Eine Roma-Mutter geht mit ihren beiden Töchtern im Supermarkt einkaufen. Alle in bunter Tracht, mit langen Röcken und Kopftüchern in rot, gelb, lila, blau, grün. Mehr Farben als das Flaggenmeer vor dem UN-Gebäude.
Die Nicht-Roma-Rumänen, deren Politiker von 2009 bis 2011 versucht hatten, die Roma auch offiziell in Zigeuner umzubenennen, weil „die schlechte Behandlung und negative Diskriminierung der Roma ungerechtfertigterweise auch Rumänen betreffen könnte“, sehen die Roma-Frauen schief an, mustern kritisch ihre Kleider, obwohl diese in Târgu Mureș durchaus zum Stadtbild gehören.
Ich zeige mein freundliches und ehrliches Auch-benachteiligte-Minderheiten-verdienen-Freundlichkeit-Lächeln.
Da kommt ein offenbar muslimisches Mädchen mit einem sehr streng gebundenen Kopftuch aus dem hinteren Teil des Supermarkts und geht an der Roma-Familie vorbei. Eine nach der anderen drehen sich die drei Roma-Frauen nach dem Mädchen um, starren ihr nach, den Kopf fast um 180 Grad gedreht, mit offenen Augen und Mündern, wie wenn sie eine Außerirdische gesehen hätten. Die Mutter erklärt ihren Töchtern irgendetwas, wovon ich nur das Wort „Hidschab“ verstehe.
Leonardo DiCaprio, der starb weil sein Schiff einen Eisberg rammte, taucht 17 Jahre später wieder auf, um die UN-Generalversammlung auf eine Politik einzuschwören, die das Abschmelzen von Eisbergen verhindern soll.
Man kann Jahre mit verschiedenfarbigen Feldern zubringen, ohne der Lösung einen Schritt näher zu kommen. Wenn man doch mal kurz vor dem Ziel ist, kommt irgendjemand vorbei und zerstört mit ein paar Handgriffen die Arbeit von Jahren: Der Zauberwürfel.
Man kann Jahre mit verschiedenfarbigen Feldern zubringen, ohne der Lösung einen Schritt näher zu kommen. Wenn man doch mal kurz vor dem Ziel ist, kommt irgendjemand vorbei und zerstört mit ein paar Handgriffen die Arbeit von Jahren: Der Nahe und Mittlere Osten.
Zwei Dinge schrecken Menschen davor ab, tagelang durch die Wildnis zu wandern: Der Gedanke an das Schlafen im Freien und die fehlende Dusche. Dabei kann das Schlafen im Freien je nach Jahreszeit (Mückenzeit ist schlimmer als Kälte) angenehmer, schöner und vor allem interessanter sein als jede Nacht seines Lebens in einem Bett zu verbringen.
Duschen/Waschen/Baden ist auch kein Problem. Selbst mitten in der Natur stößt man immer mal wieder auf eine Badewanne, hier sogar mit einem Hahn für warmes und einem für kaltes Wasser.
Diese Wannesah ich auf Sark, aber es war noch zu früh für ein Bad, so daß ich ungewaschen weiterzog. Ich war auf einer kleinen Insel und dachte mir, daß deshalb an Bademöglichkeiten kein Mangel bestünde.
Und tatsächlich entdeckte ich, als es Zeit wurde, meinen Schlafplatz für die Nacht zu suchen, aus reinem Zufall diesen wunderschönen Ort an der Westküste von Sark.
Ich war allein in dieser Bucht. Im Schein der untergehenden Sonne wusch ich mich im Ärmelkanal.
Es war mein 36. Geburtstag. Kein Kuchen, keine Geschenke, keine Besuche, keine Anrufe, aber das Glück, ein Paradies gefunden zu haben.
Erfahrene Wanderer wissen übrigens, daß nicht das Schlafen oder das Baden im Freien die größten Herausforderungen sind, sondern der schwere Rucksack.
Die Welt blickt diese Woche auf Schottland, wo sich Befürworter und Gegner der Unabhängigkeit noch bis zum Referendum am 18. September 2014 einen erbitterten Kampf liefern. Dabei spielt das Referendum gar keine Rolle mehr. Denn die schottische Regierung wird unabhängig vom Ergebnis der Abstimmung die Unabhängigkeit ausrufen.
Die Beweise dafür, daß die geheimen Vorbereitungen für die schottische Unabhängigkeit schon zu weit gediehen sind, als daß es noch ein Zurück gäbe, sind erdrückend:
Währung:
Ein wesentlicher Teil der öffentlichen Debatte drehte sich um Wirtschaft und Finanzen, und eine ganz naheliegende Frage war: Welche Währung wird ein unabhängiges Schottland haben? Komischerweise wollen viele der Unabhängigkeitsbefürworter das britische Pfund behalten. Die britische Regierung will das nicht zulassen, wobei sie übersieht, daß es nicht leicht ist, jemandem den Gebrauch seiner Währung zu untersagen (siehe das Beispiel des Kosovo, der den Euro als offizielle Währung verwendet).
Aber während meines Besuchs in Schottland konnte ich den tatsächlichen Plan aufdecken. Mehrmals erhielt ich, wohl aus Versehen, schottische Pfund. Millionen dieser Banknoten wurden schon gedruckt und einige davon haben auf verschlungenen Pfaden bereits den Weg in den Zahlungsverkehr gefunden. Es gibt einen regen Schwarzmarkt dafür, und das Geheimnis ist wohl eher ein offenes, denn ich konnte die Scheine in jedem Geschäft anstandslos wieder loswerden.
Fußball:
Die Verwaltungsjuristen auf beiden Seiten, mit denen ich sprach, schienen die Auswirkungen auf den britischen Fußball noch gar nicht berücksichtigt zu haben. Dabei ist das für die Wähler ein extrem wichtiges Thema.
Auch hier sind die Vorbereitungen für die schottische Unabhängigkeit schon weit gediehen: Vor zwei Wochen spielte ein unabhängiges schottisches Team gegen niemand geringeren als den Weltmeister Deutschland. Wie die Mannschaft eines noch nicht existierenden Staates diese Begegnung arrangieren konnte, ist mir schleierhaft. Vielleicht war Deutschland einfach froh, daß sich überhaupt jemand traute, gegen den überlegenen Weltmeister anzutreten. Vielleicht lag es aber auch an den notorisch schlechten Geographiekenntnissen der Deutschen (die meisten verstehen nicht einmal den Unterschied zwischen dem Vereinigten Königreich und Großbritannien).
Militär:
Zwar erwartet niemand einen Krieg, aber als neugeborener Staat mit einer Menge Öl- und Gasvorkommen und einer Nuklearmacht als Nachbar, die bekannt für das Erobern fremder Länder ist, muss man die Landesverteidigung durchaus berücksichtigen.
In den vergangenen Monaten haben schottische Unabhängigkeitskämpfer deshalb mehrere Brigaden einer Schottischen Armee zusammengestellt, die sich mit dem Tag des Referendums offiziell etablieren wird. Mir ist es gelungen, ein Video von einer ihrer Übungen zu ergattern. Es zeigt sowohl die patriotische Entschlossenheit der schottischen Soldaten, als auch die Notwendigkeit der weiteren Professionalisierung dieser noch unerfahrenen Streitmacht.
Grenze:
„Was, Ihr wollt eine Grenze zwischen Schottland und England errichten?“ ist die nur halb im Scherz gestellte Frage, der sich Befürworter der Unabhängigkeit ständig ausgesetzt sehen. „Nein“ sagen die meisten dann, ganz auf der offiziellen Linie. Wenn sie wüßten!
Die meisten anderen Reporter, die sich gerade in Schottland herumtreiben, würden das nie herausfinden, weil sich ihre Recherchen auf die Pubs in Aberdeen und Edinburgh beschränken. Aber ich, investigativ wie Tim aus Tim & Struppi, reiste in die Gegend, in der die Grenze läge. Dort sind keine Städte mehr, kaum Dörfer, nur alle 50 Meilen mal ein Bauernhof. Karge, leere, unwirtliche Landschaft.
Tagelang streifte ich umher, bis ich sie fand: Die Mauer. Im Geheimen wird bereits eine enorme Mauer zwischen Schottland und England errichtet. Hier ein paar Fotos zum Beweis:
Die Mauer ist noch nicht stark bewehrt, aber sie reicht schon jetzt fast von Küste zu Küste. So etwas durchzuziehen, ohne daß es entdeckt wird, ist bemerkenswert!
Sprache:
Nachdem man mehr als 300 Jahre in einem Land zusammengelebt hat, bleibt eine offene Frage, was mit in Schottland lebenden Engländern und in England lebenden Schotten passieren wird. Gemischte Ehen sind zwar noch immer selten (und werden von keiner der beiden Kirchen anerkannt), aber einige Wenige haben sich in das jeweils andere Land gewagt, um dort zu studieren oder zu arbeiten.
Die Schotten haben sich etwas ganz Schlaues ausgedacht: Ihre eigene schottische Sprache. Bereits seit fast einem Jahr lehren sie diese in geheimen Abend- und in Online-Kursen, und mit dem Tag des Referendums werden alle Schotten nur mehr Schottisch sprechen. Dies bildet auch einen wichtigen Bestandteil der schottischen Sicherheitsstrategie, da somit englische Eindringlinge und Spione nichts mehr verstehen werden.
Königin:
Man würde erwarten, daß die Menschen über die Möglichkeit erfreut sind, sich ihrer ungewählten Diktatorin Monarchin zu entledigen, aber die schottische Unabhängigkeitskampagne will die Königin als Staatsoberhaupt behalten. (Lustig wäre es, wenn es zur Abspaltung kommt und England dann ein erfolgreiches Referendum zur Abschaffung der Monarchie durchführt.)
Die Königin hat sich noch nicht dazu geäußert, ob sie überhaupt Staatsoberhaupt eines unabhängigen Schottland werden will. In ihrem hohen Alter ist sie nicht unbedingt scharf auf noch mehr Arbeit. Andererseits ist sie bereits Königin von Jamaika, Tuvalu, Belize, Kanada, Australien, den Bahamas und vieler anderer ähnlich lustiger Länder, so daß eines mehr oder weniger keinen Unterschied macht.
Um sicherzustellen, daß die Königin den Plan nicht durchkreuzt, haben die Schotten die Königin diese Woche auf das Schloss Balmoral in Schottland gelockt. Die Königin ist also schon in Schottland, und die Abriegelung des Gebiets kann jederzeit angeordnet werden (siehe oben unter „Grenze“ und „Militär“), so daß die Schotten die Königin einfach als Geisel nehmen würden, bis sie zustimmt, auch auf ihren Briefmarken und Münzen abgebildet zu werden.
Deutschland verhängt Sanktionen gegen Russland, insbesondere auf dem Gebiet der militärischen Zusammenarbeit. Aber wenn Waffen zu den Kurden im Irak geliefert werden müssen, dann hat Deutschland keine dafür geeigneten Flugzeuge.
Wenn mal wieder eine Sintflut kommt und der Job der Tierrettung an mich fallen sollte, dann habe ich leider nur genug Platz für ein paar Katzen und Eichhörnchen.