Tagesnotizen 2

  1. Noch immer stehe ich jeden Tag vor 6 Uhr auf. Das Problem ist, dass ich spätestens um 10 Uhr schon Spaghetti oder eine Pizza brauche und mittags schon Zigarren rauche.
  2. „Es gibt genügend Lebensmittel auf der Welt, sie müssten nur richtig verteilt werden,“ hört man immer apodiktisch. Dass es nicht so einfach ist, zeigt eine Radioreportage über Nachernteverluste. Insbesondere in einigen Staaten Afrikas geht schon auf dem Weg vom Feld zum Lager ein Drittel der Ernte durch falsche Lagerung, fehlende Kühlung und durch Insekten verloren. Die Reportage zeigt, mit welch einfachen Mitteln man diese Probleme reduzieren kann, und man fragt sich, wieso wir stattdessen am Flug zum Mars forschen.
  3. Bob Dylan. Schon wieder ein Literaturnobelpreisträger, von dem ich noch nie ein Buch gelesen habe. Dieses Mal fühle ich mich darüber aber weniger ungebildet als in den Jahren zuvor.bob_dylan_in_toronto1
  4. Zum Ausgleich könnte beim Eurovision Song Contest doch mal ein Buch gewinnen.
  5. An Donald Trump: „Ich finde diese Frau gar nicht so attraktiv“ ist weder eine wirksame noch eine kluge Verteidigung gegen den Vorwurf der sexuellen Nötigung.
  6. Wenn es weltweit nur eine Fluglinie gäbe, hätte ich schon längst genug Meilen für einen Freiflug gesammelt.
  7. In einem Radiointerview mit dem Richter Thomas Fischer fragt die Moderatorin, warum Recht kein Schulfach sei. Der Richter stimmt zu, dass das eine Sauerei ist. Und ich frage mich, auf welchen Schulen die beiden waren. Ich hatte seit der 9. Klasse jede Woche etliche Stunden Rechtsunterricht. Im Leistungskurs war das immerhin auf einem Niveau, das mir die ersten beiden Semester Zivilrecht an der Universität wie eine Wiederholung vorkommen ließ. (Ich war auf dem wirtschaftswissenschaftlichen Zweig des Gregor-Mendel-Gymnasiums in Amberg.)
  8. Die ganze Welt schaut voller Angst auf Donald Trump, aber in Bayern lauert Markus Söder.
  9. Wenn ich Nachrichten lese wie die von dem Mann, der im Batman-Kostüm Jagd auf Menschen in Clownkostümen macht, merke ich, dass ich das Vereinigte Königreich doch ein wenig vermisse. In einem lustigeren Land habe ich tatsächlich noch nie gelebt.
  10. Ich schreibe „Vereinigtes Königreich“ anstatt „Großbritannien“ weil beide bei Weitem nicht deckungsgleich sind. Dieser Fehler wird jeden Tag in allen Zeitungen und Fernseh- sowie Radionachrichten wiederholt. Wer weiß, wie ich mich über solche Fehler aufrege, wird sich wundern, dass ich noch keinen Herzinfarkt hatte.
  11. Ich hatte mal einen Kindesentführungsfall zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland, in dem ich als einziger am Verfahren Beteiligter den Unterschied zwischen diesen beiden geographischen Bezeichnungen kannte. Auch den britischen Anwälten war es nicht bewußt. Durch diesen Trick lief die Gegenseite in eine Falle. Irgendwann kann ich das mal ausführlich erzählen.
  12. Falls jemand die „Reichsbürger“-Problematik auch auf Frau Merkel schieben will: Nein, diese Idioten gab es schon vor Jahrzehnten. Jeder Rechtsanwalt kann ein Lied davon singen. Allerdings waren sie nicht nur geistig, sondern auch finanziell minderbemittelt, so dass keiner von ihnen jemals mein Mandant wurde.
  13. Vielleicht gibt es mal Zigarren mit Rocoto-Geschmack.
  14. Warum gibt es keine BDS-Bewegung gegen Donald Trump?
  15. Heute im Krämerladen in Mollendo in Peru: „Tut mir leid, ich führe keine Feuerzeuge und keine Zigaretten, weil ich sonst selbst wieder zu rauchen anfange.“ Ich: „Na gut, dann nehme ich eben zwei Stücke von der Torte. Ist sowieso gesünder.“ „Viel gesünder“ bestätigt die freundliche und gesundheitsbewußte Dame und gibt mir ein drittes Stück gratis.
  16. Gestern habe ich ein Interview mit Evan McMullin gehört, einem der unabhängigen Präsidentschaftskandidaten. Er scheint mir bisher der Intelligenteste und Schlagfertigste von allen zu sein. Und wenn ich als Grünenwähler das über einen Konservativen sage, muss es schon etwas heißen.
  17. Die Grünen in den USA hatten seit Ralph Nader keinen ernstzunehmenden Kandidaten mehr. Leser meines englischen Blogs werden sich an Cynthia McKinney und ihre Verschwörungstheorien erinnern. – übrigens noch immer unübertroffen meine am meisten gelesenen Artikel. Das war ein Spaß auf Malta, als mein Blog das Tagesgespräch im ganzen Land war. Der Vorteil von kleinen Staaten. Vielleicht ziehe ich als nächstes nach Sint Maarten oder San Marino. (Nein, das ist ebenfalls nicht das gleiche.)
  18. An die Leute aus meiner Heimatstadt: Niemand auf der Welt kennt Amberg. Ehrlich. „Ahh, Hamburg“ kommt immer als Antwort, oder allenfalls „ach, Bamberg, kenne ich“. Vielleicht ändert sich das endlich durch diese Nachricht.
  19. Das Video des Tages ist meine derzeitige Lieblingsmusik, die 9. Symphonie von Dvorak. Hervorragend geeignet zur Begleitung von schreibenden oder anderen kreativen Tätigkeiten.

Hier eine andere Version für die Hörer, die es mit mehr Dirigentenfirlefanz und mit Papst mögen:

So, und jetzt tu ich mir die letzte Präsidentschaftsdebatte des Jahres an. Hillary Clinton und Donald Trump werden auch froh sein, dass sie sich nie mehr sehen müssen.

Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a journalist, a spy or a hobo.
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2 Antworten zu Tagesnotizen 2

  1. daMax schreibt:

    Puh, das ist ein bisschen viel am frühen Morgen. Ein paar kurze Antworten:

    zu 1: viel Spaß bei der Wohnungssuche als Raucher :-/

    zu 3. kannst ja statt dessen einen guten Film über ihn angucken
    https://en.wikipedia.org/wiki/I%27m_Not_There
    Der lohnt sich.

    zu 5: Drumpf und intelligent in einem Satz zu nennen ist schon gewagt…

    zu 7: Ich hatte nie Recht als Schulfach und kenne auch niemand, der das hatte…

    zu 11: ja, mach mal.

    zu 18: oha! Reinster Terror! Hat das BKA schon erweiterte Befugnisse gefordert?

    • Andreas Moser schreibt:

      zu 1: Oh. Bei der Wohnungssuche erwähne ich natürlich immer, dass ich keinesfalls rauche. Niemals!

      zu 3: Vielleicht sollte ich das machen. Schließlich weiß ich noch immer nicht so richtig, wer Bob Dylan eigentlich ist.

      zu 7: Und dann wundert sich der Rest der Republik, dass wir Bayern glauben, unsere Schulen wären die weltweit besten. 😉

      zu 11: Ok, ich werde demnächst mal versuchen, den Fall zu rekonstruieren. Die Sache, die ich im Zusammenhang mit der Schließung meiner Kanzlei als Einziges bedaure, ist, dass ich keine Akten aufgehoben habe. Da waren so viele lustige oder tragische Fälle dabei. Andere Anwälte verwursten das zu Büchern und verkaufen diese millionenfach.
      Wenn ich mal wieder ein paar Jahre als Rechtsanwalt arbeiten werde, dann nur um Geschichten für Bücher zu sammeln. Es gibt – außer vielleicht Psychologen – wohl keinen anderen Beruf, wo Leute einem so ihr Herz ausschütten.

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