Leicht zu verwechseln (Folge 4)

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Wirklichkeit:

Den gleichen Warnhinweis gibt es auch mit Video.

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Griechenland und die Nazi-Keule

Liebe griechische Dauer-Demonstranten,

daß Ihr gegen Lohnkürzungen und Einsparungen seid, verstehe ich.

Daß Ihr gegen höhere Steuern protestiert und Angst vor Privatisierungen habt, ist menschlich. Genauso menschlich wie die Tendenz, die Schuld immer eher bei anderen als bei sich selbst zu suchen.

Ebenso habe ich mich bereits daran gewöhnt, daß Ihr in all den Jahren der Proteste nur Kritik, aber keinen einzigen Lösungsvorschlag hervorgebracht habt.

Aber eine Frage habe ich doch: Ist Euch eigentlich nie die Ironie aufgefallen, die darin liegt, Deutschland im Jahr 2012 mit den Nazis gleichzusetzen, während in Griechenland die Nazi-Partei Chrysi Avgi mit 18 Abgeordneten ins Parlament gewählt wurde und während in Griechenland offen Jagd auf Ausländer gemacht wird?

Ich freue mich auf Eure Antwort.

 – – – –

Für die Leser, die noch nichts über Chrysi Avgi wissen, hier zwei Videos, eines von einer Pressekonferenz, das andere mit einem Interview des Parteivorsitzenden zur deutschen Geschichte. Dagegen würde ich mal gerne griechische Demonstrationen sehen; ja, da wäre ich sogar dabei.

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Da Herr Westerwelle bei der UNO-Vollversammlung in New York gerade wieder die deutsche „Bereitschaft“ zu einem ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat bekräftigt hat, verweise ich hier auf einen Blog aus meiner letztjährigen Feder zur deutschen Außen- und Weltpolitik.

Avatar von Andreas MoserThe Happy Hermit

Nach Wochen des Mordens, Bombardierens und apokalyptischen Schwadronierens durch den libyschen Führer Gaddafi hatte die Weltgemeinschaft in Form des UN-Sicherheitsrates ausnahmsweise mal selbst genug von den ewigen „Ermahnungen“, „Aufforderungen“ und „dringenden Bitten“, mit denen sonst auf Menschenrechtsverletzungen reagiert wird. Vor wenigen Stunden verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1973, mit der eine Flugverbotszone gegen Libyen verhängt und militärisches Eingreifen durch die UN-Mitgliedsstaaten gegen das libysche Militär zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung authorisiert wird.

Dies kommt spät; angesichts der bevorstehenden Einmarsch in die Stadt Bengazi durch die libysche Armee eventuell zu spät. Unter Berücksichtigung dessen, daß Russland und China, die ansonsten die „Nichteinmischung in innere Angelegenheiten eines souveränen Staates“ über alles andere stellen, ihre Vetostimmen nicht ausübten, ist dies dennoch einer der raren Momente, in denen mich die UNO positiv überrascht hat.

Und was macht Deutschland, das derzeit einen temporären Sitz im UN-Sicherheitsrat innehat? Deutschland enthällt sich der Stimme.

Es…

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Leicht zu verwechseln (Folge 3)

Rasterfahndung:

Rastafahndung:

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Leicht zu verwechseln (2) CSU

Der bewaffnete Arm einer irischen Provinzpartei:

Der bewaffnete Arm einer bayerischen Provinzpartei:

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Aribert Heim, 1914-1992

Nun ist er also vom Landgericht Baden-Baden rückwirkend auf 1992 für tot erklärt worden, einer der meistgesuchten Naziverbrecher: Aribert Heim, der in der deutschen Presse mit der übertriebenen Ehrfurcht vor akademischen Berufen noch immer als „KZ-Arzt“ bezeichnet wird, obwohl er im KZ Mauthausen nun wahrlich nicht als Arzt tätig war, sondern genau wie alle anderen als sadistischer KZ-Mörder.

Aribert Heims Leben ist unter anderem ein Beleg dafür, daß

  • ein Medizinstudium und eine Promotion keinen besseren Menschen hervorbringen,
  • die Nationalsozialisten auch unter „Gebildeten“ regen, freiwilligen und frühen Zulauf hatten,
  • sogar hundertfache Mörder in herausgehobener Stellung im Entnazifizierungsverfahren nichts zu befürchten hatten,
  • man als hundertfacher Mörder in der Bundesrepublik Deutschland unbehelligt von 1949 bis 1962 als Arzt tätig sein konnte, ohne daß auch nur ein einziges Mal jemand fragte „Was haben Sie eigentlich im Krieg gemacht?“,
  • oder daß selbst die ehrliche Antwort auf diese Frage die meisten Bundesbürger nicht gestört hätte,
  • daß trotz Ermittlungen gegen Heim in Österreich seit 1948 und trotz zweier österreichischer Haftbefehle dieser in Deutschland nie behelligt wurde,
  • und stattdessen 1956 die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt.

Erst 1961 griff die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludgwigsburg [bei der ein sehr interessantes Praktikum zu absolvieren ich während meines Jurastudiums die Ehre hatte] den Fall auf, koordinierte die Ermittlungen mit den österreichischen Behörden und erwirkte im September 1962 einen Haftbefehl gegen Aribert Heim.

Aber auch danach entwickelt sich der Fall genauso wie die anderer gesuchter Naziverbrecher:

  • Just am Tag nach Erlaß des Haftbefehls verschwindet Aribert Heim. Welch ein zeitlicher Zufall.
  • Heim floh durch Europa und Afrika bis nach Ägypten, anscheinend unbehelligt von jeglicher Grenzkontrolle. Das Unterstützernetzwerk war intakt und gut aufgestellt.
  • Aribert Heim trat zum Islam über und mußte seinen Antisemitismus in Ägypten praktischerweise nicht einmal verbergen. Es ist kein Zufall, daß viele Alt-Nazis in arabischen Staaten Zuflucht fanden, die das Projekt der Judenbekämpfung fast ohne Unterbrechung fortsetzten. [Zur Zusammenarbeit zwischen Nazis und Palästinensern habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.]
  • Eine Belohnung für die Ergreifung Heims wurde von Deutschland erst 1995, von Österreich erst 2007 ausgelobt. Viel zu spät, wie wir jetzt wissen.

Der schonende Umgang mit den Naziverbrechern war der größte Geburtsfehler der Bundesrepublik Deutschland. Die aktuellen täglichen Enthüllungen der NSU-Untersuchungsausschüsse zeigen, daß ein Lerneffekt noch nicht eingetreten ist.

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UNZENSIERT: Das antireligiöse Hass-Video, mit dem alles begann

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich das unsägliche, schmähliche, schauderhafte Hass-Video zeigen soll, das die Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika ausgelöst hat.

Auf die Ironie, die darin liegt daß mit Botschaftsverbrennungen und Mord gegen den Vorwurf, einer unzivilisierten und gewalttätigen Religion anzugehören, demonstriert wird, habe ich bereits hingewiesen. Daß ich die Meinungsfreiheit auch im Falle von schlechten Witzen hochhalte, habe ich bereits früher bewiesen. Aber nicht alles was erlaubt ist, muß gemacht werden, vor allem nicht von mir.

Da jetzt die Diskussion über den die religiösen Gefühle der Angehörigen einer Weltreligion verletzenden Film auch nach Deutschland schwappt und der Trailer nun sogar bereits auf Deutsch zu sehen ist, denke ich daß das Mitdiskutieren das Ansehen zumindest einiger Ausschnitte (leider) erfordert. Film ab:

Hm. Eigentlich gar nicht so schlecht, der Film.

(There is also an English version of this article, with the original English trailer.)

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„Wir müssen die Märkte beruhigen.“

Ich finde die Marktwirtschaft toll: Angebot und Nachfrage, freie Auswahl, Vertragsfreiheit, alles super.

Aber die Martwirtschaft ist, wie der Name schon klarstellt, ein Wirtschaftssytem. Sie ist kein Gesellschaftssystem und kein politisches oder Verfassungssystem. Insbesondere in einer Demokratie ist die Marktwirtschaft das Wirtschaftssystem, das sich die Mehrheit der Bevölkerung oder ihrer Repräsentanten gegeben hat, um die Ziele zu erreichen, auf die sich wiederum die Mehrheit als erstrebenswert geeinigt hat. Die Marktwirtschaft ist ein Instrument, kein Selbstzweck.

Wenn nun, wie es seit einigen Jahren gang und gäbe ist, Politiker (die Sie und ich gewählt haben) Entscheidungen damit begründen, daß „der Markt“ dies oder jenes „erwartet“ oder daß man „die Märkte beruhigen“ müsse, dann wird dieses Verhältnis in sein Gegenteil verkehrt.

Ganz abgesehen davon, daß „der Markt“ als Entität wohl nicht existiert, frage ich mich, wer denn Frau Merkel oder den Finanzminister oder die Abgeordneten des Bundestags im Namen des Marktes anruft und mitteilt, was dieser erwartet oder wodurch dieser – komischerweise immer nur für eine kurze Weile – zu beruhigen sei.

Richtigherum würden Sie und ich unseren Abgeordneten mitteilen, welche Ziele wir uns für unser Land und unsere Gesellschaft wünschen, und das Parlament und die Regierung würden dann versuchen, diese Ziele zu erreichen – gerne auch unter Gebrauch marktwirtschaftlicher Instrumente. In der Verteidigungspolitik wird zurecht das „Primat der Politik“ beschworen. Warum nicht auch auf allen anderen Politikfeldern?

Lassen Sie uns zum Ausklang noch einen kurzen Blich auf diese Märkte werfen, die unsere Wählerstimmen verdrängen:

Anstatt der „Beruhigung“ dieser Märkte mit Milliarden an Steuergeldern schlage ich vor, daß sich diese Märkte erst einmal selbst beruhigen. Auf mich machen diese Märkte nämlich einen ziemlich durchgeknallten Eindruck.

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„Die Moldau“

Das 10-jährige Jubiläum des Moldau-Hochwassers von 2002 – dessen (des Hochwassers, nicht des Jubiläums) Folgen ich bei einem Besuch von Prag und Theresienstadt noch im gleichen Sommer selbst in Augenschein nehmen konnte – nehme ich ganz sachfremd zum Anlass, eines meiner Lieblingsstücke der klassischen Musik zu empfehlen: „Die Moldau“ von Bedřich Smetana.

Vielleicht gefällt mir diese Musik besonders, weil mich ein Teil der Melodie an die israelische Nationalhymne erinnert, auch wenn der zeitliche Zusammenhang der beiden Stücke natürlich andersherum besteht.

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Die Geschichte als ständiger Reisebegleiter in Europa

To the English version of this article.

Als ich von dem Freilandmuseum Europos Parkas nach Vilnius zurückradelte, stieß ich auf diese Markierung, die die Erinnerung an die grausame Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa schlagartig wachrief.

Dieser Gedenkstein war in einem Wald am Rande des Dorfes Joneikiškės fast versteckt. Ein kleines, ganz normales Dorf, in dem vor 70 Jahren die Menschen bestenfalls „von gar nichts wußten“ und schlimmstenfalls am Holocaust mitgewirkt haben.

So schön Mittel- und Osteuropa als Reiseziel ist, man wandelt doch fast überall auf Schlachtfeldern und Massengräbern. Es ist schwer, sich das jetzt vorzustellen, wenn man eine romantische Altstadt bewundert oder einen friedlichen Wald genießt. Aber vor nur zwei Generationen knallten hier die Schüsse und erstarben die Schreie als die Nazis und ihre willigen Helfer selbst die entlegendsten Winkel Europas mit ihrer Mordmaschinerie heimsuchten. Die meisten Menschen sahen schweigend zu, nahmen aktiv teil oder profitierten vom „Verschwinden“ von Nachbarn und Konkurrenten. Nur wenige leisteten Widerstand, handelten selbstlos, taten das Richtige.

Vor nur zwei Generationen. Angehörige dieser Generation sind noch am Leben und unter uns. Noch viel lebendiger sind die gefährlichen Gedanken, die Diskriminierung, der Antisemitismus, der Rassismus.

Ist es verwunderlich, dass ich diesem Frieden manchmal nicht traue? Sind wir wirklich so verschieden von unseren Großeltern und deren Generation? Warum sollte sich die Menschheit plötzlich so sehr zum Besseren verändern? Hatten wir die vergangenen 70 Jahre nicht einfach nur Glück? Denkt bei Eurer nächsten Reise mal darüber nach – aber lasst Euch die Erkundung Europas dadurch nicht vermiesen!

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