Graffiti in Deutschland

Sechs Jahre lang war ich in ganz Europa unterwegs und habe überall politische Graffiti gesehen. „X muss unabhängig werden“ streitet sich mit „X ist Teil von Y“. „Tod den Albanern“ wird ein paar Kilometer weiter zu „Tod den Serben“. „Hängt Merkel“, „Hängt Ponta“, „Hängt Renzi“ und wen auch noch alles.

Jetzt bin ich mal zwei Wochen in Deutschland, und muss wohltuend bemerken, dass das Niveau der politischen Auseinandersetzung ein anderes ist. Selbst die Graffiti sind hier relativ sachlich gehalten.

Klimatod

Wenn anderswo zum Töten politischer Gegner oder zum Völkermord aufgerufen wird, findet man beim Spazierengehen zwischen Ammerthal und Amberg eine Warnung vor der Zerstörung unseres Planeten.

Erde kaputt

Das ist schon eher putzig als Sachbeschädigung.

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Der Kalemegdan-Park in Belgrad

Jeder Spaziergang in Belgrad endet früher oder später im Kalemegdan-Park, dem Sitz der Festung.Kalemegdan1

Der Junge auf der Säule ist Pobednik, der Sieger, und er nennt sich so, weil er gerade den Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich und gegen Österreich gewonnen hat (mit ein ganz klein wenig Unterstützung der Allierten).Kalemegdan2Kalemegdan3Kalemegdan4Kalemegdan5

Wenn es nicht gerade bewölkt ist, kann man hinter dem Zusammenfluss von Save und Donau den Sonnenuntergang beobachten.
Kalemegdan6

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Der Reiz des Schachspiels

Auf einem Standesamt in der Sowjetunion, irgendwann in den 1960er Jahren: Die Männer sind in ein Schachspiel vertieft. Die Bräute sind gelangweilt, die meisten von ihnen schon eingeschlafen.

chess USSR

Die langen Wartezeiten in den Behörden waren also mitverantwortlich für die sowjetische Schachdominanz.

(Quelle: historicana.ru)

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Vorübergehend geschlossen

Sogar im bankrotten und geschlossenen Zustand sehen manche Restaurants noch besser aus als andere, die geöffnet sind.

Cocosul restaurant Targu Mures

Fotografiert in Targu Mures, Rumänien.

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Aerodrom Podgorica

Der Flughafen (“Aerodrom”) in Podgorica, Montenegro:

Podgorica Aerodrom

Ok, das ist nicht der Flughafen, aber es ist die zum Flughafen gehörende Bahnstation. Leider erfuhr ich zu spät von ihrer Existenz. Bei meiner Ankunft sagte mir die Dame an der Flughafenauskunft – fälschlicherweise -, dass es keine Busse oder Züge in die Stadt gäbe. Das Taxi kostete mich 15 € (Montenegro hat keine eigene Währung), wofür ich mit dem Zug mehrfach das Land durchkreuzen hätte können.

Yes, you need to get off HERE for the airport.

Ja, hier müsst Ihr aussteigen, wenn Ihr zum Flughafen wollt.

Auf der Website der montenegrinischen Eisenbahn (auch auf Englisch verfügbar) könnt Ihr den Fahrplan einsehen. Die Haltestelle liegt etwa 1 km westlich vom Ausgang des Flughafens, auf der anderen Seite der Schnellstraße. Die Zugfahrt nach Podgorica kostet 1,20 €.

(To the English version of this helpful article.)

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Wie sieht es aus am Hauptstadtflughafen BER?

Nun ja, noch nicht so gut. Aber immerhin ein Schild steckt schon in der Wiese.

Flughafen

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Mein Büro für die nächsten zwei Wochen

office Ammerthal

Meine letzten zwei Wochen in Europa verbringe ich in Ammerthal, dem kleinen und nicht gerade spektakulären Dorf in Bayern, in dem ich aufwuchs. Überall auf der Welt spricht man von Deutschland als zivilisiertem Land, und dann ist hier am Sonntag nicht einmal ein Laden geöffnet.

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Heimat und Ferne

Die herbstliche Landschaft zwischen Ammerthal und Amberg mit den sich täglich verändernden Farben und das Flugzeug im Himmel sind das perfekte Symbol für die zwei Wochen, die ich derzeit gerade mal wieder in Deutschland verbringe, bevor ich nach Gran Canaria fliege und dann das Schiff nach Südamerika besteigen werde.

autumn colors trees plane

That’s why I will spend two weeks in Germany before flying to Gran Canaria and then taking the boat to Brazil. OK, admittedly, it’s also because I still have a lot to prepare and many articles to write.

(Photographed on a walk from Ammerthal to Amberg in Germany on 31 October 2015.)

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Zu höflich für Halloween

Samstagabend, 19:35 Uhr, in Ammerthal, einem kleinen Dorf in Bayern. Das Klingeln an der Haustür kommt unerwartet zu so später, dunkler Stunde. Und wer stört bitteschön während der Sportschau, gerade jetzt wo Dortmund wieder etwas Spannung in den Kampf um die Tabellenspitze bringt?

Drei kleine Mädchen sind es die, nein, man kann nicht sagen „stören“, so niedlich und friedlich stehen sie da, eng aneinander geschmiegt, mit dicken Jacken, denen man das mahnende „Zieht Euch ja warm an!“ der  Mütter ansieht.

Halloween Ammerthal

„Guten Abend“, sagen sie höflich, als mein Vater die Tür öffnet.

„Na, was macht’s Ihr denn?“ fragt dieser amüsiert.

„Halloween“ rufen die drei Mädchen im Chor aus, wie wenn dieser Brauch auch in der bayerischen Provinz schon so bekannt wäre, dass er bald die Heiligen Drei Könige ablösen würde. Was übrigens schade wäre, weil die drei Weisen aus dem Orient gerade jetzt in der Flüchtlingsdiskussion ein schönes Symbol sind.

Mein Vater holt bereitwillig Schokolade und Lebkuchen aus der Küche (wenn ich nicht bemerkt hätte, dass er noch eine Packung für uns zurückgehalten hat, würde ich jetzt einschreiten) und stopft sie in die vom Erfolg des abendlichen Raubzugs schon schwer herabhängenden Säcke.

„Vielen Dank! Einen schönen Abend noch!“ verabschieden sich die freundlichen und höflichen Mädchen mit Piepsstimme.

Dass die Kinder den Heimgesuchten an Halloween ein bißchen Angst und Schrecken einjagen sollen, um durch die Drohung mit noch Schlimmeren ungesunde Lebensmittel zu erpressen, ging beim Herüberschwappen dieses Brauchs über den Atlantik in die Alte Welt wohl verloren wie ein auf einem Piratenschiff ertappter blinder Passagier. In den USA schmieren sich die Kinder Kunstblut ins Gesicht und tun so, wie wenn ihnen eine Axt im Kopf steckt. In diesem Fall sind es eher die drei Mädchen, die ängstlich und erschrocken aussehen, nachdem sie sich durch unseren dunklen Garten und vorbei an holzgeschnitzten Fratzen gemacht hatten und dann von zwei bärtigen Männern im Waldschratlook empfangen wurden. „Wahrscheinlich haben vorne am Gartentor ihre Eltern gewartet“, vermutet mein Vater.

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Das Ghetto von Venedig

Venedig hat die zweifelhafte Auszeichnung, über das älteste Ghetto der Welt zu verfügen. 1516 wurden die Juden der Stadt gezwungen, in dieses Viertel zu ziehen. Dazu kamen weitere wirtschaftliche und soziale Einschränkungen, wobei die Unterdrückung weniger schlimm war als in anderen Teilen Europas. Und ironischerweise war das finstere Mittelalter nicht ganz so finster wie das angeblich aufgeklärte 20. Jahrhundert.

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Die Juden von Venedig erhielten erst mit der Vereinigung mit Italien im Jahr 1866 die gleichen bürgerlichen Rechte. Die folgende Tafel ehrt die venezianischen Juden, die im Ersten Weltkrieg für Italien kämpften und starben,

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wobei dies ihre Gemeinschaft, wie in anderen faschistischen Staaten in Europa in jener Zeit, ein paar Jahrzehnte später nicht vor dem Holocaust bewahrte. Das Mahnmal Der letzte Zug gedenkt der Juden, die aus Venedig in die Konzentrationslager verschleppt wurden.

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Im Ghetto gibt es ein Jüdisches Museum, aber es soll hier nicht der falsche Eindruck erweckt werden, wie wenn das gesamte Viertel nur in der Vergangenheit lebt. Jetzt wohnen Menschen aller Glaubensrichtungen hier und laben sich an den Köstlichkeiten der Bäckereien.

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