Die Österreichisierung des Morgenlandes

Etwas verwunderlich für den Nachfolgestaat eines Vielvölkerreichs hat sich auch in Österreich eine Pegida-Bewegung („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) gebildet. Deren Anhänger sehen in jedem Falafel- oder Dönerstand einen Angriff auf ihre Kultur, über die sie meist erschreckend wenig wissen und die doch viel mehr von dämlichen Fernsehserien und von der Kronen-Zeitung bedroht wird.

Reisen würde bilden. Wer nämlich mal ins sich angeblich gefährlich und blutrünstig ausbreitende Morgenland fährt, wird erkennen, dass die wirkliche Gefahr in die andere Richtung geht: Das Morgenland ist einer mehr als nur schleichenden Österreichisierung ausgesetzt!

Letzte Woche war ich im Nahen Osten und wollte gerade den muslimischen Gebetsruf von den umliegenden Minaretten genießen, als sich aufdringlich die rot-weiß-rote Fahne ins Bild schob. Nicht mal mehr in Jerusalem ist man vor dem Expansionsdrang der Habsburger sicher.

Ö Flagge Jerusalem

Pegida-ähnliche Demonstrationen gegen die sichtbare Präsenz Österreichs an den Heiligen Stätten des Judentums und des Islam gab es übrigens nicht. Morgenländische Weicheitoleranz eben. Alles naive Gutmenschen.

Hier noch ein Video, das zeigt, wie gut islamische Gebetsrufe mit Rot-Weiß-Rot zusammenpassen:

Einen ausführlichen Artikel über die österreichische Präsenz im Morgenland findet Ihr hier.

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Ich ziehe nach Südamerika. Mit dem Schiff.

Als ich mich dazu entschied, Europa im Jahr 2015 hinter mir zu lassen und in die weite Welt zu ziehen, wußte ich, dass die Entscheidung, wo ich diese Weltreise beginnen werde, eine schwierige werden würde. Zwischen Afrika, Asien, dem Nahen Osten, Südamerika, Mittelamerika und der Karibik konnte ich mich einfach nicht entscheiden. Interessant ist es überall.

Das Konsultieren von Landkarten und Fotos sowie das Lesen über bestimmte Orte verkürzte die Liste der Möglichkeiten keineswegs (eher noch wuchs sie), also entschied ich mich für eine andere Strategie: Ich abonnierte einen Newsletter mit günstigen Flugangeboten und nahm mir vor, zuzuschlagen, sobald mir ein Angebot unterkam, dass so gut war, dass ich es praktisch nicht ausschlagen konnte.

Dann entschied ich mich für das eine Angebot, dass kein Flug sondern eine Schiffspassage war. Es war zu unwiderstehlich. Im Oktober und November ziehen die Kreuzfahrtgesellschaften ihre Schiffe aus dem Mittelmeer ab und verschiffen sie nach Amerika, wo sie dann den Winter über durch die Karibik tingeln. Die Kreuzfahrtschiffe müssen deshalb für eine Woche den Atlantik überqueren, was anscheinend nicht sehr beliebt bei Touristen oder Geschäftsreisenden ist. Sonst könnte man solch eine Überfahrt nicht für 150 € erstehen.

cruise to BrazilFür mich hingegen ist es eine verlockende Vorstellung, eine ganze Woche auf dem Atlantik zu verbringen. Eine Woche auf offener See, keine Inseln, keine Häfen, nur ein paar andere Schiffe, vielleicht ein paar Wale und mal ein schrecklicher Sturm dazwischen. Kein Internet und genug Zeit zum Lesen. Wunderbar! Also habe ich eine Kreuzfahrt von Gran Canaria nach Salvador de Bahia in Brasilien für den November 2015 gebucht. Die Fahrt nach Amerika wird acht Tage dauern, länger als die Titanic für die Ozeanüberquerung benötigt hätte.

Wenn ich schon einmal in Brasilien bin, werde ich dann über die folgenden Jahre natürlich ganz Süd- und Mittelamerika und die Karibik bereisen und in jedem Land ein paar Monate bleiben. Wie immer werde ich die Natur und alte Städte erkunden, die Geschichte studieren und über Aktuelles berichten. Dabei werde ich hoffentlich Spanisch lernen.

Wenn Du also in Lateinamerika bist und ein freies Zimmer hast, oder gemeinsam auf Wanderungen in den Regenwald gehen willst oder eine interessante Stadt kennst, über die ich schreiben sollte, melde Dich. Ich freue mich über alle Einladungen, außer von der Colonia Dignidad in Chile.

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Aber zuerst muss ich die stürmische Überfahrt über den Atlantischen Ozean überleben.

Wasser_über_Deck_und_Luken_WNA(Von jetzt bis November 2015 werde ich in Osteuropa sein, hauptsächlich in Rumänien, Moldawien, Transnistrien und der Ukraine. – To the English version of this announcement.)

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Malerarbeiten

painting

Ja, diese Kreuzfahrtschiffe sind wirklich so riesig.

(Fotografiert in Messina, Sizilien, Italien.)

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Der Tod der Tageszeitung

So weit ist es also schon gekommen: ein Denkmal für die Tageszeitung bzw. deren aussterbende Leser. Ist das Ende wirklich schon so nah?

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Fotografiert in Thessaloniki, Griechenland.

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Halbmarathon in Jerusalem

Morgen werde ich den Halbmarathon in Jerusalem laufen. Solche Langstreckenläufe beginnen meist um 10 Uhr vormittags. Nicht so in Jerusalem: Um 06:45 Uhr geht es los. Da wundert sich der Biorhythmus.

runners jerusalemAber egal. Ein Lauf über Kopfsteinpflaster aus der Zeit von Pontius Pilatus in einer Stadt mit einem Hügel auf dem nächsten ist sowieso nicht der Ort, um persönliche Bestzeiten zu erzielen. Jerusalem ist eine Stadt zum Genießen, zum Lernen, zum Staunen.

Ein Halbmarathon (21 km) dauert bei mir etwa zwei Stunden. In diesen zwei Stunden in Jerusalem werde ich durch 3.000 Jahre Geschichte laufen; mehr als man in anderen Städten in einer ganzen Woche zu sehen bekommt.

map

Das Ziel liegt im Sacher-Park, was mich auf eine Torte für jeden Läufer hoffen läßt. In den Anmeldeunterlagen findet sich übrigens der Hinweis „Achtung: Im Bereich des Sacher-Parks sind keine Waffen erlaubt“. Das hält den Terroristen von heute aber nicht ab. In Jerusalem ist es zur Zeit in Mode, dass palästinensische „Märtyrer“ ihre Opfer mit dem Auto überfahren. So gehen einstmals stolze Terroristendynastien vor die Hunde. Der Großvater entführte noch Flugzeuge nach Entebbe, der Vater schaffte es bis in eine Strandbar in Tel Aviv, wo er sich in die Luft sprengte, und die heutige Jugend ignoriert rote Ampeln.

Allen Läufern viel Glück morgen!

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Edinburgh

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Vorsicht, Lebensgefahr!

„Vorsicht, Lebensgefahr“ warnt das Schild – anscheinend ohne viel Beachtung zu finden, wie die Hunderte von Gräbern nebenan belegen.

Lebensgefahr(Gesehen auf dem Friedhof von Bari in Italien.)

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Im Dschungel

BambusNa gut, nicht ganz im Dschungel, sondern im beeindruckenden Botanischen Garten von Palermo auf Sizilien.

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Es begann mit dichtem Nebel. (Teil 2)

(Hier findet Ihr Teil 1.)

Der Name des Picknickplatzes – Musolino – erinnerte mich zu sehr an den einstigen Diktator Italiens, aber gerade hatten wir die Nebelzone verlassen, und nach dem Reinfall auf dem Gipfel des Dinnammare waren wir froh um jede Möglichkeit, uns im Wald die Beine zu vertreten.

Wir stellten das Auto ab und schlugen den erstbesten Pfad ein. Ohne Ziel. Dichter Wald, Vögel, ein wolkenverhangener Tag, nicht gerade warm, umgefallene Bäume, ein bißchen Wildnis, und das nur ein paar Minuten von der Großstadt Messina entfernt. Ein Glück, dass der Berg so steil ist, sonst wäre er wahrscheinlich schon lange bebaut.

Aber dann sehe ich etwas durch das Gebüsch. Was ist das, mitten im Dickicht?

house in jungle

Ein Haus, allerdings verlassen. Es ist kein Weg zu dem Haus erkennbar, also muss es schon seit ein paar Jahren verlassen sein. Die Fenster und Türen stehen offen. Die Neugier packt mich, aber ich versuche gar nicht, meine Mutter und meine Schwester davon zu überzeugen, dass eine nähere Untersuchung des mysteriösen Heims eine gute Idee ist.

Zum Glück, wie sich bald herausstellen wird.

Nach 15 Minuten weiteren Fußmarsches finden wir nämlich noch mehr Relikte einer vergangenen Zivilisation. Diese sind nicht nur leichter zugänglich, ja sie liegen direkt am Wegesrand, sie sind auch wesentlich interessanter als ein simples Wohngebäude.

chapel1

Eine Kapelle. Nicht mehr viel übrig von der Innenausstattung. Nur mehr ein einfaches Holzkreuz und zwei Rahmen, die einstmals wertvolle Ikonen geschmückt hatten. Wie ein Signal an die Nachwelt stehen sie symmetrisch hinter dem Altar.

chapel2Wir werden neugierig. Was hier wohl mal war? Wieso es nicht mehr ist? Was wir noch finden werden? Es gibt keine Schilder, keine Tafeln, keine Hinweise, nichts. Auf der Landkarte ist nichts verzeichnet.

Dann taucht das hier auf.

burg1Nun muss ich niemanden mehr überreden. Wir sind alle Feuer und Flamme. Da müssen wir hin! Wir finden ein sehr großes, gar nicht mal sehr altes, mit Burgzinnen und klassischen Bögen verziertes Gebäude, das mir mit seinen Terrassen, seinen großen Fenstern und dem Teich wie ein einstiges Restaurant vorkommt.

Aber jetzt ist alles leer, kaputt und verlassen.

burg2

burg3 burg4Wenn Fenster und Türen so weit offen stehen, ist man fast gezwungen, die derart ausgesprochene Einladung anzunehmen. Sicherheitshalber hören wir uns um. Nichts. Keine Stimmen, keine anderen Laute, keine Kettensägen.

Also treten wir ein. Vorsichtig bewegen wir uns durch die langen Korridore und über die brüchigen Treppen nach oben, Stockwerk für Stockwerk.

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Bis auf ein paar Graffiti, die offensichtlich erst nachträglich angebracht wurden, finden wir keine schriftlichen oder anderen Hinweise auf die einstige Nutzung, auf das Baujahr und erst recht nicht auf die Geschichte hinter diesem Dorf, das hauptsächlich aus einer alten Kapelle und diesem prachtvollen Bau bestand.

burg inside 4Das Internet gibt mir allerdings die Hoffnung, dass sich jemand aus Messina meldet, der die Geschichte hinter diesen Gemäuern erzählen kann. – UPDATE – Und schon hat sich mein allwissender Vermieter aus Sizilien gemeldet und Folgendes erklärt:

Bei dem großen Gebäude handelt es sich um die Villa Rodriquez, die im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts erbaut wurde. Sie gehörte der Rodriquez-Familie gehörte, einer der reichten Familien in Messina, Gründer einer Schiffswerft, die noch immer ihren Namen trrägt, und die das erste Tragflügelboot für die Verbindung von Sizilien nach Kalabrien bauten.

Das Anwesen besteht aus der Villa, der Kapelle, einem Haus für die Angestellten, einem Stall und einem Pool (oder einem künstlichen See), letzterer angeblich in der Form des Kiels eines Tragflügelboots, was man aber schwer überprüfen kann, weil er immer voller Blätter ist. So war es übrigens auch, als wir dort waren. Hier gibt es noch mehr Fotos.

Leopoldo Rodriquez wollte eine Residenz in den Bergen beziehen, um dem Trubel von Messina zu entfliehen (wobei Alessio sich fragt, ob Messina zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich so geschäftig war).

Für die, die Ruinen selbst besuchen möchten, hier die genau Position auf der Landkarte.

(To the English version.)

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Nächste Reise: Israel

Vom 8. bis 22. März 2015 bin ich in Israel.

„… bin ich mal wieder in Israel“, sollte ich sagen, denn das wird so etwa das fünfzehnte oder zwanzigste Mal sein, dass ich Israel besuche. Die letzte Reise liegt jetzt aber schon wieder sechs Jahre zurück.

Warum so oft in das gleiche Land? Weil Israel nicht nur schön, sondern vor allem interessant, vielseitig und facettenreich ist, weil ich jedes Mal etwas Neues erfahre und lerne. Und weil Diskussionen um Krieg und Frieden, um die Zukunft und Identität einer Nation interessanter sind als langjährige Diskussionen über Dosenpfand oder Autobahnmaut.

Hier die vorläufige Planung dieser Reise:

Die ersten paar Tage werde ich in Haifa verbringen. Nach Jerusalem und Tel Aviv gerät Haifa immer ein bißchen ins Hintertreffen. Bisher war ich noch nie länger als ein paar Stunden dort, was mir unangemessen kurz erscheint. Deshalb beginnt diesmal mein Israel-Aufenthalt dort.

Bahai garden Haifa 2

Dann geht es weiter nach Jerusalem, wo ich am 13. März 2015 den Halbmarathon laufen werde. Kein leichtes Unterfangen in dieser hügligen Stadt, aber hoffentlich eine ganz besondere Erfahrung.

Jerusalem dome of the rocks

Danach gehe ich auf Wanderschaft im Norden Israels. Ich werde (als Atheist) den Jesus-Weg und einen Teil des Israel National Trail gehen. Hier sind Zeitplan und Route:

13. März 2015: Fahrt nach Nazareth

14. März 2015: Wandern nach Kanaa

15. März 2015: Wandern über Ilaniya nach Arbel

16. März 2015: Wandern nach Tabgha und Kapernaum

17./18. März 2015: Wahlabend und Ausruhen in Tiberias (Alternative zum Ausruhen: mit dem fahrrad um den See Genezareth)

19. März 2015: Wandern zum Kibbuz Kinneret und Kibbuz Degania (der erste Kibbuz überhaupt)

20./21. März 2015: Wandern über den Berg Tabor zurück nach Nazareth

Capernaum

Den ursprünglichen Plan, ein paar Tage nach Jordanien zu reisen, mußte ich fallen lassen. Für den Grenzübergang bei der Allenby/König-Hussein-Brücke bräuchte ich vorab ein Visum, die jordanische Botschaft in Bukarest hat nie auf meine diesbezüglichen E-Mails reagiert, und zu den anderen Grenzübergängen säße ich einen ganzen Tag im Bus. Schade, vor allem weil meine Visumsgebühr den Kampf gegen ISIS mitfinanziert hätte.

Falls jemand in Israel lebt: Hier ist mein Couchsurfing-Profil mit einer Menge an Bewertungen, so dass Ihr Euch sicher sein könnt, dass ich ein angenehmer und unkomplizierter Gast bin.

(This announcement is also available in English.)

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