Gyula Horn, 1932-2013

Gyula Horn iron curtain

Was ist nur aus Ungarn geworden?

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Ist das nicht ironisch? (7) Entdeckungen

Ob der Tagesschau-Redaktion die Ironie aufgefallen ist, die in der gemeinsamen Anordnung dieser drei Nachrichten liegt? Lauter Entdeckungen lange verschollener Dinge:

NSU Maya(Screenshot von http://www.tagesschau.de vom 19. Juni 2013)

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Keine Spenden für das Hochwasser!

Mit dem Hochwasser in Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik kamen  die Spendenaufrufe mit solch einer Zuverlässigkeit, wie wenn sie schon fertig in der Schublade gelegen und nur auf eine Flut, ein Erdbeben oder eine Chemiekatastrophe gewartet hätten.

Spenden-HochwasserAuf den ersten Blick ist das eine nützliche und gute Sache: Hunderttausende sind vom Hochwasser betroffen, mußten ihre Häuser verlassen, haben keinen Strom, und Sie können mit einer Spende von 10, 20 oder 50 Euro helfen. Wie leicht, wie praktisch!

Beim näheren Hinsehen jedoch, ist eine Spende an die Opfer dieser Flut, vor allem in Deutschland und Österreich, die dümmste Idee überhaupt.

„Was?“, höre ich Sie schockiert ausrufen, vor allem wenn Sie in den betroffenen Gebieten leben. „Was kann falsch daran sein, für die Opfer einer Naturkatastrophe zu spenden?“ Gerne erkläre ich es: Das Problem bei vielen Handlungen, die bei isolierter Betrachtung gut erscheinen, ist, daß keine Handlung isoliert in der Welt steht. Konkreter: Alles Geld, das Sie an die Opfer der Elbe- oder Donau-Flut spenden, ist weg. Sie können es für keinen anderen Zweck spenden. Deshalb konkurrieren alle Möglichkeiten zum Spenden, alle Katastrophen und alle gemeinnützigen Einrichtungen, miteinander um Ihre Aufmerksamkeit und um Ihr Portemonnaie.

Wenn Sie vor der Entscheidung über eine Spende stehen müssen Sie mindestens zwei Faktoren bewerten: Bedürftigkeit und Wirkung.

Bedürftigkeit:

Für ein paar Tage mußten einige Zigtausend Menschen ihre Häuser verlassen, andere haben keinen Strom, können nicht zur Arbeit, haben ihre Autos verloren. Manche Unternehmen sind zerstört.

Das ist schlimm. Aber alle Betroffenen erhalten schnell und zuverlässig Hilfe von der Feuerwehr, dem Katastrophenschutz, der Bundeswehr und so weiter. Zumindest die Betroffenen in Deutschland sind statistisch so überversichert, daß sie von Versicherungen wahrscheinlich mehr bekommen, als sie verloren haben. Und ganz ehrlich, solange im Hochwassergebiet noch Live-Schaltungen möglich sind und der Wahlkampf dorthin verlegt wird, bezweifle ich, daß dies die schlimmste Katastrophe aller Zeiten ist.

Anderswo verhungern Menschen, sterben an Malaria oder sind ähnlichen Fluten ausgesetzt, ohne auf effektive Hilfe ihrer Regierungen und finanzielle Kompensation hoffen zu können. Mir scheint, daß Sie dort zuerst helfen sollten, vor allem wenn man bedenkt daß Deutschland und Österreich unter den reichsten Ländern der Welt sind.

Wirkung:

Ihre Spende wird in Deutschland oder Österreich eine viel geringere Wirkung als anderswo haben, weil das Preisniveau höher ist und die dringendsten Bedürfnisse (Lebensmittel), die am günstigsten zu beschaffen sind, schon abgedeckt sind.

Wenn Sie 100 Euro nach Passau oder nach Magdeburg spenden, wird sich jemand ein neues Ladegerät für sein I-Phone kaufen und für den Rest eine Pizza bestellen. Wenn Sie 100 Euro nach Swasiland, Mali oder Afghanistan spenden, könnte ein Kind davon Nahrung für einen Monat, eine lebensrettende Impfung oder Schulbücher für einige Schuljahre erhalten.

Schlußfolgerung:

Wenn Sie Familien oder Freunde im Hochwassergebiet haben, die betroffen sind, verstehe ich voll und ganz, daß Sie denen direkt helfen möchten. Aber wenn Sie ein außenstehender Spender sind, der sich von etwas Geld für einen guten Zweck trennen möchte, denken Sie bitte nochmal darüber nach und suchen Sie nach einem sinnvolleren Zweck für Ihre gute Tat.

(I wrote a similar article in English after hurricane Sandy devastated parts of New Jersey.)

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Ich lerne Kyrillisch

Obwohl ich seit einem Jahr in Osteuropa lebe, sind meine Sprachkenntnisse nicht besser als die eines Neuankömmlings, der im Zug nach Litauen mal eben ein paar Seiten im Sprachführer gelernt hat. Die böse Kombination von zu wenig Zeit, der weiten Verbreitung fließenden Englischs und des Wissens, daß ich am Ende des Jahres wieder weiterziehen werde, haben keine Situation erzeugen können, in der ich mich zum regelmäßigen Studium des Litauischen motivieren hätte können. Eine Sprache, die nur in einem, noch dazu kleinen und genau genommen sogar schrumpfenden, Land gesprochen wird, hat es schwerer als Englisch oder Spanisch, sich auf der täglichen Prioritätenliste nach oben zu arbeiten.

Nun steht aber für August 2013 eine Reise nach Moldawien, Transdnestrien und in die Ukraine an, wo ich nicht mit der gleichen Verbreitung guter Englischkenntnisse rechnen kann. Anstatt Rumänisch und Ukrainisch zu pauken, werde ich versuchen, bis dahin zumindest Grundkenntnisse der lingua franca Osteuropas (und sogar Zentralasiens) zu erwerben: Ich möchte Russisch lernen.

Wegweiser-kyrillischIch konnte keinen Sprachkurs auftreiben, der es mir so leicht machen wollte, nur zu sprechen und zu verstehen zu lernen, so daß ich wohl oder übel auch die kyrillische Schrift lernen muß. Für meine geplante Reise macht das ja auch Sinn, denn wie sollte ich sonst Wegweiser, Speisekarten oder Warnhinweise in Tschernobyl lesen können?

Als ich im Kindergarten war, brachte mir mein Großvater mal bei, meinen Namen auf Kyrillisch zu schreiben. Diese Kenntnis war neben TBC die zweite Buchstabenansammlung, die er aus dem Russlandfeldzug und der Kriegsgefangenschaft in Jugoslawien (für die Jüngeren: das war mal ein Land in Südosteuropa) mitgebracht hatte. Aber erstens will ich mehr lesen können als nur meinen eigenen Namen, und zweitens habe ich selbst das schon lange vergessen – oder, weil das Wissen indirekt aus einem Angriffskrieg stammte, aus meinem geschichtsbewußten Gedächtnis verdrängt.

kyrillischKyrillisch ist so trügerisch wie eine KGB-Agentin. Man sieht es an, und denkt sich: „Oh, sehr hübsch! Und so viele Buchstaben sind gleich wie in der lateinischen Schrift. Wie leicht! Die wenigen neuen Buchstaben machen es nur exotischer.“ – Vollkommen falsch! Nichts ist wie es scheint, man kann keinem Buchstaben trauen. Das В ist kein B, sondern mal ein W, mal ein F. Das spiegelverkehrte И ist kein N, aber dafür ist das H ein N. Das O ist mal ein O, mal ein A. Das P ist ein R. Das C ist ein S. Das У ist ein U, und X ist „ch“. Das spiegelverkehrte Я hat überhaupt nichts mir R zu tun, sondern wird „ja“ oder „je“ ausgesprochen. Und so weiter, und so weiter. Die Buchstaben und Laute, für die es außerhalb der slawischen Sprachen keine Entsprechung gibt, erwähne ich noch gar nicht.

Angeblich geht die kyrillische Schrift auf Kyrill und Method bzw. deren Schüler zurück. Ich glaube eher, daß jemand das lateinische Alphabet in einen Sack gesteckt und kräftig durchgeschüttelt hat, um es anschließend in vollkommen willkürlicher Reihenfolge neu anzuordnen. Viele Geheimschriften sind weniger vertrackt. Früher dachte ich, daß Georgisch schwer wäre, aber vielleicht ist es einfacher, ein neues Alphabet zu lernen, das einen nicht ständig mit Ähnlichkeiten zu bekannten Buchstaben in die Irre leitet. – Ist es für Russen eigentlich genauso schwer, das lateinische Alphabet zu lernen?

Es folgen die kyrillischen Buchstaben in ihrer jeweiligen Groß- und Kleinschreibung, die Schritt für Schritt in die deutsche Schreibweise inkorporiert werden.

A a

Das ist das „A“. Der Optimismus, der sich bei diesem Anfang erheben will, wird jedoch schon von den beiden nächsten Buchstaben brutal plattgemacht.

Б б

Das ist das „B“. Hm. Schade um das бei ausreichend Phantasie leicht erotische lateinische „B“, aber бei darüбer hinausgehender Phantasie durchaus noch als ein „B“ zu erkennen. Das kleine б könnte leicht mit der Ziffer 6 verwechselt werden, aбer das stört außerhalб des Mathematik- oder Chemieunterrichts nicht.

Gute Wörter zum Üбen des бisher Erlernten: Бarбaren, Бamбus, Бarбier.

В в

Jetzt ist die Verwirrung komplett, schon beim dritten Бuchstaбen! Was ist B, wenn Б „B“ ist? Jedenfalls ist B kein „B“, denn das wäre zu einfach für lange siбirische Scraббle-Winteraбende!

Das B ist ein „W“ vor Bokalen und vor „D“ soвie vor „G“ (man fragt sich, вas Laute вie „WD“ und „WG“ in einer Sprache verloren haben). Vor den üбrigen Konsonanten hingegen ist das B ein „F“ (ähnliche Brage вie vorher, gekoppelt mit der Vorahnung, es mit einer konsonantenreichen Sprache zu tun zu bekommen).

Gute Börter zum Üбen des бisher Erlernten: Beiб, Бienenвaбe.

Г г

Dieser Galgen ist am Bortanfang ein „G“, am Bortende ein „K“ und in гrammatischen Endunгen (so saгt es mein Lehrбuch ohne вeitere Erläuterunгen) ein „W“. Oje. Das kann sich doch niemand merken. Wenn das so вeiterгeht, hat der nächste Бuchstaбe vier verschiedene Aussprachemöгlichkeiten.

Гute Börter zum Üбen des бisher Erlernten: Гulaг, aбвeгiг

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Ist das nicht ironisch? (6) Fass ohne Boden

Spätestens seit 1990 warnten viele Westdeutsche, daß Ostdeutschland ein „Fass ohne Boden“ sei.

Und jetzt beweisen die fünf neuen Bundesländer (die so neu ja nun auch nicht mehr sind), daß sie doch kein Fass ohne Boden sind – sonst würde das ganze Wasser ja flugs ablaufen.

Flut Ostdeutschland

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Leicht zu verwechseln (11) CD mit Rosen

Rosenstolz-CD:

Rosenstolz CD Wir sind am Leben

Rosenholz-CD:

Rosenholz-CD-ROM

Die zweite CD fand ich persönlich besser.

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Ist das nicht ironisch? (5) Alternative für Deutschland

Der Hauptprogrammpunkt der kürzlich neu gegründeten Partei Alternative für Deutschland ist die Rückgängigmachung der Europäischen Währungsunion und damit das Ende des Euro.

Gleich neben den Worten „Schluss mit diesem Euro“ wird auf der Website der Partei um eine Spende von 5 Euro gebeten.

AfD EuroSehr inkonsequent! Warum keine Spenden in DM oder Drachmen?

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Klare Worte des Kanzlers

Helmut SchmidtWas, ein Bundeskanzler redet Klartext? Wann gab es das schon mal? Zugegeben, es ist lange her: 1974.

In einem seiner Bücher schildert der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt ein Gespräch mit dem damaligen ÖTV-Vorsitzenden Heinz Kluncker. Die ÖTV war die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes (jetzt ver.di) und forderte 15% Lohnerhöhung:

„Heinz Kluncker kam zu mir und sagte: „Helmut, ich verlange 15 Prozent.“ Und ich sagte: „Du kannst mich am Arsch lecken!“ (…)

Und dann sagte er: „Dann lass ich die Mülltonnen ungeleert auf den Straßen stehen.“ Da habe ich gesagt: „Dann gehe ich ins Fernsehen und sage dem deutschen Volk, dass du das Oberschwein bist, das für diese Sauerei auf den Straßen verantwortlich ist. Dann wollen wir mal sehen, wer sich durchsetzt.“

Ich wünsche, Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte so auf die Forderungen der Banken nach Milliardensubventionen für ihre Bürotürme, Boni und Luftbuchungen reagiert.

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Ottmar Schreiner, 1946-2013

Das ist konsequent: Die Rente mit 67 immer ablehnen und dann im Alter von 67 Jahren versterben. Respekt!

Ottmar Schreiner

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Ist das nicht ironisch? (4) Piusbrüder

Die Piusbruderschaft ist eine kleine radikale Sekte innerhalb der katholischen Kirche (die für aufgeklärte Menschen oft auch schon radikal genug ist), die Atheismus, die Menschenrechte und einen darauf basierenden religiös neutralen Staat als „Todsünde“ bezeichnet. Etliche ihrer Vertreter leugnen den Holocaust, und auch ansonsten pflegen die Piusbrüder Kontakte zu Rechtsextremisten und Diktaturen, solange diese nur nicht atheistisch sind. Den traditionellen christlichen Antijudaismus halten sie hoch und am Leben. Islam, Homosexualität und Gleichberechtigung von Frauen sind in ihrer Weltanschauung ebenfalls Teufelswerk.

In der aktuellen Ausgabe ihres officiziellen Mitteilungsblattes erklärt diese Piusbruderschaft Homosexuelle nun zu einer „gestörten Minderheit“.

Wenn man sieht, von wem dieser Vorwurf kommt, wird er schon wieder ironisch. „Look who’s talking“ würde man auf Englisch sagen.

Der katholische Priester schreibt weiter, daß man Homosexuellen „wie auf dem Schlachtfeld“ zu begegnen habe. Wer ist hier die wirkliche „gestörte Minderheit“?

"gestörte Minderheit"

„gestörte Minderheit“

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