der Isla del Sol gibt es eine Menge touristischer Infrastruktur, aber ansonsten, wenn man am Ufer entlang wandert, scheinen mir die Dörfer relativ unberührt.

      Den Titi-Caca-Spruch gibt es immer noch von Peruanern, aber mir gefällt die bolivianische Seite weil sie relativ grün ist und weil man immer die schneebedeckten Kordilleren im Hintergrund sieht.

      Anders als Du habe ich zwar keinen der großen Berge bestiegen (mein Rekord bisher ist der 4.800-m-hohe Cerro Rico in Potosí, aber das war eher ein Spaziergang), aber der Anblick ist fantastisch. Selbst in der Großstadt La Paz sieht man fast immer den Illimani. Jetzt gibt es in El Alto und La Paz eine Seilbahn, die die verschiedenen Stadtteile miteinander verbindet und von der aus man tolle Aussichten hat.

      Ich werde bald mehr Fotos veröffentlichen, aber ich habe jetzt erstmal wieder ein bißchen arbeiten müssen nach dem Reisen. 🙂

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