Bücher und Schuhe

Es wäre keine schlechte Idee, Buchläden und Schugeschäfte zu kombinieren. Dann können wir Bücherwürmer einige Stunden lesen, während unsere von Schuhen besessenen Freundinnen  einkaufen.

Aber ich glaube nicht, dass das die Idee hinter der Dekoration dieses Geschäfts in Las Palmas auf Gran Canaria war.

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Da hat jemand meinen Blog vergessen.

Liebe Verschwörungsfuzzis von Pegida, ich weiß, dass Euer Plakat dadurch noch unübersichtlicher und konfuser würde (was allerdings Euren Gehirnen entspräche), aber ich bitte doch herzlichst um Aufnahme in den schlampig gezeichneten Kreis der am „Genozid“ Mitschuldigen, die anscheinend nur BMW und Porsche, aber niemals VW oder Opel fahren.

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Unsortierte Gedanken (1)

Jeden Tag sammeln sich in meinem Kopf, in Notizbüchern und auf in der Wohnung verstreuten Zetteln Ideen für Artikel, Kommentare zum Zeitgeschehen und Links auf andere interessante Artikel an, die ich mal verarbeiten möchte. Irgendwann. Dazu kommt es dann nie, weil ich am nächsten Tag neue Ideen habe oder nach dem recht teuren Ausflug auf die Osterinsel auch mal wieder arbeiten muss.

Um den Kopf für ausführlichere Artikel und Geschichten freizubekommen, werde ich von nun an einen Teil des restlichen Gedankengeschwirrs alle paar Tage in eine Liste wie die folgende packen. Das entspricht in etwa den Kommentare oder Links, die ich sonst auf Facebook oder Twitter posten würde, aber ich finde, dass auf Blogs meist eine qualitativ höherwertige Diskussion entsteht. Außerdem, aber da beginne ich doch gleich mal mit der Liste:

  1. Ich habe meinen Computer so eingestellt, dass ich bis 13 Uhr und nach 22 Uhr keinen Zugriff auf Facebook, Twitter, YouTube, Tinder, OKcupid und natürlich auf keine Spiele habe. Selbst zwischen diesen Sperrstunden ist der Gesamtverbrauch auf 2 Stunden pro Tag beschränkt. Es ist nämlich erschreckend, zu analysieren, wieviel Zeit man mit all diesen Dingen vergeudet. Kein Wunder, dass ich mit 41 Jahren weder promoviert noch ein Buch veröffentlicht habe.
  2. Überhaupt finde ich es erschreckend, wie sehr man sich selbst ablenkt von dem, was man eigentlich machen will. Andererseits kann man Disziplin und Produktivität auch recht schnell zu einer Routine machen.
  3. Seit ein paar Tagen bin ich in dem Rhythmus, dass ich vor 6 Uhr aufwache und zu schreiben/arbeiten beginne. An einem Tag habe ich vormittags so viel geschafft, dass ich um 11 Uhr das Haus verließ und die Nachbarn mit „buenas tardes“ grüßte, weil für mich gefühlt schon ein ganzer Tag vergangen war.
  4. Zu Al-Bakr: Jeder hat ein Recht auf Selbstmord. Alles andere würde bedeuten, einen Menschen als Mittel zum Zweck, hier der Aufklärung eines Sachverhalts, zu sehen. Das hat uns schon Immanuel Kant untersagt. Diese Selbstzweckformel halte ich für den wichtigeren Teil des Kategorischen Imperativs als die Universalisierungsformel, die bei näherer Betrachtung nicht so viel Sinn ergibt, wie uns im Ethikunterricht weisgemacht wurde.
  5. Philosophie ist übrigens so ein Fach, das ich mit dem mittlerweile gewonnenen Abstand von ein paar Jahre gerne noch einmal studieren würde.
  6. Auf meinem englischsprachigen Blog habe ich mal wieder eine Kurzgeschichte veröffentlicht. Es ist komisch, aber Reportagen und Aufsätze schreibe ich lieber auf Deutsch, während ich für Kurzgeschichten Englisch bevorzuge.
  7. Zu dem Thema: Auf der Osterinsel traf ich einen deutschen Archäologen. Da eine Chilenin dabei war, sprachen wir alle Englisch. Als die Chilenin ein paar Minuten in die Küche ging, fuhren wir auf Englisch fort. Als sie zurückkam, fragte sie verwundert „Wieso sprecht Ihr nicht Deutsch miteinander?“ Übereinstimmend erklärten wir, dass es für (manche) Deutsche irgendwie komisch/uncool/gekünstelt wirke, nach einer Unterhaltung auf Englisch ins Deutsche zu wechseln.
  8. Das Schlimmste an dieser Woche waren ja wohl die Frauen, die Donald Trump gegen Vorwürfe der sexuellen Nötigung verteidigen, nachdem dieser selbst damit geprahlt hat.
  9. Mit Chile habe ich übrigens gerade mein 50. Land bereist. Hier die vollständige Liste. Mir ist es wichtig, dass die Zahl der bereisten Länder immer höher ist als mein Alter. Zur Zeit habe ich also einen gemütlichen Puffer und könnte mich ein paar Jahre ausruhen.
  10. Eine ehemalige Mitbewohnerin aus Arequipa schreibt einen hervorragend amüsanten Blog über Peru. Allerdings auf Französisch.
  11. Ein erstes Foto von der Osterinsel. Bald werden ich so viele veröffentlichen, dass sie Euch zum Hals raushängen.tongariki-from-afar
  12. Nach all den „asymmetrischen“ Kriegen ist es eine fast wohltuende Abwechslung, mal wieder eine vorher angekündigte, große Schlacht um eine befestigte Stadt zu erleben. Den kurdischen Kollegen wünsche ich viel Erfolg. Aber bitte keine Kriegsverbrechen!
  13. Gibt es eigentlich ein anderes Beispiel dafür, dass NATO-Staaten eine Gruppierung/ein Volk unterstützen, die/das gleichzeitig von einem anderen NATO-Staat bekämpft wird?
  14. Früher hieß „postfaktisch“ einfach nur „idiotisch“.
  15. Wenn Ihr als Nicht-Game-of-Thrones-Seher mit Game-of-Thrones-Fans sprecht, bekommt Ihr dann auch den Eindruck, dass diese Serie etwas quasireligiöses hat?
  16. Die BBC arbeitet an einer neuen Dokumentarreihe Planet Earth II. Nach dem Trailer zu urteilen wir das etwas ganz Tolles.

  1. Ich kriege es nicht hin, die Nummerierung der Absätze nach einem eingefügten Video fortzuführen, also ist hier Schluss.

Natürlich freue ich mich über Eure Kommentare. So kristallisiert sich vielleicht auch heraus, welches Thema einen separaten Artikel verdient.

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Video: Schreiben im Pazifik

Ins Schreiben vertieft, bemerkte ich kaum den Tsunami, der hinter mir heranrollte. An der Südküste der Osterinsel:

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Filmkritik: James Bond „SPECTRE“

Dieser Filmkritik wird keine Spoiler-Warnung vorangestellt, weil im jüngsten James-Bond-Film SPECTRE sowieso keine Handlung zu erkennen ist. Er ist eher eine unorganisierte Aneinanderreihung von schlecht geschriebenen und lustlos gespielten Szenen. Wie eine Resterampe, auf der alles verramscht wird, was in den letzten James-Bond-Filmen als Schnittabfall übrig blieb.

Es beginnt in Mexiko, mit einer Szene, die in fast jedem Artikel als „die beste Action-Szene, die es je gab“ bezeichnet wurde, was den Verdacht aufwirft, dass viele Filmkritiker genauso geschmiert wurden wie die Produzenten von Mexiko Stadt mit Millionen dazu bewogen wurden, diese Szene in den Film einzubauen. Denn der Film beginnt nicht fulminant, sondern schlecht. Der Dia de los Muertes, dieses lateinamerikanische Allerheiligenspektakel, wäre eine dankbare Umgebung, aber der Film nützt sie nicht. Die Mexikaner sind reine Statisten, bleiben im Hintergrund, James Bond interagiert mit keinem von ihnen, keiner von ihnen tritt als Person in Erscheinung. Sie sind eine amorphe Masse ohne Individuen. Wie wenn der Film nicht genau weiß, was er mit ihnen anfangen soll.

Man merkt, dass Mexiko Stadt nicht nur die Szene gekauft hat, sondern auch die Schauspielerin Stephanie Sigman, zwischen der und Daniel Craig kein Funke überspringt. Noch schlechter sind die Actionszenen. Die Explosionen, die einstürzenden Häuser und die Blicke aus dem Helikopter sind so offensichtlich computeranimiert, dass man sich fremdschämt. Wenn Actionsequenzen 2015 schlechter aussehen als 1975, dann sollte man sich vielleicht mal wieder auf die damalige Technik besinnen (Tipp: Stuntmänner statt Computerjungs).

Die Filmmusik Writing’s on the Wall von Sam Smith  ist zum Einschlafen. Im Vorspann erscheinen Bilder der Protagonisten aus den drei vorangegangenen Filmen und bestätigen meine Befürchtung: ein weiterer Rückschau- und Rückblenden-Bond, anstatt ein alleinstehender Film. Und dazu eine vollkommen blöde Familiengeschichte, in der Bond und der Bösewicht Blofeld eine gemeinsame Kindheit hatten. Nur dumm, dass dies keinem der früheren Bonds oder Blofelds je einfiel, geschweige denn in den Büchern von Ian Fleming erwähnt wurde.

Monica Bellucci als Witwe eines eben erst Getöteten wird nicht verführt, sondern regelrecht sexuell belästigt. So etwas hatten wir ja schon in Skyfall, wo der ehemaligen Kinderprostituierten das gleiche Los widerfährt. Von der Diskussion um die Grenzen zwischen einvernehmlichem Sex und Vergewaltigung scheinen James Bond, die Drehbuchschreiber, Regisseure und Produzenten nichts zu halten. Der Gesichtsausdruck von Monica Bellucci bringt ihre Gedanken deutlich zum Ausdruck: „Was soll diese Scheiße? Ich hätte solch eine Rolle vor 20 Jahren bekommen sollen.“

SPECTRE Monica Bellucci

„Wann ist dieser Film endlich vorbei? Knallt mich doch bitte jemand ab!“

Nun ist mir durchaus bewusst, dass James-Bond-Filme noch nie durch in sich schlüssige Geschichten bestochen haben. Dass Bond Flugzeugabstürze überlebt, von Maschinengewehrsalven nie auch nur ein einziges Mal getroffen wird, und der Bösewicht am Ende immer seinen Plan preisgibt, daran haben wir uns gewöhnt. Das stört uns nicht. Aber was einem in SPECTRE vorgesetzt wird, ist wirklich eine Beleidigung der Zuschauer. Nicht einmal der halbseidenste rote Faden ist vorhanden.

Bond wird zum mittlerweile dritten Mal suspendiert, behält aber nicht nur seinen Job, sondern kann aus dem MI6-Keller unentdeckt ein Auto entwenden und erhält die Unterstützung von Q, der anscheinend seinen Arbeitsplatz für ein paar Tage in Österreich verlassen kann, ohne dass ihn – trotz Totalüberwachung, dem Thema des Films – jemand vermisst.

Mit eben jenem Auto fährt Bond dann schnurstracks von London nach Rom, wo überhaupt kein Verkehrschaos herrscht, so dass sich Bond und ein Verfolger eine angeblich rasante Verfolgungsjagd liefern können. Dass das einzige Auto, das ihn aufhält, ein Fiat 500 mit einem alten Italiener, der eine Oper hört und mitsingt, ist, zeigt, in welche kitschigen Tiefen dieser Film sinkt.

Als Bond in Rom das geheime Treffen der Geheimorganisation SPECTRE findet, das – ganz geheim – in einem riesigen Palast mit Dutzenden von Luxusautos vor der Tür stattfindet, wird er von Oberhauser schon erwartet. Komisch nur, dass Oberhauser/Blofeld, der sonst an alles denkt und vorausplant, Bonds Wagen einfach so auf dem Parkplatz stehen lässt, damit Bond fliehen kann.

Mr White will sich vor SPECTRE verstecken, baut aber eine Webcam in seinem Wohnzimmer auf, die alles in die SPECTRE-Zentrale überträgt. Im Hotel in Tanger (ich glaube, es ist das aus den mittlerweile besseren Jason-Bourne-Filmen) hat er einen Geheimraum voll mit laufenden Computern, den er aber anscheinend nach jedem Besuch zumauert und von dem das Hotel nichts bemerkt.

Wieso will der für Oberhauser/Blofeld arbeitende Dicke im Zug James Bond töten, wenn Oberhauser/Blofeld ihn doch bereits erwartet? Und in Marokko kann man anscheinend unbehelligt den Zug an der Haltestelle „Geheimes Hauptquartier des Bösewichts in der Wüste“ verlassen, nachdem man die Waggons zerstört hat.

Geredet wird in dem Film nicht viel, womöglich weil dann die fehlende Handlung auffiele. Die wenigen Dialoge sind so etwas von flach („Warum bist Du gekommen, James?“ – „Ich bin gekommen, um Dich zu töten.“ – „Und ich dachte, Du bist gekommen, um zu sterben.“ soll wohl ein billiger Goldfinger-Aufguss sein) und werden vorgetragen wie bei einem Schülertheater. Gerade bei Daniel Craig und Christoph Waltz kam es mir vor, wie wenn sie unter Protest spielten. Christoph Waltz bringt in jeden Talkshow-Aufritt mehr Elan. Ja, selbst seine gedruckten Interviews lesen sich spannender als dieser Film.

Der angeblich so geniale Bösewicht lässt Bond seine explosive Uhr, die dieser trotz Fesselung freibekommt, und die er so zur Detonation bringen kann, dass sie all seine Fesseln auf wundersame Weise sprengt, ihn selbst unverletzt lässt und Blofeld die Gesichtsverletzung verpasst, trotz derer er wenige Stunden später schon wieder aktiv ist. Bond selbst leidet auch keine Sekunde unter dem Schlagbohrer, der ihm vorher das Gehirn zerstört hat. (Die Drehbuchautoren hingegen scheinen diese Methode selbst mit mehr Erfolg ausprobiert zu haben.)

SPECTRE Daniel Craig plane

Abgestürzt und fluguntauglich. Wie der ganze Film.

Bond entkommt, Blofeld lockt ihn wieder in eine Falle, natürlich wieder in London, wie in all den vorherigen Filmen. Wieder wird das Mädchen irgendwo festgebunden, und Bond muss sie retten bevor die aus Goldeneye bekannte 3-Minuten-Bombe losgeht. Zum Glück steht das Boot aus Die Welt ist nicht genug noch fahrbereit in der völlig ausgebrannten MI6-Zentrale, der Schlüssel steckt, der Tank ist voll, und Bond kann einen Helikopter mit einem Schuss aus der Pistole zum Absturz bringen, den Blofeld natürlich erneut überlebt.

Und so weiter, und so weiter. Nichts als schwachsinniger Stuss und dämliche Kopien der letzten Filme. Zum Teil werden die Szenen eins zu eins übernommen, leider jedoch wieder die unlogischsten. Wie schon in der Anfangsszene von Casino Royale merkt der Schreibtischspion nicht, dass seiner Pistole das Magazin entnommen wurde und drückt ab. Wer jemals eine Pistole mit und ohne Magazin in der Hand gehalten hat, wird den Gewichtsunterschied sofort bemerken. So dumm ist niemand. So dumm, die gleiche dumme Szene zweimal zu verwursten, ist leider doch jemand.

Als James-Bond-Fan fällt es mir schwer, solch ein hartes Urteil abzugeben, aber ich kann mich wirklich an nichts Positives an dem ganzen Film erinnern. Spart Euch das Geld, dieser Film verdient keine müde Mark, und die Drehbuchautoren verdienen eine besondere Schmähung.

(Read this review in English.)

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Video: Wohnungssuche in Südamerika

Wie Ihr mitbekommen habt, hatte ich in Südamerika bis jetzt kein großes Glück bei der Wohnungssuche. Insbesondere war es überall zu laut zum Lesen, Schreiben und Denken, geschweige denn zum Schlafen.

Ein Immobilienmakler hat mir schließlich diese Wohnung in Humberstone in Chile vorgeschlagen:

Ich habe sofort zugegriffen.

Die Vermieter waren so nett, mir die Wohnung einzurichten. In der Küche lag sogar eine Schale mit Obst bereit.

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Am gemütlichsten wurde das Wohnzimmer.

wohnzimmer

Das Gästezimmer ist eher spartanisch eingerichtet, verfügt aber immerhin über einen Ofen, an dem Ihr Euch wärmen könnt, wenn Ihr mal vorbeischaut.

ofen

Besonders aufmerksam fand ich, dass meine Bemerkung, dass ich mich schreibend betätige, zur ungefragten Zurverfügungstellung einer Schreibmaschine führte. Endlich kann ich das N mit Tilde tippen: ÑÑÑÑÑÑ.

schreibmaschine

Neben der Stadt gibt es einen arg windigen Hügel, von dem aus ich Euch einen Panoramablick über die gesamte Ansiedlung offerieren kann.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

Ich glaube, Humberstone ist die einzig vollkommen autofreie Stadt in Südamerika. Vorbildlich. Internet gibt es hier allerdings auch nicht.

(Read this in English.)

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Nach dem Hurrikan

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Emma & Timmi

Man sagt, dass Blogs beliebter werden, wenn sie Katzenfotos veröffentlichen.

Zum Glück hat mir meine Mutter diese Fotos ihrer beiden Katzen Emma (braun) und Timmi (grau) geschickt.

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Kon-Tiki

Bei der Vorbereitung meiner Reise zur Osterinsel kam mir natürlich wieder Kon-Tiki in den Sinn, eines der ersten Expeditionsbücher, das ich gelesen habe. Zwar segelte die Crew um Thor Heyerdahl 1947 nicht zur Osterinsel sondern weiter nördlich, doch die zugrundeliegende Frage, ob die Inseln Polynesiens von Asien oder von Südamerika aus besiedelt wurden, betrifft den gesamten Südpazifik.

Die Methodik Heyerdahls ist wissenschaftlich überholt. Heutzutage analysiert man DNA-Strukturen, um Wanderungsbewegungen zu rekonstruieren, anstatt 101 Tage auf einem nicht besonders navigationsfähigen Floß inmitten von Haien, die zur Abwechslung gerne mal einen Skandinavier verspeisen würden, zu treiben. Aber spannender war die Kon-Tiki-Expedition allemal. Nur so wurde ein bis dahin rein wissenschaftlicher Diskurs einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

2012 wurde die Erinnerung an die Expedition wieder wachgerufen als Kon-Tiki in die Kinos kam. Ein eher kitschiger Versuch, die Forschungsreise einer kitsch- und actiongewohnten Generation nahezubringen.

Wer jetzt denkt, das mit den Haien und Walen sei übertrieben, für den gibt es ein tolles Filmdokument: Aufnahmen von der Expedition aus dem Jahr 1947.

Mir war bisher nicht bewußt, dass die Abenteurer/Forscher auch filmten. Daraus entstand ein Dokumentarfilm, der unendlich beeindruckender als die Neuverfilmung ist. Dafür gab es 1952 sogar einen Oscar.

Hier noch ein Ausschnitt:

Um den gesamten Film zu sehen, müsst Ihr aber schon in das Kon-Tiki-Museum in Oslo gehen. Ein Taxi vom Osloer Hauptbahnhof bis zur Halbinsel Bygdøy, wo das Museum liegt, kostet passenderweise genauso viel wie ein Flug zum Tuamotu-Archipel.

1955 kam Thor Heyerdahl dann übrigens doch noch auf die Osterinsel. Auch hier vertrat er die Theorie der primären Besiedlung von Südamerika aus. Einfluss auf die Osterinsel hatter er aber schon vorher. Mit der erfolgreichen Kon-Tiki-Expedition war bekannt geworden, dass einfache Flöße hochseetauglich waren und dass man nur einmal die richtige Strömung erwischen musste, um ziemlich weit zu kommen. Dieses einmal ins Ohr gesetzte Floß ließ die Osterinsulaner nicht mehr los. Einige Familien bauten sich ihre eigenen Schiffe und flohen die 4258 km nach Tahiti.

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(Read this article in English.)

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Paypal ist übersensibel

Wie Ihr wisst, biete ich gegen eine kleine Spende Postkarten von den spektakulärsten Orten der Welt an. Dadurch halte ich meinen Blog am Laufen, und es bringt einen Lichtblick in Euer gestresstes Leben, wenn Ihr eines Abends nach 14 Stunden im Büro eine Postkarte von der Osterinsel vorfindet.

Kürzlich erhielt ich eine Nachricht von Paypal, dass eine der Spenden „verdächtig“ sei und dass dies „untersucht“ werden müsse. Ich dachte, dass ein Leser vielleicht nicht ausreichend Deckung auf seinem Konto hätte, oder dass es sich um einen Drogendealer oder um eine dieser verdächtigen nigerianischen Prinzessinnen handelte, die Millionen verschenken.

Aber nein. Es war nur ein Leser, der den Wunsch geäußert hatte, keine Postkarte aus dem Iran zu erhalten.

Das war Anlass genug für Paypal, ihn zu kontaktieren und zu fragen, was zum Henker er sich dabei gedacht hatte, das Wort „Iran“ in seiner Überweisung aufzuführen. Seine Erklärung, dass er eben eine Postkarte aus jedem anderen Land bevorzuge, reichte nicht aus, um Paypal davon zu überzeugen, dass diese Überweisung nichts mit dem Iran zu tun hatte, nicht aus dem Iran stammte, nicht für den Iran bestimmt war und das 15 $ sowieso kein erheblicher Beitrag zu einem Nuklearwaffenprogramm wären.

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Also lehnte Paypal die Überweisung ab. Der Spender versuchte es noch zweimal, ohne irgendeinen Verewndungszweck, aber beide Male wurde die Zahlung zurückgewiesen.

Wahrscheinlich sind wir jetzt beide auf einer Liste von Terrorverdächtigen.

Paypal, Ihr müsst wirklich ein bisschen lockerer werden.

(Read this in English.)

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